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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-10-18 · Heft 42 (18.10.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 42 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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7 6. Jahrgang Nr. 42 ( Berlin, 18. Oktober 1912 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". Lorrrlponden?kn und Sachnchtm. Deutschland. B. T. Berlin, 15 Oktober. Der Präsident der Berliner Handelskammer, Geheimer Kommerzienrat Wilhelm Herz, feierte am 10. d. M., wie bereits kurz mitgeteilt, in voller Frische mit seiner Gemahlin im Kreise seiner Kinder und Enkel das Fest.der di am ant en en H ochz eit. Eine außerordentlich große Anzahl von Glückwünschen und zahlreiche kostbare Blumenarrangements waren schon in den frühen Morgenstunden in der Wohnung des Jubelpaares in der Dorotheenstraße eingetroffen. Auch die Zahl der Gratulauten, die im Laufe des Vormittags persönlich ihre Glückwünsche überbrachten, war sehr groß. Die Mitglieder der Berliner Handelskammer, die Aeltesten per Kaufmannschaft mit Dr. Kaempf an der Spitze und viele andere Deputationen ' fanden sich' . in der Wohnung ein. Generalkonsul Franz v. Mendelssohn kleidete die Wünsche der > Berliner Handelskammer in eine herzliche Ansprache. Geheimrat. Herz sei, so meinte der Redner, in der Wahl seiner treu-? sorgenden Gattin außerordentlich klug gewesen; sie habe nicht nur 60 Jahre lang ihm in. glücklicher Ehe zur Seite gestanden, sondern habe der Familie den festen Boden begründet. In seinem Danke bat der Jubilar, daß es ihm vergönnt sein möge, noch einige Jahre mit den Mitgliedern der Kammer zusammen zu verleben. Präsident Dr. Kaempf verlieh dann den Wünschen der Aeltesten der Kaufmannschaft herzlichen Ausdruck. In von Tränen durchstickter Stimme hob er hervor, daß zusammen jung zu sein eine Lust und Freude sei, ein Glück sei es/ zusammen alt zu werden, das größte Glück aber bedeute es, in Rüstigkeit und Frische des Körpers und Geistes zusammen alt zu werden. Persönlichwar auch der preußische Finanzminister L en tz e mit seiner Gemahlin erschienen. Der Vorstand der Deutschen Bank, sandte als Geschenk die Kaiserbüste von Tuaillon auf einem Marmorsockel. Telegramme waren von einer großen Anzahl von Ministern, dem Polizeipräsidenten v. Iagow, dem Fürsten H enckel v. Dvnnersmarck und vielen, anderen Persönlichkeiten eingetrossen. Auch der Reichskanzler, gehörte zu den Gratulanten. Er hatte folgendes Telegramm gesandt: „Zu dem nur wenigen Sterblichen beschiedenen schönen Feste, das Sie und Ihre Gattin heute durch Gottes Gnade begehen dursten, sende ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche, v. Bethmann Hollweg/' Geheimrat F r i e d h e i m überbrachte dem Jubelpaare die vom Kaiser verliehene goldene Ehejubiläumsmedaille, die er mit einer Ansprache überreichte. y. Berlin, 15. Oktober. Aus Anlaß des sünsundzwanzigjährigen Amtsjubiläums des Herrn Rabbiners Dr.'R os en zw eig fand am letzten Freitagabend in der Neuen Synagoge in der, Oranienburgersträße ein. feierlicher Festgottesdienst statt. Schott im Läuse des Tages hatten sich zählreiche Gratulanten insbesondere auch seine Kollegen, Freunde und Schüler eingesunden, um ihm ihre' Glückwünsche darzubringen. Von seinen Amtskollegen wurde Herrn Dr. Rosenzweig das Bild von Bendemann „An den Strömen Babels" als. Angebinde überreicht. Am Abend vor dem Gottesdienst fand im Trauungssaale die eigentliche Feier statt. Namens der Gemeindebehörden, des Vorstandes und der Repräsentanten überbrachte Herr Kommerzienrat Eisner an Stelle des durch seine'schwankende Gesundheit verhinderten ersten Vorstehers Herrn Julius Jacob y, dem Jubilar die besten Glückwünsche. - Er pries die Verdienste des Gefeierten als Redner, Prediger, Pädagoge und auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft, er wies daraus hin, daß die wechselseitigen Beziehungen zwischen dem Jubilar und den Gemeindekörperschasten während dieses ganzen langen Zeitraumes die angenehmsten und. vertrauensvollsten gewesen sind. Er schilderte das Familienglück des Jubilars, seine Häuslichkeit, die von der Poesie und dem Zauber altjüdischer Sitte umweht gewesen sei^ und wie er es verstanden habe, diese altjüdische Poesie auch in die Herzen seiner Kinder zu pflanzen, die er das Glück habe alle in hochgeachteten Stellen zu sehen. Mit dem Wunsche, das Amt wie bisher zu verwalten und der Hoffung, daß es ihm vergönnt sein werde, noch viele Jahre in gleichem Sinne zu wirken, richtete Herr Kommerzienrat Eisner seine Glückwünsche auch an die anwesende Familie des Gefeierten. Dev Vorsitzende der Repräfentantenversammlung Herr Louis Sachs verlas hieraus eine-kunstvoll ausgestattete Adresse, in welcher die Verdienste-des Jubilars hervorgehoben sind und seiner Tätigkeit Dank und Anerkennung ausgesprochen lstird. Nach der Ueberreichung dieser Adresse ergriff noch Rabbiner Dr. Stier das Wort, um namens seiner Kollegen noch einmal die besten Wünsche auszusprechen, Er schilderte in kurzem Nahmen das Lebensbild des Gefeiertender nicht nur in treuer Pflichterfüllung - seines' Amtes waltete, sondern auch mit vollem Herzen und treuer Liebe sich in den Dienst der'Gemeinde gestellt hat. „Die Liebe hat Sie geleitet, die -Treue zum Glauben, die Liebe zum Judentum." Rabbiner Dr. Rosenzweig, dem man die innere Erregung ansah, erwiderte mit einigen herzlichen Worten des Dankes. .Der Rückblick aus feine 25 jährige Tätigkeit als Gemeinderabbiner Berlins wecke in ihm ein zwiespältiges Gefühl der Freude und der Wehmut. Die 25 Jahre seien nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Der Inhalt seiner Predigt, die. er am heutigen Abend beim Gottesdienste halten werde, werde gewissermaßen ein Rechtschäffenheitsbericht über seine Tätigkeit werden Und zugleich ein Bild des Anwachsens der Gemeinde und der Größe des in dieser Zeit von den Gemeindebehörden Geschaffenen sein. Als er sein Amt antrat, waren es drei Rabbiner, die hier wirkten. Damals war gerade Frankl-gestorben, der ihm immer , als Vorbild gedient habe. Heute sind es zehn Gemeinderabbiner. Damals gab es eiste Religionsschule, heute sind es mit den subventionierten zwanzig. Ueberhaupt mache sich jetzt hier in Berlin der Geist des Glaubens, der Treue zum Judentum, ein wärm pulsierendes jüdisches Leben bemerkbar^ . Es walte jetzt der selbstlose Geist der Hingabe an die Gemeinde und mehr noch. Die Kinder wachsen wieder aus im Geiste unseres Glaubens. Gewiß geschieht hierin, noch nicht alles, aber, es. geschieht vieles und dafür danke er dem Talmud-Thora-Vorstand. Er dankte sodann .in warmen Worten sowohl den Rednern dep Gemeindekörperschaften, wie seinen Amtskollegen . für alle Zeichen des Wohlwollens, der Freundlichkeit und Anerkennung. Sodann wurde der Jubilar, in feierlichem. Zuge von Vorstand und Repräfentanten in die Synagoge geleitet, wo der Altar mit prächtigen Blumendekorationen geschmückt war.. Nach einigen Chorgesängen und der Einleitung, zum Abendgebet bestieg Herr Dr. Rosenzweig die Kanzel und . hielt eine Ansprache an die Gemeindemitglieder, die das große Gotteshaus bis aus den letzten Platz füllten. Die Predigt, die einen Rückblick über seine Amtstätigkeit enthielt, schloß der Jubilar mit einer Stelle aus dem Neilagebet, und so etwas wie Neilnstimmung lagerte auch über der ganzen Gemeinde. Nach Schluß des Gottesdienstes ergoß sich eine unabsehbare Kette von Gratulanten zum Sitze des Jubilars. M. p Berlin, 15. Oktober.' Am Donnerstag d. 10. d. M. hatte der „Jüdisch-liberale Jugendverein" im Saale des Logenhauses seine erste diesjährige, öffentliche Winterversämmlung einberufen, in der von bewährter Seite die Richtlinien des Vereins' dargelegt und gezeigt werden sollte, „was wir wollen." Als erster sprach der Vorsitzende der Vereinigung für düs liberale Judentum in Deutschland Herr Justizrat Br es lau er. ' Nachdem er den Begriff Judentum definiert hatte als eine Religion, deren Anhänger die Träger des reinen, wahren Monotheismus, die Träger der Weltreligion sind, ermahnte er die JugeHd, sich durch äußere Dinge vom Judentum nicht, abbringen zu lassen, sondern durch treue Arbeit den Kampf aufzunehmen, den Kampf für völlige Gleichstellung, um so dem konfessionellen Gegner Achtung abzuringen. Als zweiter Redner des Abends sprach Herr Rabbiner Dr. S^eli g m ann-Frankfurt a. M., der aus der Durchreise zur Versammlung der liberalen Vereinigung in Posen hier weilte. In begeisterten und begeisternden Worten wendet er sich gegen die Teilnahmslosigkeit, das Schweigen auf religiösem Gebiete, gegen den Jndifserentismus, i der nicht nur lähmend, sondern geradezu schädigend: auf das ' Bestehen des. Judentums wirke. Mt tresslichen.Worten wandtecer sich.gegen die O.rtho-

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