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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-09-25 · Heft 39 (25.9.1912) · p. Seite 466

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 39 (25.9.1912)
Date
1912-09-25
Page
Seite 466 (sequence 10)
Language
German
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Zuteil wird,,neben einer Masse von Freunden nur wenige Feinde zu haben. Er entwafsnete selbst den Neid und lähmte dem Uebelwollenden die Zunge. Der Vater von Mayer Amschel Rothschild/Amschel Moses/ war ein armer jüdischer Handelsmann und wurde 6 Jahre vor Johann Wolfgang Goethe im Ghetto zu Frankfurt a. M. geboren. Von seinem Vater wurde er zum Rabbiner bestimmt. Schon als blutjunger Mensch besuchte er die Talmudschule zu Fürth, um dort jüdische Theologie zu studieren. Bis an sein Lebensende hatte er eine große Vorliebe für das Talmudstudium, und nach des Tages Last und Hitze und nach, vollendeter Arbeit zog er sich sehr gern in sein Privatkontor zurück, üm ein Blatt Gemarah zu durchforschen und in der Mischna zu lesen. - (Schius; folgt.) schönen Stunden Sonnenschein nicht schwinden ihm und seinen Getreuen, mag der Jubeltag in Mainz auch anderer Orten gleichen Opfersinn und begeisternden Nachhall wecken! Salomonski. sfrri - doch treu. Mm Leben nacherzählt von F. Eohn. (Nachdruck verboten.) Lin Iuükltag im goldenen Main?. us Frankfurt a. M., das. uns liberale Rabbiner am Sedantage zu wichtiger und erfolgreicher Beratung vereinigt hatte, kam ich ins nahe Mainz. Meiner Vorfreude, dort am Weihefest des neuen Gotteshauses der israelitischen Neligionsgemeinde teilzunehmen, bot die schöne Stadt schönstes Erleben.; Wetteifernd mit dem Schmuck ihrer Ströme grüßten festfrohe Straßen, grüßten Bürger und Behörden in friedlichem Verein den Ehrentag der Israeliten. Doch machtvollere Empfindungen löste der Bau, zu Ehren des Ewigen geschaffen aus geschichtlich geheiligtem Boden. Ein Haus Gottes in der Geburtsstadt der deutschen Juden, ein Tempel .aus jenem Grunde, da unsere Brüder schon länger beten und leben als einst in Jerusalem, das schuf eine bedeutende Stunde! . Hier ist der Ort, da das von Römerhand verwundete Volk Genesung und Kraft zu neuem Ertragen fand, hier ist die Stätte, da das Genie der großen Meister Geistesschätze gebar, , der Ewigkeit erhalten durch den Mainzer Gutenberg. Würdig dieser Erinnerungen ist das neue Heiligtum, das den Himmel auf die Erde niederzwingt und den Sohn der Tiefe emporhebt, ein Zeugnis'auch dafür, daß Gott erfüllte mit dem Geist der „Kunst und Einsicht" die Bauleute, mit willigem Herzen die frommen Spender. . Doch nicht allein wirkt hier der Kuppel Macht und Höhe, der Farbentöne . sanfte Pracht, tausendfältiger Glanz und Schimmer,- frommer Klänge Zauberwort. Mehr noch als Auge und Ohr ernteten Geist und Gemüt. Kurz an Sätzen, reich an Gedanken war die Begrüßung des ersten Vorstehers, Kommerzienrats Mayer, der den Bau seiner Bestimmung übergab. Und dann die Weihepredigt des aus Anlaß der Feier zum Professor ernannten Rabbiners Dr. Salfeld! Die Geschichte seiner Gemeinde, die Bedeutung des Gotteshauses verflocht der Meister der Wissenschaft und der Rede zu tief ergreifender Gestaltung; allen, die seinen Lippen lauschten, selbst Abbild und Verkörperung der Gemeinde, als treuer Führer,und Hüter seit Jahrzehnten, vöranleuchtend in Würde, vorwäxtsschauend mit Aufrichtigkeit, emporführend mit nimmermüder Kraft. Die Feier des Hauses ist auch die seine . geworden. Das bleibt des denkwürdigen Tages kostbares Dokument. Umhegt von seiner Lebensgefährtin, den Kindern und Enkeln, innig verbunden mit seiner Gemeinde, geehrt vom Herrn des Landes, geliebt von seinen hessischen Amtsgenossen, deren keinL fehlte, hat er des Lebens Höhe erklommen. Mag der as junge Elternpaar und der süße zweijährige Junge bildeten eine innige Gemeinschaft. Doch schon be- : wölkte sich der heitere Himmel; Frau Sorge breitete ihre dunkeln Fittiche aus und drohte Luft und Licht zu nehmen. Eines Tages stand das junge Paar vor dem „Nichts". 'Das ist jenseits der schwarzweißen Grenzpsähle mißlicher noch als diesseits. — „Was sangen wir an, die Krämer wollen nicht mehr borgen — unser Geld ist aufgezehrt — bald , werden wir nicht mehr wissen, wo wir unser Haupt niederlegen sollen —" klagte die Frau. Der zweiundzwanzigjährige Mann neigte traurig seinen Kopf. „Ja, liebe Sara, im Geschäft hatte ich kein Glück — alles ging verloren, deine ganze Mitgift! — Ich möchte ein Handwerk erlernen, dann steht uns das ganze russische Reich offen." „Ganz wie du meinst, lieber Lassar. Ich lege dir kern Hindernis in den Weg." . „Aber was willst du allein mit dem kleinen Kind an- ' sangen? Wenn ich fortgehe um etwas zu lernen, dann kann meine Abwesenheit mehrere Jahre andauern. Wie willst du ' dich während dieser Zeit ernähren? Zuschuß haben wir von keiner Seite zu erwarten. Der Gedanke, dich und das Kind schütz- und mittellos zurücklassen zu müssen — ist mir fürchterlich!" — „Es ist wahr, Lassar, von deiner Familie, welche mir grollt, < weil du mich gegen den Willen deiner Mutter geheiratet hast, dürfen wir nichts beanspruchen. Hättest du mich nicht gewählt, dann wäre diese Notlage nicht über dich gekommen Doch ich gebe dich frei. Für mich und das Kind wird sich schon was finden — sorge dich nicht um uns. Ich will nur nicht daß du deine ganze Zukunft mir opfern sollst." — ,. / V Entrüstet entgegnete Lassar Malkin: „Du, sprichst Ungereimtheiten, liebe Sara. Du weißt, daß ich nur dich liebe, jetzt und alle Zeit! Gott wird schon helfen; aber wir müssen das unsrige dazu tun. Also was gedenkst du während meiner langen Abwesenheit zu unternehmen?" . Die junge Frau erblaßte, nahm sich jedoch zusammen, damit ihr Mann nichts merke. ' „Ich werde nähen, stricken, einen kleinen Handel anfangen — es wird schon gehen." Lassar seufzte schwer. „Und das Kind?" „Ich bringe es zu meinen Eltern; meine. Mutter wird es betreuen, bis ich ihm eine Wärterin mieten kann. Man muß nur den Mut nicht verlieren, mit der Zeit kommt alles!" — Mit Bewunderung blickte Lassar auf seine Frau. In gleichem Alter-stehend, hatte sie mit ihrem ererbten Gleichmut, ihrer angeborenen Energie einen Ausweg für alles.' In ihrem brünetten Gesicht blitzten dunkle,-kluge Augen. Ihre mittel-, ' - große, feste Gestalt verriet physische Kraft. «MW L»

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