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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-08 · Heft 45 (8.11.1912) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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der bedeutendste Kanzelredner /Amerikas überhaupt giht.5). Seine Gemeinde,-die sich aus den reichsten Juden Chicagos rekrutiert, hat seine. Ablehnungeinest j Rufes nach/ New Bork da-, durch anerkannt, daß sie ihm.ein Haus geschenkt: und:sein Uehalt artf 20 000 Dollar erhöht hat. Dieser hochgeschätzte Mann^ ließ es sich nicht nehmen, uns selbst die Synagoge zu'zeigen, an der er wirkt und Sonntagspredigt. Wie uns der Präsident Adols Kraus versichert, predigt H. immer vor einem gefüllten Auditorium.- Und einem solchen, wie ein Amphitheater aufgebauten, gleicht auch die Synagoge in ihrem Innern.^Veräußere Stil ist der eines griechischen Tempels, ein Stil, welchen die meisten öffentlichen : Gebäude der . großen' amerikanifchen Städte zeigen: wohin man blickt, korinthische oper jonische Säulen! Diese Synagoge hat mehr als 2000 Sitzplätze. In Zusammenhang mit ihr steht das Schulgebäude,-Ln welchem 550 Kinder Religionsunterricht empfangen, in welchen mehrere Räume sich befinden, die den.Frauenvereinigungen -dieser Gemeinde zur Verfügung stehen. Im Souterrain dieses-Schul- Hauses befindet sich ein Schwimmbassin, in welchem sich, während unseres Besuches eine große Menge, von Knaben , tummelte, während das oberste Stockwerk als Gymnasium, das heißt in Amerika als Turnanstalt eingerichtet . ist. - Chicago besitzt ein jüdisches Krankenhaus — einePrivatstiftung, wie fast alle Krankenhäuser in Amerika — das aus drei Gebäuden besteht: dem allgemeinen Krankenhaus für Erwachsene einschließlich einer Entbindungsanstalt, einem Kinderkrankenhaus und. einer Forschungsanstalt, nachgebildet dem Rockefellerinstitut. Aus dem Dache des Haupthauses,, von dem man einen herrlichen Blick, über den Michigan-See genießt, befinden sich Liegehallen, die von den Kranken hauptsächlich im Winter benutzt werden. Das Haus ist für 600 Kranke-eingerichtet, 21 Aerzte wohnen im Hause. Unter -den zahlreichen Schwestern sind nur sehr wenige jüdische, da der Beruf der Krankenpflegerin bei den jüdischen Damen Amerikas nichtbeliebt ist. Das Krankenhaus hat 3 Klassen, die -erste ist sehr teuer, kostet etwa 40 Mark pro Tag; dafür stehen aber dem Patienten drei Räume zur Verfügung, außer dem Krankenzimmer ein zweites Zimmer für ein Mitglied seiner Familie und ein eigenes Badezimmer. In der 2. Klasse zahlen die Kranken wie per uns 5 bis. 6 Mark, in der 3. Klasse sind zwei Drittel Freibetten. Das. Krankenhaus soll sehr ähnlich, nur etwas kleiner, dem Mount-SinaPHospital in New Port sein, welches als das vollendetste Krankenhaus Amerikas gilt, welches wir selbst leider aber nicht gesehen haben, . weil in New -Bork auf uns Mitglieder der ärztlichen, Studienreise zu viel eingestürmt ist, zu viel Veranstaltungen von den dortigen Aerzten getroffen waren und für diese gewaltige Stadt nur drei Tage zur Verfügung standen. Um wenigstens einen Einblick in die sozialen Verhältnisse der. hier angesammelten. Judenmasfen, die ja bekanntlich aus Osteuropa stammen, zu gewinnen, besuchten, wir am Abend vor Antritt der Heimfahrt noch ein Jiddisches Theater im Ghetto von New Bork. Der Zufall oder vielmehr ein Jüngling geleitete uns von.der Straßenbahn aus anstatt in ein eigentliches Theater in eine Music Hall. Da wir die Darbietungen einer Chansonette und eines Komikers im Jax-gon nicht verstanden, die aber, da sie fortwährend mit Klatschen und Pfeifen bejubelt wurden, dem Publikum wohl gefallen haben müssen, so haben wir letzterem um so mehr. Aufmerksamkeit gewidmet. Wir-müssen gestehen: daß der .Anblick dieses Publikums unser größtes Entsetzen und Mitleid erregte. Wir hatten ja schon oft eine gemischte Gesellschaft von Glaubensgenossen gesehen, aber noch nie eine so konpakte Masse von Juden,, die zweifellos auf der niedrigsten Bildungsstufe stehen. Das traurigste dabei war vielleicht die An- 0 Er vertrat zusammen mit Hermann Cohen auf dem internationalen. Religionskongreß vor. wenigen Jahren das Judentum. w.esenhesipieler-Kinder, die ein..Zerrbild, der,,Künste hi'erpuitgenießenmrußten. Wie furchtbar müß'bie' Volksseele der 'armen Eingewanderten getreten worden sein,' wenn siein per ersten Freiheit an der Kunsteines Tingeltangel niedrigster Art Gefallen findet! ... ' Schließlich, feiert.mirein Paar -3Üorte über düs, .was': wir vom Judentum in ’ Kanada.: sahen, gestattet. Wir - lernten Tovontö und "Montreal kennen, erstere Stadt nur sehr-flüchtig. Auf einer Rundfahrt durch Toronto sahen lvir eine -mönumen-' tatz Synagoge; wir hörten, daß hier 11000 Juden leben. - / Montreal hat unter .600.000 Einwohnern.30 000 Juden, mehrere Synagogen der verschiedensten Richtungen. Wir suchten am Sabbath „Breschith" eine Synagoge auf, die ,im Adreßbuch als „englisch, deutsch und Polnisch" bezeichnet war. Es herrscht, dort der Ritus,unserer Nichtorgel-Shnagogen; ein sehr guter Borbeter waltet.seines Amtes, unterstützt von .einem. Knaben- und. Männerchor. V ' In Montreal befindet sich ferner ein. Institute Baron. de Hirsch, mit einer Schule,- in welcher die Kinder der Einwau-/ derep unterrichtet -werden, einer Bibliothek mit Lesesaah KluL- - räumen und. einer Poliklinik. Am Sonnabend bleiben.- sämtliche Räume geschlossen.' Der Direktor,- den ich zufälligdort traf, teilte mir mit, daß in Kanada -11 landwirtschaftliche Kolonien prosperieren, paß die Kinder, welche hier unterrichtet werden, in zwei Monaten englisch lernen, daß er ein.7 jähriges Kind von Eingewanderten schon nach 5 Wochen die englische Schule besuchen sah. ' ....... Mit diesen Bemerkungen - wollen wir unsere Reisebrlefe schließen in der Hoffnung, daß dieser und. jener Leser daraus die Anregung schöpfen möge, sich weiter in die amerikanischjüdischen Verhältnisse zu vertiefen- und . sie womöglich an. Ort und Stelle zu studieren. . p Sanitätsrat DU Steinthal. Freundschaft. Skizze von A n n ä F r.i e d m a n n - Mandel. H.. HT^r war sich noch nicht klar darüber, was sie wollte.. Ihn ausholen d War sie von seinen Eltern geschickt? Oder — odex. — ein Gedanke kam, ihm zwingend, schwer, aber fast unglaublich, — sollte sie an ihm Interesse haben? Sie,, die stille, .ernste Freundin seiner Schwester, die er kaum beachtet . hatte,...... Man sagt, stille Wasser seien tief! — Nun, er würde, ja^ sehen.--- Abwarten!.— — Zur verabredeten-Stunde a-m anderen Tage, -trafen sie sich. . Sie. begrüßtensich kurz - undy verlegen. Walter wagte nicht, sie anzusehen. -Seine .Vermutung, schien ihm jetzt, in ihrer Nähe, doch ein wenig stark. Und so wartete er daraus, wgs sie ihm zu sagen hätte. . Und auch Lotte-fand, nicht Pas rechte Wort. v; „Wird er mich verstehen?" fragte sie. sich immer- .wieder, während ihr Blick weit, hinausging übex die grünen, blumenübersät.en Wiesen, die goldenen, wogenden Getreidefelder. „Wird er meine Hilfe annehmen als Kamerad,' mir von sich geben, ohne das Weib in mir zu sehendas um des Besitzes willen kommt und sich interessiert?" Endlich sprach, sie. ' Und je mehr die unklaren Gedanken in ihr an Gestalt gewannen, desto eifriger und' überzeugender sprach sie. . „Wir kennen uns schon, lange, Herr Treuen, aber nie ist es mir eingefallen, etwas anderes in Ihnen zu sehen,' als den Bruder meiner Freundin.^ Da errötete'sie. Ach, es war wirklich ärgerlich. Schon der erste Versuch mißglückte. . Sie. sah ihn scheu an, aber er lächelte nur leicht und scherzte. „Ja, —

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