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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-10-25 · Heft 43 (25.10.1912) · p. Seite 509

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 43 (25.10.1912)
Date
1912-10-25
Page
Seite 509 (sequence 5)
Language
German
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Punkte aus beurteilen, ob ich für das hohe Amt, für welches ich kandidiert wurde, die Eignung besitze oder nicht. Ich habe, wie Sie wissen, die Kandidatur nicht gesucht. Sie erfolgte in Anerkennung meiner Dienste für das Vaterland ohne Rücksicht auf meinen Glauben. Das ist auch so in Ordnung. Und ich werde mir auch alle Mühe geben, daß nichts, geschehe, wodurch diese Ehrung Abbruch erleiden könnte, eine Ehrung, die mir an sich wertvoller erscheint, als der eventuelle Erfolg bei den Wahlen. Ich hoffe, daß der Gott Israels, der nicht ruht und nicht schläft, den Mitgliedern Ihrer Gemeinde Gesundheit, Glück und den Segen des heiligen Tages bescheren wird." Friedrich Mippold's neuestes Luch? Von L u d w i g G e i g e r. riedrich Nippold ist den Lesern dieser Zeitschrift durch manchen gehaltvollen Beitrag bekannt. Er gehört zu unseren angesehensten Gelehrten, und ich sreue mich, durch die Liebenswürdigkeit des hervorragenden Mannes in den Stand gesetzt zu sein, meinen Lesern sein Bild vorlegen zu können. Friedrich Nippold ist am 8. September 1838 zu Emmerich geboren, studierte in Halle und Bonn, bereiste 1861—1863 den Orient, habilitierte sich 1865 in Heidelberg, wurde 1867 außerordentlicher Professor der Kirchengeschichte in Bern und wurde 1884 nach Jena berufen, wo er eine lange Reihe von Jahren wirkte, bis er vor einiger Zeit seinem Amte entsagte. Sein Hauptwerk ist das Handbuch der neuesten Kirchengeschichte, das sich in seiner dritten Auslage zu einem großen vierbändigen Werke gestaltete, dessen erster Band die Einleitung in die Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts, dessen zweiter Band die Geschichte des Katholizismus seit der Restauration des Papsttums, dessen dritter die Geschichte des Protestantismus seit den deutschen Befreiungskriegen und dessen vierter die amerikanische Kirchengeschichte behandelt. Unter seinen übrigen Arbeiten mag hier nur die Herausgabe der Memoiren des Kriegsministers Bohen, Biographie seines Lehrers und Meisters Richard Rothe und eine Aphorismensammlung: „Stille Stunden" erwähnt sein. Die letztvergangenen Jahre seines arbeitsreichen Lebens widmete der Verfasser der Vollendung seiner kirchengeschichtlichen Studien und Aufzeichnungen über sein Leben. Diese Aufzeichnungen enthalten nicht Interna über seine innere Entwicklung und seine äußeren Schicksale, sondern hauptsächlich seine Beziehungen zu bedeutenden Zeitgenossen. Seine von dem Jahre 1867—1897 andauernden Verhältnisse zum Großherzog Friedrich von Baden veranlassen ihn zu einem eingehenden Charakterbild dieses, um die Gründung des Deutschen Reichs hochverdienten Fürsten. Die persönliche Stellung des Großherzogs zum Fürsten Bismarck, die kleri- *) Führende Persönlichkeiten zur Zeit der Gründung des Deutschen Reiches. Forschungen und Erinnerungen von Friedrich Nippold. Berlin 1911. Verlag von Karl Siegisnmnd, Königl. Sachs. Hofbuchhändler. kalen Einflüsse am Karlsruher Hose werden klar beleuchtet und vielfach fällt auf die weit zurückdatierenden Ursachen des Sturzes Bismarcks ein neues Licht. Mit Rücksicht aus die heutigen Parteikonstellationen ist das Kapitel „Ist Fürst Bismarck nach Canossa gegangen?" besonders beachtenswert, desgleichen die authentischen Nachweise über Me vom Sturze Herrmanns, des Präsidenten des Oberkirchenrats, zum Sturze des Ministers Falk überleitende Hintertreppenpolitik. Die Niederschriften über die katholischen Theologen Leopold Schmid und den Führer der Altkatholiken Bischof Neinkens sowie die veröffentlichten Briefe des letzteren, bieten bisher ganz Unbekanntes. Das gleiche gilt von den Briefen des Freiherrn von Ungern-Sternberg (Chef des Geheimen Kabinetts in Karlsruhe.) Sehr ergreifend sind die persönlichen Erinnerungen an den Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar, die Großherzogin Sophie und die Begründung des Evangelischen Bundes, wobei es von besonderem Interesse ist, die beiden fürstlichen Personen, die man im großen Publikum zumeist ausschließlich als literarische Mäzene anzusehen gewöhnt ist, als Vertreter religiösen Lebens und als Beschützer kirchlicher Organisationen kennen zu lernen. Die beiden führenden Parlamentarier, Graf Bethusy-Huc und Gras Wintzingerode sind in ihren nationalen, kirchlichen und kulturellen Bestrebungen und Errungenschaften, lebensvoll vorgesührt. . Die Persönlichkeit Bismarcks ist in der Einleitung in den Mittelpunkt des gewaltigen Zeitalters gestellt. Es fallen viele neue Schlagbilder auf die Zeit der Kulturkampfepoche, aber auch der Hinweis aus die unzerstörbaren Früchte der in der großen Zeit der Neugründung des Deutschen Reichs herangereiften Aussaat des Friderizianismus fehlt nicht. In den vorstehenden Sätzen ist, zumeist mit den Worten einer empfehlenden Buchhändleranzeige der hochinteressante allgemeine Inhalt des Buches angedeutet, auf den näher einzugehen der Charakter dieses Blattes verbietet. E i n Abschnitt aber, der in dieser Uebersicht nicht erwähnt ist, der zehnte, „Aus dem Aufwärtsstreben der jüdischen Theologie", ist gerade für unsere Leser der interessanteste. Der Inhalt dieses hochbedeutenden Abschnittes, der 70 Seiten des umfangreichen Werkes einnimmt, ist folgender: 1. Abraham Geiger, 2: Moritz Lazarus, 3. Wechselbeziehung zwischen jüdischer und christlicher Theologie, 4. Interkonfessionelle Kreuz-. und Querwege, 5. Gemeinsame Zukunftsaufgaben der ofsenbarungsgläubigen jüdischen und christlichen Theologie. Der letzte Abschnitt war vor einiger Zeit in unserer Zeitung abgedruckt, und braucht deshalb hier nicht noch einmal besprochen zu werden. Was die übrigen Kapitel des Abschnitts anbetrifft, so wendet - sich Nippold in dem meinem Vater gewidmeten als christlicher Theologe — von seinem Standpunkt aus mit Recht — gegen die Unterschätzung des Christentums, die sich in den Schriften Geigers findet und gibt dann, hauptsächlich nach dem von mir herausgegebenen Gedenkbuch, das er in freundlichster Weise anerkennt, eine Uebersicht über sein Wirken. Geh. Rirchenrat Dr. F. Nixxold. J

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