Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- Seite 537 (sequence 9)
- Language
- German
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MmmungsMWr aus 'Von Doro-thecC'M. M''©äjümiier. '' 11 ';’Xlg'IhrS'iinb'i>o‘tt: :;i. it ferner ewig,, gleichen,.. fchtvermutsvollen . Weise rauscht' das..'Meep^uf.ünd.äb^an dey 'Trümnrern der;, verschwundenen. Weltstädte der Vorzeit, , ...... Träte das Meer bei Tyrus und Sidon zurück — eine ganze Stadt von Mauern, Höhlen und Gemächern würde sichtbar werden, die jetzt bewohnt sind von tausenderlei.schlüpfenden, krabbelnden, sich ansäugenden, scharsbewehrten Seetreren und von großen Konchylienheeren, deren Schalen alle Blöcke und Höhlen verkalkt haben. Der felsige Boden, landeinwärts von den verschwundenen Städten ist wabenartig durchlöchert von unzähligen Grabschächten. Aber diese Waben, einst gefüllt, sind nun leer, die kostbaren Puppen vor längen. Zeiten schon geraubt ivorden. Wieviel Organisches mag in dem Staub sein, der den 'Wanderer im Mugaret-es-Setun umwallt! Die Erde der Äecker am Wadi Masraa ist seit Jahrtausenden fett von Bestandteilen, die vor Zeiten Leiber geformt haben. Ahnungsvoll sang ein Dichter des Morgenlandes: „In ferner Vorzeit blühte rosig ein Gesicht,; In dessen Staub wir heute ächtlos treten:" Dieses armselige Volk, dem wir in den Felsentälern und auf dem Acker zwischen Sur und Saida begegnen, es müssen Nachkommen fein jener verschollenen, sagenhaften Männer, der Phönizier, die hier für König Salomo die Zedern zum Tempelbau verschifften, die das Zinn von fernsten nordischen Inseln holten, die Marseille gründeten, die Afrika umschifften und die Götterlehre und die Schrift an barbarische Küsten brachten. ... Nach der einsamen Kulturhöhe> die Tyrus und Sidon irr der Vorzeit innehätten, kam der Abstieg durch . die Jahrtausende bis in unsere Zeit hinab. Die Städte sanken und schmolzen dahin unter dem scharfen Hauch fremder Kulturen. Wo sich vor Zeiten in den Schatzhäusern am Hafen leuchtender Purpur, schillernde Glaswaren, kostbare Webereien, alle Gewürze des Orients, Edelhölzer und Edelsteine austürmten, ist jetzt mooriges Land; wo die gewaltigen Hafenkastelle und der Palast des Schofeten aufragten, ist jetzt hoher klarer Himmel und kreischende Raubvögel über der öden See. Gespenstisch winselt und raschelt das hohe Schilf im Sumpf von Birket-el-Ghere, unter den verfallenen Bogen der phönizischen Wasserleitung. Von den öden verarmten Städtchen Sur und Saida sind der Reichtum, der Wissensdrang und die Fruchtbarkeitskulte der Vorzeit gewichen. Aber wunderlich ist es, daß die Ortsnamen der Vorzeit erhalten blieben — wie im ganzen Palästina! Es find also auch Nachkommen jenes starken Volkes, die heute hier so trüb umherschleichen, sich „Meskihn" nennen und dem Fremden Purpurschnecken zum Andenken seilbieten. „Raach . . . raach! Meskihn!" II. D ä m a s k u s. In der Mittagsschwüle ist am Nachr-et-Tora ein Beduinenhirt eingeschlafen; seine Herde gefleckter langohriger Ziegen umringt ihn in dem blumigen Gras. Die Träume entführen den Schläfer weit, weit in die Vergangenheit seines Volkes. Aus den Träumen leuchten Namen auf, eine Kette klangvoller, großer Namen, die alle mit'6er Geschichte von Damaskus verknüpft sind. Alles zerfiel; alle schwanden. Die Tempel, die Türme, die ^Schlösser und ihre Erbauer. Ihr Staub aber ist noch hier und heftet sich an die Sohlen des Hirten und ihre Geister umschweben ihn. Der Hirt träumt von der alten Herrlichkeit seines j. :-w .; ’i V; jÜp.-V:;ir n .. i Stammes, - von . pen . verklungenen, sandverwehten' Kulturen,': die, aus:der.MM^mmMd, die.-Welt mit Licht erfüllten,,um; duM wieder in den Fernen der Einöde zu schwinden. : .. 'Der. Hirt steht.im Traume seine Urahnen.aus. ihrer, mäch-7; tjjge'n öden-glühenden Heimat sehnsuchtsvoll dem fruchtbaren,-! Damaskus zustrepen. Diesen 'ruhelosen Stämmen, diesen. - Kommenden und Gehenden, .deren Los . darben rund wandern war, galt Damaskus als Verwirklichung ihrer Träume vom Paradies. Die Gärten, Wiesen, Bäche, Fruchtbäume und Vogellieder am Barada waren ein Paradies für sie, die Oede, i Sonnenbrand, Gestrüpp und Felsentäler kannten. . i Wer Damaskus je erreicht und gesehen, erzählte Wunder-' dinge davon den Brüdern incher .Oede. Der Hirt erwacht und nimmt, sich erhebend, seinen Palmenstecken über die Schulter, dieses Urbild aller späteren Hirtenstäbe. Er sammelt seine Herde um sich und wallt hinaus in. das Abenddämmer am Barada. Jetzt wehen die Lüste frischer und alles atmet auf. Der Barada liegt wie ein blaues Band aus dem grünen Sammetgrund der Wiesen. Jenseits des Flusses ein ungewisses Flimmern: die Kuppeln und Türme von Damaskus in goldenen Abendsloren. Die Welt vergeht' in Melancholie; das Lied der Grillen tönt stärker und 'heller in der Ferne. Die Nacht sinkt rasch über dem Lande. ' Hinter Salachie hebt sich ein seltsamer Lichtschein; stärker und stärker. Ein riesenhaftes rötliches Antlitz wird sichtbar... NUn steht es mächtig und goldstrahlend über dem Grabe der sieben Schläfer: Ganz Damaskus schaut aus den Mond hin, . dessen Licht durch die Zweige von Dattelpalmen, Eukalyptus' und Mimosen rieselt. Die Welt am Barada ist unirdisch geworden; eine Welt der ‘ Vergangenheit und des Schlafes. Nkilebriekk. III. An Bord der „Viktoria Luise", 16. 10. 12. In dem beglückenden Bewußtsein, nunmehr der Heimat zuzusteuern, läßt wohl jeder Teilnehmer dieser Studienreise die zahlreichen Erlebnisse in der neuen Welt, das in fast zu großer Menge geschaute Neue langsam an seinem geistigen Auge vorüberziehen.. Jeder bemüht sich, die gewaltigen Eindrücke, von denen er drüben überwältigt war, zu sortieren, wozu bei der gewaltigen Ausdehnung dieses schönen Schiffes jeder, ein ruhiges. Plätzchen finden kann. Wir möchten den Lesern dieser Zeitung noch das mitteilen, was wir nach den Feiertagen von amerikanischen jüdischen Verhältnissen erfahren haben. Von Washington führten uns zwei Extrazüge nach Chicago, nach derjenigen Stadt, welche die rapideste Entwicklung in den Vereinigten Staaten genommen, deren Verkehr in ihrer City selbst denjenigen von Newport übertrifst, welche, eine Ausdehnung hat, die ungefähr der von Berlin bis Potsdam gleicht. Chicago mit seinen ungeheuren großen Parks und seinen zahlreichen breiten Wohnstraßen ist zweifellos eine der schönsten Städte der Welt; dabei soll nicht verschwiegen werden, daß es auch noch Stadtteile besitzt, welche arg vernachlässigt sind, Straßen, die keine Bezeichnung haben und die am Abend kaum beleuchtet sind. Mit einer so rapiden Entwicklung — diese junge Stadt hat jetzt 2^ Millionen Einwohner — kann eben keine Verwaltung Schritt halten. In dieser Stadt bestehen laut Adreßbuch 26 jüdische Gemeinden mit Synagogen und Rabbinern, darunter einige gali- - zische Gemeinden. In Chicago hat der Präsident des Ordens Bne brith seinen Wohnsitz. Seiner Liebenswürdigkeit verdanken wir die Bekanntschaft des Rabbiners Dr. Hirsch, welcher als