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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-08 · Heft 45 (8.11.1912) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 45 (8.11.1912)
Date
1912-11-08
Page
Seite 531 (sequence 3)
Language
German
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', Die Ethnologie j>,et vorderasiatischen Völkerschaften ist jetzt restlos gelöst.. In einsamen Tälern des Hochgebirges findet man Sektierer, die alle somatisch ähnlich sind und so aussehen, wie sie vor vielen Jahrtausenden ausgesehen Haben. . Von semitisch Sprechenden kennt'man aus dem Altertum die Babylonier, Asfyrer und die - große Gruppe der Hebräer, Phönizier und Aramäer, die '1000 v. Chr. bte alphabetische Schrift -erfunden. '' - - Die Typen gehen aber auseinander. Man kann eigentliche Beduinen unterscheiden, kleinnasig, langschädlig, und die Syrer mit kurzem, hohem Schädel, großen Nasen. Beide nicht verwandt. .. Nur die Beduinen, sind rasserein, die lange vor Mohammed nach Syrien gekommen und ihre Kultur der vorsemitischen Bevölkerung, von der noch heute Neste vorhanden) aufgedryngt haben. Aus alten Inschriften erwähnt er eine Inschrift, in der diese Hethiter als Ackerbauer genannt werden, die von einer semitischen Dynastie ‘ \ unterjocht sind. Der König dieser Dynastie zeigt aus dem Relief dieselbe 'Schläsenlock-e, wie die . orthodoxen Inden sie noch heute tragen. Was die Schädel der Juden anbetrisft, so haben Messungen hauptsächlich an Lebenden ergeben, daß zwei Typen Vorkommen, einer hoch und kurz, einer lang und niedrig, und dieser Typus findet sich bei.Mischehen beider Typen meistens wieder nein bei den Kindern.Ein Vergleich der .Schädelkurven von Juden, Griechen , und Türken . ergibt dieselben Typen in nahezu, . parallelen Kurven. Man kann daher nicht von . einem jüdischen, sondern nur von einem orientalischen Typus, sprechen. Vortragender ging dann auf die Frage ein, wie die vorsemitische Bevölkerung ausgesehen hat. Sie hatte extrem - hohe, kurze, breite Schädel mit mächtiger Hakennase, wie er an zahlreichen Lichtbildern aus alten Reliefs namentlich aus Sendschirli und Bogashkoi nachweist. Hier findet man auch schon die Schläfenlocken an einem König aus dem ersten Jahrtausend vor Christo, desgleichen auf . einem Siegesmonument Assahadons 'bei einem König von Sidon. Auch der älteste Gesetzgeber Hamurrabbi zeigt den nämlichen Typus, wie ihn ebenso ein Offizier des Königs Savdon aufm eist. Besonders charakteristisch sind Reliefs von Sendschirli aus dem Jahre 1500 vor Cristo, wo noch kein semitischer Einfluß bei den Hethitern vorhanden war. Aus afrikanischem. Boden findet man bei Ramfes II., der eine hethitische Mutterhatte, dieselbe Hakennase und Schädelbildung, die man auch-heute noch bei den Herrschern/der. Neger findet. So findet man einen Zusammenhang nicht nur räumlich, sondern auch anthropologisch der semitischen und hamitischen Gruppen, die mit der indogermanischen auch, darin übereinstimmen, daß sich alle drei zu einem grammatischen Geschlecht aufgeschwungen haben. Än zahlreichen Lichtbildern von Griechen, Armeniern, Türken, Juden aus Jerusalem sowohl 'spaniolischen wie russischen zeigt er dieselben Typen, die auch die alpine. Rasse zeigt, die in vereinzelten Gemeinden abgelegener Täler Savoyens, Graubündens und Tirols, sich rein gehalten hat. Es hat sich demnach auch in Europa ein Urstamm erhalten, der in Vorderasien, vor den Semiten dort gesessen hat. Zum Schlüsse geht er aüf die Zukunft der Juden ein, die nach seiner Meinung 'parallelflaust' der der europäischen Kulturvölker in den Großstädten.. Wie-hier Tuberkulose, Alkoholismus und Syphilis die Städter demrzieren und nur der Zuzug vom Lande neues Blut herb'eischafft, .so geht es den Juden.. Je mehr sie sich vom Ghetto entfernen, um so mehr verlieren sich' ihre sozialen, anthropologischen,' rassehygienischen Eigenschaften. Sie gehen an denselben Seuchen zugrunde, indem sie das musterhafte Familienleben des Ghettos ausgeben-. Hierzu kommt auch bei den großstädtischen Juden das Zweikindersystem, an Herrmann Landsberger. Geboren am 3. Juli 1837, gestorben atu 1: November 1912. dem sie ebenso Anteil haben wie die Christen. Für die Juden ist der unkultivierte Osten das, was für die Großstädte das Land ist. Den Zionismusden er anfangs wenig verstanden, erklärt er fürdenselben fanatischen Hochmut, der die'Antisemiten kennzeichnet. f= “ Christen und Juden haben gemeinsame Interessen; sie kämpfen gegen die Schäden der Kultur. Die Juden sind die Erben einer' uralten ehrwürdigen Kultur, sie sind unsere Mitarbeiter und Streitgenossen um die höchsten Güter der Menschheit, um- Fortschritt und geistige Freiheit. - ~ ' - , Am 1. d. M. ist der Rentier und Handelsrichter?'Herrmann Landsberger im Alter von 75 Jahres gestorben. Der Dahingeschiedene erfreute sich in den weitesten Kreisen der Berliner Bürgerschaft wohlverdienten hohen Ansehens. Ein Mann von weitem Blick und warmem Herzen, immer bereit, sich in den Dienst der Gesamtheit zu stellen, ist Herr Herrmann L a n d sberg er auf gemeinnützigem Gebiet in'umfassender Weise rastlos tätig gewesen bis in die letzten Tage seines, arbeitsreichen Lebens hinein. Noch vor wenig Monaten übernahm er, als der greise Philanthrop Moritz Manheim e r vom Vorsitz der Wohltätigkeitsgesellschaft Magine Reim zurücktrat, opferfreudig die Mühen dieses Amtes; viele Jahre hindurch hat er mit gleicher Hingebung im- Vorstand der alten Gesellschaft der Freunde gewirkt; er war Repräsentant und eine Reihe von Jahren Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde; ebenso gehörte er einer großen Menge Vereinigungen än, die sich der Förderung des Gemeinwohls widmen. Und überall, wo man ihn kannte und beobachten konnte, genoß er verdienter Verehrung und Wertschätzung. Im letzten- Sommer suchte Herr Landsberger von empfindlicher Ueberarbeitung Erholung in Engelberg, kehrte aber, da feine Gattin von einem Unfall betroffen wurde, ungestärkt nach Berlin zurück. Vor kurzem wurde er, gerade als er im -Namen des Vorstandes Herrn Moritz Manheimer das Diplom eines Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft Magine Reim übevbringen . wollte, von einem ernsten Anfall von Herzschwäche heimgesucht. Nun ist er im 76. Lebensjahre — er war am 3. Juli 1837 in Berlin geboren — dahingerafft worden. Sein Andenken wird in Ehren bleiben. Vom 5. bis 10. August d. I. fand in Zürich der internationale Kongreß des „Weltbundes zum Schutze der T re r e-'un b gegen die Vivisektion" statt. Unter anderem'war auch die „Betäubung aller Schlachttiere vor der Blutentziehung" Gegenstand der Beratungen. Nach einem; Vortrag von Fräulein von Konow (Helsingsors) über das „Schächten" wurde ein Beschluß gefaßt, darauf zu bestehen, , daß das Betäuben der Schlachttiere vor der Blutentziehung in allen Fällen vorzunehmen fei, ohne diese Forderung der Humanität durch irgendwelche alte Gewohnheiten abschwächen zu lassen. Ein Herr I. H. Levy (London), ein höherer Zivil-

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