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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-10-11 · Heft 41 (11.10.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 41 (11.10.1912)
Date
1912-10-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76. Jahrgang^Nr.7’4!; Berlin, 11. Oktober 1912 Vetlsge zur „Allgemeinen Letrung deS Iudrnrumß". lkorrelpondenHM und Kschrichtrn Deutschland. L2 Berlin, 8 Oktober. Es wäre nicht, uninteressant, das jüdische Schrifttum genau ' zu untersuchen, ob zu Zeiten umfangreicher Arbeitslosigkeit, wie sie in den^großen Städten, besonders während des Winters, säst regelmäßig wiederkehren, im alten Israel.Vorkehrungen getroffen waren, um den Arbeitslosen Arbeitsgelegenheit zu schassen, und ob nicht manche Prachtbauten, die gerade in den Zeiten der Not entstanden sind, von den Fürsten und Großen in Israel mit Absicht ausgeführt wurden, um der'Arbeitslosigkeit zu steuern. Heute ist man wohl ganz allgemein zu der Ueberzeugung gelangt, daß man auf dem Wege des. Almosengebens die Armut nicht erfolgreich bekämpfen könne. Man begann daher mit der Einrichtung, von Notstandsarbeiten, mit der Errichtung von -Arbeiterkolonien, -und Arbeitsstätten. Es konnte daher nicht ausbleiben. Las; der ,>Bne-Brith-Orden", der ja die Wohlfahrtspflege als eine seiner vornehmsten Aufgaben betrachtet, der Frage der Arbeitslosigkeit innerhalb der jüdischen Kreise nähertrat und die Errichtung von jüdischen Arbeitsnachweisen aufs wärmste empfahl. Die judenseindliche Strömung, dm gerade auf dem Gebiete des sozialen und wirtschaftlichen Lebens sich stark geltend macht,- übte geradezu den Z w a n g aus, wie leider auf manchen anderen Gebieten, yuch auf diesem einen eigenen Weg zu gehen. So sind denn an vielen Logenplätzen teils durch die Logen selbst, teils mit Hilfe der Logen jüdische Arbeitsnachweise entstanden, die sich fast durchweg gut bewährt haben. Zurzeit zählen w i r 57 U r b e i t sn a ch w ei s e, die sich zu einem Verband der jüdischen Arbeitsnachweise zusammengeschlossen haben. Dieser Verband hinwiederum arbeitet zusammen mit der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wänderarmenfürsorge" und mit dem jüdischen Frauenbund. Obwohl selbstverständlich Ausbau und Organisation des jüdischen Arbeitsnachweiswesens noch manchen Wunsch unbefriedigt lassen und es zweifellos noch recht vieler Mühe bedürfen wird, ehe sie fo wirken und schaffen können, wie es wünschenswert ist, steht es doch fest, daß. die Fülle des Guten und Segensreichen, das man ihnen zu verdanken hat, schon heute eine recht bedeutsame ist. So hat. z. B. der Berliner Arbeitsnachweis in -den letzten, fünf Jahren 16 737 Personen Stellungen verschafft. Diese Zahl führt eine beredte Sprache und liefert den Beweis für das Bedürfnis sowie für die erfolgreiche Wirksamkeit dieser Institution. Der Berliner Arbeitsnachweis sowie die änderen Nachweise der Logen hätten aber mit noch größerem Erfolg wirken können, wenn ein Netz von jüdischen gut organisierten Arbeitsnachweisen über das ganze Reich ausgebreitet wäre, und wenn die einzelnen Arbeitsnachweise miteinander in Verbindung gestanden hätten. Dadurch wäre die Ableitung und Teilung des Stromes von Arbeitslosen mit Leichtigkeit zu erzielen, und Arbeitsangebot und -Nachfrage hätten dann besser geregelt werden können. An den Arbeitsnachweis wenden sich die Arbeitslosen direkt in Scharen; aber die Wünsche eines großen Teiles dieser Zuwanderer können nicht befriedigt werden, weil bei der Konzentration die Zahl derselben eine zu große ist und weil diesen Leuten die örtlichen Verhältnisse oft völlig fremd bleiben. So mancher muß also, wenn er nicht zum Almosenempfänger herabgedrückt werden will, > wieder von hier fort, nachdem er häufig durch die Reise hierher seine an. sich schon nicht bedeutenden Mittel verbraucht hat. Wäre an dem Wohnsitz dieser Leute ein humanitärer Arbeitsnachweis, an den sie sich wenden könnten, so würde die Hin- und Herreise eingeschränkt und dadurch den Leuten Geld gespart werden; vor allem aber könnte ' ihnen dann viel leichter eine Stelle an ihrem Wohnsitz verschafft werden. Ganz ähnlich-liegen die Verhältnisse bei den aus Rußland, Galizien und Rumänien stammenden Massen der Einwanderer und Rückwanderer. Im Interesse dieser Leute mühten in den Grenz- und Hafenstädten Arbeitsnachweife eingerichtet werden, die sich ihrer annehmen, den Zustrom in verschiedene Kanäle ableiten, Nachfrage und Angebot nach Möglichkeit regeln, das zweck- und planlose Umherirren; unterbinden. Alle diese Gesichtspunkte hatten den derzeitigen, um! die Sache der jüdischen Arbeitsnachweise besonders verdienten Vorsitzenden des Verbandes und des Berliner Arbeitsnachweises Dr. Max Ginsberg bereits im Jahre 1904 zu der Ueberzeugung gebracht, daß man in allen Logenstädten Arbeitsnachweise oder entsprechende Komitees zu schaffen habe. Vor Jahresfrist etwa hat er dann eine Enquete über alle deutschen Logenstädte einschließlich Basel veranstaltet, deren Ergebnis das folgende war. Von 69 Logenstädten besaßen damals ausreichendere Logenarbeitsnachweise 7 (Berlin. Frankfurt a. M., Basels Hamburg, Posen, Leipzig und Dortmund); unvollständige ähnliche Einrichtungen zum Teil ohne Mitwirkung der Loge bestanden in 8 Städten, in 41 waren überhaupt keine Einrichtungen vorhanden und etwa 13 hatten nicht geantwortet. Das ist nun heute anders. Allein auch das Vorhandensein von jetzt 57 jüdischen Arbeitsnachweisen kann nicht als ein durchaus befriedigender Stand dieser großen sozialen Ausgabe angesehen werden. Ihre Zahl muß sich, wenn es nach den Wünschen und Beschlüssen der^ Logenkreise ginge, noch weiter vermehren und deren organisatorischer Zusammenschluß sich enger vollziehen. Der äußere Nahmen dafür ist.in dem Verband geschaffen, diesen äußeren Nahmen aber mit dem lebendigen Inhalt ineinandergreisender, fördernder Gemeinsamkeitsarbeit zu erfüllen, bleibt noch zu einem Teil Aufgabe der . Zukunft oder vielmehr der Gegenwart. Vor allem aber muß die jüdische Geschäftswelt und jeder Glaubensgenosse, der je in die Lage kommt, Stellen zu besetzen, mit jenem warmen andauernden Interesse für diese jüdische soziale Institution erfüllt werden, das sich gegebenenfalls in jedem Augenblick in die Tat umsetze. Auf dem ersten Verbandstag, der am 22. Januar vorigen Jahres stattsand, wurde folgende Resolution gefaßt: „Sämtliche Brüderdes deutschen Distriktes des Ordens Bne Brith sollen verpflichtet .sein, sich bei einer in ihrem Betrieb eintretenden Vakanz in erster Linie an den Arbeitsnachweis ihrer Loge zu wenden." Diese Verpflichtung sollte aber über den Kreis, der Logenmit-, glieder auf alle deutschen Juden ihre Anwendung finden, In unseren Tagen sozialen Empfindens und leider zunehmenden wirtschaftlichen Antisemitismus ist es in. der Tat mehr als nur eine moralische Verpflichtung, die Institutionen der jüdischen Arbeitsnachweise mit aller Kraft zu fördern, damit sie ihre segens- und früchtereiche Ar- . beit leisten können,. die schließlich doch wieder der ganzen jüdischen Glaubensgemeinschaft zugute kommt. L. ll. Berlin, 8. Oktober. Der Präsident der Berliner Handelskammer, der fast neunzigjährige Geheime Kommerzienrat Wilhelm Herz, kann mit seiner Gemahlin, einer geborenen Marckwald, am 10. Oktober das Fest, der diamantenen Hochzeit feiern, nachdem bereits vier feiner Kinder das Fest als Silberjubelpaare begehen durften. Aus der Ehe des Geheimrats Herz sind sechs Kinder,- zwei Töchter und vier Söhne.hervorgegangen, von denen fünf verheiratet sind und ihre Eltern mit acht Enkelkindern und zwei Urenkeln beschenkt haben. . Ein noch unverheirateter Sohn lebt als Maler in Paris, der jüngste Sohn ist in der Industrie in London tätig. Die beiden anderen Söhne sind Sozii der Firma S. Herz in Berlin. ' Eine der Töchter des Geheimrats Herz ist in Brüssel mit dem Direktor der dortigen Union des Tramways verheiratet, und die zweite Tochter ist die Gemahlin des Chefs der Berliner Bankfirma E. I. Meyer, Geheimrats Ernst B. Meyer. d/7> Berlin, 8. Oktober. Die Berliner A l l i a n c e m i t g l i e -- der waren am letzten Sonntag zu einer Generalversammlung zusammengetreten, um Stellung zu nehmen zu den Beschlüssen des Pariser Zentralkomitees, welche den Frieden abgelehnt haben. In der Diskussion stellten sich sämtliche Redner der sehr zahlreich besuchten Bersamm- ' lung (u. a. waren anwesend Geheimrat Landau, Professor Kall i s ch e r, Professor Sillberglei t, Stadtrat S t r a n z, Professor Dr. Carl L e w i n, Professor.H o r w i tz, Rechtsanwalt Dr. M ü n z. Justizrat Horwitz, Stadtrat Gimkiewicz, Stadtrat Rechtsanwalt Schachtel, Samtätsrat Fraenkel, Stadtverordneter Max S a l i n g e r, Justizrat B e rnstein, Chefredakteur L a n - d a u,. Justizrat P i n n e r, Dr. P l o t k e, Jos. C h a i m, Justizrat Max F u ch s und etwa.200 Mitglieder) aus den Standpunkt, daß man . gegenüber den unerhörten Herausforderungen von Paris an der Or- - ganisation der deutschen Mitglieder festhaltep müsse, um auf deutschem . i

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