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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-10-11 · Heft 41 (11.10.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 41 (11.10.1912)
Date
1912-10-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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nungen und Sprecher entsandt, um dem Jubilar für opferwillige Taten feines Bürger sinns zu danken, so der Vorstand der Sächsischen Volks- Heilstätten für Alkoholkranke, der Verein Kinderhort, die israelitische ReligioNsgemeinde usw. Professor Dr. Winter gedachte noch besonders der Humanitären Wirksamkeit des Gefeierten. Fabrikbesitzer England sprach die Glückwünsche des Vereines der Industriellen Dresden-West und des Verbandes Sächsischer Industrieller aus. Als Freund zum Freunde sprach Professor K r ü m e r, der auch die Glückwünsche des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie darbrachte. Kommerzienrat Max Elb gab nach herzlichen Dankesworten ein historisches Bild von der Entwicklung seines Unternehmens, dessen gute Genien seine Gattin und die Treue seiner Angestellten gewesen seien. Zum Schlüsse gab er bekannt, daß er das Jubiläum zum Anlaß genommen habe, die Jubiläumsstistung um 5000 Mark aus 15 0OO Mark zu erhöhen und 6000 Mark zur Verteilung an äiltere Angestellte und Arbeiter zu stiften. Inzwischen waren die Geheimen Hofräte Rector Magnificus Professor v. Meyer und Förster erschienen. Ersterer beglückwünschte den Jubilar im Namen der Technischen Hochschule, - insbesondere der chemischen Abteilung, und dankte für die Errichtung der M a x - EU b - S t i p e n d i u m st if t u n g für Chemiker, die anläßlich des Jubiläums erfolgt ist. Kommerzienrat Max E l b erwiderte, daß er durch diese Stiftung nur eine Dankesschuld an die Hochschule abtragen wolle,. der er seine Ausbildung zu verdanken habe. Der Verlauf der Feier zeigte, daß sich Kommerzienrat Max Elb in allen Kreisen der Bevölkerung hoher Achtung erfreut, die ihn als Mann der Wissenschaft, als tüchtigen Industriellen und als wahren Menschenfreund schätzt. Neustadt, 2. Oktober. Unter Beteiligung von Glaubensgenossen aus der ganzen Pfalz fand hier am 29. v. M. die feierliche Grundsteinlegung des am Fuße des Stadtparks zu errichtenden israelitischen Altersheims statt, zu dem der israelitische Kreisasylverein der Pfalz bereits rund 150 000 Mark ausgebracht hat, darunter auch Beiträge aus Frankfurt und Mannheim. Nach einem einleitenden Choral der Kapelle des Infanterieregiments, ergriff der Vorsitzende des Israelitischen Kreisasylvereins für/die Pfalz, Dr. Reis- Speyer das Wort zu einer Ansprache, in der er alle Erschienenen herzlich willkommen hieß. Hieraus erklang unter Leitung des Musikdirektors Stahl- Speyer durch einen von zahlreichen Synagogenchören der Pfalz gebildeten Männerchor Schuberts „Heilig ist der Herr" aus. Dann ergriff Herr Hauptlehrer L. Waldbott- Speyer das Wort zur inhaltreichen Festrede. Nach derselben nahm Bezirksrabbiner Dr. S t e ck e l m a ch e r - Bad Dürkheim in längerer Ansprache die Weihe des Grundsteins vor. Stach Versenkung der Urkunde in den Grundstein folgten die üblichen Hammerschläge mit entsprechenden Weiheworten. Die ersten tat der Vorsitzende Dr. Reis, ihm folgten der verdiente Ehrenpräsident S. Herz- Speyer, Regierungsrat Juncker- Neustadt und Bürgermeister Wand- Neustadt, denen sich. noch zahlreiche der Erschienenen, darunter auch die - Vertreter der protestantischen und katholischen Kirchengemeinde, anschlossen. Ein Männerchor beendete die eindrucksvolle Feier. Nachmittags fand im großen Saale des Saalbaues ein Festessen statt, an dem etwa 400 Personen teilnahmen. Als Festgäste sowohl beim Weiheakt wie beim Festessen erschienen der Bezirksamtmann, der Bürgermeister, der Landtagsabgeordnete Abresch sowie Vertreter der protestantischen und katholischen Kirche. Für die innere Einrichtung des Altersheims liegen bereits 18 Stiftungen von je 500 bis 1000 Mark vor. OesterreLch-Nngarn. lv. Wien, 2. Oktober. Viel besprochen und — belacht wird in vielen Gemeinden folgender Beschluß der Kultusgemeinde Teplitz in Böhmen, der folgenden Wortlaut hat: „Die Teilnahme an religiösen Uebungen und Exhorten, die dazu zu zählen sind, ist als eine Sache des Kultus zu betrachten, weil es Versammlungen von Glaubensgenossen sind, bei welchen gemeinsame Gebete verrichtet werden. Darum gebührt es einzig der Machtsphäre der Eltern, die Kinder zu religiösen Uebungen auzuh alten und ist ein Korrelat zur väterlichen, mit der Erziehung verbundenen Macht. Und der Lehrer, der die Kinder zur Exhorte anhält, womit der Kültusvorstand übereinstimmt, übt einen Teil der Macht der Eltern aus. Wehren sich aber die Kinder dagegen, so kann er kein Zwangsmittel anwenden, als sich an die Eltern selbst wenden. Daraus folgt, daß der Lehrer weder die Schüler zu religiösen Uebungen zwingen, noch auf deren Eltern einen Drucks?) ausüben darf. Die Vernachlässigung der Erziehung durch die Eltern fällt in die Sphäre des Vormundschastsgerichtes. Es widerspricht den Staatsgrundgesetzen, Kinder zu religiösen Uebungen zu zwingen, und die Religivnslehrer sind dienstlich verpflichtet, die Staatsgrundgesetze zu beachten." Dazu ist bloß zu bemerken, daß die Religionslehrer anderer Glaubensbekenntnisse ihre Schüler jeden Sonntag zur Kirche führen und sie zur Teilnahme an den religiösen Uebungen anhalten. Daraus folgt, daß die Religionslehrer nichtmosaischer Konfession die Staatsgrundgesetze verletzen, die zu beachten sie dienstlich verpflichtet sind. — Aus Sadagora wird der hiesigen Tagespresse berichtet, daß am 29. September (2. Halbfeiertag) um 4 Uhr morgens dortselbst der Wunderrabbi Aron F r i e d m a n n im Alter von 35 Jahren gestorben ist. Sofort nach dem Eintritt des Todes des von Chassidim so hochverehrten Rabbi wurden die Bewohner von Sadagora durch Hammerschläge an die Hanstore seitens der .Diener des Nabbinerhofes vom Schlafe geweckt. Die ganze Stadt war bald von Wehklagen erfüllt. Rabbi Friedmann ist vor zwei Jahren an einem Darmleiden erkrankt und in Wien von Hofrat von Eiselsb e r g operiert worden. In der letzten Zeit trat noch galoppierende Schwindsucht hinzu. Am 29. September (2. Halbseiertag) war gerade der Geburtstag des Toten. Das Leichenbegängnis fand fünf Stunden nach dem Eintritt des Todes statt. Die Leiche wurde nicht in einen Sarg gelegt, sondern nur aus zwei Bretter und wurde von den vier Aeltesten durch die Straßen getragen, umringt von einer großen Menschenmenge. Wegen des Laubhüttenfestes unterblieb jede Leichenrede, die übrigens bei den Chassidim auch sonst nicht üblich ist. LuszlÄNd. L. A. T. Petersburg, 4. Oktober. Der bekannte Moskauer Gemeinderabbiner Bt a z e erhielt von der Kanzlei des Moskauer Stadthauptmanns folgende Mitteilung: „Auf Befehl des Stadthauptmanns teilt die Kanzlei mit, daß Seine Exzellenz vom Minister des kaiserlichen Hofes, Generaladjutanten Baron Frederiks, folgendes Telegramm erhielt: „Seine Majestät der Kaiser geruhte zu befehlen, der jüdischen Bevölkerung der Stadt Moskau für die Gebete und die im Telegramm des Moskauer Rabbiners M a z e ausgedrückten Gefühle zu danken. Der Minister des kaiserlichen Hofes: Baron Frederiks." Die allerhöchste Danksagung erfolgte als Antwort auf das nachstehende Telegramm der jüdischen Gemeinde an den'Minister des kaiserlichen Hofes. „Moskau. Seiner hohen Exzellenz dem Herrn Minister des kaiserlichen Hofes. Am erhabenen Tage von Borodino, nach ver- . richteten heißen Gebeten zum König der Könige für das Seelenheil des in Gott ruhenden Kaisers Alexander 1., des Gesegneten, der denkwürdigen Feldherren der großen russischen Armee des Jahres 1812 und der gefallenen Krieger, die mit dem Glanz der Unerschrockenheit und grenzenloser Verwegenheit, bis zum letzten Blutstropfen den Zaren und das Vaterland verteidigten, bitten die Juden der Stadt Moskau, treu dem Vermächtnis ihrex Vorfahren, der Zeitgenossen der erhabenen Zeit, deren Treue zum Throne und dem Vaterlande einstimmig von allen Historikern und Augenzeugen bescheinigt ist, Ew. hohe Exzellenz alleruntertänigst, zu den Füßen Seiner kaiserlichen Majestät des Kaisers, Ihrer kaiserlichen Majestäten der Kaiserinnen und des Kronprinzen-Thronsolgers, den Ausdruck der treuen untertänigen Ge- . fühle der jüdischen Bevölkerung der ersten Residenz niederzulegen. Möge der Allerhöchste die an diesem Tage aus der Tiefe unserer Herzen hervorgehenden Gebete für das Wohl des Kaisers, der Kaiserinnen und des Großfürsten-Thronsolgers und des gesamten Kaiserhauses erhören, möge der Allvater die Jahre des russischen Monarchen verlängern, möge Er ihm zur Freude und zum Glück aller Völker und Stämme das treue Rußland beschützen. Der Moskauer Rabbiner Maze." — Aus Smolensk vom 14. September schreibt man, daß der dortige Rabbiner Dr. Friedmann sich an die in der Synagoge betenden Israeliten mit einer Ansprache wandte, in welcher er denselben vorschlug, ein Gebet für die Gesundheit und das Wohlergehen Seiner Majestät des Kaisers und seiner erhabenen Familie zu verrichten, wobei der Rabbiner den Betenden die Worte übergab, die Seine Majestät an die j ü d i s ch e Deputation richtete, in deren Person der Kaiser gnädigst der ganzen jüdischen Gemeinde für die ausgedrückten treuuntertänigen Gefühle und für die Uebereichung einer Thora dankte. Der Kantor nebst Chor verrichteten hieraus ein Dankgebet.

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