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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-10-11 · Heft 41 (11.10.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 41 (11.10.1912)
Date
1912-10-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Schweden. &toäf)oim, 1. Oktober. Dienstag den 17. September verschied hier Herr Abraham Nachmanson im 71. Lebensjahre. Der Verstorbene, der zu den größten Philanthropen und populärsten Männern Stockholms gehörte, verdiente es in hohem Maße, auch an dieser Stelle — die wichtigsten hiesigen Zeitungen brachten anläßlich seines Ablebens spaltenlange Artikel — genannt und somit einem größeren Kreise unserer Glaubensgenossen als Muster und Vorbild vorgeführt zu werden. Der Hauptinhalt seines Lebens bestand in Menschenliebe und Wohltun. Siebenundzwanzig Jahre gehörte er dem Vorstände der hiesigen jüdischen Armenpflege an und dreißig Jahre war er Vorsteher der hiesigen Chewrakadischa. Diese Aemter versah er stets in solcher Weise, daß er ein Helfer der Armen und Tröster der Leidenden war. Er hals nicht nur aus Gemeindemitteln, sondern auch aus eigenen und solchen, die er auf privatem Wege von reichen Anverwandten und Freunden erhielt. Er suchte die Hütten der Armut selbst aus, um die Not zu lindern, er besuchte die Kranken und sprach ihnen Mut zu und fand sich überall in den Traüerhäusern ein, um die Trauernden und Hinterbliebenen zu trösten. Trotz seiner großartigen Erfolge in geschäftlicher und sozialer Beziehung — er hat sich aus eigener Kraft emporgearbeitet — bewahrte er während seines ganzen Lebens echte jüdische Gesinnung. Die unmenschliche Unterdrückung und Verfolgung unserer Glaubensbrüder im Osten betrübte ihn stets tief, erhöhte aber auch immer mehr sein Interesse für die unglücklichen russisch-jüdischen Flüchtlinge, die vom Schicksal nach Schweden verschlagen wurden. Natürlich gibt es unter diesen sehr viele Arme, deren Not gesteuert werden soll. Da war Abraham Nachmanson überall zur Stelle. Er half soviel und sooft er nur Helsen konnte. Er hals Existenzen gründen und zerrüttete wieder auszurichten und stand mittellos zurückgebliebenen Witwen und Waisen hilfreich zur Seite. Er bestimmte sogar testamentarisch, daß nach seinem Tode einigen solchen Familien dieselbe monatliche Unterstützung wie vorher zuteil werde. Vor drei Jahren gründete, er im Süden der Stadt, wo die meisten aus Rußland eingewanderten Juden wohnen, ein jüdisches Kinderheim, das für diese armen Leute, die den ganzen Tag über als Fabrikarbeiter und Taglöhner beschäftigt sind und ihre Kinder sonst allein zurücklassen müßten, eine außerordentliche Wohltat, ist. Daß sein gutes Herz keine konfessionellen Unterschiede kannte, wenn es sich darum handelte, aus privatem Wege hilfreich, zu sein, ist bei einem solchen Manne selbstverständlich. Er wurde hier daher von der jüdischen und christlichen Bevölkerung in gleicher Weise hochgeschätzt. So gehörte er auch zum Vorstände der allgemeinen Armenpflege Stockholms und war Vorstandsmitglied der meisten Wohltätigkeitsvereinigungen Hierselbst. Bei der Freitag, am' 20. September stattgefundenen Beerdigung waren fast alle Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde und zahlreiche andere hervorragende Persönlichkeiten Stockholms — darunter ein Bischof und ein gewesener Minister — anwesend. In einer ergreifenden Rede schilderte Herr Rabbiner Professor Dr. K l e i n die segenreiche Wirksamkeit des Verblichenen und führte unter anderem folgendes aus: „Wie wenn einer der schönsten Zweige eines Baumes bricht und zu Böden fällt, der ganze Baum von der Krone bis zur Wurzel erschüttert wird, so erschüttert und kies betrübt wurde unsere ganze Gemeinde durch den Tod Abraham Nachmansons. Die Wurzel in dem Leben des Entschlafenen war eine derartige Gottesfurcht, die stets die Triebkraft zu immer neuen Werken der Barmherzigkeit zu werden pflegt. Möge er, der in so manches. dunkle Lebensschicksal Licht brachte und so viele zur letzten Rühe bestattete, auch selbst ruhen in Frieden." Ebenso ergreifend'wirkte die kurze Ansprache des Vorsitzenden des Gemeinde- Vorstandes, Herrn Ingenieurs Oscar Hirsch, der dem Verstorbenen für seine vieljährige und vielseitige uneigennützige Arbeit innerhalb seiner Gemeinde dankte und den Schmerz der jüdischen Gemeinde über den unersetzlichen Verlust zum Ausdruck brachte.' „Das- Andenken des Gerechten bleibt zum Segen." Dr. M. Fried. Türkei. N J.K. Konstantinopel, 2 Oktober. ' Seit einiger Zeit wird; die jüdische J Bevölkerung des ottomanischen Reichs durch eine, antisemitische Preßkampagne beunruhigt, die von einigen sattsam bekannten judenseindlichen Hetzaposteln in gewissenlosester Weise betrieben wird. An der Spitze des ganzen Feldzugs steht Ali Kemal, der schon unter dem alten Regime als antisemitischer Demagog berüchtigt war. Angesichts dieser antisemitischen Propaganda und der von ihr drohenden Gefahr hat die jüdische Bevölkerung von Konstantinopel sich zu einer kräftigen Abwehr erhoben. In einer zum Zwecke der Abwehr von jüdischer Seite einberufenen Versammlung wurde über die zu ergreifenden'Maßregeln beraten und einstimmig die folgende Resolution, angenommen: „In hohem Grade empört über die geistigen, judenseindlichen Publikationen . gewisser türkischer Preßorgane, Publikationen, die dem Geiste der osmanischen Verfassung zuwid'erlausen, die Zwietracht zwischen den Elementen säen und sehr gefährliche Folgen für das jüdische Element haben können, protestieren die hier Versammelten vor der öffentlichen Meinung. Wir drücken unser Bedauern über die Verspätung aus, mit der der Medschlis Dschismani die Angelegenheiten auf die Tagesordnung gesetzt hat, und bitten den Medschlis dringlichst, unverzüglich die energischsten Schritte bei der Negierung zu tun, die der Fall erfordert, indem wir ihn für die Folgen der Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes verantwortlich machen. Wir drücken den Wunsch aus, daß diese Schritte, damit sie möglichst wirksam und offiziell erscheinen, von einer Delegation unternommen werden, die sich aus Mitgliedern des geistigen und weltlichen Rates zusammensetzen soll." "Tie Versammlung übermittelte diese Resolution durch eine Abordnung dem Dschismani. Dieser erklärte ihr, er fühle sich absolut gleicher Gesinnung mit der Versammlung und habe bereits einen Takrir redigiert, der durch den Vertreter des Großrabbiners Rabbi S a b b e t a I L e v y und durch zwei Mitglieder des Dschismani der Regierung unterbreitet werden soll. Das Schriftstück, das am letzten Montag dem Justizminister überreicht wurde, hat in seinem letzten Teile folgenden Wortlaut: „Der religiöse und der weltliche Rat unserer Gemeinde, entrüstet und gekränkt angesichts dieser Publikationen, die die Gemüter auszuhetzen geeignet sind und schwere und unheilbare Folgen nach sich ziehen können, protestieren entschieden gegen diese lügenhaften Behauptungen und lenken die Aufmerksamkeit der Negierung hieraus, damit Maßregeln zur Beendigung dieser bedauerlichen Situation ergriffen werden Da es eine der Hauptpflichten der kaiserlichen Negierung ist, darüber zu wachen, daß jede Ursache zu Unruhen und Zwistigkeiten beschworen. werde, erklären wir Seiner Exzellenz, daß die ganze jüdische 'Ration mit Ungeduld die Maßregeln erwartet, die die osmanische Regierung für gut befinden wird, um dieser Pressekampagne gegen die Juden, die sich immer durch ihre Gefühle der Treue, Ergebenheit und Liebe für das Vaterland ausgezeichnet haben, dieser Kampagne, die vor allem den heiligen Gesamtinteressen unseres Landes schädlich ist, . Einhalt zu gebieten." Nach einer offiziellen Mitteilung des Medschlis an die Presse . hat der Justizminister Ha'li m Bej der den Takrir überreichenden Deputation den freundlichsten Empfang bereitet, und nach Anhörung ihrer Beschwerde. sein . lebhaftestes Bedauern über diese traurige Pressekampagne ausgedrückt. , Von Msh und Lern. — Auf eine 25 jährige segensreiche Wirksamkeit als Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin kann in diesen Tagen Herr Rabbiner Dr. Adolf Rosenzwerg zurückblicken. Aus diesem Anlasse findet seitens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde am Freitag den 11. Oktober in der Neuen Synagoge in Berlin ein feierlicher . Festgottesdienst statt. — Die Wiedereröffnung der jüdischen Toynbee-Halle der Berliner Logen. U.O.B.B.' (Gipsstr. 12 a) findet am Dienstag den 15. d. Al. statt. Die Vorträge beginnen wochentäglich, mit Ausnahme des Freitags, Präzise 9 Uhr, Sonntag um 8 Uhr abends. — Dem bekannten Industriellen Kommerzienrat Josef 'Schloßmann ist der Charakter eines Geheimen Kommerzienrats verliehen worden. — Am 29. v. M. ist der Rentier Herr B e r t - - h o ld M a r k w a l d , ein Schwager des Geheimen Kommerzienrats Herz, im Alter Won 83 Jahren verschieden. Durch den Heimgang dieses hochherzigen Mannes haben viele Wohltätigkeitsvereine und Institutionen unserer Gemeinde einen schweren Verlust erlitten. — Der Generalsekretär, der Gesellschaft zur Fördern u g d e r W i s s e n s ch a s t d e s Judentums, Herr Dr. N. M. Nath an, .ist ,zum Syndikus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg, gewählt und am 6. d. M. in sein neues Amt eingeführt worden. Herr Dr. Nathan wird, wie uns mitgeteilt wird, die Geschäfte der Gesellschaft einstweilen von Hamburg aus weiter führen. — Aus Bremen wird uns geschrieben: Die Emigranten-

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