Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1912)
- Date
- 1912-10-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Boden den Alliancgedanken zu erhalten und diejenigen statutenmäßigen Zwecke zu erfüllen, welche die deutsche Organisation bisher erfüllt habe. Die Versammlung nahm schließlich' einstimmig folgende Entschließung an: „Die Generalversammlung - der Berliner Alliancemitglieder hält nach wie vor an der Organisation des deutschen Landeskomitees als der berufenen Vertretung des Allianzgedankens in Deutschland fest. Sie ersucht den Vorstand des Landeskomitees, die Organisation unverzüglich derart auszugestalten, daß das Landeskomitee in der Lage ist, die Aufgaben zu erfüllen, die es sich bisher gemäß dem Geist und Wortlaut der Allianzsatzungen gesetzt hat, insbesondere unbeschadet etwaiger Friedensverhandlungen eine energische Agitation für Werbung -neuer und Erhaltung alter Mitglieder der A. I. U. zu entsalten." W. Posen, 2. Oktober. Zu Ehren des von hier nach Danzig versetzten Geheimen Archivrats Herrn Professor Dr. Adolf Warschauer fand hier ein Abschiedsmahl statt, an welchem Vertreter der Behörden und der Bürgerschaft teilnahmen. In den einzelnen Ansprachen kam die Verehrung für den Scheidenden in beredter Weise zum Ausdruck, — eine Verehrung, die einmal in der Erkenntnis der reichen Früchte seiner stillen Arbeit in den drei Dezennien der Posener Amtstätigkeit wurzelt, und zum anderen auch den liebenswürdigen Charaktereigenschaften des schlichten, bescheidenen Mannes galt, die sein Scheiden aus der ostmärkischen Residenz doppelt schmerzlich empfinden lassen. Den ersten Trinkspruch brachte der Direktor des Staatsarchivs, Geheimer Rat Professor Dr. Prümers aus. Er wies daraus hin, daß er mit seinem Amtskollegen 26 Jahre lang zusammen gearbeitet habe. Unendlich viel habe dem Scheidenden die Pflege der Provinzialgeschichte zu verdanken, deren wissenschaftliche Begründung er eingesührt habe. Auch den persönlichen liebenswürdigen Eigenschaften des Gefeierten widmete der Redner herzliche Worte. Professor Dr. Spies führte als Vertreter des Lehrkörpers der Akademie aus, daß Warschauer seit Bestehen dieser Anstalt mitgearbeitet habe und schon wegen der Gründung dieser Hochschule eingetreten sei. Für die historische Gesellschaft, die Professor Warschauer mitbegründen hals, sprach sodann Oberlandesgerichtsrat Geheimer Justizrat Martell. Er wies daraus hin, wie aus allen Heften der Monatsschrift Warschauers Geist herausleuchtet. Die Zeit der großen Kolonisation vom 12. bis zum 14. Jahrhundert sei es besonders gewesen, in der er uns die Deutschen als Bringer neuer Werte veranschaulicht habe. Bürgermeister Künzer feierte den Scheidenden namens der Stadt Posen, die in Warschauer ihren Untersuchungsrichter gefunden habe. In einer von unbezahlbar köstlichem Humor durchwürzten Rede, die von zahlreichen Heiterkeitsausbrüchen unterbrochen wurde, feierte sodann Rabbiner Professor Dr. Bloch die Familie des Scheidenden, die ihm neben ernster Arbeit ein wohliges Heim schuf. Herr Professor Warschauer führte aus, er habe 30 Jahre in Posen verlebt und die merkwürdige Entwicklung von Stadt und Land mitgemacht. Er habe fünf Oberbürgermeister und sechs Oberpräsidenteu gesehen, und von diesen Stellen sei seine Arbeit anerkannt worden, die fern ist von der großen Politik des Tages und dem Lärmen und Hasten des Tages, eine schlichte und rastlose Arbeit besonders für unsere heimatliche Geschichte. — Die Einweihung der umgebauten Synagoge der Brüdergemeinde fand in feierlicher Weise statt. Nach einem vortrefflichen Orgelpräludium sang der Kantor mit Chor das schöne: „Wie lieblich sind deine Zelte, Jakob; deine Wohnungen, Israel." In feierlichem Geleit brachten Professor Dr. Bloch und die Herren des Vorstandes die Gesetzesrollen in die heilige Lade. Der Chor begrüßte jubelnd das Allerheiligste. Daraus betrat Rabbiner Professor Dr. Bloch die Kanzel und flehte in seiner Einweihungsrede den Segen Gottes aus den Tempel herab. Der alte Geist herrsche in den neuen Räumen. Redner knüpfte an das Wort des Psalmisten an: „Herr, meine Seele dürstet nach Dir", und führte dann weiter aus: Aus dem Grunde jeder menschlichen Seele ruht die Sehnsucht nach dem höheren. Der Geist, der vom Himmel stammt, kann in den Vergnügungen dieser Welt kein Genüge finden und sucht nach Vollendeterem, strebt zu Gott. Er dankte allen, die mitgeholsen an der Neuausstattung der Synagoge, und entzündete dann mit feierlichen Worten die „Ewige Lampe". Nach einem herrlichen Solo der Frau Christeller-Berggruen und einem tief zu Herzen gehenden Gebet für den Kaiser und das kaiserliche Haus, für Provinz und Stadt Posen schloß die erhebende Feier mit dem Halleluja des vortrefflich geschulten Chors. M. Hamburg, 2. Oktober. Herr Hermann Fraustä d t e r, der frühere Vorsitzende der Repräsentanten des Tempelverbandes, ist nach schwerer Krankheit im 57. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene war Prokurist bei der Kausmannsfirma M. I. Emden. Söhne, wo er mehr als 40 Jahre tätig war. In der Gemeinde bekleidete er viele Ehrenämter, er war u. a. auch Vorstandsmitglied des Gabriel-Riesservereins, der Vereinigung für das liberale Judentum und gehörte auch dem Vorstand des Repräsentantenkollegiums der Gemeinde an; zu allen Zeiten war er-ein eifriger Verfechter des liberalen Judentums. Auch im kommunalen Leben unserer Vaterstadt war er eifrig tätig, er war langjähriges Mitglied des Zentralausschusses harnburgischer Bürgervereine und Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Bürgervereins Rotherbaum-Harvestehude. Zur Trauerfeier hatte sich in der Friedhofskapelle in Ohlsdorf eine so große Anzahl Leidtragender eingefunden, daß nur ein geringer Teil Platz finden konnte. In der mit entsprechender Trauerdekoration versehenen Kapelle war der mit kostbaren Blumen und Kränzen geschmückte Sarg aufgebahrt. Nachdem der Tempelchor einen Choral gesungen hatte, hielt Herr Prediger Dr. Leimdörfer die Trauerrede. Anknüpsend an den Psalm- Vers:' „Kehre zurück, meine Seele, in deine Ruhe; denn der Ewige hat dir wohlgetan" (Kap. 16, Vers 7), gab der Redner ein getreues Lebensbild des Entschlafenen, dessen Verdienste um die Gemeinde stets in dankbarer Erinnerung bleiben werden. Mit Trostesworten an die Hinterbliebenen, schloß die wirkungsvolle Rede. Der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums des Tempelverbandes Herr Max K i m m e l st i e l sprach im Namen des Kollegiums herzliche Worte des Abschiedes, während Herr Carl Bunzel der segensreichen Tätigkeit des Herrn Fraustädter im kommunalen Leben Hamburgs gedachte. Unter den Klängen von Trauerweisen wurde der Sarg hierauf zur Gruft getragen, nach einem Gebet des Geistlichen wurden hierauf die irdischen Ueberreste der Erde übergeben. — Herr Louis Fried enheim, der in vielen gemeinnützigen Institutionen der Gemeinde segensreich wirkt, hat anläßlich seines bevorstehenden 70. Geburtstages der Synagoge ein äußerst wertvolles Geschenk gemacht. Er hat eine Sefer Thora schreiben lassen, die zugleich mit kostbarem Silberschmuck versehen ist. Die Krone, Taß und Jad sind nach künstlerischen Entwürfen aus massivem Silber angefertigt und mit Goldverzierungen versehen. Der Thoramantel aus rotem Samt, mit echter Goldstickerei und entsprechender Widmung versehen, stammt aus dem hiesigen Kunststickereiatelier von Ed. Joel, während die Silbergeräte von dem Hoflieferanten L. Posen Wwe. (Berlin) angefertigt sind. Nachdem gestern abend in Gegenwart der Herren Rabbiner Dr. Loewenthal und Dr. Lichtig sowie einer Anzahl von Gästen die letzten Worte im Sefer geschrieben wurden, fand die feierliche Uebergabe der Spende an den Vorsitzenden der Synagoge Herrn W. A. Peine statt. Die Herren Rabbiner Dr. Loewenthal und Dr. Lichtig hoben die Bedeutung der Ehrengabe für das Gotteshaus hervor, sie feierten die Verdienste des Herrn Friedenheim um die Gemeinde,' namentlich, daß er schon so viele Jahre seine geschätzte Arbeitskraft in den Dienst gemeinnütziger Institutionen , gestellt habe. Herr Friedenheim gab seinen Gästen nachdem ein Festmahl, bei dem noch manche ernste und heitere Trinksprüche gewechselt wurden. Die Ueberführung der Sefer Thora in das Gotteshaus fand in feierlicher Weise statt, die Festrede hielt Herr' Rabbiner Dr. Loewenthal, während Herr Oberkantor Lichtenstein die für diesen Festakt vorgeschriebenen Gesänge rezitierte. c/3 Dresden, 1. Oktober. Das vierzigjährige Jubiläum des Kommerzienrats M a x E l b, des Seniorchefs der Firma Max Elb, G. m. b. H., wurde heute in den geschmückten Kontorräumen der Firma an der Tharandter Straße festlich begangen: Der Jubilar und seine Gattin wurden mit Blumenspenden zuerst durch eine Enkelin herzlich begrüßt. Dann hieß der Schwiegersohn des Gefeierten, Bankier Heller, die Gratulanten willkommen. Es war eine stattliche Reihe. Den Neigen erösfnete die Stadt Dresden. Oberbürgermeister Dr. Beutler sprach die Glückwünsche des Rates aus, betonte den hohen Wert der bedeutenden Persönlichkeit für die Entwicklung der Industrie und dankte dem Jubilar für seine tatkräftige Wirksamkeit im öffentlichen Interesse. Es folgte die Begrüßung durch leitende Persönlichkeiten der Firma, den Direktor Hellmig und Prokurist Baum. Wie diese Herren für die Beamten, brachte auch Werkmeister Haaser namens der Arbeiterschaft zum Ausdruck, daß der Jubilar von seinen Angestellten allgemein verehrt wird. Viele Korporationen hatten Abord-