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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-08 · Heft 45 (8.11.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76; Jahrgang Nr. 45 .' Berlin, 8. November 1912 ^Erlkage zur „Zkllgemetnen Leitung de§! Jutsentum^". HorrWonden?m und Oachnchten. Deutschland. 'v-'.’ . ' 22 Berlin, 5. November. U e b e r>di.e Emilie - Rudolf - M o s s e - S4 ist u n g in Berlin-Wilmersdorf.versendet der Direktor der Anstalt einen die Jahre 1909 bis 1912 umfassenden Bericht.: Die im Jahre 1895 begründete, vom Direktor Dr. Heinitz geleitete Anstalt hat bekanntlich die Bestimmung,' 100 Kinder, Knaben und Mädchen, vom 6. bis 16. Lebensjahr unentgeltlich aufzunehmen, zu. kleiden, zu verpflegen und zu erziehen. Die Stiftung bildet eine Ergänzung der aus diesem Gebiet bestehenden ähnlichen Anstalten. Sie will im Gegensatz zu den öffentlichen Waisenhäusern nur gebildete, in ihren Verhältnissen zurückgebliebene Familien unterstützen, und gewährt deshalb höhere Schulbildung. Im übrigen sind alle einschränkenden Bedingungen ausgehoben, die sonst die Unterbringung bedürftiger Kinder häufig , erschweren. Es werden hier nämlich Kinder aus ganz Deutschland,/ ohne Unterschied der Religion, ausgenommen, es brauchen nicht /.unbedingt Waisen zu sein, auch Kinder, deren Väter leben, aber erwerbsunfähig sind, können Ausnahme finden. Die Stistungssümme betrug 3100 000 Mark. Nach Abzug der Kosten für Grund und Boden, Gebäude und Einrichtung blieibtder : Anstalt noch, ein Barvermögen von 2)4. Millionen Mark, aus dessen Zinsen die jährlichen Ausgaben in Höhe von ungefähr 80 000 Mark bestritten werden. Die nächsten Aufnahmen finden Ostern 1913 statt, vorzugsweise werden sechsjährige Kinder, deren Schulunterricht beginnt, berücksichtigt. Gesuche sind schriftlich an die Privatadresse des Herrn Rudo l s M o s s e, Berlin 'W, Leipziger Platz 15, zu richten.; 22 Berlin, 5. November. Wir erhalten mit der Bitte um Veröffentlichung nachstehende Zuschrift: Den gütigen. Spendern, welche uns im vergangenen Jahre die'Mittel gewährten, zu Chanukah armen Volksschülern Kleidungsstücke und Lehrmittel zu bescheren, statten wir hiermit innigsten Dank für das uns wiederum bewiesene Vertrauen^ ab. Zugleich geben wir nachstehenden Bericht über, unsere Tätigkeit. Wir empfingen bar: 18 471 Mark und viele wertvolle Textilstofse, Kleidungsstücke, Spielzeug und andere Gegenstände. Ferner von Frau Anna Saberski 1000 Mark, von Frau Anna Jtzig, anläßlich des Hinscheidens ihres Mannes 300 Mark, von Frau Hedwig Lachmann 200 Mark, von Frau Julie Neumann, anläßlich des Hinscheidens ihres Sohnes 200 Mark. Für diese Gaben danken wir den gütigen Spendern noch besonders. Wir verausgabten 21203.91 Mark. 666 Familien mit 1365 Kindern sind berücksichtigt worden, 21 Kinder wurden zurückgestellt. Für die 1355 Kinder wurden durchschnittlich je 16.66 Mark verwendet. Für diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung, Stiesel und Wäsche nach Maß gefertigt. Zur Ausführung unserer Arbeiten beschäftigten wir ausschließlich kleine jüdische Handwerker und erleichtern denselben dadurch ihr - Fortkommen. Die wesentliche Erhöhung unserer Ausgaben, ist eine Folge der allgemeinen Teuerung/. Die Herren Wolfs'Lewin und Sänitätsrat Dr. Otto Wiesenthal unterzogen sich sreundlichst dev Mühe, obige Rechnung an Hand der Belege zu prüfen;-dieselbe wurde richtig'befunden. Wir bitten, unserem Verein auch fernerhin Wohlwollen zu bewahren. Die herannahende Winterzeit erheischt wiederum unsere Hilfsbereitschaft für' die Kinder der Mühseligen und. Beladenen. Die bisher in jedem Jahre sich betätigende Opferwilligkeit unserer Wohltäter gibt uns die Gewißheit, daß wir auch diesmal nicht vergebens bitten werden. Jede der Unterzeichneten nimmt Gäben an Geld, Stoffen, Jugendschristen usw. mit Dank entgegen. Das Komitee für Chanukah-Bescherung. Ehrenmitglied Frau Dr. llngerleider. Frau Julie Neumann, Vorsitzende, Pots-, damer Str. 121 e..Frau Max.Benjamin,.Kaiserin-Augusta-Str. 77. Frau Julius Böhm- Äützowplatz 3. Frau Dr. F r a n k l, Kurfürstenstr. 147.. Frau Dr. G.i ns b erg -Karlsbad 7. Frau Prof. Dr. Grab o w e r, Genthiner Str. 43. Frau Anna I tz-i g, Meinekestraße 24. Frau Justizrat Katsch ke, Alexanderstr. 51-52. Frau Prof. Dr. L i e b e r man n, Bendlerstr. 10. Frau Clara M eher. WichMannstr. 10. Frau San-Rät Dr. M ü h s a in, Kurfürstenstr. 121a. Frau Ellä Ne-U'mann, 'Eharlottenbürg, Sophienstr. 31. Frau Louise O l i v e n, Alsenstr. 111. FräU Louis Oppenheim., Potsdamer Str.''118 a/ Frau Justizrat'Dr:' O p Pen hei rtt e r.,,' Regentenstrüße'2. Frau San.-Rat Dr. Otto W i e s e n t h a it' Karlsbad 4. Frau Dr.- W r e s ch n ar, Müllerstr. 173. ''Frau Hugo R.o s e n t h ä l, Tiergartenstr. 2. Frau Helene Schönw a l d ', Charlottenburg, Bismarckstr. 13. Frau Geh. San.-Rat Dr: Stern, Lützowplatz 9. 'Beiträge-sür'Frau Dr.- Ungerleider zu senden an Frau Siegmund Pincus, Hohenzollernstraße 9. ° F. Berlin, 5 November. In der letzten sehr zahlreich besuchten Sitzung der „W i ss e ns ch ä s t l i ch e nBereinigungjüdischer L eh r er u nd L eh r e r innen" hielt der Vorsitzende, Herr Professor Friedländer einen Vortrag über Psalm 127.. Der Vortragende erläuterte zunächst die Schwierigkeiten, die sich einer befriedigenden Erklärung dieses Psalmen entgegenstellen. Diese beruhen auf dem Verse: „So gibt er seinem Liebling Schlaf", gewöhnlich als ’ „Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf" zitiert. Professor Friedländer gibt eine Uebersicht über die bisherigen Erläuterungen und versucht dann, den Psalm gerade mit Hilfe dieses vielumstrittenen Verses als eine'Einheit darzüstellen und nicht — wie besonders neue Erklärer wollen — als zwei selbständige Lieder. Ferner sprach Professor Friedländer über'die Behandlung des hebräischen Verbums in der Religionsschule. Er weist nach, daß es unnötig sei, das ganze System der verschiedenen sogenannten Konjugütionsformen zu entwickeln; es; genüge, einzelne Worttypen in ihren Aktiv- und Passivformen einzuüben und vor allem solche, die in verschiedenen „Konjugationssormen" verschiedene Bedeutung haben, als besondere Verben zu lernen. An einigen Beispielen wurde die Zweckmäßigkeit dieser Methode veranschaulicht. In der sich an die Vorträge anschließenden Diskussion kam die Ansicht zum Ausdruck, daß die Grammatik nicht als besonderer Lehrgegenstand, sondern nur in Verbindung mit dem Uebersetzen behandelt werden soll. Der Vorsitzende gab sodann bekannt, daß die von ■ der Vereinigung eingerichteten und vom D. I. G. B. und dem Vorstand der jüdischen Gemeinde subventionierten Fortbildungskurse gesichert seien. In diesem Semester werden Herr Direktor Dr. M. Holznmn „Methodik des Religionsunterrichts" und Seminarlehrer Rabbiner Gans „Die Psalmen" lesen. Die Kurse finden Donnerstag um 6)4 Uhr in den Räumen der Knabenschule der jüdischen Gemeinde, Große Hamburger Straße 27, statt. .Jede Lehrperson ist zur Teilnahme an den Kursen berechtigt. Auf Anregung des Kollegen Jacoüy beschließt die Vereinigung, den Vorstand der jüdischen Gemeinde zu bitten, Gelegenheit zur Ausbildung jüdischer Organisten zu schaffen. Aus das 1. Heft der von Dr. Ziegler herausgegebenen „Volksschristen für jüdische Religion", das vor kurzem erschienen ist, wird empfehlend : hingewiesen. Als neue-Mitglieder wurden die Herren Seminarlehrer Sender, Gans und Rosenthäl, -letzterer als 100. Mitglied, ausgenommen und begrüßt. 22'Berlin, 5. November. Der Verein „Freunde der Taubstummen Je di de Jlmim" (Erziehungsanstalt Berlin-Weißensee) versendet an auswärtige Gemeinden folgenden Aufruf: Wie das Mädchen aus der Fremde mit jedem neuen Jahr seinen Einzug - hielt, "so kommen auch wir wiederum anläßlich des bevorstehenden Chanukahsestes mit unserer Bitte: Helsen Sie uns das Los der uns anvertrauten Kinder zu mildern. Ziehen Sie die Kinder Ihrer Gemeinde und Schulen zur Mitarbeit für uns heran, damit sie bei allen denen, die sich ein jüdisches Herz bewahrt und Sinn für alles Edle und Gute-haben, für uns sammeln? 'Bitten aus Kindermund werden gern gehört! Der Erweiterungsbau unserer Anstalt ermöglicht es uns, 60 Kinder in-unserem Erziehungsheim unterzubringen und diesen die Fähigkeit zu geben, mit ihren hörenden Mitmenschen in der Lautsprache zu verkehren. Die soziale Fürsorge ist überall bestrebt, bei der Erziehung der Jugend helfend einzugreisen. Im Hinblick auf die Taubstummen ist dieses besonders ein Gebot der Nächstenliebe, da es sich darum handelt, die von der Natur vernachlässigten Kinderzu. erwerbsfähigen. Menschen heranzubilden. Nicht

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