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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-10-02 · Heft 40 (2.10.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 40 (2.10.1912)
Date
1912-10-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 2. Oktober 1912 Der Gemetndeüote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK IudrntumK". lkorrelpondrn?m und Kachrichtrn. Deutschland. Berlin, 30. September. Der Vereinfür jüdische Geschichte und Literatur E. V. versendet das Verzeichnis der Vorträge sür den Winter 1912/13. „Donnerstag, 10. Oktober 1912: Dr. Max O s b o r n. Berlin: Josef Jzraels. Mit Lichtbildern. — 1. Populär-wissenschaftlicher Vorträg: Donnerstag, 24. Oktober 1912: Dr. Ludwig Fulda: Aus eigenen Dichtungen. — Donnerstag, 7. November 1912: Privatdozent Dr. Franz Oppenheimer, Berlin: Die jüdische Nasse und ihre geschichtliche Bedeutung. — Donnerstag, 21. November 1912: Geheimrat Professor Dr. Rud. Kittel, Leipzig: Mose. — Donnerstag, 12. Dezember 1912: Professor Dr. Julius Gold st ein, Darmstadt: Nietzsche und das Judentum. — Donnerstag, 9. Januar 1913: Oberrabbiner Dr. Immanuel L ö w, Szegedin: Die Juden und die Pflanzenwelt. — Donnerstag, 23. Januar 1913: Redakteur Dr. Jos. Bloch, Wien: Aus der Gegenwartsgeschichte der österreichischen Juden. — 2. Populär-wissenschaftlicher Vortrag: Donnerstag, 6. Februar 1913: Prediger Dr. M. L e v i n, Berlin: Rezitation seines Dramas „Bar Kochba". — Donnerstag, 20. Februar 1913: Landrabbiner Dr. M. Hofsmann, Emden: Ein Blick in das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter. — Donnerstag, 6. März 1913: Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin (jetzt Düsseldorf): Ibsens Religion und das Judentum. — 3. Populär-wissenschaftlicher Vortrag: Donnerstag, 20. März 1913: Dozent Dr. Leopold Hirschberg, Berlin: Psalmenkompositionen klassischer Meister. Mit Erläuterungen am Klavier und durch Gesang." Die Vorträge finden sämtlich' im Oberlichtsaal der Philharmonie statt und beginnen pünklich um 8% Uhr. c/T> Berlin, 30. September. Der Jüdisch-Liberale I u g en d v er ei n, der den Zweck hat, die jüdische Jugend zum Bewußtsein einer jüdisch-liberalen Weltanschauung zu führen und zu deren Betätigung zusammenzuschließen, und zwar unter Ablehnung eines Nationaljudentums, eröffnet die Reihe der Veranstaltungen dieses Winters am 10. Oktober mit einer öffentlichen Versammlung, die besondere Beachtung verdient. In dieser Versammlung werden die Ziele des Vereins von berufenen Vertretern des jüdischen Liberalismus erläutert werden. Zunächst wird Justizrat B r e sl a u e r, Berlin, über „Unser Wille zum Judentum" sprechen. Das folgende Referat hat — was besonderes Interesse erregen dürfte. — Herr Rabbiner Dr. S e l i g m a n n, Frankfurt a. M., der sich auf der Durchreise zur Posener Tagung der Vereinigung für das liberale Judentum in Berlin aufhält, sreundlichst übernommen. Herr Dr. Seligmann wird die religiöse Stellungnahme der jüdisch-liberalen Jugend erörtern. Zum Schluß wird Dr. John Wertheim, Berlin, über „Unsere Gegnerschaft zum Zionismus" referieren. Ort und Stunde der Versammlung werden rechtzeitig durch die Tageszeitungen bekanntgegeben werden. 22 Berlin, 30. September. Das Reichenheimsche Waisenhaus der jüdische nGemeinde zu Berlin, Weinbergsweg 13, versende.t seinen Bericht über die Verwaltungsperiode vom 1. April 1909 bis zum 31. März 1912. Die Zahl der Zöglinge ist die gleiche wie in früheren Jahren geblieben, nämlich 40 Knaben und 30 Mädchen. Entlassen wurden während der drei Jahre 32 Zöglinge, darunter mehrere mit dem Abiturientenexamen und der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst. Eine beträchtliche Anzahl der entlassenen Zöglinge hat sich dem Handwerk oder einem hauswirtschaftlichen Beruf gewidmet, nämlich 12 Knaben und Mädchen. Die Gesamtausgaben während der drei Jahre bewegten sich in steigender Progression; sie betragen 61112.67 Mark im Jahre 1909/1910, 62 258.83 Mark im Jahre 1910/1911 und 62 426.63 Mark im Jahre 1911/1912. Dementsprechend sind auch die Gesamtkosten für den einzelnen Zögling gestiegen von 873.03 Mark im Jahre 1909/1910 auf 890.55 Mark im Jahre 1910/1911 bis zu 893.20 Mark im Jahre 1911/1912. Die Anstalt steht unter der Verwaltung eines Kuratoriums, desien Vorsitzender Herr Sanitätsrat Dr. Julius'Stern ist, und unter Leitung des Direktors Herrn Dr. Sigmund Feist. Die ehemaligen Zöglinge haben sich im Reich'enheim-Verein zusammengeschlossen. Veigegeben ist dem Bericht eine Abhandlung des Direktors über „Anstaltserziehung und Berufswahl." W. Posen, 24. September. Vor kurzem fand in der Ritsche- F l a t a u s ch e n Waisenerziehungsanstalt sür Mädchen eine erhebende Seelengedenkseier statt. Die Aula war mit Blumen und Topfgewächsen reichlich geschmückt, an den Wänden prangten die Bilder der Stifter und Stisterinnen -der Anstalt. An dem Akte nahmen mehr als Zweihundert Personen, meist Damen, teil. Eingeleitet wurde die Feier mit einem Präludium, woraus Herr Kantor Gordon das Mariwgebet verrichtete. Es folgte dann der Gesang Psalm 103, 15—17: „Der Mensch, einem Grashalme gleich seine Tage; wie die Blumen des Feldes, so blühet er." Hieran schloß sich das Gebet eines Waisenmädchens. In demselben wurde allen Wohltätern sür ihre werktätige Liebe gedankt und das Gelübde ausgesprochen, auch in späterer Zeit durch Fleiß und Wohlverhalten sich der alliebenden Fürsorge im Waisenhause würdig zu erweisen. Sodann richtete der Direktionsvorsitzende, Herr Manasse Werner, herzliche Worte an die Versammelten und tat die Namen der Dahingeschiedenen kund, welche sich durch ihr Wirken im Vorstande Verdienste erworben, wie zum Beispiel der in Berlin verstorbenen Frau Dr. Clara Jaffö, von 1897—1904 hier tätig, und andere mehr. Auch der früheren Leiterin, Fräulein Nanny Fuchs, aus der Waisenanstalt hervorgegangen, welche 18 Jahre hindurch mit seltener Treue und Hingebung ihres Amtes gewaltet, sowie der jüngst verstorbenen, 12% Jahre alten Betty Jüttner, Pflegling im Waisenhause, wurde ehrend gedacht. Zum Schlüsse wandte sich Redner an die Schützlinge im Heim und ermahnte sie zu einem wohlgefälligen Leben auch nach dem Verlassen dieser Anstalt. Nachdem kam das Solo: „Herr, was ist der Mensch, daß du dich seiner annimmst", durch Herrn Oberkantor Leibowitz zu Gehör gebracht, und als der tiefempfundene Gesang verklungen war, trug Herr Kantor Gordon das Elmule Rachamim vor. Diesem schloß sich der Gesang von Schubert, der 23. Psalm an: „Gott ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln." Der letzte Teil der Feier wurde ausgefüllt durch das Duett aus Psalm 95: „Denn in seiner Hand ist, was die Erde bringt, und die Höhen der Berge sind auch sein. Kommt, laßt uns beten und knien vor dem Herrn." Dieser Gesang machte einen merkbaren Eindruck auf die andächtig lauschende Menge. Mit dem Kaddischgebet, von Herrn Manasse Werner gesprochen, und dem Schlußgesang, Psalm 115, Komposition vom königlichen Musikdirektor Herrn Lewandowski, schloß die Feier. Nach Beendigung der Gesamtfeier wurden die Räume der Mädchenwaisenanstalt von den Güsten besichtigt. — Bieslait, 29. September. Anläßlich der hohen jüdischen Feiertage ist in Breslau eine neue Synagoge ihrer Bestimmung übergeben worden. Neu ist die Synagoge eigentlich nur deshalb, weil sie eine neue Stätte gefunden hat. Die Gemeinde, die sie vereinigt, ist alt. Gegründet wurde die Betstätte vor etwa hundert Jahren von schlesischen Kaufleuten, die nach Breslau zur Messe kamen, und seitdem hat sie sich erhalten, und zwar als „Professoren-Schule" in dem Breslauer Ghetto sehr bekannt. Da sich aber die Räumlichkeiten als zu klein und den Ansprüchen eines modernen Betsaales nicht mehr als genügend erwiesen, wurde der Neubau beschlossen, und die Grundsteinlegung erfolgte vor etwa einem halben Jahre in dem Grundstück Gartenstraße 38. Vor den Festtagen nun fand vor einem geladenen Kreise, der sich besonders aus den steten Besuchern der Betstätte zusammensetzte, die Einweihungsseierlichkeit statt. Die Festrede Hielt Rabbiner Dr. Hamburger; außerdem sprach noch der Rabbiner Dr. Rosenthal. Die „Alte Glogauer Synagoge", wie sie heute im Volksmunde heißt, hat nun ihre Stätte in einem schönen rechteckigen Bau gefunden, dessen Fassade durch große Bogenfenster geziert ist. 22 Dresden, 24. September. Das Statistische Landesamt veröffentlicht in seinem neuesten Jahrbuch'e zum erstenmal eingehendere Mitteilungen', über die Ergebnisse der letzten Volkszählung. Danach betrug die Gesamtbevölkerung des Königreichs Sachsen am 1. De-

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