Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- Seite 564 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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seltsames Benehmen, als sie von den Frauen gesprochen hatte . . . Doch dann stand wieder der Augenblick diesen beiden Anklägern gegenüber, in. dem er ihr frei., und ehrlich die Hand gereicht zum Freundschaftsbunde. Sie wollte an ihn glauben! — — — — Endlich — zu den Herbstserien kam er nach Hause. Sie wartete aus ihn. Tagelang. Aber er kam nicht. Bis sie, aufs tiefste gekränkt und verletzt, doch zuerst hinging. Zu seiner Schwester, mit der sie verkehrte. Sie begrüßten sich höflich wie früher als oberflächliche Bekannte. Er war sehr lustig, lachte viel und erzählte ihr dann, als sie zufällig allein blieben, daß Mutter ihm mittags seine Lieblingsspeisen gekocht und Erna ihm heimlich Geld geschickt habe, um seine Uhr auszulösen, die er notgedrungen versetzt hatte. Sie sah ihn forschend an. Also ein Rückschlag? Und Scham, daß er nicht energischer gewesen. Unwillkürlich flüsterte sie: ^,Älso doch wieder." Er hörte es, wandte sich ab und trat ans Fenster. „Haben 'Sie meinen Brief nicht erhalten, Herr Treuen?" fragte sie dann laut. Sie war ganz ruhig geworden. Ihr Blick klar, ihre Stimme gleichgültig. „O — ja!" antwortete er gedehnt. „Nun — und —" kam es jetzt doch heftiger von ihren Lippen. ' Und plötzlich trat er mit ein paar kleinen, schnellen Schritten aus sie zu. Ein merkwürdiges Lächeln war auf dem Gesicht. Ein Lächeln, daß sie noch nie gesehen hatte, das sie aber bis ins Herz traf. „Ihren Brief. Hm ja! Das ist so eine Sache. Sehr stimmungsvoll. Manches ist sehr fein gesagt. Hat meine Phantasie entzückt. Aber das war doch keine Antwort aus meine Ausführungen. Sie haben anders gesprochen, sachlicher, klarer! Und — sagen Sie, Fräulein Lotte, wollten Sie mich bekehren? — Sie — mich? Das war ein Fehler." Er trat ganz dicht an sie heran, daß sie seinen heißen Atem fühlte. Einen Augenblick wurde es ihr dunkel vor den Augen. Dann richtete sie sich hoch auf. „Und warum machten Sie mich auf diesen Fehler, wie Sie es nennen, nicht aufmerksam? Gin Freund den anderen?" Er berührte leichtühren Arm. „Ach Gott, liebes Fräulein," warf er dann leicht hin. „Der Fehler ist ja auch noch gut zu machen. Ich wartete, bis ich nach Hause gekommen. Nun können Sie ihn gut machen, Lotte. Jetzt bin ich da. Aber nicht aus Freundschaft. Nein, das ist zu wenig." Er wurde immer erregter. Und plötzlich umschlang er die Ahnungslose und wollte sie küssen. „Liebe mich, Lotte, du herrliches'Mädchen.' Dann bin ich bekehrt, hörst du?" Aber sie war flammend rot geworden und stieß ihn heftig zurück. Schön war sie, wie sie so stolz und herb dastand in ihrer Mädchenwürde . „Lieben? Nein. Lieben kann ich nur einen Mann, der so denkt und fühlt wie' ich. Der ein ganzer Mensch und ein echter Jude ist, voll Mut und Pflichtgefühl, voll Ernst und Gläubigkeit. Sie kann ich nicht lieben, — nein! Lassen Sie mich!" rief sie, als er sie noch einmal umarmen wollte. Und dann setzte sie, ruhiger werdend, hinzu: „Und nun bitte ich noch um meinen Brief, Herr Treuen. Ich möchte nicht, daß er in andere Hände kommt. Geben Sie ihn mir, bitte." Sie sah ihn fest und gerade in die Augen. Da griff er nach feiner Brieftasche, entnahm ihr die weißen, engbeschriebenen Briefblätter, und reichte sie ihr wortlos./ Nur die Augen senkte er zu Boden, weil er die Verachtung in ihrem ■ ■■ 'Blick und Wesen, nicht ertragen. konnte. Doch allmählich,' während sie nach Schirm und Handschuhen griff, umspielte das gewöhnliche Spottlächeln seine Lippen. Seine Züge' glätteten sich. Sie hatte allen Reiz für ihn verloren. Mit kurzem „Adieu" ging sie zur Türe. Und aus dem Wege dachte sie daran, daß es für zwei Menschen schwer sei, Freundschaft zu halten, wenn sie Mann und Weib sind. Daß da nur die Liebe Ausgleich schafft, und Ergänzung, Hilfe und Beistand. Und daß dieses Problem, wie sie es genannt, von der Natur schon vorher gelöst worden war! „Vorbei," sagte sie und lächelte. Lücheremlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. K. C. Blätter. Monatsschrift der im Kartellkonvent vereinigten Korporationen. 3. Jahrgang. Nr. 2. 1. November 1912. Jüdische Volkslieder: „Dem altw Neb^ns Lied" usw. Buchhandlung „Literatur", Moskau, Marosseika 13. Rabbi Jesus von Nazareth. Ein Versuch zur Klärung von Dr. Siegfried Kawerau. Im Selbstverläge des Verfassers. Berlin 1912. Die Psalmen sachlich und sprachlich erklärt von Dr. Adolf Frankl- Grün. Einleitung. Erstes Buch. Wien 1912. Die Vergangenheit des Krieges und die Zukunft des Friedens von Charles Nichet, Professor an'der Universität Paris. Einzig berechtigte Uebersetzung von Berta v. Suttner. Dresden und Leipzig, Verlag von Heinrich Minden. Preis 1 Mark. A. M. Luncz. Literarischer Palästinn-Almanach für das Jahr 5673 (1912/13). 18. Jahrgang. Jerusalem 1912. Druck und Verlag des Herausgebers. Sexualprobleme. Zeitschrift für Sexualwissenschaft und Sexualpolitik. Herausgeber Dr. med. Max Marcuse. I. D. Sauerländers Verlag. Frankfurt a. M. 8. Jahrgang. Oktober 1912. Die Weltanschauung des Judentums von Rabbiner Dr. Ludwig Pick. Berlin 1912. C. Boas Nachs., Verlagsbuchhandlung, ißerltn C. Jüdische Sprichwörter. Herausgegeben von Dr. Artur Landsberger. 1912. Ernst Rowohlt, Verlag, Leipzig. Die Juden in der katholischen Legende von Dr. Heinrich Loewe, Bibliothekar an der königlichen Universitätsbibliothek zu Berlin. Berlin 1912. Jüdischer Verlag. . SMchsaal. Er k l ärung. Erst verspätet erhalte ich Kenntnis von einem Artikel, der am 9. Juli d. I. in der „Staatsbürger-Zeitung" unter der Ueberschrift: „Wer macht die Revolutionen?" erschienen ist. Darin.heißt es: - „Aber einer hat uns gezeigt, woraus wir unser Augenmerk richten müssen. Es war kein Antisemit, sondern der jüdische Professor Graetz-Vxeslau, der die Ergebnisse seines vielbändigen Geschichtswerkes über sein eigenes Volk zusammenfaßt in dem Satze: Die Revolution ist der Stern Judas. Der mußt es wissen." Dem gegenüber erkläre ich folgendes: Seit mehr als 40 Jahren vergeht für mich nahezu kein Tag, an dem ich mich nicht mit der Geschichte meines Lehrers und Amtsvorgängers beschäftigte. Etwa die Hälfte der Bände habe ich selbst im Laufe der letzten fünfzehn Jahre in . neuer Bearbeitung herausgegeben.- Ich glaube demnach, den Anspruch darauf erheben zu dürfen, daß ich in dem Gesamtwerk Bescheid weiß. Aus Grund dieser Tatsache halte ich den Graetz zugeschriebenen Satz: „Die Revolution ist der Stern Judas", so lange füreine'glatte Erfindung, bis nach' Band und Seitenzahl der Fundort angegeben sein wird. Die össentlichen Blätter bitte ich, von dieser Erklärung Kenntnis zu nehmen und sie abzudrucken. Breslau, Ende Oktober 1912. Dr. M. B r a n n. -