Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1912)
- Date
- 1912-11-08
- Page
- Seite 530 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die Juden für^ sich einen, wesentlichen Änt^il bei' tier - Schüüen im fließenden _ Französisch kalt- > -.-2' k. : ‘r/: ' \ > .•% . MK v,;^^^r4 'S f;-.-.7. Daß dre Juden fürsich.ernen/weseytlichen Mrteil bei der Gestaltung des neuen deutschen Meiches^z^UKnsPruH^^Htzen . dürfen,?.- erhelltaus nachstehendem? WtöÄer . 'tf: Mybel ' in -seiner/’ ,-Begründung^ -deZ hD-euMe^Weiches /dHoch/ Wilhelm. die .Tatsache FwstMdaß-.es, - st eb ^Wst i s H e Ä 6 g'e o r st n e t e ’ L e vi ' Lall? dau war, der in der bayerischen Kammer wariR^fün-den Krieg gegen Frankreich eintvat und erklärte: / Be-pu n'^sind alle Pmlleien .einig. -Provinz weiß/'was ihr beborsteht, . wir--wollen aberdeutsch stein und zunächst mit-den deutschen .Brühern-gehen.". Dreftz^atr-iotische Gesinnung ist um so.mehr . anzuerkennen> da) Herr Simon Levi aus Landau ein.:, reicher. - Gutsbesitzer war, .der beieinem Einbruch' der Franzosen in die Pfalz nur Schaden - und große AnstnnehmlichkeitenHu erwarten hatte.. -- - .: -- .. ' . The o d o r Fon t a n,e, der sich als deutscher Dichter wie als Patriot einen guten Ruf erworben'hat, erzählt in seinem Buche: Deutscher Krieg von 1866 (Band I, S. 143) . . .. „Es war, als ob sie (dre Juden) sich das Wort gegeben hätten, der alten Vorstellung von ihrer Kriegsunlust und Untüchtigkeit ein Ende zu, machen." * , Bemerkenswert ist die. Zahl jüdische r A e r z t e / die in den Krieg zogen.' So zwei Generalärzte, Dr. B.'. K a r.p e l e s - Bayreuth, dessen aufopfernde Tätigkeitdurch das Rrtterkr^uz des Königlich bayerischenMax-Joseph-Ovdens belohnt wirrste, und Dr. Moritz N e u h o f e r - M ü n ch e n.. . Ferner find) viex Öberstäbsärzte aufgeführt, -während an Stabsärzten . nahezy 20 .in der Liste vertreten sind. . Nicht-wenige ster^ Wischen Soldaten kehrten mit, militari-, -. schen Ehrenzeichen j geschmückt, aus wem Felde heim, unter ihnen ,-Dr..-Pi-nkus, der sich in seiner' Stellung als stellvertretender Oberstabsarzt wen, Roten Ästlerorden vierter Klasse mit .Schwertern und das Ehrenkreüz zweiter Klasse des Fürst-) lich Hohettzollern-Hausordens mit Schwertern erworben hat. . In.der Äste jüdischer.• Aerzte...finden^ wir. 'sastmlle Aerzte, die -'.später berüh mte Professonen der Medizinusw. geworden sind. Es genüge,, auf die'Mamen^Bag-inski,. Brieger-,- - Hirschwald, Lassar, Rosenthal, Munk,. Stilling,- Julius Wolfs hinzuweisen. ) . ' . - - - . . Als Stabsärzte haben sich die Judenim Kriege 1870/71. besonders hervorgetan. Die „ M a g d e b u r g. Z e i t it.rt g " gab in einer Beschreibung des Sieges von Loigny eine geradezu begeisterte Schilderung über den Oberstabsarzt Dr.' Rosenthal..-. . „Gleichgültig gegen die schwirrenden Geschosse, lenkt er sein Pferd bis in die Schützenlinie, um dort die ersten Verwundeten, mit Gefahr des eigene^ Lebens sofort zu ver- . binden, und fortzuschassen. General v. Kottwitz muß es wiederholt befehlen, bevor Dr. R. aus dem Sattel steigt.. Indes zum Niederlegen kann er,sich nicht entschließen, obgleich der. General, fürsorglich gebietet: „Aber lieber Doktor, ich muß ernstlich bitten. Es ist wirklich einerlei, ob liegend oder stehend, Jsts einmal^ so. bestimmt-, . dann schützt doch keins von beiden." N i e m a l s. sah man Dr. Rosenthal während des Gefechts in g e b ü ck t e r Haltung oder gar im Schutz der sichern. Stellung. Gleich dem unerschrockenen Führer blieb er aufrecht stehend, stör ,-der Front — im stärksten Kugelregen. , . . Nicht minder, glänzt sein ritterliches Verhalten da er dem Feinde schutzlos' entgegentrat. Es wird ihm gemeldet, daß die Franzosen.'gegen : alles Völkerrecht eine große Anzahl, deutscher Verwundeter als Gefangene behandeln und nicht herausgeben wöllem Nur von einer Ordonnanz begleitet, begibt' er stch'sofort ,zur- Stelle und -verlangt -.unter' -'Berufüng7aüsi - die Genfer Konvention die Freilassung der Verwundeten.' Äls.^ Antwort, ergeben zehn,- zwölf ' Mann, ihr Gewehr, 'schüß- -ferM..,;.gegeti;We'n kühnen.. Sprecher.. Die deutschen Krieger ' und Lazarettgehilfen i zittern um sein Leben. Er aber blickt verachtend ' auf die drohende Gefahr und ruft dM hewMnlosen. Schützen irp fließenden Französisch kalt- - ..'blütig entgEsten: „Ihr wollt,'Soldaten stinb .Ehrloses-erhärni- .^licheA^ Gesindel, .strge^ Kanastlen .seid^Jhr! Weiter' .nichts! ^^chitzßb stoch, werm Ihr den Mut dazu habt!"'' Kein^Schuß; ^'fällt: ^Langsam senken sich die Gewehre. Der' ßsterwältigende J siMche Einst, die kalte' Mnerschrockenheit hat' die fgnatisiert'en Marodeure entwaffnet." < .... . : Auswiesen hier mitgeteilten Einzelfällen, denen sich sch^ - vield^anreihen-ließen/ wcts" st er knappe Raum jwoch verbietet, '- geht> bis. zur Evidenz hervor, daß die jüdischen Soldaten^ünd Militärärzte nicht nur rm vollsten. Sinne ihre Pflicht''Kfüllt- -sonder-n--es/'..-d.enr<übvigen-. Kombattanten' gegenüber - niemals an Mut, Kaltblütigkeit und Verachtung jeder Gefahr gleich- -get'än' haben? ' '' ' ' . - -- - -■ -— Als nächste Pflicht-müßtees der Reichstag betrachten, - diesem. tüchtigen.Material unterden deutschen Staatsbürgern ' jüdischer-Konfession -zu seinem Recht zu verhelfen. Das deüt- . sche ''Heer v k Hie r t" durch die' Ausschließung der jüdischen '- Sanitätsoffiziere -und Ofsiziersaspiran.ten eine wertvolle Hilfe " im Kriege und ebenso im Frieden. Es schneidet sich ins eigene . Fleifch damit. Bit Woche. B e r l i n, - 5. November. 1912. ie Berliner jüdische Gemeinde hat ein sehr erfreuliches Ereignis:zu verzeichnen: .-Dievor kurzem eingewei^te Synagoge' in "der Fasanenstraße zu Eharlottenburg, die Win Werk des Architekten Hessel'ist, erhielt, wie von der l Tagespresse^ bereits mitgeteilt, am 31. Oktober nachmittag den: Besuch des K a ifers. Um 2% Uhr traf der Kaiser - im offenen- Automobil vor der Synagoge ein. . Zum ' Empfang hatten sich der . Vorstand der jüdischen ' Gemeinde, die Herren I a c ob i,' Kommerzienrat Eis ' ner, Sanitätsrat! Dr. Stern/ . ferner Dr. . James Simon eittgefunden. -Nacheiner kurzen ' Begrüßung begab -sich der Kaiser in das Innere des' Gotteshauses, - wo er dieeinzelnen Räume und besonders wen Trausaal be- : sichtigte. Der Kaiser, in dessen Gefolge sich Geheimrat : v. V al e n t i ni und zwei Flügeladjutanten befanden, ließ sich zunächst die hebräischen Inschriften über der. Tür übersetzen, sprach sich über den Bau sehr lobend aus und erklärte, daßws einer der schönsten sei, den er je gesehen habe. Er ließ. . sich darauf das A l l e r h e i l i g st e zeigen und eine T h o r a . aufwickeln, wobei er sich einen Abschnitt aus dem Gesetzbuch vorlesen und erklären' ließ. Der Besuch galt auch der Besich- . tigung der Gipsmodelle für' die - Wandbekleidung im Trausaal, die-aus Cadiner Kacheln hergestellt werden soll. Der Kaiser war mit den Modellen einverstanden ünd machte bei dieser Gelegenheit einige.'allgemeine Bemerkungen über'die Wirkung von Majolikaflächen. Der Kaiser besichtigte auch die . Glasmalereien im Trausaal der Synagoge. Zum Schluß unterhielt sich der Kaiser im Vorraüm noch einige Zeit mit Dr. James Simon und anderen Herren vom Vorstand der; jüdischen Gemeinde und verließ kurz nach 3 Uhr die Synagoge. Im Zentralverband deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach vorigen Dienstag abend der -Berliner. /Anthropologe Dr.w,. Lüsch an über die Rassenzugehörigkeit der Misten. Der Vortragende ging'von der Frage aus, wie verhalten sich die Juden zu den Semiten/ und wie diese zu den änderen Rassen,'wobei er gleichzeitig hervorhob, daß. der Rassebegriff ein sehr unklarer ist und es überhaupt fraglich ist, ob es. irgendwo eine reine Rasse gibt. Er führte nach einem Bericht der „Vofsischen Zeitung" folgendes aus: . -