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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-10-25 · Heft 43 (25.10.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76. Jahrgang Nr. 43 Der Oemetndebote. Vetlase zur „Allgemeinen Letrung deß Judentums". Sorrelpondm?m und Nachrichten. Deutschlsnd. 22 Berlin, 22. Oktober. Am 10. ix M. fand hier die jährliche Mi t g l i e d c x t> e r s n m m t u n g der A. I. K. O. statt. Ihr war am 30. September die G e n e r a l v e r s a m m l u n g der Aktionäre des Finanzinstitutes der A. I. K. O., der „Orient Colonizin^ Company, Ltd.“, vorangegangen. In beiden Versammlungen führte Kommerzienrat und Handelsrichter Gerson Simon den Vorsitz, während D r. A l s r e d N o s s i g den Jahresbericht erstattete. Wie aus den Berichten hervorgeht, hat die A. I. K. O. im letzten Jahr ihr Aktienkapital und ihre Mitgliederbeiträge beinahe verdoppelt. Ihre Propagandatätigkeit, die früher Deutschland und Englaild gewidmet war, erstreckte sich in diesem Jahr auf zwei weitere Länder, Oesterreich und Rußland. In Oesterreich bildete Wien naturgemäß den Ausgangspunkt. Dank der Unterstützung der führenden Persönlichkeiten der Repräsentanz der Kultusgemeinde, des „Jüdischen Kolonisationsvereins" sowie der U. O. B. B.-Logen vermochten die Vertreter der A. I. K. O. bei planmäßiger Arbeit die jüdischen Finanzkreise Wiens für das jüdische Kolonisationswerk lebhafter zu interessieren, als dies früher je gelungen war. Unter dein Vorsitz des K. K. Hoflieferanten Heinrich Men dl bildete sich ein Vorbereitendes Komitee, welches für ein neues, von der A.J. K.O. vorbereitetes Institut eine erfolgreiche Subskription eröfsnete, die dann auch in L e m ü e rg fortgesetzt wurde. Ebenso sind in Prag die Vorbereitungen für eine Subskription getroffen worden. Die österreichische Propaganda ruhte hauptsächlich in Händen des Herrn Ernst L ö w e n b e r g. In den öffentlichen Versammlungen, welche in Wien, Prag und Lemberg veranstaltet wurden, fanden die Bestrebungen der A. I. K. O. die wärmste Ausnahme seitens der maßgebenden Kreise der jüdischen Gemeinden. Von besonderer Bedeutung für die weitere Entwicklung und die praktische Tätigkeit der A. I. K. O. waren die Ergebnisse ihrer Bemühungen in Rußland. Aus Grund vorangegangener Besprechungen mit hervorragenden Vertretern der jüdischen Finanzkreise Rußlands begaben sich im März 1912 der Ehrenpräsident der A. I. K. O., Dr. Isidor G i n s b e r g, der erste Vorsitzende Komm.-Rat Gerson Simon und der Vorsitzende des gcschästssührenden Ausschusses, Dr. Alfred Nossig, nach Petersburg, wo zur Unterstützung der Zwecke der A. I. K. O. zwei Komitees ins Leben gerufen wurden. Während eine Gruppe von Finanziers für das neue Institut unter gewissen Bedingungen eine namhafte Beteiligung zusagte, eröfsnete ein anderer Kreis Zeichnungen für die „Orient Colonizing Company, Ltd.“ sowie für den Betriebs- und Kolonisativnsfonds der A. I. K. O. Andere Ziele verfolgte die A. I. K. O. in Moskau, wo hauptsächlich der Generalsekretär Dr. S. Rawik o w i t s ch tätig war. Hier wurde die Gründung einer Boden- E r w e r bs - G e n o s s e ns ch a s t aus einer neuen, festen Basis angestrebt. Dank der eifrigen Tätigkeit der der Kolonisationsidee ergebenen Kreise sowie der Ratschläge hervorragender jüdischer Juristen gelang es nach mehrmonatlichen Bemühungen, eine vorbildliche Organisationssorm zu finden und die B. E. G. „Kadimah" zu legalisieren. Die neue Boden-Erwerbs-Genossenschast soll mit der „Orient Colonizing Company, Ltd.“ in einem engen.Kooperationsverhältnis verbleiben. Die Vorzüge der neuen Organisationssorm bestehen darin, daß an Stelle loser Gruppen ein kommerzielles Institut tritt, das von den Behörden anerkannt und kontrolliert wird und dessen Mitglieder bindende finanzielle Verpflichtungen übernehmen. Da die Anteile ratenweise eingezahlt werden, können auch Minderbemittelte Boden erwerben. Gemeinsam mit der Boden-Erwerbs-Geu o s s e n s ch a s t zu B i a l o st u k hat die A. I. K. O. die Vorbereitungen zur Bildung einer Kolonie in der Nähe einer Stadt auf dem jüdischen Ansiedlungsgebiet soweit gefördert, daß die Uebertragung des Bodens dem Abschlüsse nahe ist und die Uebersiedlung der ersten Partie der Kolonisten bevorsteht. Die Mehrzahl der zur Besiedlung des Terrains ausersehenen Familien hat sich bereits in Rußland mit der Landwirtschaft besaßt. Auch an einer zweiten Kolonie, welche gleichzeitig aus der Sinaihalbinsel vorbereitet wird, wird die A. I. K. O. beteiligt sein. Aus dem vom Schatzmeister der A. I. K. O., Bankier Alois A. F. Marcus vorgelegten Rechnungsbericht ging hervor, daß die Ausgaben der A. I. K. O. im Jahre 1911 16 335.39 Mark betrugen, denen Einnahmen in gleicher Höhe gegenüberstehen. Die Verwaltungsspesen der „Orient Colonizing Company, Ltd.“ sowie die Kosten der Vorbereitung des neuen Finanzinstituts sind in dieser Summe nicht mit einbegriffen. Im Namen der Revisionskommission beantragte Handelsrichter Bernhard Lilienfeld die Erteilung der Decharge, die die Versammlung einstimmig beschloß. Aus den Wahlen gingen die bisherigen Mitglieder des Vorstandes und des Zentralrates der A. I. K. O. hervor, überdies ist Herr Bernhard Lilienfeld in den Vorstand gewählt. In den Aussichtsrat der „Orient Colonizing Company, Ltd.“ wurde Herr Georg L a ch m a n n neugewählt. Zu der Mitgliederversammlung waren von den auswärtigen Vorstandsmitgliedern der A. I. K. O. die Herren Dr. A b r a h a m Hirsch- Halberstadt und Kommerzienrat George Marx- Königsberg eingetrossen. %%% Berlin, 19. Oktober. Die diesjährigen Vortragsabende des Berliner Vereins für j ü d i sche Gef chi cht e un d L i t e r a t u r wurden .am 10. Oktober durch leinen Lichtbildervortr-ag von Dr. M a x O s b o r n über Jvzef Israels, den großen holländischen Maler, eröffnet, der im Sommer des vergangenen- Jahres -als -ein Sieb-enundachtzi-gjäh-ri-ger -aus sei nein reichen, gesegneten Leben abberufen worden. Der Redner begann mit einer Erörterung des merkwürdigen Problems, daß in -einer Zeit, als scheinbar alle Malerlei lediglich-auf technische Der seiner nn-g, auf eine Bereicherung -und Nnanci-erunlg -des farbigen Ausdrucks -gestellt ist, -ein Künstler, dessen ganze Kraft -im seelischen Erfassen seiner Motive wurzelte, eine so ungeheure Wirkung -ausüben konnte — ein neuer Beweis für die -alte Wahrheit, daß das Genie alle Gesetze und Regeln umstößt, und daß d-as 'letzte Geheimnis doch immer nur in der Macht der künstlerischen Persönlichkeit ruht und in ihrer Fähigkeit, sich, m-itzuteile-n. Auch das sonst so woh-lberechtigte Vorurteil -gegen -den abseits vom Malerischen liegenden, gefühlsmäßigen oder schildernden „Inhalt" bildlicher Kompositionen macht vor Israels Werken halt, weil er -nicht erzählt, sondern darst-ellt, weil seine Poesie nicht episch, sondern lyrisch ist. In der eigentümlichen Art dieser Lyrik jedoch, in der Stimmung stummergebener Klage und leiser Sehnsucht, steckt Jsraäls tiesin-nerliches,Judentum, in dem -alles Leideines -ganzen Volkes seit Jahrtausenden nachzittert und sich zu -einem -grenzenlosen Mitleid mit der -gequälten,. zum Leiden bestimmten menschlichen Kreatur überhaupt geläutert hat. So kam Israels zu seinen Schilderungen der Armen und Bedürftigen, der Mühseligen -und Beladenen, zu d-er ergrei-senden Melancholie seiner zahlreichen Bilder, die von Unglück und Kummer, von Krankheit und Tod, von der Einsamkeit des Alters und der unbegreiflichen Grausamkeit des Schicksals handeln. Ab-er es dauerte lange, bis der Künstler zu dieser Stosswelt -gelaugte, zu der ihn sein- Wes-en hindrängte. Als der -am 27. Januar 1824 als Sohn eines kleinen jüdischen Kaufmanns -in Groningen geborene Jozef 1840 nach, Amsterdam -auf die Akademie in die Lehre -der damals berühmten Maler Krus-emann und Pienem-ann kam, -als er seine Ausbildung dann 1846 bis- 1848 in Paris bei Picot und D-elaroche abschloß, wurde er, ganz im Stil der Zeit, ein Maler historischer Ereignisse und romantischer Sentimentalitäten. Erst 1855, als er nach einer Krankheit -einen Sommer -in dem damals kleinen Küstendorse Z-andvoort verbrachte, ging -ihm im Verkehr mit den Nordseefischern di-e Poesie des Einfachen und- Alltäglichen, die große Wahrheit dieser - Proletari-erwelt -aus. Aeuß-ere Einflüsse, -wie die intime Landschaftskunst des Font-ainebl-auer und die gewaltige Bauernmalere-i Mittels kamen hinzu, seinen -neuen Stil zu bilden, der seine höchste Ausprägung -erfuhr, als Jsr-aö-ls- 1869 in den Haag über siedelte, wo er neb-en B-osboom, Jakob Maris, M-esd-ag, M-ano-e und -Artz die moderne holländische Schule begründete und bald als ihr Führer gefeiert wurde. Moderne.Tendenzen verbanden sich hier mit -den -großen U-eberlieserm'l-gen seines Landes — denn Israels war ein ebenso guter Holländer, wie er ein guter Jude war. Zum

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