Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 1. November 1912 Vrr Gemeindebote. Vetlase zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". SorrrlpondenHM und Mschrtchten. Deutschland. y. Berlin, -27. Oktober. Die Repräsentantenversammlung nahm heute nach/Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung zunächst einige geschäftliche Mitteilungen entgegen. Der Vorstand ist den Beschlüssen bezüglich der Anstellung von. zwei Beamten für die Synagogenbaukommission beigetreten. In der vorigen Sitzung wurde bekanntlich im Gegensatz zu dem weitergehenden Anträge des Gemeindevorstandes beschlossen, das Maximalgehalt des anzustellenden S ch u li nsp e.kt o r s ans 12000 Mark festzusetzen. Der Gemeindevorstand teilt nun mit, daß er zu diesem Beschluß noch keine Stellung genommen und daher die Ausschreibung der Stelle eines Schulinspektors ohne Angabe der Gehaltsbezüge vorgenommen hat. Von Herrn Leopold B a d t ist ein Dankschreiben für die ihm seitens der Versammlung übermittelte Gratulation anläßlich seiner' silbernen Hochzeit eingegangen.- Herr Rentier Selig Wolfs hat der Altersversorgungsallstalt zur Verrichtung des Kaddischgebetes für ewige Zeiten den Betrag von 500 Mark zugewandt. . Die Versammlung nimmtdas Vermächtnis an. Ebenso finden die Zustimmung der Versammlung, die folgenden Zuwendungen: Frau Frieda Rosenberg geb. Magnus und Herr Hugo Rosenberg haben der Gemeinde ein Kapital von 12 000 Mark zur Errichtung einer dem Andenken des Bankiers Eugen Rosenberg gewidmeten Stiftung zur Verfügung gestellt, und zwar für arme kranke jüdische Kinder. — Von dem verstorbenen Rentier G u st a v L u d w i g G o t t s ch a l k sind zur Errichtung, einer nach ihm zu benennenden Stiftung'der- Gemeinde letztwillig 60 000 Mrarkzugewandt. Die Zinsen sollen für bedürftige jüdische Knaben oder Mädchen, die bereits die Schule verlassen haben und sich zu einem Berufe vorbereiten oder sich in ihrem Berufe fortbilden wollen, Verwendung finden, hauptsächlich für solche, die sich früher in der Waisrnpflege der Gemeinde befunden haben. Auf eine Anfrage des Vorsitzenden Louis Sachs, ob diese Stiftungen zur Verwaltung gleichfalls der StistungskomMission würden überwiesen werden, erwidert Herr Justizrat L i l i e n t h a l, daß zwar ein Beschluß des Vorstandes noch nicht vorliegt, er aber nicht zweifle, daß die Verwaltung dieser Stiftungen der Stistnngskommission übertragen werde. . Der Zuwendung des Herrn Selmar L e,w y in Höhe von 4000. Mark zur Errichtung einer Stiftung für hiesige gebildete, jüdische Mädchen, die lungenkrank-sind, stimmt die Versammlung zu, und zwar mit der Bedingung, daß diese Stiftung, deren Spiritus reetor der Referent Herr Emil Pincus ist, dem Fonds für verschämte Arme überwiesen wird. Ferner stimmt die/ Versammlung der Annahme der. Zuwendung des Herrn Joses G a r - b a t y - R o s e n t h a l in Höhe von 15 000 Mark zur inneren Ausstattung des Vetsaales in d e m Ne u b a u d e s II. War s e u h a u s e s zu und desgleichen der Annahme, der . Zuwendung der'Frau Professor C e c i l i e Liebe r m a n n in Höhe von 12 000 Mark zur Errichtung einer Cecilie-Liebermann-Stistung für das Krankenhaus. — Zur Errichtung einer.B I u m e nhal l e auf demFriedhof in. Weißensee loaren am Anfang des Jahres 36 000 Mark bewilligt worden. Die Friedhofskommission hatte von einer Vornahme dieses Baues wegen der Unsicherheit über die Anlage der Zufahrtsstraßen zum Friedhof Abstand genommen. In Rücksicht darauf, daß ein Warteraum für das Publikum dringend notwendig sei, sollen jetzt zum Bau zweier Pavillons, in deren einem die Blumenhalle untergebracht, der andere unter anderem auch den Warteraum enthalten soll, 23 600 Mark jenem seinerzeit bewilligten Betrage von 35 000 Mark entrrommen werden. Die Versammlung stimmt dem zu. Es. folgten dann eine Reihe von R ech n ung s abs chlüssen, von denen wir.nur folgende Mitteilen: Aus dem Rechnungsabschluß! der Fürsorgekommission pro 1911/12 ist. ersichtlich, daß die Einnahmen sich auf 16 267,70 - Mark, die Ausgaben aus ~ 22 331,88 Mark ' beliefen, so daß ein. Mehrverbrauch von 6064,18 Mark . zu . verzeichnen ist. Der. Reserent Aron .Hirsch weist darauf hin, daß schon in den letzten Jahren sich stets ein Mehrverbrauch, gezeigt habe, der aus die erhöhte Tätigkeit der Fürsorgekommisision für die Jugendlichen zurückzuführen ist. Der Mehrverbrauch wird bewilligt und die Entlastung erteilt. Aus dem Rechnungsabschluß des Krankenhauses pro 1911/12 sei erwähnt, daß die Einnahmen einschließlich des Gemeindezuschusses in Höhe von 120 540 Mark insgesamt 323959,54 Mark, die Ausgaben aber 329 325,69 Mark betrugen, so daß sich ein Mehrverbrauch von 5356,15 Mark ergibt. Der Rechnungsabschluß wird dechargiert, ebenso der der Baukommission, der ein Erfordernis von 172 377,65 Mark ausweist. — Das Vorstandsmitglied der alten Synagoge Herr Arthur S e eg a l l wird an Stelle des verstorbenen Herrn Max L i ch t e n st e i n zum Mitglied der Kommission für die festgottesdienstlichen und mu-stkalischen Angelegenheiten gewählt. — Von der Sübventionskommission ist dem Vorstand der Gemeinde der Entwurf von Satzungen und einer Geschäftsordnung für die Sübventionskommission unterbreitet. Der Gemeindevorstand hat dem ihm vorgelegten Satzungsentwurf und der Geschäftsordnung bis auf drei Punkte seine Zustimmung erteilt. Danach sollen der' Subventionskommission nicht , vier, sondern -acht Gemeindemitglieder angehören und zur Beschlußfähigkeit nicht fünf, sondern sechs Mitglieder -erforderlich sein. Ferner soll ein Passus gestrichen werden, der die Kommission zu einem. Voranschlag derjährlichen Einnahmen und Ausgaben verpflichtet. Die Streichung dieser Bestimmung hat der Vorstand aus der Erwägung vorgenommen, daß die Sübventionskommission ja über eigene Mittel gar nicht zu verfügen hat. Der Entwurf wird mit den Wän-derungen, dieder Vorstand beantragt hat, angenommen. — Als Geschenk für die.Konst rinandinnen sollen neben der Auerbachschen -Schul- und Hausbibel, die sich im Besitz mancher Konfirmandin befindet, wie Herr Rabbiner Dr. Weiße angeregt hat, auch das Gebetbuch der Neuen Synagoge, der Synagoge Fasanensträße oder das Sachssche Gebetbuch nach Wahl, überreicht werden. Die Versammlung stimmt dem zu. — Wie im Vorjahre wird auch für das Jahr 1912/13 der Betrag, -der aus -dem. Erträgnis der direkten Gemeindesteuern - für den R e s e r v e s o -nd s eingestellt werden soll, auf 110 000 Mark festgesetzt. — Die Vorlage des Gemeindevorstandes, die verlangte, daß. in dem Nebengebäude der neu zu erbauenden Synagoge Levetzowstraße außer der Wochentagssynagoge, der Wohnung des Kastellans und der Wohnung des Pförtners an Stelle der Religionsschule eine Wohnung für einen Rabbiner eingerichtet und demgemäß das Nebengebäude um ein Stockwerk, niedriger als projektiert ausgeführt werde, wird nach längerer Debatte an den Ausschuß III Zurückverwiesen. An der lebhaften Debatte über die Frage, ob Religionsschule oder Rabbinevwohnung in dem Synagogennebengebäude untergebracht werden solle, beteiligten sich die Herren Oskar - T i.e tz, Justizrat Dr. Cohn, der für die Vorlage emtrat, Justizrat Lili enthüll, Emil Pincus, Professor B lasch k.e , der zugleich zu erwägen anheimgab, ob sich nicht auch in. anderen Synagogen eine Wohn um g f ü r e i n e n Rabbiner einrichten lasse, ferner Herr Ku.znitzky und Willibald Loewenthal. — Für den. Neubau des Krankenhauses sollen nach der Vorlage des Vorstandes unter dem Titel „Generalinsgemein" 390100/ Mark bewilligt werden. Auf Antrag des Herrn Kriznitzky wird die Position „spezielle Bauleitung", die mit 54000 Mark eingesetzt ist, aus 40 000 Mark reduziert und dementsprechend insgesamt' 376100 Mark bewilligt. Der Frau Mathilde H e y m a n n geborene Joske, einer Nichte Dr. David Cassels, wird als Verfügungsberechtigter des Manuskriptes für die Benutzung der David Casselschen Bibelübersetzung für die Hastharaagende eine einmalige Entschädigung von 150 Mark bewilligt und für den Ankauf einer Thorarolle der- Betrag von 475 Mark zur Verfügung gestellt. Ebenso genehmigt die Repräsentantenversammlung nachträglich die Verausgabung von 440 Mark für einen neuen Vorstandstisch im Repräsentantensaale. Für die Erneuerung der vom Schwamm ergriffen gewesenen Dachkonstruktion des Hosp.it alles werden nachträglich 3430 Mark bewilligt — Eine sehr lebhafte Debatte ries der Antrag des Vorstandes hervor, die Benutzung eines