Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nechrmngsäbschluß der "ArmenkvnNnisftotr-: sowie denjenigen,-der Stif- 'tuugen der Armenkommission und des Fonds für werschämte-Arme referierte Herr Lewinski. Es betrugen die Ausgaben für einmalige Unterstützungen 95 669 Mark, für' laufende Unterstützungen 83 529 Mark und ausdem Fonds für verschämte Arme 47 693 Mark, also insgesamt 226 891 Mark. Von den 2807-Unterstützten Personen waren 2249 Deutsche, 558 Ausländer, außerdem erhielten 815 Personen aus der.Tageskasse- Unterstützungen. Die Anzahl der Unterstützungsgesuche belief sich auf 6141,'von denen 37 zurückgezogen und 6904 bearbeitet wurden. Neu geprüft sind 3203 Gesuche. Von den erstmaligen Gesuchen wurden 283. der Armenkommission, 178 dem Fonds für verschämte Arme überwiesen. Es fand ein reger Verkehr mit der Zentralstelle für die Wohltätigkeitsanstalten, mit Ortsürmenverbänden .und der städtischen Armenkommission statt. Aus der städtischen Stiftungskasse wurden 6069 Mark der Armenkommission überwiesen. Die Anzahl der Sitzungen derselben betrug 202. Im Dienste der Armenkommission sind 87 Herren, 12 Damen und 10 Beamte, also insgesamt 109 Personen tätig gewesen gegen 80 im Vorjahre. Aus den Stiftungen der Armenkommission sind ihr überwiesen worden 43692 Mark, dazu Bestand aus dem Vorjahre 10 702 Mark, insgesamt 54 394 Mark. Aus den Stiftungen des Fonds für verschämte Arme gingen ein 55 267 Mark und wurden.verausgabt 50 965 Mark, so daß ein Bestand von 4302 Mark verbleibt. Auch dieser Bericht wurde anstandslos genehmigt und der Mehrverbrauch von 2605.04 Mark nachbewilligt. Ebenso wird der Rechnungsabschluß der Zentralstelle für die Wohltätigkeitsanstalten richtig befunden und entlastet. Ueber die Durchreisendenkommission referiert Herr Aron Hirsch. Auch diese Kommission hat sehr gut und mit großem Geschick gearbeitet. Der Bericht weift einen Minoerverbrauch von 1138.92 Mark aus. Ueber die Bibliothekkommission referiert Herr Gerson Simon. Der Abschluß weist eine Mehrausgabe von 2940 Mark auf, die hauptsächlich verursacht ist durch die Inanspruchnahme zweier weiterer Kräfte. Die beantragte Entlastung wird erteilt. Ueber den Rechnungsabschluß für die sestgottesdieustlichen Veranstaltungen 1911 referierte Herr S ch l o ch a u e r. Auch dieser Rechnungsabschluß wird als richtig' befunden und die gewünschte Nachbewilligung ausgesprochen. Eine sehr lebhafte Debatte, an der sich die Herren Professor Kalischer, Justizrat Lilienthal, der erste Vorsteher Jacoby, Willibald Loewenthal und -Direktor Minden beteiligen,' entspinnt sich, bei der Vorlage-betreffend Ausschreibung der Stelle eines Schulinspektors. Es handelte sich dabei ausschließlich um die Festsetzung des'Höchstgehaltes. Der Schulvorstand hatte beantragt, das Höchstgehalt aus 10 000 Mark seftzusetzen. Der Gemeindevvrstand dagegen hatte unter Berücksichtigung des Umstandes, daß der Schulinspektvr auch den Unterricht an den don den Herren Gemeinderabbinern geleiteten Religionsschulen beaufsichtigen soll, das Höchstgehalt aus 14 000 Mark festgesetzt,.- um ihn auch in dieser Beziehung mit den Herren Rabbinern gleichzustellen. Der Ausschuß I, dem die Vorlage überwiesen.war, hatte veautragt, die Vorlage zu vertagen und sie in einer gemischten Deputation zu beraten. Demgegenüber bittet Herr . Justizrat Lilien t h a l dringend, die Vorlage zu verabschieden, da die Sachlage geklärt sei und für die Tätigkeit einer gemischten Deputation nichts vorliege. Am ■ 1. April nächsten Jahres soll der Schulinspektor angestellt werden. Es sei - also höchste Zeit. Es sei ausgeschlossen, daß man eine Kraft ersten Ranges, einen Mann mit Rabbinerrang bekomme. Herr Professor Blaschke schhigt vor, heute überhaupt keine Skala auszustellen, sondern erst später, da man auch einen Lehrer zum Inspizienten wählen könne, der Rabbinerqualisikation habe. Demgegenüber weist Herr Justizrat Lilienthal daraus him daß dies gegen alle Prinzipien der letzten Jahre verstoßen würde, nachdem man nach großer Mühe endlich Ordnung in die Gehaltsverhältnisse hineingebracht habe. Vom Vorstandstische meint Herr Jacoby, es sei nicht das erstemal, daß man über diese Sache verhandele. Der Mann, der das Amt übernehme, werde die schwierigste Stelle haben, Zeines Rabbiners, der über Rabbiner gesetzt, ist. Wir müßten dazu den erstklassigsten Mann haben, den Besten der Besten.- Er-sei nicht dafür bekannt, für. große Ausgaben zu plädieren, aber in diesem- Falle möchte er doch bitten, dem Vorschläge des Vorstandes beizUtreten. Dafür tritt auch Herr Willibald Loewenthal ein. Herr- Professor Kalischer ist für die gemischte Deputation, weil sie die Möglichkeit biete, daß dort der eine den anderen überZeüge.. . Herr Direktor Minden' ist/gegen vre gemischte Deputation. Es wird darauf, da auch eine "Reihe-weiterer Anträge vorliegen, zunächst die Vertagung- und Ueberweisung an -eine gemischte Deputation abgelehnt.- -Beschlössen wird," daß ' die Besii'erLer M 'den ' ‘ SchulinspeMrposten die Befähigung -zum Rabbiner besitzen müssen. ' V Die Gehaltsskäla lautet: Grundgehalt 700.0 Mark in dreijährigen Zulagen von je 1000 Mark steigend 'bis zum. Höchstbetrage von .; 12 000 Mark,-ferner ist, die Anrechnung, der bisherigen Dienstjahre zulässig, so daß dasAnsängsgehalt auch höherals 7000 Mark sein kann. — Der Vorlage, zur besseren Kontrolle der Kassenund der Buchführung . einen Beamten in angesehener Stellung zu wählen,' der unmittelbar Und ausschließlich dem Gemeindevorstand unterstehen soll, und der befugt I ist, in alle Akten, Bücher und Auszeichnungen der gesamten Verwältungsstellen Einsicht zu nehmen, Berichte und Aufklärungen zu fordern, zu dem Zwecke^ständig diegesamten .Kassen, Buch- und Geschäftsführung aller Bureaus zu prüfen, stimmt die Versammlung zu.' Die . Stellung soll von; 1. April 1913 geschaffen werden und das.Gehalt entsprechend demjenigen ^der puristischen Hilfsarbeiter gleichgestellt werden. — Der sehr ausführlich und in mustergültiger Weise ausgearbeiteten Besoldungsordnung für die technischen Beamten der jüdischen Gemeinde stimmt die Versammlung nach Vornahme unwesent- ' licher Aenderungen zu. Diese Vesoldungsordnung soll rückwirkende Kraft seit dem 1. April 1910 haben. Von Herrn Justizrat B r e s - l a u e r ist der Antrag gestellt worden/ örtliche Verwaltungskommissionen, deren Kompetenzen und Zusammensetzung der Antragsteller in seinem Anträge genau darlegt, zunächst für Charlottenburg/Wilmersdorf und Schöneberg einzurichten. — ‘ Der Gemeindevorstand hat zu diesem Antrag seines Mitgliedes bisher noch keine Stellung genommen. Er ersuchte die Versammlung nur, den Antrag des Herrn Justizrats Breslauer aus Einsetzung .örtlicher Verwaltungskommissionen der gemischten Deputation, die sich " mit der Errichtung von Zweigbureaus in den Außenbezirken beschäftigt, zu überweisen. Die Versammlung beschließt demgemäß. — Der Bericht der zur Revision der Kassen und des Repositoriums eingesetzten Kommission wird in die geheime Sitzung verwiesen. Es folgten dann eine Reihe von Bewilligungen für notwendige Reparaturen. Heiß umstritten wurde dann die Vorlage zur Anschaffung eines Automobil- Leichenwagens. Schließlich aber wurde der Antrag auf Bewilligung von 15 000 Mark mit der Modifikation angenommen, daß erstens Offerten für das Automobil von verschiedenen Firmen eingesvrdert werden sollen, und daß die Benutzung des Automobils . zum Leichentransport fakultativ sein solle, Für den jüdischen Religionsunterricht an der Brühlschen Höheren Mädchenschule wird eine Subvention wie bisher von 600 Mark jährlich bewilligt. Dem jüdischen ReligionsbereiN Friedenau. Steglitz und Umgegend' wird zur Veranstaltung eines Gottesdienstes an hohen Feiertagen eine Subvention von 400 Mark'bewilligt. Die Subvention für den Synagogenverein Moabit und Hansabezirk aus 5320 Mark erhöht, der Israelitischen Religionsgemeinde Iteukölln zur Veranstaltung von Gottesdienst an hohen Feiertagen 1250 Mark, der Israelitischen Religionsgenossenschast Agudath Achim in Pankow zur Deckung eines Deftzites einmalig 600 Mark, der Jüdischen Vereinigung Tempelhof-Mariendors für Festgottesdienste 400 Mark und als Beitrag zu den'Kosten für Religionsunterricht weitere 400 Mark'bewilligt. Der Israelitischen , Religionsgemeinde Groß-Lichterfelde-Lankwitz wird ein einmaliger Zuschuß von 600 Mark zur Veranstaltung von Festgottesdiensten-und 146 Mark zur Deckung des vorjährigen Defizits bewilligt. Schließlich wurden dem Jsraelitisch-sephardischen Verein 1500 Mark als Subventionbewilligt. Damit schloß die öffentliche Sitzung in der vierten Nachlnittägsstunde, der dann noch eine geheime Sitzung folgte: 22 Berlin, 16. September,' Zum geschäftssührenden Vorsitz e.n d en des D e u t s ch -J-s r a e li ti s ch e »Gemeinde- . bund.ds^ an Stelle von Pros. Martin Philippson, der dies Ehren- . amt. bekanntlich vor mehreren Monaten.niederlegte, ist in der letzten Ausschußsitzung Herr Prof. S. Kali sch er gewählt worden. Er hat die Wahl angenommen und, wie wir erfahren, bereits am heutigen Tage die.Führung der Geschäfte übernommen.— Da an Stelle des bereits vor längerer Zeit aus .dem Präsidium des Gemeindebundes gleichfalls. ausgeschiedenen Herrn Direktor Dr. M i n d e n zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Pros. Dr. Sob ernheim gewählt worden ist, ist nunmehr, im „Gemeindebund" die Zeit des Interregnums beendet. Wir begleiten die Wahl des Herrn . Pros. Kalischer mit den besten Wünschen erfolgreicher Tätigkeit in.dem mühevollen Ehrendienst, des, Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. v- Berlin, 17: September. Der., vonder- F r i-e de n s-ko m - Mission unter dem Vorsitz" des 'Herrn Landtagsabgeordneten