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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-08 · Heft 45 (8.11.1912) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
Seite 536 (sequence 8)
Language
German
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Ist' dies Zitat ein würdiger Schluß' für ein E'vinnerürchs-- blätt r an ''einen - so - hochragenden'' Kenner ' und' Freund" -des- Büchs' der Büchtt — der'Bibel 'der' - Lieder - aller ' Lieder — der Psalmen —•? '• Nicht" doch! Der Schluß krönt ÖctW-'3fkrti von David, er bringt die Verklärung, die allen'gilt, dre Tod und Grabesnacht überwältigen im Denken ünv^-Glauben an' ein ewig Ideal, an ein lewitj Heil: „H e i l oder S e k i g k e i t d e'm , des s e n H il s e'I a k o'b'-s'Gd'-t t, dessen' Z'uv'tx sicht d er Ewige!" Dir Inlchrlkten dks sltm Mdenkriedhokes in Wien. Von Dr. B. Münz. (Schluß.) yffiKie Inschrift auf dem Grabsteine des im August 1611 verschiedenen Salomo b. Simeon ist ein klarer Spiegel der herrschenden Vorstellung von der versöhnenden Wirkung des Todes der Reinen für die Gesamtheit, Die Verwertung-des Sühngedankens ist hier durch die traurigen Zeitverhältnisse veranlaßt. In Wien grassierte damals - die Pest,, aber auch sonst hatten die Juden in den vorausgehenden letzten Jahren unter furchtbaren Verhältnissen gelebt. Im Jahre 1600 waren sie von einer Ausweisung bedroht, die, wenn auch nicht ganz, so doch teilweise durchgesührt wurde.. Die Welle scheint sich verlausen zu haben, denn am 22. Mai 1601 fanden die Juden schon wieder den Mut, das alte Mittel zu gebrauchen,, sich aufs Bitten zu verlegen. Nach der Vorstellung der Zeit, welche Verschulden und Leiden unter dem Gesichtspunkte von Ursache, und Wirkung begriff, konnten sie die zur neuerlichen Hoffnung ermunternde Sachlage mit dem Tode „eines Großen aus ihrer Mitte, eines Heiligen Israels" in Zusammenhang bringen. Jetzt muß das Leiden ein Ende nehmen, der Verlust ist zu wertvoll, und „Er wird sich nunmehr seiner Armen erbarmen." Der im Mai 1619 verstorbene Michl Jechiel, der im Verzeichnis der Besteuerten 1614 als der größte Steuerträger erscheint, ist der Vater jener Leonora, von der das Theatrum Europaeum berichtet, daß sie am 17. März 1651 eines gewaltsamen Todes starb. „Zu Wien in Oesterreich", heißt es daselbst, „vor dem rothen Thor / nechst beh der Aufszugbrücken / wurde im Monat Martin die fürnehme und jedermann wolbekandte Jüdin Leonora / als sie in die Stadt gehen wollen / von einem unbekandten Reuter mit 2 Kugeln todt geschossen: Weßwegen außgeruffen wurde/ daß derjenige / so den Thäter ossenbahren würde / 500 Ducaten haben; So aber der Thäter sich selber angeben thäte / ihm tausend Ducaten / und das Leben geschenkt sehn solle / darumb daß man diese That für eine Anstiftung von den Juden selber gehalten." Veit Brod erstrahlt aus dem Grabdenkmal als „Meister der Gelehrsamkeit." Er und Abraham Rieß waren Pächter der vom Grafen Paul Sixt Trautson auf seinem Schlosse. Falkenstein bei Nikolsburg errichteten Münze. Um den Pagamenteinkauf besser handhaben zu können, verlegten sie die Münze nach Wien. In einer gegen sie erhobenen Beschwerde beklagte sich der Münzmeister Fellner über ihre Konkurrenz beim Einkauf des Silbers. Es wurde hervorgehoben, daß die Juden, welche einen geringen Pachtschilling leisten, viel höhere Preise als die kaiserliche Münze zahlen können.. Welcher Art der Einfluß war, den der bekannte reiche Jakob Koppel Fränkl in finanzieller Hinsicht ausgeübt haben mag, welcher Art überhaupt seine in Wien entfaltete Tätigkeit war, könnte erst eine eingehende Durchforschung der Wiener Archive ergeben! Er starb im April 1670!' Erst nach'Verlauf' vonA^äW.ü AöHn iW dse SW^emen-VeM^dMKMnrfteirt setzen, nachdem sie lange vorher, sich, und ihm ein dauerndes, wahrhaft geschichtliches Denkmal errichtet hatten. Sehr ' sinnig sägt Wachsteiti: „Das Eigentum an Friedpössgründen. in' dem Leben jüdischer Gemeinden bezeichnet sonst eiste Aist von Weiterexistenz, ein Zügeftändnis ihrer Würzelfestigkeit und ihrer Bodenständigkeit — der Tod bedingt ein. vorhergehendes Leben/'! . ' „Weder die. Protektion per Großen .noch das Anspornen aller Kräfte, Bitten und Angebot von großen Summen konnten das furchtbare Verhängnis abwenden, das über eine ganze Gemeinschaft hereinbräch. Bis aus den letzten Mann mußten sie die Heimat verlassen. Was sie aber für sich nicht erreichen konnten, das haben sie für Geld und gute Worte für ihre Toten, durchgesetzt,! denn, die Stadt verpflichtet sich den Koppel-Fränklischen Erben gegenüber, die „gehorsambtlich gebeten uns auch hierumb Per 4000 Gulden satisfäction geleistet haben", zum ewigen Schutz des Friedhofs und seiner Denkmäler. — Ein Friedhof, der den Tod einer Gemeinde änzeigt." Als die Söhne, die indes in Fürth eine neue Heimat gefunden hatten, am 22. Juli 1686 ihrem Vater einen schlichten Gedenkstein errichten ließen, war der Stern Samuel Oppenheimers bereits in Wien aufgegangen. An dem Schicksale eines einzigen hing oft das der ganzen Gemeinde ... Unter den obenerwähnten „Jüdischen Privatbriesen" befindet sich eine merkwürdige Epistel, von einem ungelehrten Manne geschrieben, der die ungeschminkte Sprache seiner Natur redet. Der Brief ist typisch für die hohe . Schätzung der Gelehrsamkeit in der damaligen jüdischen Gesellschaft. Der simple Mann,- der mitten im Erwerbsleben steht, dessen Praktiken er kennt, hält seinem Sohn, der ihm durch seine Geldgeschäfte eine bittere. Enttäuschung bereitet, eine derbe Strafpredigt, in der er den Handel mit den verächtlichsten Ausdrücken bezeichnet. Er kann sich gar nicht darin finden, daß sein vor kurzem verheirateter Sohn sich dem Handel, zu dem er ja später noch Zeit haben werde, und nicht dem Studium der. Lehre, in-die Arme wirst. Notgedrungen erteilt er ihm allerdings gleichzeitig gute Ratschläge in geschäftlichen Angelegenheiten. Aber . mit dem Herzen ist er nicht dabei. Diese Hochschätzung der um ihrer selbst willen, nicht zur Erreichung praktischer Zwecke betriebenen Gelehrsamkeit gibt auch den Inschriften des alten Wiener Judenfriedhoses, die wahrhaft menschliche Dokumente sind, das Gepräge. Echter Inhalt des Daseins ist den damaligen Juden die geistige Arbeit. Die Hingabe an eine , Idee ist es, die sie über das dumpfe Ghetto, in das sie eingepfercht sind, hinweghebt. Sie allein macht es begreiflich, daß Menschen, die aus der sie umgebenden Gemeinschaft ausgeschlossen sind, nicht nur ihr Ehrgefühl nicht verloren, sondern es vielmehr in ihrer Welt bis zur höchsten Potenz gesteigert haben, während sonst einer Minderheit das Bewußtsein des Eigenwertes durch allgemeine Mißachtung verloren zu gehen pflegt. Die Gelehrsamkeit fällt aber nur dann in die Wagschale, wenn sie sich, zur Tat verdichtet, wenn Leben und Wissenschaft sich decken. Als die Säulen der Welt gelten Lehre, Gottesdienst und Wohltätigkeit, denn von ihnen hängt der Bestand der Gesellschaft ab. . Die äußerst verdienstliche Arbeit Wachsteins, die von großer Gelehrsamkeit zeugt, nimmt einen sehr breiten Raum ein; der uns vorliegende Band, dem noch ein zweiter folgen soll, hat einen Umfang von 592 Seiten.

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