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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-22 · Heft 47 (22.11.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 47 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Hoacharailn Wehorischaun". (Mit Hilfe meines Gottes, dessen Namen ist: Gott, der ist der letzte und war der erste). Der andere Ring trägt die Inschrift aus seiner Untersichtsseite in vertieften Buchstaben und nimmt inhaltlich gleichfalls Bezug auf die Zerstörung der vorherigen Synagoge. Seine Inschrift lautet in Uebersetzung: „Zur Zeit der Zer- . stürung dieses Hauses flössen Tränen aus aller Augen. Aber da sie mich neu erstehen sahen, freuten sie sich." Von nicht geringem Interesse ist ein gleichfalls gut erhaltener Chupohstein in Bockeuheimer Basalt. Dieser Stein befand sich im Hose, in dem die Trauungen stattfanden. Air ihm hat man das Knaß gelegt, indem man an ihm ein Glas zerbrach. Seine abgekürzte Inschrift, lautet in Uebertragung: „Die Stimme der Wonne und die Stimme der Freude, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut." Der letzte Fund betraf einen Sockel in rotem Sandstein. Dieser Sockel ist oben breit und nach unten in Halbrund spitz zulaufend. Er trägt in vertieften Initialen lediglich die Inschrist: „Liruscholojim." Die Form ließ im ersten Augenblick aus eine Sammelbüchse mit der Bestimmung des Ertrags für Jerusalem, schließen. Nach eingehender Erforschung jedoch dürste es sich hier um den Stein handeln, den Joses Aumetz ans Seite 192 beschreibt. Er befand sich im Hose Zwischen Altschul und Neüschul, und in Erinnerung an das zerstörte Heiligtum in Jerusalem setzten sich die Trauernden (Awelim) nach Beendigung des Frühgottesdienstes am Sabbat einen Augenblick auf ihn nieder. Das Alter des Steines muß ein viel höheres sein als das der vorher erwähnten Steine. Gesterretch-Mngarn. ' K. Wien, 15. November. Nächsten Monat finden die Neilwahlen für den Kultusvorstaud der hiesigen Gemeinde statt. Das Zentralwahlkomitee für die Kultuswahlen hat sich bereits Ende vorigen Monats gebildet und mit den Borarbeiten begonnen. Seitens der Zionisten und Jüdischnationalen werden die größten Anstrengungen geinacht, ihre. Parteigenossen in den Vorstand hineinzubringen. Von beiden Seiten wird eifrig Propaganda gemacht für ihre Kandidaten, .und man kann daher aus den Ausfall der Wahlen, die mit einem heftigen Kampf verbunden sein dürste, gespannt sein. — Wie das ehemalige Judenviertel in Prag, soll demnächst auch die Judenstadt in Lieben, einem Vororte Prags, der Assanierung allheimsallen. In der vor einigen Tagen stattgesundenen Sitzung des Stadtrates in Lieben wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, einen Gesetzentwurf und einen Plan für die Assanierung der Judenstadt in Lieben auszuarbeiten. Die Notwendigkeit wird einerseits durch die sanitären Verhältnisse, anderseits durch die Regulierung dieses Stadtteils begründet. — Vor einigen Tagen starb in Krakau, wie" bereits kurz mitgeteilt, der. langjährige Präsident der dortigen Handelskannner Moritz Dattner. Der Verblichene, der auch dem Vorstände der -Kultusgemeinde durch viele Jahre angehört hatte, erfreute sich in ganz Galizien der größten Hochachtung und Wertschätzung. Die Handelskammer in Krakau veranstaltete aus Anlaß des Hinscheidens ihres langjährigen verdienstvollen Präsidenten im Beisein des Vertreters des Statthalters eine imposante Trauerfeier, an der sämtliche Mitglieder der Handelskammer in Trauerkleidung teilnahmen. Die Beerdigung Dattners fand aus Kosten der Handelskammer statt. Telegraphische Beileidskundgebungen trafen aus ganz Oesterreich ein, unter anderem von den Ministern Zaleski, Dlugosz, Förster und Truka. — Aus B u dap e st wird der „Union" geschrieben: Der Leiter der auf die Vereinigung der Neologen und Orthodoxen abzielenden Bewegung, im ungarischen Judentum, Gemeindepräses Dr. Adolf Klein, erklärte, daß das engere Vorbereitungskomitee beschlossen habe, im Januar des kommenden Jahres eure Landesversammlung eiuzüberusen, die in der Frage der Vereinigung und der Autonomie eine Entscheidung treffen solle. Das engere Komitee hat sich über den Antrag Dr. Kleins aus die Grundlage des Ritualkodex des Judentums, des „Schulchan Aruch", gestellt und wird dies auch dem Hunderter- . ausschuß in Vorschlag bringen. Sollte sich der Ausschuß diesem Standpunkte anschließen, wird die einzige Ursache der gewaltsam herausbeschworenen Spaltung Zwischen Orthodoxen und Neologen aushören und der Vereinigung der beiden Lager kein Hindernis mehr im Wege stehen. Bulgarien. z. Sofia, 14. November. Der Kriegskorrespondent des größten ungarischen Tageblattes „Pesti Hirlap" bringt folgenden Bericht aus Sofia. „Die im Königreich Bulgarien lebenden spaniolischen Juden, die durch fanatische Intoleranz aus ihrer Heimat gejagt wurden und in dem einst unter türkischer Herrschaft stehenden Valkanstaat freundliche Aufnahme gesunden.haben, nehmen mit großer Begeisterung Anteil an .dem Befreiungskämpfe ihres Vaterlandes. Es ist eine Tatsache,, daß tausende jüdischer Soldaten im Zeichen des Kreuzes . gegen den Halbmond kämpfen; aber jrotzalledem ist ihre Begeisterung im Kriege „gegen die Unterdrücker der mazedonischen Chri- . sten" eine ungeteilte. Man erzählte sich eine interessante Episode von der Tapferkeit eines jüdischen Soldaten. Wie bekannt, gibt es in der bulgarischen Armee — trotz ihrer hervorragenden Beteiligung an dein großen Schlachtzug gegen Serbien, wo bekanntlich der Bnttenberger seine ganze Armee mit dem Beispiel der jüdischen Makkabäer aneiserte — keinen Juden, der es über den Leutnantsrang gebracht hätte. Dies mag vielleicht damit begründet sein, daß sich die Juden nicht zu stark um diese Laufbahn gekümmert haben. Bei der Schlacht um Mustapha Pascha hatte eine überaus zahlreiche feindliche Abteilung das durch einen jüdischen Leutnant und von einem Major geführte Bataillon überrascht. Der Major wollte ihm, als er sich von der feindlichen Uebermacht an allen Seiten rettungslos eingeschlossen sah, das ihm anvertraute Militär übergeben, als der jüdische Leutnant seine Soldaten mit einer flammenden Ansprache begeisterte und mit „Napred". (Vorwärts) gegen den Feind zum Sturm führte. Er hat den eisernen Ring mit seinen Leuten durchbrochen und kam mit seiner Abteilung zur Hauptarmee, wo er sofort zum Major befördert wurde. Er ist der erste Major der siegreichen bulgarischen Armee. Luszland. z. Petersburg, 15. November. Es dürfte weitere Kreise interessieren, zu erfahren, wie Rußland den Patriotismus der Juden belohnt. Kaum hatte sich in Rußland die Kunde verbreitet, daß der Zarewitsch in Lebensgefahr! schwebe, da waren die Juden allerorten die ersten, welche sich in den Synagogen versammelten, um für die Genesung des Kronprinzen Gebete zu vereichten. Zur selben Zeit erschien ein Erlaß der Kiewer Polizei, durch welchen den jüdischen Soldaten aus dem russisch-japanischen Kriege verboten wird, sich mit Handel und Gewerbe zu beschäftigen, und gleichzeitig-die Konfiskation ihrer Waren angeocdnet wird. Diese polizeiliche Verfügung gründet sich auf eine kreisgerichtliche Entscheidung, welche erklärt, daß die jüdischen Soldaten, die den russisch-japanischen Krieg mitmachten, wohl ein Wohnrecht außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebietes, aber nicht das Recht besitzen, sich daselbst mit Handel und Gewerbe zu beschäftigen. Das Gericht hat sich auf Seite der Polizei gestellt, und so ist aus den seinerzeitigen sogenannten Privilegien für die jüdischen Helden des. russisch-japanischen Krieges ein bloßes Recht zum Wohnen, aber nicht ein Recht zum Leben außerhalb des Ansiedlungsgebiets geworden. So belohntRußland denPatriotismus und die Selbstaufopferung der Juden. — Aus Libau wird hiesigen Zeitungen gemeldet: Der Gouverneur erteilte den jüdischen Exporteuren, welche am großen Libauer Handelskai etabliert sind, den strengen Auftrag, den Winterhafen unverzüglich zu räumen. Ueberöies verbot der Gouverneur, an Juden im Hafen Landung'»- und Geschüstsplütze zu vermieten. Das Börsenkomitee, welches sofort nach Bekanntwerden dieser Verordnung zusammenberufen wurde, beschloß, gegen ' den Gouverneur wegen Mißbrauch der Amtsgewalt an kompetenter Stelle die Klage zu erheben. Es wurde hierbei ausdrücklich hervorgehoben, das die Entwicklung des Libauer Hafens zum großen Teile der Opferwilligkeit und der Rührigkeit der jüdischen Kausleute zu danken sei, und daß die Durchführung der Verordnung des Gouverneurs die Vernichtung wichtiger Interessen der Hafenstadt zur Folge haben müßte. — Für die vierte Reichsduma sind, wie nun seststeht, drei jüdische Abgeordnete gewählt worden. In Kowno wurde der frühere jüdische Abgeordnete Fried mann wiedergewählt. In Kurland wurde Dr. Hurwitz und in Lodz Dr. Bomasz gewühlt. Die letztgenannten zwei Abgeordneten sind in der breiten jüdischen Oesfentlichkeit wenig bekannt, haben sich aber im jüdischen Leben ihrer Wohnorte erfolgreich betätigt. Alle drei jüdischen Abgeordneten werden sich voraussichtlich der konstitutionell-demokratischen Partei, den sogenannten Kadetten, anschließen. Von besonderem Interesse war die Wahl in Warschau, wo bekanntlich die jüdischen Wahlmänner die Majorität hatten. Es erhoben sich sehr gewichtige Stimmen dafür, daß man — ungeachtet des polnischen Terrors — einen Juden wählen solle. Davon wurde, um nicht den Unwillen der Polen zu erregen, Abstand genommen; aber ebensowenig, konnten die Juden sich für die Wahl des Nationalisten' Kucharzewski, eines notorischen Anti-

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