Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- Seite 516 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229015-3229059--68904-3281187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dorotheas Bild, was sie auch getan oder nicht getan haben mag, eine Spur der Klarheit rauben.. Meine Hochachtung vor ihrer herben und starken Natur ist die denkbar größte geblieben. Gutemski wußte von der gemischtblütigen Abstammung Dorotheas. Er hatte diese Mitteilung nur wie ein neues interessantes Moment an der Geliebten entgegengenommen, und da ihm die damit zusammenhängenden Probleme fremd geblieben waren, nicht viel darüber nachgedacht. Sie war und blieb ihm eine Offenbarung des Lebens. Wenig Wochen später hatte er vor, nach Wien zu fahren, um dort bei dem Oberregierungsrat um ihre Hand anzuhalten. lSchluß fohit) Literarische Mitteilungen. E ß b u ch s ü r Herzkrank e. Von Privatdozent Dr. Max H e r z, Spezialarzt für Herzkrankheiten in Wien. Medizinischer Verlag Schweizer und Co., G. rn. b. H., Berlin NW 87, Eyke-von-Repkow- Platz 5. Preis 1.80 Mark. Dieses Buch will den Herzleidenden zeigen, wie sie ihre Diät am besten einrichten, nicht nur zur Zeit, wo das Herzleiden ausgeglichen ist und ein nahezu gesundes Befinden vorhanden ist, sondern auch dann, wenn der Ausgleich-gestört ist — natürlich nur in Ergänzung der hausürztlichen Beratung. Aber es ist, trotz seines Namens, kein bloßes Eßbuch, sondern es enthält außer den diätetischen Vorschriften wertvolle Ratschläge und Winke für die Lebensweise und die ganze Lebenseinrichtung Herzkranker. Für den wichtigsten unter diesen halten wir den Hinweis darauf, daß es kein heftigeres Gift für das Herz und besonders für das kranke Herz gibt als Kummer und Sorge. Deshalb soll der Herzkranke trachten, sich sein Leben so heiter als möglich zu gestalten, vor allem soll er sich von hypochondrischen, schwarzseherischen Gedanken fernhalten. Und noch einen Rat, den das Buch außer vielen anderen trefflichen gibt, halten wir für außerordentlich beherzigenswert, nämlich, daß es für den Herzkranken wertvoller ist, einen gutgesinnten, wohlwollenden Hausarzt zu besitzen, der ihn genau kennt, als wenn er hinterher ein Dutzend der berühmtesten Spezialisten aussucht. Das gemeinverständlich und sehr anregend geschriebene Buch verdient weiteste Verbreitung nicht nur bei den Herzkranken, sondern bei allen, die sich über gewisse Grundregeln der Gesundheitspflege und Heilkunde, zum Beispiel die Verhütung und Heilung der Fettsucht, unterrichten wollen. Sanitätsrat Dr. S ch e r b e l - Lissa. * H a c ch k o l, Band VI, herausgegeben von Rabbiner Dr. G ü n - z i g, Loschitz. Umrahmt von einer feinsinnigen und warmherzigen Auseinandersetzung des Herausgebers über die jüdische Tagessrage des Zionismus und durchslochten von formschönen und stimmungsreichen Liedern neuhebräischer Lyriker, Cohn, Lewit Libofchitzki, Dolitzki, erheben sich machtvoll die wissenschaftlichen Arbeiten, zunächst die Prachtleistung Dr. Simons Bernselds über die Heimkehr aus dem babylonischen Exil. Ein farbensattes Bild von der jungen Kolonie und den Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hat, wird hier gegeben und manches Neue mit der diesem Schriftsteller eigenen Plastik vorgesührt, wie die Mischehenfrage, bei der cs sich zumeist um Verbindungen mit den Samaritanern gehandelt habe, und den Netinim, die aus fremden Kulten übernommen, eine Art niederer Klerus darstellen. Hurwitz wendet sich gegen die romantische Verherrlichung des Chassidismus. Gewiß liegt es dem Chassidismus fern, das gesetzliche Prinzip des Rabbinismus zu überwinden. Auch er wurzelt im Gesetz. Alan kann doch aber nicht leugnen, daß ihm die Verinnerlichung und Vertiefung, die Durchgeistigung und Beseelung der vorgeschriebenen Lebensvrdnung Herzenssache ist. Rubins biblische Astronomie ist eine dankenswerte Leistung. Das bekannte „Sonne, stehe still von Gideon" usw. wird richtig als poetischer Ausdruck des Wunsches gefaßt, möchte doch der Tag nicht früher zu Ende sein als bis der Feind besiegt ist. Für deutsche Leser könnte man an Wellingtons Diktum bei der Schlacht bei Belle-Alliance erinnern: Ich wünschte, es wäre Abend oder die Preußen kämen. 516 -- - Bei ben prophetischen Angaben über Sonnenfinsternis hätte ihre ethische Ausdeutung des Phänomens hervorgehoben werden müssen: Die Sonne vermag die Sünde nicht mehr anzusehen. Milneos Skizze über Arnold Böcklin geht feinfühlig dem genialen Dichter von Farben und Formen nach. Nur glaube ich, daß mit dein bekannten Sclbstporträt, wo dem Künstler der Tod über die Schulter lugt, der Meister hat sagen wollen, er arbeite nicht für den Tagesruhm, sondern sein Ringen gelte den Ewigkeitswerten, wie sie der Tod symbolisiert. Freimanns Sefer hamaschkim ist ein wichtiger Beitrag zum Verständnis des deutsch-französischen Ritus, Epsteins kritische Auseinandersetzung über den Jaltüt Schimoni ist bedeutungsvoll für die rabbinische Literaturgeschichte des 13. Jahrhunderts. Wetstein und Lewinsky bereichern durch ihre Beiträge unsere Kenntnisse vom inneren Leben der Polnischen und deutschen Juden. Wie üblich, bietet der Sammelband auch eine Anzahl Kritiken, auf die hier bei der summarischen Ueberschau nicht eingegangen werden kann. Das schön gedruckte Werk erscheint im Verlage des Herausgebers, den Rabbiner Dr. B. Oppenheim in Olmütz bei der Redaktion unterstützt. Möchte die reiche Mühe, die auf die Herstellung des Bandes verwandt ist, durch weite Verbreitung belohnt werden. V e e r m a n n, Insterburg. lgiichkreinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher finde in keinem Falle statt. Liberales Judentum. Monatsschrift für die religiösen Interessen des Judentums, herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland unter der Redaktion von Dr. C. Seligmann, Frankfurt a. M. Jahrg. 4, Heft 8. 1912. Der Staatsbürger. Halbmonatsschrift für politische Bildung. Herausgeber Pros. Dr. Hanns Dorn in München. Nr. 15/16 Augusthest 1912. Jüdischer Jugendkalender 5673. Jüdischer Volksschriftenvcrlag G. m. b. H., Frankfurt a. M. Zur Jahrhundertfeier des Judenedikts vom 11. März 1812. Ein Rückblick aus den Kampf der preußischen Juden um die Gleichberechtigung. Von Prediger Dr. Paul Rieger. Berlin 1912. Jewish Orphan Asylum. Forty-fourth animal report Cleveland, Ohio, From July 1, 1911, to july 1, 19ä2. Jewish colonization association. Rapport de l’administration centrale au conscil d’administration pour l’annee 1911. Presente ä l’assemblee generale du 7 juillet 1912. Paris 1912. , Sxrechsaal. An die Redaktion der „Allg. Zeitung des Judentums". Ich bitte Sie, in Ihrem geschätzten Blatte folgendes aufzunehmen: us die Beschwerde des Vorstandes des Vereins liberaler Juden zu Posen über die Predigt des Gemeinderabbiners Dr. Feilchenfeld vom 14. September er. hat der Vorstand der Posener Synagogengemeinde Folgendes geantwortet: An den Verein liberaler Juden hier. Posen, den 8. Oktober 1912. Auf das gefl. Schreiben vom 25. v. M. erwidern wir ergebenst, daß wir die fraglichen Ausführungen des Herrn Gemeinderabbiners Dr. Feilchenfeld, soweit sie die liberalen Juden zu verletzen geeignet sind, bedauern. Wir gaben hiervon auch dem Herrn Gemeinderäbbiner Kenntnis, der übrigens zur Sache bereits die Erklärung abgegeben hat, er habe nicht die Absicht gehabt, irgend jemand persönlich zu verletzen. Der Vorstand der Synagogengemeinde gez. Friedlaender. Posen, 18. Oktober. Ergebenst Dr. Kaempfer.