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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-09-25 · Heft 39 (25.9.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 39 (25.9.1912)
Date
1912-09-25
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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und Ausbildung die breiteste Öffentlichkeit Anteil, nimmt , Frau Dr. Levy hat es in der letzten Generalversammlung, die' sie leitete,» angedeutet: Sie wollte mehrmals das gewiß schöne Ziel,- erholungs-, bedürftigen Kindern unserer und auswärtiger Gemeinden ein Heim schassen: Sie wollte durch dies Heim rn unserer Gemeinde das. Inter- _ esse an sozialer Arbeit wecken und wor allem junge Mädchen zur Betätigung in dieser Arbeit erziehen. "Sie'wollte, daß das Heim mit der Zeit sich ausbauen sollte zum Mittelpunkt eines großangelegten Netzes sozialer Arbeit: Volksküche, Nähschule, Dienstbotenschule, Kindergarten und Altenheim sollten sich allmählich organisch daraus entwickeln. —. Mit der größten Liebe und Sorgsalt hatte Frau Dr. Levh das Heim allsgestattet, bis ins Kleinste alles durchdacht und geordnet — da kam das große Unglück, das so viele und so vieles in unserer Stadt und Gemeinde getroffen hat—Frau Dr. Levy starb und das Heim wurde gerade in seinen entscheidenden Anfängen der Gründerin und allein. - berufenen Leiterin beraubt. — Der Israelitische Frauenverein hat sich eine Ehre daraus gemacht, das Heim möglichst im Sinne der Verstorbenen zu führen und es in dankbarem Gedenken „Erna-Levy-Heim" zu nennen. Frau Dr. Levy hatte noch selbst eine im Pestalozzi-Fröbelhaus zu Berlin aüsgebildete Leiterin und eine Volontärin engagiert und die Wähl war eine sehr glückliche. Die beiden Damen bemühten sich mit großem Eifer und Verständnis, den Intentionen der Frau Dr. Levy nachzukommen. In den Monaten Juni, Juli und August! wurden 74 Kinder, darunter 60 aus Berlin und 10 aus Hohensälza verpflegt. Für jedes auswärtige Kind wurden 45 Mark bezahlt, die hiesigen Kinder wurden vollkommen . unentgeltlich ausgenommen. Reben völlig freier Station wurden ärztliche Behandlung und Bäder (Sol- und kohlensaure Bäder) gewährt. Durch freundliche Spenden wurde es uns, zusammen mit den regulären Einnahmen, ermöglicht, den anläßlich eines Basars gesammelten Fonds unangetastet zu lassen. Die gesamte Einrichtung, und Ausstattung, des Heims sind von Herrn und Frau Dr. Levy gespendet worden, ebenso wie., sie für die Instandsetzung des Gartens Sorge trugen. Der Bericht spricht allenhoch-; herzigen Spendern sowie den Herren Sanitätsrat Dr. W a r s.ch.wu .e:r;^ Dr. B er g el und Dr. Forst für ihre stets bereiten Dienste den wärmsten Dank des Vereins aus. Die Verpflegung der Kinder war eine gute und reichliche. Die Gewichtszunahme war befriedigend bis sehr, gut. Es herrschte dank der frischen und liebevollen Art der Leiterinnen und ihrer Helferinnen ein fröhlicher und samilienhafter Ton, der bei den Kindern kein Heimwehgefühl aufkommen ließ. Im ganzen darf man den Schluß ziehen, daß die Bilanz dieses ersten Sommers in materieller und ideeller Hinsicht durchaus zufriedenstellend war. Damit das Erna-Levy-Heim. aber das werden kann, was es sein sollte: Ein Segen-für schwache, erholungsbedürftige Kinder nicht nur, sondern der Ausgangspunkt eines sozialen Hilss- und Erziehungswerkes in großem Stil, dazu bedarf es des tätigen, verständnisvollen Interesses weitester jüdischer Kreise. X W. Posen, 20. September. Nachdem der im Herbst v. I. in Angriff genommene Umbau des Tempels der Israelitischen Brüdergemeinde noch vor Beginn unseres Neujahrsestes vollendet worden war, hat. die Uebergabe desselben an den Vorstand der genannten Gemeinde in feierlicher Weise stattgesunden. Zur Vollziehung dieses Aktes war der Vorsitzende der Baukommission, Kaufmann Berthold Hamburger, bestimmt worden. Derselbe führte in seiner Ansprache etwa folgendes aus: Vom Vorstände der Synagogengemeinde ist mir der ehrenvolle Auftrag zuteil geworden, ihnen dieses Gotteshaus, welches bereits eine Reihe von Jahrzehnten mehreren Generationen unserer Glaubensgenossen als Andachtsstätte gedient hat, nach, dem jetzt vollendeten Umbäu wieder für die gleichen Zwecke zu übergeben. Der Vorstand der Synagogengemeinde knüpft an diese Uebergäbe die aufrichtigsten Glückwünsche. Mögen alle Erwartungen sich zum reichsten Segen für die Israelitische Brüdergemeinde und damit auch zum Segen für die gesamte jüdische Gemeinde Posens erfüllen. Es ist mir eine Ehrenpflicht, gelegentlich dieser Uebergabe allen denen zu danken, welche zu dem schönen Gelingen dieses Baues beigetragen haben. Zunächst darf ich hierbei meinen'verdienten Amtsvorgänger in der Baukommisston der .Gemeindeverwaltung, den edlen Verblichenen, Herrn Julius Schesstel nicht vergessen. Ich bitte Sie, meine Herren, zum äußeren Zeichen für diesen Dank sich von Ihren Plätzen zu erheben. Nun. dankte Redner weiterfolgend dem Architekten und Bauleiter Herrn Sonnabend, ferner Herrn Malermeister Senft-Bodenstein, Berlin, Bildhauer Wagner, Posen usw. - Hieraus nahm der Vor- - sitzende des. Vorstandes der Israelitischen Brüdergemeinde, .Geheimer' --Kömnterzienrat Herz dys. Wort und dankte zunächst dem Vorsitzendem . der "Baukonrmission^ .für seine' arbeitsreiche' und mühevolle Tätigkeit im Interesse des Zustandekommens des schönen- Bauwerkes. Es sei damit ein.im Kreise'der Mitglieder der Brüdergemeinde längst gehegter ..Wunsch.endlich in Erfüllung gegangen,.und.auch.'.eine. neue^Zierde-, unserer Stadt geschaffen. Mit dem Gefühl hoher Befriedigung nehme also di^Verwaltung der Brüdergemeinde chem Tempel wieder in Benutzusig?<- Nach diesem, offiziellen Akte' nahmen die - anwesenden Herren eine eingehende Besichtigung der Einzelheiten des Tempels vor, der, was besonders die innere Ausgestaltung betrifft, ein wahres Kunstwerk genannt zu. werden verdient. — Die Zeit rückt nun heran, wo die Rekruten sich.zu ihren betreffenden Truppenteilen einzufinden haben, um eingekleidet zu werden. Von diesen Mannschaften kommt auch ein beträchtlicher Teil jüdischer Soldaten in unsere Garnisonstadt Posen. . Oft ist es mit Schwierigkeiten verknüpft, für diese die Erlaubnis zur rituellen Beköstigung zu erlangen. Es sei daraus hingewiesen, daß nach dem kriegsministeriellen Erlasse vom 12. Juli 1832 es den Mannschaften mosaischen . Glaubens freizustellen ist, für ihre Beköstigung selbst zu sorgen, oder an der gemeinschaftlichen Speise-; anstatt teilzunehmen. Im Lager und irn Kriege soll diese Rücksicht nicht stattfinden und muß es ihnen überlassen bleiben, ob sie die gelieferten Speisen genießen wollen oder nicht. . Diese militärische Bestimmung ist bis zum heutigen Tage noch in Kraft. Es wäre wünschenswert, wenn die Gemeindevorstände, Rabbiner und Lehrer, die zum Militär eingezogenen jüdischen jungen Leute vor ihrer Verabschiedung auf die obigen Bestimmungen aufmerksam machen würden. Um es zu ermöglichen, hier in Posen rituell speisen zu dürfen, besteht schon seit Jahrzehnten ein Verein, der sich mit dieser Ausgabe - befaßt. Herr Oberrabbiner Dr. W. Feilchenseld steht den jüdischen Soldaten in allen Angelegenheiten allzeit mit Rat und Tat zur Seite, wie solches bei der Vorvereidigung den jüdischen Mannschaften kund- .< gegeben wird. Ebenso sind die Vorstandsmitglieder Aschheim und j Wollheim immer bereit, den-Interessierten beizustehen. Um den Fonds für die rituelle Beköstigung.gesichert zu erhalten, müßten die jüdischen Gemeinden einen etatlichen Betrag zu diesem religiösen Zwecke an die Vereinskasse hier entrichten. - 2/»> Breslau, 20. September. Das Testament des kürzlich verstorbenen Herrn Burgfeld sollte in der Breslauer Stadtverordnetenversammlung ' nicht zur Ruhe kommen. Burgseld hatte u. a. 30 000 Mark der Stadtgemeinde vermacht ohne Zweckbestimmung. Der Magistrat hatte vorgeschlagen, sie für die Volksbibliotheken zu perwenden. Ueber die Annahme hatten die Stadtverordneten zu befinden, aber auch darüber allein. Der Referent Rechtsanwalt Dr. Bujakowsky (kons.) nahm aber dieses Vermächtnis zum Anlaß einer allgemeinen Ausführung, er verlangte prinzipiell vor Annahme Einblick ins Testament, damit man die Ueberzeugung habe, daß arme Verwandte nicht zurückgesetzt würden. Merkwürdig war es immerhin, daß, obwohl wie ihm'beide Bürgermeister vorhielten, schon früher und in derselben Sitzung auch andere Vermächtnisse zur.Annahme Vorlagen, gerade das Testament Burgfelds als Versuchskaninchen herhalten sollte, unerklärlich von einem Juristen, den sein Kollege Heilberg darüber belehren mußte, daß zu soschem Verlangen jede rechtliche Handhabe fehlte, und dem Magistrat, wie der Bürgermeister betonte, vom Gericht nur der auf das Vermächtnis bezügliche Passus mitgeteilt werde. Prof. Wohlauer konnte, ihn sogar darüber beruhigen, daß er das ganze Testament kenne, das zu keinerlei Bedenken Anlaß gebe. Hatte doch Burgfeld, der gar keine Angehörigen hinterließ, Verwandte bis ins entfernteste Glied reichlich bedacht. Der Referent wollte absolut dem Regierungspräsidenten die übliche Sorge um die „armen Verwandten" abnehmen. Als er sich nicht belehren ließ und einen dahingehenden Antrag stellte, belehrte ihn die einstimmige Ablehnung, daß die Versammlung Antrag und Debatte recht überflüssig gesunden hatte. - LXD Dessau, 20. September. Am 19. September, vor hundert Jahren, am selben Tage, an dem der Bankier Europas, Anselm Meyer Rothschild die Augen schloß, wurde in Wörlitz in Anhalt Moritz Cohn geboren, der nachmalige Bankier des ersten deutschen Kaisers. Dieses Tagesgedachte in der heutigen Gemeinderatssitzung der Stadt Dessau Oberbürgermeister Dr. Ebeling. Dessau habe, so sagte - er, allen . Grund, sich dankbar des Mannes zu erinnern, der vom Jahre 1823MZ zu' seinem Tode in der Stadt seinen Wohnsitz gehabt habe, und den

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