Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1912)
- Date
- 1912-09-25
- Page
- Seite 461 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sich noch steifer aus dem Grunde, weil es aus dem eigenen Lande Militärpflichtige nicht wieder hereinlassen will. Auch in Deutschland bestehen in solchen Fällen verschärfte Bedingungen, und jeder, der sich in Deutschland der Militär- Pflicht entzogen hat, kann, wenn er als Bürger eines anderen Staates dorthin zurückkommt, nach bestimmter Frist ausgewiesen werden. Eigentlich dürfte die Zeit schon gekommen sein, in der Rußland sich dazu versteht, von anderen Völkern Lehre anzunehmen*). Lelio della Torre. Von Ludwig Geige r. ^^er Name Lelio della Dorre ist mir seit meiner Knabenzeit vertraut. Ich muß ihn oft von meinem Vater haben aussprechen hören, obgleich er in den beiden Werken, die ich dem Andenken Abraham Geigers widmen konnte, . n.icht erwähnt wird. Er war ein Gelehrter von Ruf, als Redner, Uebersetzer pädagogischer und räbbinischer Schriftsteller wirksam, der indessen den meisten gegenwärtig lebenden deutschen Juden kaum mehr bekannt sein dürste. Da er indessen vor Jahren gelegentlich Mitarbeiter dieser Zeitung war (vergleiche die neue Ausgabe seiner Schriften, Bd. 2, 177 sf. und 346 ff.), da er ferner dem Begründer und ersten Herausgeber dieses Blattes ziemlich nahestand, so ist es wohl gerechtfertigt, im Anschluß an eine kürzlich erschienene große Veröffentlichung, die das Andenken des Verstorbenen beleben fott2), seiner auch an dieser Stelle zu gedenken. Lelio della Dorre war am 11. Januar 1805 zu Cuneo geboren. Sein Vater war dort Rabbiner, ein Gelehrter, trotz seines ungemein bescheidenen Einkommens (700 Lire jährlich) ein wohltätiger Mann. Da der Vater sehr früh starb (1807), wurde Lelio von seinem Onkel M. V. Dreves, Rabbiner in Casal Monserrato, ausgenommen und erzogen, endlich nach dessen Tod von einem anderen Onkel S. Gr. Dreves, Rabbiner von Asti, weitergebildet, bei dem er längere Zeit lebte. Zu vier Jahren begann er bereits'Hebräisch zu lernen, zu sechs vermochte er. die schwersten Stellen der Bibel zu lesen, zu acht half er seinem Onkel beim Unterricht. Schon in seinem neunten Jahre machte er ein hebräisches Gedicht. Dies Poetische Talent verschaffte ihm bei dem kargen Leben, das er bei seinen Verwandten führen mußte, manche kleine Erleichterung. *) Wir geben diesen durch die Tatsachen überholten Artikel, der uns erst vor wenigen Tagen zugekommen ist, wieder, um die in Amerika herrschende Stimmung zum Ausdruck zu bringen. Die Red. -) Lelio della Torre. Scritti sparsi preceduti da, uno studio biografico mtorno airautore. Zwei Bände. Padua, Druck von F. Prosperini, 1908. Herausgeber und Verfasser der Biographie sind die Söhne des Verstorbenen: Michele und Eurardio della Torre. Neben dem Hebräischen, dessen Kenntnis er sich meist durch Selbststudium verschaffte, erlernte er Italienisch und trotz des Vorurteils mancher Glaubensgenossen auch das Griechische und Lateinische. Diese allgemeine Ausbildung setzte er als angehender Jüngling in Turin fort, wo er an dem dortigen Seminar Hebräisch lehrte, für sich die rabbinischen Fächer studierte und daneben an der Universität philosophische und Philologische Vorlesungen hörte. 1826 machte er sein erstes, 1832 sein zweites, das sogenannte Oberrabbinatsexamen, und 1827 wurde er Vizerabbiner in Turin. Im Jahre 1828 ward er zum Professor des neugegründeten rabbinischen Seminars zu Padua gewählt, einer Stellung, die er bis zu seinem Lebensende bekleidete. Er hatte sich 1838 verheiratet, verlor 1852 seine Gattin, hatte den Tod mehrerer Töchter zu beklagen, erfreute sich einiger blühenden Söhne, die vor einigen Jahren seine Schriften Herausgaben, und starb am 9. Juli 1871. Lelio della Torre war ein vielseitiger Schriftsteller. Er schrieb Italienisch und Hebräisch, vermochte aber auch im Französischen und Deutschen sich auszudrücken. Das Deutsche erlernte er ohne Lehrer, indem er, wie seine Biographen erzählen, Journale, zum Beispiel die Allgemeine Zeitung des Judentums, vom ersten bis zum letzten Buchstaben las. Er legte auf das Deutsche besonderen Wert, weil, wie er sagte, die meisten die Juden betreffenden Schriften Deutsch geschrieben seien. Er veröffentlichte 1869 eine hebräische Gedichtsammlung, deren Poesien zumeist seiner Jugendzeit entstammen. Gedichte heiteren und ernsten Inhalts, voll Jugendsreudigkeit aber auch voll Melancholie, dabet auch eine Satire, in der die jüdische Gesellschaft seiner Zeit streng und bitter geschildert wird« Er beschäftigte sich vielfach mit der Bibel; seinen „Gedanken über die sabbatliche Lektion des Pentateuch" beabsichtigte er Betrachtungen über alle Teile der Bibel folgen zu lassen. Das Werk war dazu bestimmt, das jüdische Moralgesetz darzulegen, die Gewohnheiten der jüdischen Gemeinschaft und die Meinungen der Schriftsteller dar- Er dachte ferner an eine Ueber- Jtalienische, die er mit Anüber auseinanderzusetzen, setzung der Bibel ins merkungen begleitete. Er hatte sodann den Plan gefaßt, gemeinschaftlich mit einem Juristen ein großes Werk über das Recht im Talmud zu verfassen. Zu seinen Plänen gehörte endlich (1851) die Begründung eines jüdischen Literaturvereins, eine Veröffentlichung gelehrter sowie populärer Abhandlungen und belletristischer Beiträge; er vermochte jedoch den Plan nicht durchzuführen. Trotz des Scheiterns dieser Absicht gab er derartige Pläne nicht auf, und so faßte er den Gedanken einer Familienbibliothek, ohne mit der Ausführung dieses Gedankens größeres Glück zu haben wie mit seinen früheren Unternehmungen. Da eigene Organe ihm nicht zur Verfügung standen, so beteiligte er sich gern an den von anderen geleiteten. Er empfahl in warmer Weife das Philippfonsche ij V.'H ,-Ä M ri 1 ■!$ M - Ä! iiüi