Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1912)
- Date
- 1912-10-02
- Page
- Seite 475 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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und/ starb erst am. 7. Mai 1849. . Eine ihrer Zeitgenossinnen' /schrieb von der „Urgreisin" am Abend ihres Lebens unter anderem die bezeichnenden Worte: „Die Mutter der Rothschilds, die Hekuba der europäischen Krösussamilie, mag beinahe ein Jahrhundert alt sein, ist aber noch so rüstig, daß sie fast allabendlich das Theater besuchen kann. Da sitzt sie denn, fleißig aushorchend in der Proszeniumsloge mit ' einem Fächer in der Hand, um der Lampenblendung zu wehren. Auf dem Kops ein althebräisches, mit Blumen besetztes Blondenhäubchen, kein Haar sichtbar, angetan mit buntseidenem Gewände, die kostbarsten Spitzen um Hals und Brust. Unter ihren Söhnen gleicht Amschel ihr am meisten. Von diesem wie von ihren Töchtern wird sie über alles geehrt. Sie wohnt noch in der Judengasse, in denselben Stuben, welche - sie innehatte, als sie noch, anfänglich eine unbemittelte Krämersrau, ihre Söhne zur Welt brachte. Diese alten dumpfen Stuben, in der feuchtesten und ungesundesten Straße der Stadt, hat sie ihr Lebenlang nicht verlassen wollen. Bei der „Oberho,fbänkier" -ernannte. . Das erste Zusammentreffen zwischen dem Fürsten und dem Bankier schildert der Frankfurter Historiker Kriegk in sehr bezeichnender Weise. . Der im Anfang des 19. Jahrhunderts verstorbene hannoversche Generalleutnant Emmerich Otto August Baron v. Estorss war als Generaladjutant des Herzogs Ferdinand von'Braunschweig-Lüneburg im siebenjährigen Kriege im Beziehungen zu dem Landgrafen Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel getreten, die sich zu dessen Nachfolgern, Ferdinand II. und Wilhelm IX., noch intimer gestalteten. Der Baron, der nicht nur als ein sehr kenntnisreicher Offizier, sondern auch als ein Muster von Gefälligkeit und Uneigennützigkeit geschildert wird, erteilte den beiden letzten Fürsten während einer langen Zeit in rein militärischen Angelegenheiten willig Ratschläge, dagegen schlug er es wiederholt und entschieden ab, sich mit ihren finanziellen Angelegenheiten zu befassen, wofür er dem Erbprinzen Wilhelm IX. jedoch einen „gewissen Rothschild" in Frankfurt a. M. (unseren Mayer Amschel) vorschlug. Baron «lüg M8 WWW KL Die Mainzer Nene Synagoge. Autzen-Ansicht. Enge der Straße kann bis zu ihrer Wohnung kein Wagen gelangen, die Equipagen ihrer Söhne fahren'daher nur bis zum Eingang der Gasse, und die Matrone wird abends, wenn sie aus dem Theater heimkommt, aus demselben nach Hause getragen." In der ersten Zeit seiner selbständigen Etablierung widmete sich Mayer Amschel den Makler- und Wechselgeschäften, dem Tausch, An- und Verkauf von altem Golde und Silber, von Münzen, antiken Geräten, kleinen Kunstwerken und dergleichen. Später betrieb er mit Geschick und Glück den Han-' del mit Wertpapieren und verwandten- Geschäftszweigen auf eigene Rechnung und Gefahr. -Auch handelte er mit englischen Manusakturwaren, die zu jener Zeit, namentlich während der Epoche der Kontinentalsperre, sehr gewinnbringende Artikel waren. Je mehr seine Söhne heranwuchsen, .desto mehr erweiterte sich sein Geschäft, denn sie konnten ihm hilfreich zur Hand gehen und getreu zur Seite stehen. Durch seine außerordentliche Kenntnis im Münzwesen kam Mayer Amschel Rothschild unter anderem auch in Berührung mit dem Landgrafen/Wilhelm IX., dem späteren ersten Kurfürsten von Hessen, mit dem er so manches Geldgeschäft machte, und der ihm 1801 zu seinem „Hofsäktor" und später zu seinem v. Estorss kannte denselben infolge seiner persönlichen Berührung mit dem bereits erwähnten Wechselgeschäft Oppenheim, seinem Bankier in Hannover, mit dem er ebensowohl in seiner militärischen Stellung, wie auch als Großgrundbesitzer, dem die sämtlichen Estorffschen. Güter in Hannover gehörten, öfter und meist bedeutende Geldgeschäfte zu erledigen hatte. Hier nun hatte er- Mayer Amschel als einen ebenso klugen und tüchtigen wie streng rechtlichen und zuverlässigen Mann kennen gelernt. . Man erzählt sich nun,, der Prinz sei, als Mayer Amschel infolge jener Empfehlung zum erstenmal, im Schloß zu. Kassel (wahrscheinlich wohl in Hanau) erschienen, gerade von einer Partie Schach in Anspruch genommen gewesen. Die Partie stand für ihn nicht, sehr günstig, als sich Rothschild bescheiden die Erlaubnis ausbat, dem Prinzen einen gewissen Zug raten zu dürfen. Dieser. Zug ließ den Prinzen die Partie gewinnen und erweckte in ihm ein günstiges Vorurteil für den jungen Geschäftsmann, das sich infolge der anschließenden - Unterredung noch günstiger gestaltete. Das Vertrauen des Erbprinzen und späteren Landgrafen zu-der Zuverlässigkeit,. Geschäftsgewandheit .und, dem finanziellen Genie Rothschilds wuchs von Jahr zu Jahr immer