Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1912)
- Date
- 1912-10-11
- Page
- Seite 492 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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beste; wundervoll, ganz wundervoll - reiche ist doch ': ihre Stimme." * . - ' * Die drei Herren zogen sich in den kleinen, etwas überladen nach türkischer Manier eingerichteten Rauchsalon zurück, und der Tarok kam wirklich zustande.. Plötzlich warf Noorden die Karten hin. „Ich kann heute nicht mehr spielen, Herr Roth. Mir gehen die Geschwister Dohms im Kopse herum. Was ist denn da gewesen? Es muß doch irgend etwas vorgekommen sein, daß man sie mehr als zwei Jahre lang aus keiner. Gesellschaft gesehen hat. Ich erinnere mich auch dunkel, allerlei Redereien darüber gehört zu haben." „Dachk ich mir^s doch" ,erwiderte der alte Herr, halb belustigt mit den Augen zwinkernd. „Aber Sie' müssen schon einige Geduld mit mir haben, wenn ich etwas ausführlich berichte. Es. bleibt auch für dich, Fritz", wandte er'sich an den jungen Doktor, „ein interessanter Beweis, daß dies Bollwerk, von dem du vorhin sprachst, doch zu erschüttern ist. Die Sache ist übrigens nicht bloß interessant, ich habe jedenfalls kein artistisch-kühles Interesse daran"; — sein gutes altes Gesicht wurde bekümmert — „die zwei Dohms habe ich aufwachsen sehen, und könnte sie wie eigene Kinder lieben, wenn sie sich nicht immer scheuer zurückzögen. — Es geht einem nahe", murmelte er zwischen den Zähnen, indem er die Stirn runzelte und qualmend eine frische Zigarre anzündete. „Also hören Sie zu", begann er nach einer Weile — er hatte inzwischen nach dem leisen, rhythmischen Geräusch des Tanzes und der Gespräche und den gedämpften Musikklängen hinübergelauscht, die halbverloren in den Rauchsalon hineindrangen, und deren Takt er, ein früher vielbegehrter Tänzer, mit einem unwillkürlichen Wippen des . Fußes betonte — „ich kannte die Mutter der beiden Dohms schon seit meinen Kinderjahren, da sie eine Schulsreundin meiner jüngeren Schwester war. Sie entstammte einer guten jüdischen Familie, und ihr Vater, der Advokat R o s e n st e i n, erfreute sich des besten Rufes, nicht nur als Jurist und wohltätiger Mensch, wie fast alle anständigen Juden, sondern auch als' seiner Kunstkenner. Seine kleine Miniaturensammlung, so umfangreich, wie seine nicht übermäßig glänzenden Verhältnisse es eben gestatteten, char von auserlesener Schönheit, und die Paar Bilder seines Besitzes bewiesen einen fast unfehlbaren Persönlichen Geschmack, der gar nicht nach. /Namen zu gehen brauchte. Es ist sicherlich der erste gewesen, der mir künstlerische Anregung gab, und ich verdanke ihm ein gut Teil des antiquarischen Interesses, das mich meinem Lebensberuf zuführte.' Seine Gesellschaften ließen alle Parvenühaften Mängel ebenso glücklich vermissen, wie sie uns in diesem Hause stören, und waren eine Zeitlang für unsere Wiener Verhältnisse geradezu mustergültig. Cr gehörte auch zu dem kleinen Kreise derer, die Makarts bunte Seelenlosigkeit ablehnten, selbst als ganz Wien diesem Blender zujauchzte. Die Tochter aber hatte bei. aller Anmut und geistigen Regsamkeit schon etwas von dieser gütigen Ermüdung alter Judenfamilien, einen Zug, den Sie in ungleich stärkerem Maße auf Max Dohms wehem Gesicht wiedersinden. Kurzumdas alte Lied klang schon in ihr leise auf: < „Viele Generationen und eine zu viel." (Fortsetzung folgt.) Litersrilchr Mitteilungen. — Georg Caro. 28. Nov. 1867 bis 16. Jan. 1912. Ein Gedenkblatt. Dein trefflichen Gelehrten, der auch Mitarbeiter dieser Blätter war,, widmet die zurückgebliebene Witwe dieses Gedenkblatt. Es enthält die Gedächtnisreden des Pros. Arnold Mayer und des Prof. Gerold Meyer von Knonau, ferner einen Artikel K. Meyers aus-Luzern,'aus dem ich in meinem Nekrolog Caros Auszüge gebracht habe. Zum Schlüsse des Heftchens wird ein warmherziger und schöngeschriebener Nachruf des Historikers Alfred Stern in Zürich abge-' druckt, der eine eingehende Würdigung der wissenschaftlichen Lei-: stungen und ,Pläne des Verstorbenen enthält. Das Schristcheu ist - gewiß dazu geeignet, das Andenken des so früh der Welt Entrissenen festzuhalten. - -. . , L. G. . . - Sxrechsaal. ‘ AwMrMedaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums".- err Mäbbmer Dr. Feilchenfeld hat in seiner Predigt am *0 14. d.Dk laut einem Bericht des /Israelit^ vom 19. d/M.' ü. 'ä. folgendes geäußert:. ' '■ ' „Wenn wir uns also in Vereinen, zusammentun, um uns gegenseitig zu festigen im Beobachten der Mizwos, um uns besondere Gelegen-/ heiten zu ihrer Ausübung zu schaffen, so ist dies wohl berechtigt, und wir wollen jetzt Um so mehr tun, als die Verächter dieser Mizwos..sick^ zu einem Bunde vereinigt haben. ......^ . Was kann jene veranlassen, Vereine zu gründen und sich durch engeren Zusammenschluß zu kräftigen? Sie ziehen im Lande umher, um Gleichgesinnte zu werben. Waren sie denn bisher-gehindert, die heiligen Sabbatgesetze öffentlich zu entweihen, die Ehe-' qesetze, die Speisegesetze mit Füßen zu treten? Li eß en' sie sich daran' hindern? Was ist also der Anlaß zu ihrem Zusammenschluß? ' ' Vielleicht ist es das Gefühl der Scham, die über sie kommt, weil sie.' das göttliche Gesetz mißachten,'vielleicht wollen-sie ihr eigenes Gewissen nur beruhigen und besolden deshalb Halbwisser, damit diese! ihnen beweisen, daß unsere heiligen Gebote für die heutige Zeit sich' nicht mehr schicken und deshalb keine Geltung mehr haben. / . Und nun planen sie, in unserer Stadt, die in Israel berühmt wgr.; Weil in ihr die Heiligtümer Gottes festgehalten wurden, sich in nähe bevorstehender Zeit zu versammeln. / . / Haltet euch fern von allen ihren Veranstaltungen, sorget besonders dafür, daß die Jugend nicht hingeht- 'Da, wo sie Rat pflegen, weile nicht meine Seele. Wo sie Versammlungen abhalten, werde! nicht mit eingeschlossen meine Ehre." ' "' {]. Der Vorstand des Vereins liberaler Juden zu Posen hat-darauf folgende Erklärung erlassen: H- „Herr Dr. Feilchenfeld, besoldeter Rabbiner der Shnagogengemeinde Posen, hat die Kanzel der Synagoge zur persönlichen Verletzung Andersdenkender, besonders seiner liberalen Amtskollegen mißbraucht.- Welche Stellung zu diesem, die Hälfte unserer Gemeinde-^ Mitglieder schwer kränkenden Verhalten die hiesigen Gemeindebehörden, an die wir uns beschwerdeführend gewandt haben, einnehmen werden, bleibt äbzuwarten. Uns hält, auf diesen Mißbrauch der Kanzel die richtige Antwort zu erteilen, nur das sehr hohe Alter des Herrn Dr. Feilchenfeld ab. Die liberalen Rabbiner Deutschlands stehen indessen auf einem geistig zu hohen Niveau, als daß solche Angriffe sie erreichen könnten." 8eii, - Posen, 26. September 1912.^ , , - . ' Sehr geehrter Herr Redakteur! - -;>4 ^n seinem zweiten Rothschild-Artikel (S. 474) behauptet 'Herr' Kohut, Amschel Rothschilds jüngste Tochter Henriette sei -mit Sir Moses Montefiore verheiratet gewesen. --n Das ist falsch, Montefiore vermählte sich am 10. Juni 1812 rpst Judith, der Tochter des Londoner Kaufmanns Levi Barent Cohet^- Ihre jüngere Tpchter Hannah wurde die Gattin des Londoner Roth^ sch'ild. Oberlehrer Dr.'Eugen Wölbe. . Zurzeit Neustrelitz, den 3. Oktober 1912/''? - *> :■ - - Mf Sehr geehrter Herr Redakteur! - -q er geschätzte Verfasser des interessanten Artikels „Der-Begrün-- der der Dynastie Rothschild" nennt in Nr. 39, Seite 474, dritte Zeile von unten, Henriette, eine Tochter Mayer Amschels, als"GeL mahlin des edlen Philanthropen Sir Moses Montefiore. Ich erlnub'e mir diesen Irrtum klarzustellen, indem ich aus die Lebensskizze der. Lady Judith Montefiore in Nr. 36 dieses Blattes aus meiner Feder Hinweise. ' ' Breslau. . .Regina Neißer.