Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1912)
- Date
- 1912-11-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Int Ranren'der deutschen Logen sprach darin' noch Landtagsabgeordneter/ Justiz rot B a er w ald -Brvmberg herzliche Worte des Abschieds. / ' Y. Berlin, 12. November. Am 8. d. M. starb im 70. Lebensjahre Herr David Wolfs. Der Verblichene, der den lebhaftesten Anteil. an allen jüdischen Dingen genommen hat-' war seit 30 Jahren Großsekretär der Logen des Ordens Bne Brith, zu deren Mitbegründer er zählte. Als Sekretär der Großloge hat er ganz außerordentlich verdienstvoll gewirkt. Der Verblichene gehörte auch dem Vorstandedes Vereins für Arbeitsnachweis seit dessen Begründung' an; desgleichen war er Mitbegründer und Vorstandsmitglied der-Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig Zurückgebliebene Kinder in Beelitz seit deren Begründung sowie einer Anzahl anderer jüdischer Vereinigungen. Die Beisetzung des verdienten Mannes erfolgte unter Zahlreichem Trauergeleite am Montag den 11. d. M. An seinem Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Blumenthal die ergreifende Trauerrede. Ferner sprach der Präsident der Großloge, Herr Geheimrat T i m e ndorser, der dem entschlafenen treuen Mitarbeiter an dem großen Werke der jüdischen Logen Worte des Dankes und treuen Gedenkens ins. Grab nachrief. - 2XD Berlin, 12. November. Der Verein für Arbeitsnachweis (Monbijouplatz 10) schreibt uns: Die Unsicherheit der politischen Weltlage/ die anfänglich daS gesamte Wirtschaftsleben und damit auch die Lage des Arbeitsmarktes ungünstig zu beeinflussen drohte, hat im Verichtsmonat Oktober nicht derartige Erscheinungen im Gefolge gehabt, daß man von einer Stagnation oder gar von einer Krise zu sprechen Anlaß hatte. Immerhin war das Angebot an offenen Stellen und damit die Leistnngsmöglichkeit unseres Stellennachweises nicht derartig günstig wie in den beiden Vormonaten. In unsere Vermittlung wurden neu 390 Personen ausgenommen, von denen 343 Bewerbern (darunter 31 mit Sabbatheiligung) die geeigneten, meist dauernden Positionen nachgewiesen werden konnten. Im einzelnen sind 110 Kausleute, 101 weibliche Angestellte und 132 gewerbliche Arbeitskräfte plaziert worden. Unser für alle Beteiligten völlig kostenloser und nach rein humanen Gesichtspunkten geleiteter Stellennachweis könnte noch viel durchgreifender und segensreicher wirken, wennihm von seiten der Arbeitgeber durch umfang-reichere Anmeldung von Vakanzen jeglicher Art eine regere Inanspruchnahme zuteil werden-würdet 's './'s- Rogasen, 8 November. Am 5. Mai ü. I. traten die Vorsteher'und Vorsteherinnen der Vereine in der hiesigen'jüdischen Gemeinde zu einer Beratung-zusammen, in welcher die Notwendigkeit' zur Errichtung eines jüdischen- Siechenheims anerkannt und demgemäß ein Beschluß gefaßt wurde. Das seinerzeit gewählte Gründungskomitee hat fleißig gearbeitet und durch freiwillige Liebesgaben ein Kapital, von über 4000 Mark gesammelt. Inzwischen ist hier der Verein'„Jüdisches Siechen- und Altersheim zu Rogasen" ins Löben gerufen worden, und nachdem das Gründungskomitee beziehungsweise der Provisorische Vorstand dem neuen Verein alle vorhandenen Barmittel überlassen Hatto, fand letzten Sonntag nachmittag unter Lertung des Herrn Rabbiner Dr. Dünner die erste Generalversammlung statt. Herr Dr.' Dünner brachte nach einiger? Mitteilungen über die bisherige Tätigkeit und das beabsichtigte Ziel den Statutentwurs zum Vortrag. Nach geringen Abänderungen wurde derselbe von der Versammlung akzeptiert.' Mittels geheimer ' Zettelwahl wurden sodann zu Vorstandsmitgliedern die Herren Rabbiner Dr. Dünner , Ratmann Ja str o w , Kaufmann S. R u - s ch i n und „Buchhändler R. Eh r l i ch sowie Fräulein Henriette' S ch o d e n gewählt. Als Ausschußmitglieder wurden die Herren Rudolf Vlosse-Berlin, Rudolf Petersdorfs-Posen, Hermann C r a m e r - Frankfurt a. M., B. G 6 rski und Mich. W ach s,. hier, gewühlt. Am Montag den 4. d. M. fand nun die. erste Vorstandssitzung statt, in welcher die Herren Rabbiner Dr. Dünner zum Vorsitzenden und R. Ehrlich zum Schriftführer gewählt' wurden. Die Führung der Kasse wurde dem Vorsitzenden übertragen. Es würde noch über verschiedene Vereinsangelegenheiten' debattiert und unter anderem beschlossen, die Eröffnung des Heims — vorerst mietweise — nach Möglichkeit zu beschleunigen und . den Verein in das gerichtliche Vereins- , register eintragem zu. lassen. . Die edlen Zwecke , des Vereins können - nur. dann in Erfüllung gehen,' wenn dem Unternehmen auch fernerhin' größtes -Interesse, und weitgehendste- Unterstützung entgegengebracht werden! Es ergeht daher auch aus diesem Wege an alle Wohltäter der Menschheit-die Bitte um Gewährung ihres .Scherfleins. Wer dem Verein 100 Mark oder mehr spendet, wird für ewige Zeiten als Mitglied betrachtet und genießt alle Rechte der übrigen Mitglieder.. - - W. Posen, 8. November. Im Alter von 77 Jahren, nach mehrjährigem Siechtums ist die Gattin des Rabbiners der hiesigen Synagogengemeinde Frau Ernestine Feil ch e ms e I b durch einen sansterl Tod erlöst worden- An der Trauer um diese edle Frau -nimmt die gesamte Gemeinde innigen Anteill Die' -Verstorbene hat ihre Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit gern im den Dienst-! verschiedener Gemeindeinstitutionen gestellt und denselben jahrzehntelang ihre bewährte Tätigkeitnutz- und segenbringend gewidmet. Frau Rabbiner Ernestine Feilchenfeld war auch Mitbegründerin und Vorsitzende des Vereins „Frauenhilfe", Unter überaus. zahlreicher Beteiligung seitens der Mitglieder des Vorstandes und der Repräsen.tantenversammlung der hiesigen Synagogengemeinde.' sowie vieler Rabbiner und Gäste von auswärts erfolgte die Bestattung der Leiche. Im Trauerhause sprach zunächst der greise Ehegatte. Aus dem Friedhose hielt Herr Rabbiner Blum die Trauerrede. Derselbe gab ein getreues. Bild von dem gottgefälligen Leben und Wirken der Dahingeschiedenen, deren Verdienste namentlich um die Armen und Notleidenden stets in dankbarer Erinnerung bleiben werden. Herr Direktor Dr.- Feilchenfeld von der Israelitischen Realschule in Fürth sprach im Namen.seiner Geschwister herzliche Worte des Abschreds. — Die Vereidigung der jüdischen Rekruten fand im Beisein einer Abordnung des Osfizierkorps in der Neuen Synagoge statt. Hierzu hatten sich die Vertreter der Gemeinde und viele Gemeindemitglieder eingefunden. Die anwesenden Offiziere ließen sich durch Herrn Manasse. Werner, Repräsentant der Gemeinde, das. Innere des Arou Hakod'esch sowie die darin befindlichen Thorarollen und andere Kultusgegenstände erklärlich machen. Nachdem wurden die Mannschaften von ihren Vorgesetzten in das Gotteshaus -geleitet und dem Allerheiligsten gegenübergestellt. Herr Rabbiner Blum hielt in Vertretung des durch den Trauerfäll in der Familie behinderten Oberrabbiner Dr. W. Feilchenfeld eine gehaltvolle Ansprache, in der er die große Bedeutung des Eides klarlegte, und erwähnte unter anderem, daß Pünktlichkeit, Treue und Gehorsam dem Soldaten nicht fehlen dürfen. Zudem ermahnte der Seelsorger die Mannschaften, eingedenk des Schwurs gegen König und Vaterland auch -dein angestammten Väterglauben treu zu bleiben. Die erhabene Feier wurde abwechsÄrtd durch stimmungsvolle Gesänge seitens des Oberkantors und des Synagogenchors verschönt und endete - mit dem Gebet für Kaiser und Reich. Ander Vereidigung nahmen 32 Rekruten teil. Dieselben wurden auch.auf den hier bestehenden Verein zur „rituellen Beköstigung" hingewiesen. , <v*> Breslau, 8. Noveinber. Am letzten Sonntag vormittag! hatte sich eine Schar geladener Gäste in der Lessingloge eingesunden, , die zunächst von den Herren und Damen des Komitees der für einige Tage bestimmten Bezalel-Ausstellung im kleinen Saale empfangen , wurden. Sodann betrat Maler L a b o s ch i n das Podium, um die Erschienenen : zu begrüßen, aus die Wiederbelebung jüdischer Kunst in Palästina hinzuweisen .und denen.Dank zu sagen, die ihre Dienste dem Komitee zur Verfügung gestellt haben, insbesondere dem Professor Wislicenus und seinem künstlerischen Stabe. Hieraus nahm Hermann Struck, der aus Berlin zu diesem Zwecke hergekomnren war, das. Wort, um in warn: empfundener Rede die Entwickelung der Kunstgewerbeschule Bezälel in Jerusalem.zu schildern, die vor kaum sieben Jahren aus' Veranlassung ihres heutigen Direktors, des bekannten Bildhauers Professor Boris Schatz, begründet, jetzt schon Hunderten von armen jüdischen Männern und Frauen Arbeit und Brot gibt. Jüdische Kunst, das. ist die Kunst, die, von. Juden ausgeführt, Werke herstellt, die ihrer ganzen Art nach jüdischem Bewußtsein und jüdischem Empfinden entsprossen sind, diese Kunst weist 'in allen Kulturländern Zeugnisse ihres Schaffens ' auf; sie, muß auch dort gedeihen, wo sie schon einmal in den Zeiten der Bibel in höchster Blüte stand, und in der Tat hebt sich neuerdings in Palästina -aus den Trümmern neues Leben. Boris Schatz ist es gelungen, seinen Grundsätzen Geltung zu verschaffen, und indem er die arme jüdische Bevölkerung zur produktiven Arbeit erzieht, wandelt er sie aus Bettlern zu Arbeitern und schasst ihr zugleich Arbeitsmöglichkeiten. Allerdings war dies nur zu erreichen durch die Hilfe) die/ihm von vielen Seiten wurde. Große .Gesellschaften zahlen jährliche' Sub- : yentionen. Bedeutende Persönlichkeiten, darunter namhafte Künstler-; sind, in das Komitee eingetreten, das diese Kulturarbeit leitet, und so ist'es gelungen, eine Reihe-von Ateliers einzurichten und tüchtige'Lehrkräfte zu gewinnen, an deren Spitze neben dem Begründer die Herren. Richard und Erich Goldberg stehen. Als'Aufgabe hat sich die Schule gestellt, nicht. Künstler, sondern Kunsthandwerker heranzubilden/ die ihr Gewerbe im eigenen Hause treiben können.. Zu diesem Zwecke .bestehen Ateliers .für Holzbiwhauerei, Elfenbeinschnitzerei, Metall-