Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 528 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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schon voraus. Der Herausgeber hat sich die Ausgabe nicht leicht ge-' macht, er hat die Stücke nicht einfach' übernommen, sondern hat sie durch reiflich überlegte Aenderungen für die Schule leichter verständlich gemacht, er hat es Verstanden, ohne die. Eigentümlichkeit des Stils zu verändern, ein einheitliches Ganzes zu schaffen. Das Buch wird gerade in den Abschlußklassen den Schülern' das nötige Rüstzeug für die religiöse Weltanschauung geben und sie befähigen, in die Reihen der tapferen Verteidiger des^Iudentums enMtreten. Ich habe darum gern das Freüdenthalsche Religionsbuch meinen -Seminaristen im hiesigen Großherzoglrchen Lehrerseminar empfohlen. Alzey. Größt). Rabbiner Dr. Lewit. * ■:; :; — Talmudische Ethik des Alphabets. Studie von Dr.- D. Leimdörfer, Hamburg. Verlag von J.Kauffmann,Frankfurts.M. Es ist keine Spielerei,'mit der sich der Verfasser hier beschäftigt. Er geht den elementaren Angaben über die Bedeutung des hebräischen Alphabets, wie sie im Talmud (Sabbat 104a) niedetgelegt ist, mit liebevoller Vertiefung nach und zeigt tatsächlich, „wie hier eine pädagogische Tabelle für die Prinzipien der Erziehung des Menschengeschlechts uns vorliegt." (S. 8.) „Das Alphabet trägt systematisch alles vor, wessen der Mensch bedarf, um zur Höhe göttlicher Ethik zu gelangen." (S. 9.) So wird jeder Buchstabe vom bis J-) und die mit doppelter Schriftart auch im doppelten Sinn gedeutet. ' Auch dem Schriftcharäkter gibt der Verfasser eine entsprechende Erklärung, z. B. dem p. ..Offen ist der Buchstabe, den Stab getrennt von seinem Wesen, um dem Sünder feinen freien Eintritt in den Raum des Heiligen (p ^"Ip) wie seine Verbindung mit dem Heiligen anzudeuten." Die Deutung des D und ist wohl eine recht geistreiche. Doch wäre zu bezweifeln, ob ' iTYlfi^ HW D^^D. in solcher Weise zu verstehen ist. Näher läge die Ansicht, daß damit die Abbreviaturen, die, Merkwörter, die mnemotechnischen Hilfsmittel gemeint fein könnten, die einer längeren Abhandlung im Talmud oft vorangestellt sind. Der Verfasser hätte auch die im Talmud häufig . angegebenen Verbindungen des Alphabets als: r\k und DD einer Deutung würdigen sollen. Vielleicht entschließt er sich zu dieser Erweiterung bei einer Neu-' auflage' seiner Schrift. Wir können dieses lehrreiche, nur 15 Seiten umfassende Schristchen jedem Freund der jüdischen Wissenschaft empfehlen. , Glogau. M. Schweitzer. * ' — Der vor kurzem erschienene Bericht über die Arbeiten des Palestine Exploration Fund im Jahre 1911 bietet mancherlei interessante Aufklärungen über die ältesten Spuren menschlicher Kulturarbeit auf dem Boden des heiligen Landes. Dr. Duncan Mackenzie und Francis Newton studierten eingehend die megalithischen Ueberrcste von Rabbath Ammon während einer Forschungsreise nach Moab Sie bestehen hauptsächlich aus zerstörten Dolmen, die der erste Entdecker dieser Trümmerstütte, Cvuder, für Altäre hielt, die man aber mit größerer Wahrscheinlichkeit als Grabdenkmäler ansprechen kann. Mackenzie weist auf die große Aehnlichkeit zwischen diesen Dolmen und den sardinischen Denkmälern hin, die man gewöhnlich' als Riefengräber bezeichnet. Ihre Entstehung möchte er in die Zeit der ersten ägyptischen Dynastie verlegen. Ebenso wurde der runde Turm, der unter dem Namen Rujm-el-Melsüf bekannt ist, genau studiert und erwies sich als der Mittelpunkt einer rechteckigen Befestigung, die aus einem System von Blockhäusern bestand und mit den Nuraghi von Sardinien und den Talayot von Majorka in Parallele gesetzt werden darf. Ausgrabungen wurden bei Ain Scheins veranstaltet, das wohl mit dem biblischen Namen Beth Schemesch (das Haus der Sonne) zusammenhäugt und eine Ansiedlung der Philister war. Hier werden sich die Taten und Abenteuer Simsons abgespielt haben. Die Funde bestehen hauptsächlich aus Stücken von Tonwaren, von denen manche im Stil an die spätmykenische Periode erinnern und ins 14. Jahrhundert vor Christi Zurückdatiert werden müssen. Da die Keramik auf ägäischen oder kyprischen Ursprung hinweist, so wird dadurch ein neuer .Beweis für die Annahme geliefert, daß die Philister von Kreta und anderen Inseln des Mittelmeeres nach Palästina kamen. Das byzantinische Kloster, das aufden Ruinen der alten Stadt Beth Schemesch .erbaut ist,-wurde ebenfalls durchforscht. Von. besonderer Wichtigkeit ist Dr. Gustav Dalmans Bericht über das zweistöckige Haus von Petra, das bei den Eingeborenen Khaznet Firaun wder das -Schatzhaus des .Pharao heißt. Der Gelehrte hält, es für kein Schatzhaus, sondern für, ein Mausoleum, und möchte es auf einen der Nabateerkönige, auf Aretas IV. Philodemos oder . Rabbelos II. Soter, zurücksühren, die zu Beginn des christlichen Zeitalters blühten. Das Bauwerk war sicherlich', ein Werk ausgesprochen hellenistischen Geschmacks;. die schöne Fassade mit ihren zwei Stockwerken korinthischer Pfeiler, zwischen denen Statuen standen, ist einzigartig in der Architektur Palästinas und darf „als die vollkommenste Zweistöckige Fassade, die sich im Osten vom Altertum bis heute erhalten hat", gelten. A—tz. Sxrechsaal. Hochgeehrter Herr Redakteur! ^l>aß in meiner Berichtigung vom 3. Oktober ein Drucks e h l e r vorlag, indem Haunah Rothschild als Tochter. — statt als Schwester — der Lady Judith Montefiore genannt wurde, war so selbstverständlich, daß ich es nicht für nötig hielt) ihn zu berichtigen; Wer - nur einigermaßen die• Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte kennt, weißdaß. Montefiore keine Kinder hatte. Mir, als dem Biographen Montefiores, dürfte diese Tatsache am wenigsten fremd gewesen sein! Oberlehrer Dr. Wölbe. * Sehr -geehrte Redaktion! ^V>ach Zweimonatlicher Abwesenheit zurückgekehrt, ersehe ich soeben ans der jüngsten Nummer, der .hiesigen „National-Zeitung7,.daß der Seminarprofessor G. Deutsch in Cincinnati in meinem Artikel „Adolf Jellinek" („Allg. Z. d. I. Nr. 33") die Benrerkung: der Wiener Kultusvorstand habe Experten nach Leipzig delegiert, um Jellinek vor feiner Berufung nach Wien predigen zu hören, in das Reichder Legende verwies. Darauf erwidere ich zunächst, daß ich einen -heiligen Eid ablegen könne, die Mitteilung tale quäle -aus dem Munde G. Wölfs vernommen zu haben. Ich habe dieselbe seither, in Freundeskreisen bei jeder passenden Gelegenheit zum besten gegeben, weshalb sie mir noch heute in lebendiger. Erinnerung geblieben. Wie aber begründet Professor D. feine Behauptung? Ganz einfach: Er persifli-ert diese -meine Erinnerung, und erklärt darauf feine billige Persiflage für -eine Legende. — Und womit widerlegt er -meine, oder vielmehr, G. Wolfs mir gemachte mündliche Mitteilung? Damit, daß "die „Allg. Z. d. I." im Jahre 1856 berichtet habe: „Jellinek habe eine P r-bbep redig t in Wien gehalten." Habe ich das geleugnet? Ferner erzählt. G. .Wolf selbst in seiner Geschichte der isr. Kultusgem. Wien: „es haben sich >um diese Stelle 29 Kandidaten beworben, daß aber die Wahl auf I. gefallen wäre." — Widerlegt dies etwa meine oder G. Wolfs mündliche Mitteilung? Beide von Herrn D. vorgeführten Zeugnisse schließen durchaus nicht die von mir wiodergegebene Ueberlieferüng aus: daß die Wiener Kultusgemeinde, wie dies damals noch zu geschehen Pflegte, Experten nach Leipzig entsandt habe, bevor Jellinek berufen wurde. - Sein „Fatum, die Legendenbildnng der Gegenw a r t zu v e r s o l g e n", läßt, wie es scheint, Herrn D. in allem und jedem Legende sehen. Wenn aber die Wiener „National-Zeitung", diese ihn bedeutsam erscheinende „Richtigstellunig" des „greisen Professors G, Deutsch" wiedergebend, mit den.Worten 'einleitet: „Eingeweihten (?) kamen manche Details" (nämlich meines Jellinek-Artckels) „etwas phant a st i s ch vor", so befremdet ein solches Urteil von nat-ionaljüdifcher Seite durchaus nicht. Denn diesen Kreisen erscheint alles, was-nicht rein nationalistisch, und was überdies vorbehaltlos freisinnig klingt, als phantastisch. Sie können nicht begreifen, daß man noch vor einem Menschenalter anders dachte -und anders empfand als heute: im Zeichen der Politik. M. I. 'as*;