Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Schluß sprach der' 'Redner von Israels' Reise'/ nach Spanien und Marokko, über die .der Künstler selbst ein meisterhaftes Buch geschrieben, und wies auf die eine geschilderte Szene, wie der greise Maler in Tanger' einem alten jüdischen Gesetzschreiber begegnete und sich mit chm in hebräischer Sprache unterhielt. Ein -wundersamer Kontrast: der Gelehrte, der ganz in der Tradition lebte, und der Künstler, der zwar ein echter Jude geblieben, aber Ln Bildung und Kultur zugleich ganz im Wesen seiner Geburtsheimat -ausgegangen war, der er eine neue Kunst geschenkt, hatte. Zahlreiche Lichtbilder begleiteten den Vortrag, und lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine interessant-en u.nd fesselnden Ausführungen. — Aus den auswärtigen Vereinen: In Stendal sprach Lehrer SteinhaM-Magdebirrg über: Die ersten 1000 Jahre jüdischer Geschichte im deutschen Vaterlande.. Schriftsteller I. u I i u s B a b - Berlin sprach in Allenstein über: „DenAnteil der Juden an der deutschen Dichtung der Gegenwart", in Königsberg i. Pr. über: „Rembrandt und Spinoza" (Gedanken über Deutschtum und Judentum), in Memel über: „Die Juden in der neuen europäischen Dichtung", in Tilsit über: „Die Juden und die Schauspielkunst". In Thorn und Hohensalza sprach Frau Regina Reißer -Breslau über: Bedeutende jüdische Frauen des 19. Jahrhunderts in Literatur, Kunst und Humanität; in Hamborn sprach Lehrer P e r lm an n - Frankfurt a. M. über „Die Falas'chas". ) Berlin, 22. Oktober. In der letzten Ausschußsitzung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wurden unter anderen auch zwei Zionisten in den Ausschuß kooptiert: die Herren Rechtsanwalt Victo r - Wandsbek und Rechtsanwalt H a n d t k e - Berlin. Auch mehrere streng gesetzestreue Herren wurden in den Ausschuß gewählt. In Ausführung des Beschlusses des letzten Gemeindetages, in eine Prüfung darüber einzutreten, ob das Proport i v n a l w a h l r e ch t für die Gemeindetage eingesührt werden solle, soll, wie wir erfahren, demnächst der zur Erörterung dieses Gegenstandes gewählte.Ausschuß zu einer Sitzung zusammentreten. — lieber den Termin des nächsten Gemeindetages läßt sich zurzeit nur soviel sagen, daß der nächste Gemeindetag nicht in den ersten Monaten des Jahres 1913, sondern erst im Spätsrühling stattfinden dürste. Eingeleitet wurde übrigens die Ausschußsitzung, die noch unter der Leitung des Herrn Professor Philippson stattfand, durch eine feierliche Einführung des neuen geschüstsführenden Vorsitzenden, Herrn Professor Kali scher.. Die Begrüßungsansprache hielt Professor P h i l i p p f o n, woraus Professor Kalischer in längeren Ausführungen errviderte. y. Berlin, 22. Oktober. Nachdem die Friedensverhandlungen, die den Wirrnissen in der Alliance ein Ende machen sollten, gescheitert sind und die Generalversammlung der Berliner Alliance-Mitglieder, soweit sie dort vertreten waren, sich für die Organisation des „Deutschen Landeskomitees" unabhängig von Paris ausgesprochen hat, sieht es so aus, als ob der Konflikt in unverminderter Schärfe fortbeslehen sollte. In Wirklichkeit aber ist man, wie . wir vernehmen, abgesehen von einigen Berliner Herren, auf dem Wege zu einer anderen Organisationsform, die den Statuten der Alliance eher entspricht und auch die Billigung von Paris erhalten dürste. In etwa vierzehn Tagen bis drei Wochen wird, wie wir mitteilen können, das „deutsche Landeskomitee" zu einer Sitzung Zusammentreten, in welcher die aus der. Generalversammlung der Berliner Alliance-Mitlieder gefaßte und von uns im Wortlaut mitgeteilte Resolution zur Erörterung gelangen wird. Die große Mehrzahl der deutschen Alliancemitglieder teilt die Auffassung, den Kamps gegen Paris sortzusühren, nicht. Man ist Vielmehr entschlossen, jenen Weg zu beschreiten, der vor den Friedens- Verhandlungen hauptsächlich von den Süddeutschen als der einzig gangbare Weg bezeichnet worden ist, nämlich den Weg der B i l d u n g v o n Bezirkskomitees nach regionalen Gesichtspunkten, und es ist zu hoffen, daß dieser jetzt von sehr einflußreichen Kreisen propagierte Gedanke zur Ausführung kommen wird. Wie uns ferner mitgeteilt wird, ist dieser Tage unter Führung einer Reihe prominenter jüdischer Persönlichkeiten ein B az i r k s k o m i t e e B r a n d en b u r g—P o mmern begründet worden, das demnächst zu einer ersten Versammlung einberufen werden wird. Auch soll demnächst in Berlin ein zweites Lokalkomitee gebildet werden, das sich diesem Bezirkskomitee anschließen wird. Vermutlich, wird dann düs unter der direkten Leitung von Paris stehende Berliner Bureau die Zentralstelle werden, durch welche die einzelnen regionalen Bezirkskomitees, soweit sie mcht direkt mit Paris verhandeln, die Verbindung mit dem Zentralkomitee abgeben. — Alle diese Anzeichen lassen darausi schließen, daß sich ein Einvernehmen mit Paris doch allmählich wird erzielen lassen, was im Interesse des?Judentums nur zu wünschen wäre.. 22 Berlin, 22. Oktober. Der Verein zur -Be.kleidung a rmer jüdisch er Kind er veranstaltet. zum- Besten seiner Unterstützungskasse am Sonnabend den 9. November ' d. I. in den Gesamtrüumen der Philharmonie ein Künstlerkonzert, für welches bereits ihre liebenswürdige Mitwirkung zugesagt haben: König!. Hofopernsängerin Frau Melanie Kur t, Kammersängerm Frau M a r g a r e t e Ä r n d t -Ober, Kammersänger Herr R u d o l s Berger, Königl. Hosopernsänger Herr C. Bronsgeest, Herr Alfred Wit,t e n b e r g. Der Verkauf der Eintrittskarten ä 2.50 Mark sowie der reservierten und Logenplätze ä 3, 4 und 5 Mark findet statt: im Vereinsbureau Bülowstraße 105, Gartenhaus I (Amt Lützow 1442), und bei A. Wertheim, Leipziger Straße 132—139 und Kantstraße 3. 2/D Bromberg, 19. Oktober. Am 2. d. M. fand hier die Einweihung des jüdischen Altersheims in den schön geschmückten Räumen des Heims, Wilhelmstraße 44, statt. Eingeleitet wurde die Feierlichkeit durch ein Vorspiel auf dem Harmonium. Die Eröffnungsrede hielt sodann der Vorsitzende, Fabrikbesitzer Aron. Er dankte allen denjenigen, die zum Erstehen dieses Werkes der Nächstenliebe beige- .steuert und mitgearbeitet haben. Er gedachte dabei besonders der Opferwilligkeit der Herren Rentier Feibusch in Bromberg, Kommerzienrat K r o n h e i m - Schneidemühl und Direktor K r o j a n - k er-Berlin. Rabbiner Dr. Walter sprach sich in demselben Sinne aus. „Es fehlte uns noch an einem Heim, in dem jeder, der seine Menschlichkeitsrechte nicht mit Füßen getreten hat, seine alten Tage in Ruhe verbringen kann." Redner schloß seine Ausführungen mit einem Gebet. Oberbürgermeister Mihlas f sprach die Hoffnung aus, daß bie Anstalt recht lange bestehen möge. Als Vertreter des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der hiesigen Synagogengemeinde beleuchtete Justiz-, rat B ae r w a l d in eindrucksvoller, zur. Herzen gehender Rede die idealen Bestrebungen des Vereinsdie nicht bloß dahin gingen, denjenigen, die kein eigenes Heim hätten, Verpflegung zu gewähren, sondern eine Stätte, die ihnen auch Anregung für Geist und Gemüt biete, zu schaffen. Er hob ganz besonders hervor, daß, wenn der Vorsitzende der Verdienste anderer um den Verein Erwähnung getan hat, er dabei an sich selbst nicht dächte; er müsse betonen, daß der Vorsitzende, Fabrikbesitzer Robert Aron, der Urheber der Idee sei und kein materielles oder sonstiges Opfer gescheut habe, die Idee zu verwirklichen, wofür ihm der Dank der Shnagogengemeinde ausgesprochen werde. Namens der wohltätigen jüdischen Vereine überbrachte den Glückwunsch Stadtverordneter Barnaß; auch diese Vereine bringen den Bestrebungen des jüdischen Altersheims ihre volle Syrnpathie entgegen und beteiligen sich daran durch ansehnliche Beiträge. Ein Vortrag auf dem Harmonium bildete den Abschluß der Feier, der eine Besichtigung der' Räume des Heims folgte, . Die Festteilnehmer folgten sodann einer Einladung des Vorsitzenden zu einem Frühstück in seinem Hause. Hier nahm noch Stadtverordnetenvorsteher Pros. Dr...Bocksch Veranlassung, dem Gastgeber und seiner Gattin warme Worte der Anerkennung und des Dankes für die aufopfernde Tätigkeit, die sie bereits bei der Einrichtung des Heims geübt hätten, auszusprechen. Die Einweihung des Heims bot auch zahlreichen Freunden und Mitgliedern des Vereins Gelegenheit, ihrem Interesse für die Bestrebungen des Vereins durch namhafte Geschenke und Spenden Ausdruck zu geben. Die Geschenke bestehen aus wertvollen Einrichtungsgegenständen, die zur . Verschönerung des Heims erheblich beitragen. Die Spenden erreichten eine beträchtliche Höhe, so daß die Kosten der Einrichtung des Hehns zum größeren Teil durch diese Spenden schon gedeckt sind. Der Insassen gedachte ein Spender besonders, indem er einen namhaften Betrag zur Verteilung an die bedürftigen Insassen am Tage der Einweihung überwies. 22 Posen, 20. Oktober. (Schluß des Berichtes über die am 13. d. M. hier stattgefundene Versammlung der Liberalen Vereinigung). In der ungemein stark besuchten öffentlichen Versammlung im Gaumerschen Saale am Nachmittag führte Kommerzienrat Hamburger- Posen den Vorsitz.. Nach einer warmen Begrüßungsansprache des Justizrats Dr. Breslauer-Berlin,, in der.. er. Liberalismus