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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-09-20 · Heft 38 (20.9.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 38 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76. Jahrgang Nr. 38 Der Berlin, 20, September 1912 Veilsge zur „Allgemeinen Leitung deS ZudentumH". korrelponÄenrm und Mschrichten. Deutschland. y. Berlin, 16. September. Die gestrige Sitzung der Netz r ä s e n t a rt t e n ü e x f et m mlun g hatte , eine außerordentlich große Tagesordnung. Es lagen ihr nicht weniger als 84 Vorlagen vor. Herr Louis Sachs eröfsnete die Sitzung mit einigen Begrüßungsworten, in denen er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Herren Repräsentanten gekräftigt aus der Sommerfrische zurückgekehrt seien und verband damit zugleich die herzlichste» Glückwünsche zum neuen Jahre. — Der Gemeindevorstand teilte mit, daß er den Beschlüssen der Versammlung betr. die Satzungen der Bibliothektommission beigetreten sei. Sodann überreichte der Vorstand der Versammlung ein Schreiben der Herren Albert, Julius und Max Israel, Charlottenburg, Mommenstraße 29, in welchem sich die genannten Herren gegen den Passus der Rede Prof. Kalischers in der Sitzung vom 30. Juni wenden, in dem es heißt, daß von den drei Herren Israel, die die Charlottenburger Petition an das Herrenhaus unterzeichnet haben, im Adreßbuch nur der eine A. Israel aufgesührt ist, es sich wohl bei den beiden anderen um Söhne des Unterzeichneten, Tertianern oder Quartanern, handeln dürfte. Tatsächlich handele es sich um drei Brüder, erwachsene Leute und Gemeindesteuerzahler, die nur in der gleichen Wohnung wohnen. Aber doch heißt es dann weiter in dem Briefe: „Es war an einem Sonntagvormittag, als ein Mann zu uns kam; er verlangte die Unterschriften für eine Petition zur Loslösung von Berlin und zu einer selbständigen Gemeinde von Charlottenburg, wofür wir auch zu haben waren. Eine Petition zeigte der Mann nicht, er sagte, er hätte sie nicht da! Wir wurden allerdings düpiert!! Von einer Petition gegen die Erhöhung der Anzahl der- Mitglieder des Gemeinde- Vorstandes usw. sagte der Mann nichts!! Wir sind alle drei für die Erhöhung, da natürlich die wenigen Herren für die Verwaltung einer so großen Gemeinde nicht genügen, das konnten wir als Kausleute wohl beurteilen. Wir sind also düpiert worden." Sie verlangen indessen eine Berichtigung im Gemeindeblatt. Herr Professor Kalischer bat daraus, > eine Erklärung verlesen zu dürfen, die demnächst im Gemeindeblatt erscheinen wird. Die Erklärung des Hern Professor Kalischer schließt mit den Worten: „Ich freue mich, von den Herren Israel zu hören, daß sie gute Juden sind und, unbeschadet ihrer in einem Punkte abweichenden Ansicht, treu zur großen Berliner jüdischen Gemeinde halten. Ich stelle endlich mit großer Genugtuung fest, daß auch die Herren Albert, Julius und Max Israel von den Agitatoren der Charlottenburger Agitation „düpiert" worden sind." Ferner-gelangte der Brief eines Anonymus zur Verlesung, der es als Mißstand bezeichnet, daß in der Neuen Synagoge, Fasanenstraße, kein Fahrstuhl zur ersten Etage vorhanden sei. Die Frauen, seien atemlos nach oben gekommen. Ferner rügt der Anonymus, daß der Prediger nicht überall deutlich verstanden werden könne. Er schlägt vor, wie im hiesigen und im Kölner Dom, die Kanzel in der Mitte des Gotteshauses zu placieren. Der Bries geht an den Vorstand zur weiteren Veranlassung. Des weiteren teilt der Vorsitzende mit, daß das Modell der Büste des Großen Kurfürsten für den Repräsentantensaal im Atelier des Bildhauers P l e s s n e r beabsichtigt werden könne. — Von Herrn Prof. B l a s ch k e ist ein Dankschreiben für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen eingegangen. Des weiteren teilt der Vorsitzende mit, daß die Versammlung dem Mitglieds Herrn Oscar Tietz zu seiner Silberhochzeit eine Gratulationsdepesche gesandt -hat. . Auch der Repräsentant Herr Lewinski hat am 11. d. M. seine silberne. Hochzeit gefeiert. Leider habe man dies zu spät erfahren, weshalb er Anlaß nehme, hier mündlich die herzlichsten Glückwünsche nachträglich auszusprechen. Nach Verlesung des Protokolls gelangte eine ganze Reihe, von Zuwendungen debattelos zur Annahme. Von Herrn Justizrat Veit Simon ist der Antrag gestellt worden, die Geschäftsordnung der Repräsentantenversammlung dahin zu ändern, daß eine Verlesung des Protokolls der vergangenen Sitzung sich erübrigt. Der Antrag wird abgelehnt, nachdem der Vorsitzende darauf aufmerksam gemacht hatte, daß die Annahme dieses Antrages gegen § 1 des Statuts verstößt, daher eine Statutenänderung erforderlich sein würde, die der Genehmigung der Regierung bedürfte. Das aber wolle man jetzt nicht tun. Herr Direktor Minden wünscht die Vervielfältigung der Protokolle und deren Zustellung an die Repräsentanten. Die Möglichkeit der Erfüllung dieses Wunsches soll vom Bureau geprüft werden. Ueber den Jahresbericht der Stistungskommission referiert Herr Lewinski. Der Stistungskommission waren im Berichtsjahre 41 Stiftungen zur Verwaltung, 14 zur Beaufsichtigung, also insgesamt 55 überwiesen, das Kapital der Stiftungen betrug 3150 000 Mark, die Einnahme betrug 115 000 Mark. Am 1. April 1911 war der Bestand von 44 966 Mark vorhanden, die Einnahmen betrugen 99 705 Mark, die Ausgaben 97 662 Mark, mithin war am 31. März ein Bestand von 47 009 Mark vorhanden. Die Anzahl der Gesuche betrug 1414, davon 1202 von Juden, 212 von Christen. Abgelehnt mußten werden 713 Gesuche von Juden und 178 Gesuche von Nichtjnden. Bewilligt wurden 418 Gesuche von Juden, 46 aus dem Fonds für verschämte Arme, 25 andere Unterstützungsgesuche und 34 Gesuche von Christen, insgesamt erhielten 452 Petenten 86 064 Mark und zwar 418 Juden 80 959 Mark, 34 Christen 5105 Mark. — Ueber den Bericht der Bibliothekkommission referierte Herr Professor Blaschke. Er stellt fest, daß die Bibliothek im Berichtsjahre an Umfang sowie an Besucherzahl zugenommen hat. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen. Eine lebhafte Debatte knüpfte sich an die Vorlage betreffend Bewilligung eines Arbeitsplanes und Bereitstellung von Mitteln zur Einrichtung eines Sekretariats für die Synagogenbaukommission. Der Ausschuß I sowie der Ausschuß III, denen die Vorlage unterbreitet war, haben sich einmütig aus den Standpunkt eines Antrages Sachs gestellt, für die Aufstellung und Bearbeitung von Grundsätzen für die .Synagogenbauten sowie die Sammlung von Erfahrungen bei den Synagogenbauten zunächst bis zum Ende des Etatsjahres, also auf ein halbes Jahr den Betrag von 3600 Mark für zwei Beamte zu bewilligen. Die Versammlung schließt sich dem an. Ueber den Rechnungsabschluß der Friedhosskommission referiert Herr Aron H i r s ch. Er rühmt den außerordentlich guten Bericht und stellt fest, daß die Gesamteinnahme der Friedhofshauptkasse sich aüf 881458.56 Mark, die Ausgaben auf 725109.38 Mark belaufen, so daß ein Ueberschuß von 156 349.18 Mark verbleibt. Er betont, daß die Höhe dieses Ueberschusses zu irrigen Schlüssen führen könnte. Er stellt daher ausdrücklich fest, daß an dem Beerdigungswesen direkt Geld zugesetzt ist, der Ueberschuß lediglich aus den Friedhossgärtnereien fließe. Der Ueberschuß sei notwendig — die Hälfte fließe dem dritten Amortisationsfonds zu —, um die Mittel für einen neuen Friedhof, der wohl bald nötig sein würde, zu sammeln. Die Verwaltung wie die Organe hätten vorzüglich gearbeitet und man .müsse ihnen höchst dankbar sein. Bei diesem Anlaß macht Herr Justizrat Dr. Cohn auf einen Uebelstand bei der zweiten Wartehalle aufmerksam, der von vielen Leidtragenden aufs peinlichste entstunden würde. Es befindet sich dort kein besonderer Warteraum für das Trauergefolge, man müßte vielmehr gleich direkt dort eintreten, wo der Sarg aufgebahrt wird. Für die Errichtung einer Wartehalle seien seinerzeiit 35 000 Mark bewilligt worden, von der Vornahme des Baues habe aber die Kommission einstweilen abgesehen. Wenn man zunächst von den bewilligten 35 000 Mark 23 600 Mark für den Bau von 2 Pavillons verwenden wollte, so würde man eine neue Blumenhalle und den Warteraum Herstellen können. Der Antrag, hierüber in der heutigen Versammlung Beschluß zu fassen, wird abgelehnt, — Ueber den Rechnungsabschluß der Altersversorgungsanstalt referiert Herr Kommerzienrat Gerson Simon, über den Rechnungsabschluß des Hospitals Herr L e w i n s k i; über das Reichenheimsche Waisenhaus Herr Aron Hirsch. Die Versammlung genehmigt alle Rechnungsabschlüsse und, erteilt dem Kuratorium des Waisenhauses Entlastung. Ueber den Rechnungsabschluß des zweiten Waisenhauses referiert Herr Siegfried Sachs. Der Bericht wurde ebenfalls genehmigt. Desgleichen der Rechnungsabschluß der Waisenkommission für das Etatsjahr 1911/12. Ueber den

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