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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-10-25 · Heft 43 (25.10.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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uni) Orthodoxie.mit den beiden Brüdern verglich, denen der ' Sage nach Posen seine.Entstehung zu verdanken hätte, und dereinstiges friedliches Begegnen beider religiösen.Richtungen prophezeite, sprach Justizrat Dr. B l-Ästrj- Frankfurt a. M. über „Liberales Judentum und Gemeinden." Praktische Weisungen bezüglich des Gemeinwesens enthalten die Richtlinien; allerdings muß das Wirksämkeitsgebiet für den religiösen Liberalismus für jede Gemeinde den örtlichen Verhältnissen entsprechend besonders gestaltet werden. Die separatistische Orthodoxie, die ursprünglich nur aus Frankfurt a. M. beschränkt war, hat im letzten Jahrzehnt eine ungeahnte Stärkung, erfahren, da ihr eine Anzahl norddeutscher Führer boigetreten ist.. Sie betrachten sich als - Herren, der Situation und kämpfen gegen alle religiös Andersdenkenden, selbst auf Kosten der Einheit, wie dies große Organisationen erfahren haben. Ihr Einfluß muß mit aller Kraft gebrochen werden, soll nicht der, Erfolg einer hundertjährigen Emanzipationsarbeit vernichtet werden. Eine andere Gefahr bedeutet der Zionismus, der teils allein, teils im Verein mit der Orthodoxie kämpft. Das Nähere braucht nicht erörtert zu werden vor einer Versammlung, die deutsch denkt und deutsch fühlt und als Glieder der deutschen Nation nicht behindert sind, ihr Judentum auszuüben, und die allen Helsen, wo sie die Not finden. Eine zweite Aufgabe des Liberalismus besteht in der Fortführung der Emanzipationsarbeit, das ist Arbeit am Judentum, Vaterland und an der Menschheit zugleich. Rabbiner Dr. V ö g e l st e i n - Königsberg sprach über „Die schöpferische Kraft des religiösen Liberalismus." Es ist eine allgemeine Erscheinung, daß- Formen und Bräuche in der Gegenwart geschwunden sind. In technischer, sozialer, wissenschaftlicher Beziehung ist die neuzeitliche Struktur umgewandelt, während die Religion unverändert blieb und nicht, mehr verstanden wurde, weil sie im Widerspruch zum Zeitgeist stand. Der Liberalismus will nicht eine neue Religion schassen, aber die alte so ändern, daß sie das. Sehnen der Zeit befriedigt. „Wer die Zeit nicht versteht, den straft sie." Die Einführung der deutschen Predigt nach schweren Kämpfen mit der Orthodoxie ist eine Errungenschaft des Liberalismus, ebenso Einführung des Synagogenchors, der Orgel, der deutschen Gebete, der Konfirmation, der Mädchen. Es ist ferner ein Verdienst des Liberalismus, daß der Religionsunterricht zur Gemeindesache gemacht wurde. Die Liberalen wollen manches beseitigen, um Licht und Luftzu schaffen für die Religion. Rechtsanwalt Dr. K a e m p f e r - Posen sprach über „Angriffe auf das liberale Judentum." Der Liberalismus denkt nicht verächtlich von den Betätigungsformen, sondern zeigt stets Achtung vor den Institutionen der Orthodoxie, wie es deutlich in. den Richtlinien zum Ausdruck kommt. Es wäre wünschenswert, daß sich in den Satzungen der Orthodoxie eine ähnliche Bestimmung den Liberalen gegenüber fände. Da die Orthodoxie an Zähl zurückgeht, muß. für diesen Kreis der Gleichgültigen ein Rückhalt geschaffen werden. Während der Zionismus die Schaffung eines jüdisch-nationalen Staates, anstrebt, betrachtet der Liberalismus, die Mission des Judentums auf religiösem Gebiete. Obgleich die Zionisten selbst sich dem in der Gegenwart sich vollziehenden Assimilationsprozeß nicht entziehen können, gebrauchen sie .für die Liberalen das Schmähwort „Assimilanten". Redner weist zum Schluß, einen Angriff des Gemeinderabbiners Dr. Feilch'enfeld aus die Tagung der Vereinigung, die in einer Predigt erfolgte, mit aller Schärfe zurück. Seminardirektor a. D. Dr. Holzmann- Berlin sprach über „Die Schule und der religiöse Liberalismus". „Ich bin ein Jude und fürchte den Gott des Himmels", das ist das Bekenntnis, das jeder Jude aussprechen soll; das heißt, ich gehöre zu einer Glaubensgemeinschaft, die die Ebenbildlichkeit des Menschen gelehrt, die Einheit der Menschheit und das Walten Gottes in der Geschichte verkündet hat, einer Glaubensgemeinschaft, die än die Meder-herstellung des Reiches Gottes auf Erden glaubt, die durch Leben und Lehre berufen ist, ein Licht der Völker zu sein. Dieses Bekenntnis muß sich auf unsere Bibel , stützen, um im Leben gesinnungsvolle Wahrheit zu betätigen.. Die Schule muß die Jugend mit prophetischen Hochgedanken vertraut machen sowie mit den ,Forderungen der Religion und des Lebens. Dr. zur. W e r t h e i m-Berlin forderte in seinem Referate, über das Thema: ■ „Die JugendHm. Judentum" auf, die Jugend, che.die Brücke von der Gegenwart zur ArckunfL schlage, zu begeistern, daß sie die Fahne des. Liberalismus Hochhalte und zum Siege führe. Der letzte Redner, Rabbiner Dr. Fr e uden t h a l-Nürnberg, betonte in seinem Referate „Das Judentum, die Menschheitsreligion", daß der Glaube, man dürfe an den Bräuchen nichts ändeM-von Weltsremdheit zeuge. Der Libe? ralismus steht auf dem Bodem dev Religiosität, aber, er-verlang? für den Glauben Bewegungsfreiheit. Mit Worten herzlichen Dankes an die Neferenten und die Versammlung schloß der Vorsitzende, Kommerzienrat Hamburger, die Beratungen des Delegiertentages. R. Breslau, 19. Oktober. Am Sonntag den 6. d. M. wurde hier das jüdische Volksheim von neuem durch eine besondere Feier eröffnet. Herr Rabbiner Professor Dr. Guttmann sprach von den Forderungen des heutigen Lebens und dessen Beziehung zur Religion. Sich des Lebens freuen, sei jüdische Auffassung im Gegensatz zu der anderer Bekenntnisse, die das Leben hienieden als ein Jammertal bezeichnen. Die Unterhaltung und Belehrung, die von der Toynbeehalle ausgeht, wirke veredelnd und erzieherisch. Mit Dankesworten an die Vorstandsmitglieder für deren Opferwilligkeit und Arbeitsfreudigkeit schloß Redner seine mit Begeisterung ausgenommene Ansprache. Herr Oberkantor Ce r i n i hatte wie immer seine Gesangskunst in den Dienst der guten Sache gestellt. Herr Dr. S ch l e s i n g e r sprach von den neuen Aufgaben, die sich das Volksheim gestellt habe. Als neue Einrichtung sei für die kommende Winterarbeit die Veranstaltung von Frauenabenden, die am Montag und Donnerstag mit den Leseabenden znsammenfallen, geplant. Ferner werde eine Rechts- und W o h l f a h r t s a u s - kunftsstelle eingerichtet, in der an jedem Dienstag jeder Besucher der Toynbeehalle unentgeltlich von sachkundiger Seite jede gewünschte Auskunft erhält. Die Anschaffung einer Nähmaschine sei gleichfalls geplant. AM Mittwoch, 9. Oktober sprach Herr Arthur F i s ch l e r über „Die Hygiene bei den Juden". Der überaus starke Besuch in den neu hergerichteten Räumen des Volksheims zeugt von großem Interesse, das die Mitglieder der hiesigen Synagogengemeinde der Toynbeehalle entgegenbringen, und scheint sich das Prestige derselben gegenüber früheren Jahren zu heben.- Hoffen wir, daß der gemeinnützigen Institution weiter Freunde erwachsen, die die gute Sache auch pekuniär unterstützen - werden. F. M. Frankfurt a. M., 20'. Oktober 1912. Gegen Ende September fand auf Einladung eines von Berlin aus angeregten Komitees eine Vorversammlung behufs Gründung eines „Vereins für Statistik und Demographie der Juden" statt, dem sogleich eine größere Anzahl Mtg,lieber beitrat. Er bezweckt, durch statistische Erhebungen undauf ihnen beruhende wissenschaftliche Untersuchungen brauchbare Waffen in dem. Kampf.-gegen antisemitische Uebergriffe und Anmaßungen. Zu liefern undseine Mitglieder durch. Vorträge über die e-mschlägigen Fragen zu belehren. Gleiche Vereinigungen bestehen bereits in Berlin und München. Herr Nechtsanwalt Dr. Blau (Berlin) wird in einer demnächst stattfindenden öffentlichen Versammlungüber -die das Interesse Weiler Kreise erregenden Fragen berichten. 2X2 Bad Dürrheim, 20. Oktober. Das Friedrich-Luisen- Hospiz, Solbad und Erholungsheim sür Israelitische Kinder und erwachsene weibliche Personen, kann mit großer Befriedigung aus die ersten Monate seines Bestehens zurückblicken. Die Anmeldungen, waren so zahlreich, daß die Anstalt gleich nach ihrer Eröffnung Ende Juli dieses Jahres Vollbesetzung aufwies und daß es sogar nötig war, im August über die ursprünglich in Aussicht genommene Höchstzahl der aufzunehmenden Kinder etwas hinauszugehen. So sind bis Mitte Oktober bereits über 100 Kinder, nicht nur aus Süddeutschland, sondern auch aus Mittel- und Norddeutschland und der Schweiz, der Segnungen der Anstalt teilhaftig geworden. Trotz der ungünstigen Witterung in den Sommermonaten war der Gesundheitszustand ein vorzüglicher und der Erfolg, der in Gewichtszunahmen bis zu 8 Kilogramm -hervortrat, ein ganz ausgezeichneter, bei manchen körperlich - zurückgebliebenen Kindern ein geradezu überraschender. Viele Kinder sind schon jetzt für die Weihnächtsserien öder für den kommenden Sommer .wiederum, angemeldet. Das Hospiz soll das ganze Jahr hindurch offen bleiben, um auch zu den von den Aerzten so sehr empfohlenen Kuren im Herbst, Winter und. Frühjahr Gelegenheit zu geben. In diesen stilleren Monaten ist es -auch möglich, Heranwachsende . Mädchen und erwachsene weibliche - Personen, vor allem auch Krankenpflegerinnen, zur Erholung und 'Kür aufzunehmen, sowie^pen' der Einzelpflege Bedürftigen beson- - dere Sorgfalt .zUzuwendenMUm den Betrieb auch in den Nichtferienmonaten, die naturgemäß einen geringeren Besuch aufweisen, finan-' ziell sicher zu stellen, ist die Gründungeines umfassenden Vereins .mit Jahresbeiträgen geplant. . Velsten. - * W. A. Arltorr, 17. Oktober. Unsere DMsche ..Gemeinde hat Me* letzten Feiertage unter dem Eindrücke des bevorstehenden Abschieds

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