Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1912)
- Date
- 1912-10-02
- Page
- Seite 474 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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neten gewählt und bei seinem Scheiden sowohl vom Kriegerverein als auch vom Gewerbeverein zum Ehrenmitglied ernannt wurde. In der Mitte der siebziger Jahre begann seine mehr als 30 jährige Mitarbeiterschaft am großen und kleinen Meherschen Konversationslexikon. 1879 erschien sein Buch' „Das Hohelied bei den jüdischen Erklärern des Mittelalters", ein Versuch, das in Midrasch, Talmud-, Targum und den hebräischen Kommentaren ausgespeicherte Material für die moderne Exegese zu gewinnen. In Mainz hat Salseld sehr segensreich gewirkt Er hat zur Blüte und Peuschöpsung all der Institutionen, die eine große Gemeinde zieren, beigetragen. Ueber den engeren Berufskreis hinaus arbeitete er sür Hebung der ideellen und materiellen Lage des Lehrerstandes und veranlaßte, als der Antisemitismus von Kurhessen in das Großherzogtum eindrang, als Führer von Deputationen Wirksame Erlasse des Großherzogs, der Regierung und des Oberkonsistoriums gegen die judenfeindliche Bewegung. Bei seiner ausgedehnten amtlichen Wirksamkeit als Rabbiner, Direktor der von ihm 1880 gegründeten Religionsschule, als Mitglied des städtischen Schulvorstandes und der Zentrale sür Jugendfürsorge, fand er noch Muße zu wissenschaftlichen Arbeiten. Die Frucht eines zehnjährigen Studiums ist das „Martyrologium des Nürnberger Memoirenbuches" " l'A (Berl. 1898), das im Aufträge der * ■&'*»*: historischen Kommission erschien, eine reiche Quelle für die mittelalterliche jüdische Geschichte Deutschlands geworden und als „Standardwerk" gerühmt ist. Dem Martyrologium ging eine Edition von. Spendenbüchern aus dem Mittelalter in Stern „Nürnberg im Mittelalter" (Kiel 1904 bis 1906) voran. Für die Jewish Enchclopedia in New York verfaßte er Artikel über deutsche Judengemeinden, wie Dessau, Halle, Mainz, München u. a., auch-einige Biographien für die hebräische Enzhclopädie „Ozar jisroel" in New York. Als Mitglied der Kommission für die Germania judaica schrieb er die Geschichte des jüdischen Mainz und seiner Gelehrten sowie diejenige anderer rheinischer Gemeinden. 1903 veröffentlichte er „Bilder aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Mainz", 1904 „Die Judenpolitik Philipps des Großmütigen", 1908 „Zur Geschichte der Mainzer Synagogen" und 1912 „Vorboten zur Emanzipation der Juden in Kurmainz" (in Cohens Festschrift.) * \ b «■'T' l-t* - - Prof. Dr. Rabbiner Ärr LegrünLrr der Dynsltie Lothlchild. Von Dr. Adolph Kohüt. . -- (Nachdruck verboten ) (Schluß.) it dem Rabbinatsdiplom versehen, kehrte er in seine I M- Heimat zurück , ohne jedoch praktisch den Beruf eines Seelsorgers zu ergreifen, vielmehr wandte er sich dem väterlichen Geschäfte zu. und wählte den Händel zu seinem Erwerbszweig, ohne damals zu ahnen, daß er dadurch jene, einflußreiche und maßgebende Stellung, erringen würde, die er später einnahm. -' Bereits als Junge hatte er Gelegenheit, von seiner seltenen Münzkenntnis Zeugnis äbzulegendenn im Aufträge feines Vaters ging er oft mit'Geldsäckchen zu den Bankiers der Stadt, um Münzen gegen grobe Geldsorten umzuwechseln und gelangte auf solche Weise in den Besitz vom ungewöhnlichem numismatischen Wissen. -Dieseswurde später aus dem Grunde für ihn wichtig, weil in ihm ein lebhaftes Interesse für die Münzkunde erwachte und er' ein. tüchtiger, und vielgesuchter Münzkenner wurde. Das Bankfach erlernte er in dem Bankhause Oppenheim in Hannover, wo er sich bald durch seine Rechtschaffenheit, Treue, Geschicklichkeit und mathematischen Kenntnisse eine sehr gute Stellung erwarb. Gegen -Endender.60 er Jahre des 18. Jahrhunderts konnte er sich: bereits selbständig machen, indem er sich als kleiner Kapitalist in Frankfurt a. M. niederließ und ein Wechselgeschäst eröfsnete. Er hätte sich keine vorteilhaftere Stadt.zum Felde seiner Tätigkeit erwählen können, denn, in der alten Kaiserkrönungsstadt, blühte Handel und Wandel, man lebte im Zeichen des Verkehrs, indem kein Druck die Geschäfte lähmte. Zu den damals noch sehr . berühmten - Frankfurter Messen strömten jährlich gegen fünfzigtausend Käufer und Verkäufer aus der ganzen Welt. Frankfurt war, wie gesagt, eine freie Reichs¬ und Handelsstadt ohne Zölle und sonstige Hemmungen. Durch seine günstige.' Lage stand Frankfurt überdies in unmittelbarer Verbindung nach allen Weltgegenden hm. Die Umsicht, und Pünktlichkeit Mayer Amschels, womit er alle die von ihm eingegangenen Verpflichtungen erfüllte, lenkten bald die Aufmerksamkeit reicher Kaufleute auf ihn, und mehr als einmal, wurde er als Zwischenhändler von den großen und reichen Wechselherren zu Frankfurt, Darmstadt und Mainz verwandt. Er unterzog sich allen, ihm gewordenen Aufträgen mit ebenso großer Diskretion als Rechtlichkeit. Dadurch erwuchs sein guter Ruf, und bald war er imstande, ein eigenes Haus in der Judengasse zu erwerben (es war dies im Jahre 1780). In diesem seinem bescheidenen und einfachen Heim erweiterte er auch seine Unternehmungen und dort wurde er schließlich zum steinreichen Mann. Mayer Amschel Rothschild verheiratete sich am 29. August 1770 mit der am 23. August 1753 geborenen bereits genannten Guttle (Gudulla) Schnapper. Sie schenkte ihrem von ihr zärtlich geliebten Gatten fünf Söhne und fünf Töchter, und zwar: Amschel Mayer, S a l o m o n Mayer, Nathan Mayer, Karl Mayer und Iako b genannt James Mayer, die später in der finanziellen Welt führende Rollen spielten. Seine Töchter hießen: S ch ö n g e, genannt Jeanette, verheiratet mit dem Bürger und Handelsmann Bennedict Moses Worms, Jsabellä, verheiratet mit dem Bürger und Handelsmann Bernhard Juda Sichel, Babette, verheiratet . mit dem Bürger und Bankier Siegmund Leopold Beyfus, Julie, verheiratet mit dem Bürger und' Bankier Mayer Levin Bey-- sus, und Henriette, verheiratet mit dem berühmten Philanthropen Sir Moses Montefiore. Guttle Schnapper, die Gattin - Mayer Amschel Rothschilds, wurde 96 Jahre alt. S. Salfelö, in Mainz. . x a’. * - v.*