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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-09-25 · Heft 39 (25.9.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 39 (25.9.1912)
Date
1912-09-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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die. Bürgerschaft für würdig hielt, zum Ehrenbürger zu ernennen. Das Denkmal Kaiser Wilhelms I. aus dem Kaiserplatz, die zur Erinnerung , an 'seine Mutter im Jahre 1892 gegründete Stiftung sowie die Segnungen (10 Millionenstiftung), die durch Vermittlung seiner Tochter der Einwohnerschaft won Dessau, und der Bevölkerung von Anhalt geworden seien, sicherten ihm für alle Zeiten ein getreues Gedenken. Der Oberbürgermeister hat die Grabstätte, wo Baron v. Cohn mit seiner Tochter ruht, mit Lorbeer und Blumen schmücken lassen. W. Köln, 18. September. Folgender Ueberblick über die Ziele und Erfolge des Jüdischen Nationalsonds dürfte auch die Leser der „Allg. Ztg. des Judentums" interessieren: Im Jahre 1901 wurde auf dem fünften Zionistenkongreß in Basel der jüdische Nationalsonds (I. N. F.) ins Leben gerufen. Er ist in London registriert und wird von einem Direktorium unter' Vorsitz des Rechtsanwalts Dr. M. I. Boden heimer in Köln verwaltet. Die wichtigste Ausgabe des I. N. F. besteht darin, Grund und Boden in Palästina zu erwerben, aus dem die heimatlosen, in vielen Ländern verfolgten Juden als bodenständiges Volk angesiedelt werden. Zurzeit besitzt der I. N. F. über drei Millionen Mark, die vornehmlich aus kleinen Spenden seitens minderbemittelter Juden in allen Ländern ausgebracht worden sind. Von diesem Vermögen sind nahezu drei Viertel in Palästina angelegt, mit denen viel Segensreiches geschaffen worden ist. Von den Leistungen heben wir hervor: landwirtschaftliche Mustersarmen am Tiberiassee zur Heranbildung von jüdischen Arbeitern und Arbeiterinnen; Anpflanzung von Oelbaumwüldern, Orangengärten u. a. aus den zu diesem Zweck erworbenen Ländereien an der Bahnstrecke Jerusalem—Jaffa; Begründung einer Siedlungsgenossenschast nach den bodenresormerischen Prinzipien des bekannten Berliner Soziologen Dr. Franz Oppenheimer; ein modernes, hygie-' nischen Anforderungen entsprechendes Stadtviertel „Tel-Awiw" (Frühlingshügel) am Meeresstrande in Jaffa; Förderung der Kunstgewerbeschule Bezalel, welche 500 Jerusalemer Juden Erwerb gibt und einen neuen Kunststil zu schassen bemüht ist. Dieser Schule stellte der I. N. F. zwei Häuser in Jerusalem zur Verfügung und hals ihr außerdem eine Kolonie auf seinen Ländereien zu begründen, wo Hausindustrie mit Gartenwirtschaft verbunden wird.; Dem jüdischen Nationalsonds gehört ferner das aus seinem Boden errichtete Gebäude des hebräischen .Gymnasiums. Auch für das im Bau befindliche Technikum in Haifa stellte der Nationalfonds den Boden zur Verfügung. . Von größer sozialer und kultureller Bedeutung' sind die mit Hilfe des Nationalsonds geschaffenen landwirtschaftlichen Bauernkreditgenossenschasten in den jüdischen Kolonien sowie'zahlreiche Einfamilienhäuser und Heimstätten sür landwirtschaftliche Arbeiter. Seesen a. H., 19. September. Am 16, und 17. d. M. fand an der hiesigen J a cob'so nsch u le (berechtigte Realschule und Realprogymnasium mit Erziehungsanstalt) die Schlußprüsung unter dem Vorsitz des herzoglichen Kommissars, Herrn Schulrat Professor Dr. Beckurts aus Braunschweig statt. Sämtliche sieben Prüflinge der Realschule und zwei des Realprogymnasiums haben die Prüfung mit Erfolg bestanden und sich damit das Reifezeugnis für die Obersekunda einer Oberrealschule bzw. eines Realgymnasiums erworben. . L. ,H. Kassel, 18. September. Der hiesige Verein für israelitische Armenpflege versandte.in dieser Woche seinen Bericht über das 34. Geschäftsjahr. Es sei daraus sür weitere Kreise mitgeteilt: Die Einnahmen betrugen 14195 Mark, wovon Beiträge von 355 Mitgliedern 7020 Mark, Geschenke und Vermächtnisse 2275 Mark und Beiträge der hiesigen Gemeinde 1000 Mark, wie 1000 Mark zur sofortigen Verteilung bezeichnet find. Den Einnahmen stehen fast die gleichen Ausgaben gegenüber; sie hatten eine Höhe von 13 831 Mark. Die Leistungen an die Prvvinzialkasse für jüdische Wanderarmenfürsorge im Regierungsbezirk Kassel und Fürstentum Waldeck betrugen 3471 Mark, auswärtige Arme erhielten 2444 Mark, hiesige 2725 Mark Unterstützung. Der jüdischen Arbeiterkolonie in Weißensee und hiesigen paritätischen Anstalten flössen 420 Mark zu. — Es wäre wünschenswert, daß die Zahl der Gönner sich bedeutend mehre. M. L. Bayreuth, 18. September. Der für die hiesige israelitische Gemeinde berufene neue Rabbiner Herr Dr. Salomon, bisher in Lauenburg i. P., wurde durch einen : Festgottesdienst in der Synagoge feierlich in sein Amt eingesührt. Das in Hellem Lichterglanz erstrahlende, mit Blumen geschmückte Gotteshaus war gefüllt von der andächtigen Gemeinde; aus ergangene Einladung waren zu dem festlichen Akte erschienen Se, Exzellenz der Regierungspräsident mik einer ganzen Anzahl von Räten, Bürgermeister Preu als Vertreter der Stadt, von der evangelischen Geistlichkeit Dekan Rupprecht, von der katholischen Stadtpsarrer 'Dr. Simon, die Oberstudienräte Landgraf und Bräuninger, die Oberlehrer der hiesigen Schulen Aumüller, Grießhammer und Leykwmn, Vertreter anderer Behörden, der Lehrerschaft und andere. Herr Rabbiner Dr. Salomon wurde von den Leiden Vorstehern ins Gotteshaus, geführt.. Darauf begrüßte der erste. Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Luitpold Kurzmann, die Gäste, denen er für ihr Erscheinen dankte, und wandte sich dann mit herzlichen Worten an den neuen Rabbiner, dein er Glück und Gottes Segen für sein neues Amt wünschte und die Hoffnung aussprach, daß er, wie auch sein Vorgänger Dr. Kuznisky, das kostbare Gut des religiösen Friedens und derToleranz wahren möchte. Dr. Salomon "dankte für den schönen Empfang und die herzlichen Begrüßungsworte und gelobte alle Kräfte daran zu setzen, uni der Gemeinde und ihren: Wohle zu dienen; er werde sich stets bemühen, ein würdiger Führer der Gemeinde und Lehrer der Jugend zu sein, möchte aus der gemeinsamen Arbeit Gottes Segen ruhen. Es folgte dann der eigentliche Festgottesdienst, besteheird aus Prächtigen Gesängen des Synagogenchores, mit zahlreichen Soli, von unserem Kantor, Herrn Levy, einstudiert. Rabbiner Dr. Salomon hielt eine tiesenrpsundene, geistreiche und überaus eindrucksvolle Predigt; anknüpsend an das Wort „Die Lippen des Priesters bewahren die' Erkenntnis, und die religiöse Belehrung verlangt man aus seinem Munde" sprach er über den hohen Berus des Priesters, über die Pflichten' eines Rabbiners, besonders in unserer Zeit. Er achte jede Ueberzeugung, nehme aber auch das gleiche für sich in Anspruch. Er gelobte, ein Priester des Friedens zu sein innerhalb der Gemeinde, aber auch des Friedens im Verkehr mit den anderen Bekenntnissen. Er schloß mit dem wohl allen aus der Seele gesprochenen Wunsch, daß das gute, harmonische Verhältnis, wie es bisher in unserer Stadt unter den Glmwigen aller Konfessionen bestanden habe, auch in Zukunst so bleiben möge. .Am Schluß seiner Predigt sprach der Rabbiner den Segen über Staat, Stadt und Gemeinde. Mit Gesang und Gebet wurde die schöne, würdige Feier beendet. ch. Göppingen, 17. September. Die Familie unseres verehrten Herrn Rabbiners Dr. .Tänzer ist in tiefe Trauer versetzt worden. Am 8. September schied Frau Rabbiner Dr. T ä n z e r, geb. Händler, eine Tochter des ehemaligen Totiser Rabbiners Mark Händler und Schwester des Budapester Rabbiners Dr. Simon Hevesi im Alter von 37 Jahren nach kurzem schweren Leiden aus dem Leben. Ein überaus glückliches Eheleben hat hier der Tod. zerstört, und vier unmündige Kinder beklagen den Tod der besten aller Mütter. Unter überaus zahlreicher Teilnahme aller Bevölkerungskreise, Vertreter der Stuttgart-Loge, mehrerer benachbarter Rabbiner, der evangelischen Stadtpsarrer usw. fand am 40. September die Beerdigung auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe statt. Nachdem Herr Lehrer Bod e n h e i m e r die kantoralen Funktionen versehen hatte, hielt Herr Kirchenrat Dr. Krön er aus Stuttgart aus Einladung des Kirchenvorsteheramtes die Leichenrede, in welcher er in ergreifender Weise die hervorragenden Tugenden, den Edelsinn und das glückliche Eheleben der so früh Verewigten schilderte. Es war ein tieserschütternder Moment, als hieraus der gramgebeugte Gatte an den Sarg trat, um unter heißem Tränen seiner edlen Frau für alle ihre Liebe und Güte zu danken. — Das Andenken der so beliebten, einfachen, herzensguten Frau wird allezeit ein gesegnetes sein.. Sie ruhe in Frieden! . Gesterretch-Nngsrrr. öi Wien, 19. September. Anläßlich des vor einigen Tagen hier stattgesundenen Eucharistischen Kongresses hat der Verein „Freie Schule." Flugblätter („Josessblätter") verbreitet, deren Tendenz gegen den obengenannten Kongreß gerichtet war. Da die antisemitische Presse diese Flugschriften als einen Angriff der Juden auf die katholische Religion bezeichnete, sähen sich die jüdische Gemeinde als solche und viele jüdische Gemeindemitglieder veranlaßt, in einer am 13. Septeinber abgehaltenen öffentlichen Versammlung die Erklärung abzugeben, daß sie der Publikation und Verbreitung der „Josessblätter" vollständig sernstehen, da sie den Eucharistischen Kongreß als eine rein religiöse Handlung betrachten, über die ihnen kein Recht der Kritik zustehe. Trotzdem wird das „Deutsche Vvlksblatt" nicht müde, über die Juden herzusällen und sie für die Handlungsweise . der „Freien Schule" verantwortlich zu machen. Geradezu komisch wirkt die Behauptung des genannten Blattes, „daß die Juden den konfessionellen Haß schüren". Eine größere Unwahrheit

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