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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-10-02 · Heft 40 (2.10.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 40 (2.10.1912)
Date
1912-10-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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zember 1910 4 806 661- und zwar 2 323 903 männliche und.^2'482 758: weibliche -Personen. Die Zunahme seit der vorletzten Volkszählung im Jahre 1995 beträgt daher 298 000 oder 6,6 Proz. gegen 7,03 Proz. im Jahre 1905. Von besonderem Interesse sind die Angaben der Statistik über die Religions- bzw. Konfessionsverhältnisse der Be- ^vohnerschaft des' Königreichs Sachsen,' Die Volkszählung zeitigte' nicht weniger als 182 verschiedene Bezeichnungen nach dem Glaubensbekenntnisse. Das Sektenwesen ist danach in Sachsen in ganz besonderer Weise ausgebildet, ein Beweis dafür, daß die Verhältnisse innerhalb der Landeskirche gar mancher Seele keine Befriedigung geben. Unter den Bewohnern gab es aber auch Buddhisten, Brahmanen, Mohammedaner, Schintoisten und Anhänger des Zarathustra. Zur evangelisch-lutherischen Landeskirche bekannten sich 4 501 510, zur reformierten Konfession 16 532, zur römisch-katholischen Kirche 233 872 Personen. Die evangelisch-lutherische Bevölkerung hat . einen Zuwachs von 268 041, das sind 5,9 Proz. Daher bleibt sie um 11781 im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerungszunahme zurück. Erschreckend groß ist die Zunahme der Religionslosen. Sie wuchs um 115 Proz. an. Die Juden hatten einen Zuwachs von 19 Proz. zu verzeichnen. Ihre Zahl betrug 17 587. Die Zahl der römischen Katholiken vermehrte sich um 15 839 Bekenner, das sind 7,2 Proz., im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerungszunahme 1427 Personen mehr. Die Katholikenzahl beträgt im Königreich Sachsen 4,80 Proz. der gesamten Bevölkerung gegen 4,83 Proz. im Jahre 1905. Relativ hat somit die Katholikenzahl eine kleine Abnahme erfahren. M. Hamburg, 24 September. Der Verein selbständiger jüdischer Ha nckllv e r k e r und Gewerb et reibende r hielt im Logenheim seine Mitgliederversammlung unter Vorsitz des Herrn Bhd. Heinemann ab.. Herr Ed. Berlin berichtete über das in der vorigen Versammlung gerügte Verfahren bei Vergebung von Arbeiten an den Gemeindeinstitutionen und anderen israelitischen Anstalten. Die Beschwerden der Vereinsmitglieder scheinen insofern ' Erfolg gehabt zu haben, als die Verwaltungen mehrerer Institute sich bereit erklärt haben, mit einer.-Kommission des Vereins über den in , Zukunft einzuschlagenden Modus bei der Vergebung von Arbeiten und Beseitigung der gerügten Mißstände zu beraten. Der Vorstand bittet unter diesen Umständen von der beschlossenen Protestversammlung, abzusehen und erst das Ergebnis der in Aussicht genommenen Konferenz abzuwarten.V In der Diskussion wurde von Herrn Friedenheim und mehreren anderen Rednern betont, daß. man die Versammlung unter allen Umständen abhalten solle und es nicht versuchen dürfe, die Sache in die Länge zu ziehen. Nach längerer Debatte wurde jedoch beschlossen, zunächst das Ergebnis der Konferenz abzuwarten; gleichzeitig erhielt aber der Vorstand den Auftrag, dahin zu wirken, daß die Verwaltungen der verschiedenen Institute sich endlich dazu entschließen, die zu vergebenden Arbeiten innerhalb einer bestimmten Frist in der Tagespresse bekanntzugeben, damit die jüdischen Handwerker ihre Offerte einreichen könnten. Aus der vom Kassierer erstatteten halbjährlichen Abrechnung ergab sich, daß einer Einnahme von 638 Mark Ausgaben von 422 Mark gegenüberstehen, so daß ein Ueberschüß von 216 Mark verbleibt. Die Unterstützungskasse des Vereins, aus der auch diesmal wiederum eine Anzahl in Not geratener Kollegen unterstützt werden konnte, weist einen Kassenbestand von 562 Mark aus. Das diesjährige Stiftungsfest soll im November in sämtlichen Räumen des Logenheims gefeiert werden. Unter Verschiedenes wurde noch eine An-' frage betreffs des Standes der Arbeiten für das Verbandsstatut gestellt und der Vorsitzende beauftragt, hierüber beim Verbandsvorstand anzusragen. Herr N i s s e n s o h n erkundigte sich nach' dem Stand' der Vorarbeiten für die Veranstaltung einer Ausstellung der Erzeugnisse des Handwerks. Es wurde erwidert, daß die hierfür eingesetzte Kommission noch nicht ihre Arbeiten beendet habe, und deren Bericht erst abgewartet werden müsse. — Gießen, 24. September. Die große Gemeinde hat in den letzten Monaten die Synagoge im Innern neu Herrichten lassen. Die Kunst des Malermeisters Groß hat den inneren Raum des Gotteshauses in byzantinischem Geschmack geziert. Die Wände des Baues wurden mit einem in braungrauem Ton gehaltenen mattgold durchwirkten stofsähnlichew Muster. gemalt, Darüber, streckt sich die kräftige Balkendecke, in deren himmelblauen Feldern goldene Sterne zu sehen sind. Die erst vor einigen Jahren angebrachten bronzenen Beleuchtungskörper, die für elektrisches Licht eingerichtet sind, unterbrechen die Malerei wirksam. Die an drei Seiten den Jnnenraum der Synagoge umziehende Galerie und die Orgel sind passend zur Wandmalerei getönt und' durch kräftiger wirkende Vergoldung her-: vorgehoben. Die in grünem Marmor gehaltenen Säulen mit ihren reich vergoldeten 'Kapitälen, die die Galerie tragen, heben sich wir-, kungsvoll ab. Den.Glanzpunkt der. Innenausstattung, bildet die heilige Lade, die . ein Meisterwerk darstellt. Die halbrunde, oben muschelartig.' abgeschlossene. Nische istin hellest- Farben und matter Vergoldung behandelt. Die Nebenräume und Treppenaufgänge sind ebenfalls im-byzantinischen. Stil, aber-einfacher als der Hauptraum, hergestellt. Die Synagoge soll im kommenden Jahre auch äußerlich erneuert werden. £2 Wiesbaden, 24. September.. In einer am zweiten Roschhaschonoh-Tage vor.der hiesigen Strafkammer angestandenen Strafsache war unter anderem, auch der Händler Citronenbaum aus Mainz, der jüdischer Religion ist, geladen. Bereits einige Tage vor dem Termin hat er zu den Akten mitgeteilt, daß er infolge der hohen jüdischen Feiertage (Neujahrsfest) nicht zu . dem Termin erscheinen könne, er bat deshalb um Verlegung des Termins. Der Vorsitzende der Ferienstraskammer ließ dem Zeugen darauf die Nachricht zugehen, daß er bei Meldung einer Strafe zu der Verhandlung erscheinen müsse. Eine Verlegung der Sache sei wegen der anderen geladenen Zeugen unmöglich. Citronenbaum.leistete jedoch der Vorladung am Freitag keine Folge, sondern sandte ein Telegramm des Inhalts: „Meine Religion verbietet mir jegliches Reisen. Citronenbaum." Der Staatsanwalt beantragte hierauf gegen den ohne Entschuldigung ausgebliebenen Zeugen'20 Mark Ordnungsstrafe. Das Gericht sah jedoch von einer Bestrafung ab, indem es annahm/daß der Zeuge, wenn religiöse Bedenken dem Erscheinen vor Gericht entgegenstehen,, .als entschuldigt anzusehen sei. Zu Fuß von Mainz.nach Wiesbaden zu gehen, könne dem Zeugen keineswegs zugemutet werden, auch könne man dieses vielleicht als ein Reisen ausfassen. : Gesterretch-Llnsarn. - £2 Wien, 24. September. ' Das Programm der geplanten Palästinareise, über die .wir kürzlich berichteten,- lautet: Freitag, 18. Oktober: Abfahrt Triest. — Montag: Ankunft in Alexandrien, Empfang durch Rabbiner Pergola, Besichtigung der Synagogen. Nach Kairo. — Dienstag: Besichtigung der Pyramiden, Milseen, Alt-Aegypten,. Rambamsynagoge, Empfang beim Chachambaschi, Besuch der Synagogen. — Mittwoch: Besichtigung der Kalifengräber und Alt- Kairo. — Donnerstag: Zoologischer Garten und Basare. — Freitag: Neu-Kairo, Schulen und Basare. Samstag: Synagogen, Nabbinate. — Sonntag: Nach Port-Sakd, nach Jaffa. - — Montag: Jaffa, Rabbiner Kuh, Tellawiw, Gymnasium,' Tachkemoni, Talmud Thora, nach Jerusalem, hier Empfang durch Rabbiner Horovicz. — Dienstag: Klage-, mailer, Oelberg, Königsgräber, Zion, Schulen, Jeschibot, Hospitäler. — Mittwoch: Jericho, Jordan, Totes Meer. — Donnerstag: Bezalel, Wohlsahrtsanstalten. — Freitag: Rachels Grab, Salomons Teiche, Hebron, Abend: Klagemauer. ■— Samstag: Synagogen, Bibliotheken. — Sonntag: Ramle, RechobotR Neß Ziona, Rischon la Zion, Mikwe Israel, Jaffa. — Montag.: Pethach Tikwa, retour Jaffa, ab nach Port-Said. — Dienstag: An Port-Sa!d, abends Alexandrien. — Für den Besuch Galiläas sind noch weitere sieben Tage.erforderlich. Hierüber ist eine Entschließung Vorbehalten. Der Preis für sämtliche Erfordernisse ist für Aegypten mit 26, für Palästina mit 21 Frank pro Tag und Person angesetzt. Nähere Auskunft erteilt: Dr.' Grunwald, Wien XV, Mariahilfer Straße 167. , ' Budapest, 24. September. Ueber das u n g a r is ch - jüdisch e M u s e u m ' schreibt Dr. Geza Supka im „Neuen Pester Journal": Unter dem Präsidium Franz Szökelys und dem Vizepräsidium des Kgl. Rates Franz Mezey und des Akademikers Josef Banüczi erfreut sich der Musealverein eines frischen Lebens. Den Genannten^ steht eine treubewährte Garde von hochherzigen Männern' tatbereit zur Seite, und das Ungarisch-jüdische Museum unter der fachkundigen und bewährten.Leitung Dr.. Berthold Fabüs verspricht binnenkurzem eine Sehenswürdigkeit der Hauptstadt zu werden: Der erste Raum beherbergt'eine kleine Galerie von Bildwerken, die sämtlich zum Judentum einen Bezug-haben. Es fällt uns ein alter Stich nach Lorenzo Lippi auf, der Esau und Jakob darstellt, ein Geschenk des opferwilligen Museumsdirektors selbst. Ein König Salomo aus unbeholfener .'Hand des XVIII. Jahrhunderts zeigt doch, wie spät noch die mittelalterlichen Miniaturen.in der jüdischen Kunst nachgewirkt haben. Ein interessantes Objekt menschlichen Fleißes ist das Moses-

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