Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Derselbe gehörte nahezu ein halbes Jahrhundert zu den ordentlichen Mitgliedern des Vorstandes der israelitischen Krankenverpflegungs- und Beerdigungsgesellschaft und war in den letzten Jahren Ehrenmitglied des Vereins. Als langjähriges Mitglied'des" Vorstandes der ehemaligen alten Betschule hat er treue Dienste geleistet. Herr Oberrabbiner Dr. W. Feilchenseld würdigte in seiner Leichenrede die hohen Verdienste des Entschlafenen. — B r o m b e r g. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde Herr Geheimer Kommerzienrat Aronsohn zum unbesoldeten Stadtrat wiedergewählt. — W r e f ch e n. Herr Stadtrat Ziegel feierte seinen 60. Geburtstag. Anläßlich dieses Tages wurden dem Jubilar, der auch Ehrenämter innerhalb der Shnagogengemeinde bekleidet, große Ehrungen zuteil. -Krone a. Br. Bei der Wahl des Shnagogenvorstandes wurde der langjährige Vorsitzende, Beigeordneter Alexander Cohn, wiedergewählt. Ferner wurden gewählt: Kaufmann Louis Gappe, zum Stellvertreter Kaufmann Louis Cohn. — Li. Pleschen, 5. September. Unser Rabbiner Herr Dr. Koenigsb erg er, der seit vierzehn Jahren in segensreicher Weise hier gewirkt hat, hat zum 1. September d. I. eine ehrenvolle Berufung an den Religionsverein A h a w a ß - S ch o l a u m in Berlin angenommen. Die wohlverdiente Liebe und Verehrung, die Herr Dr. K. und seine Gattin nicht nur innerhalb seiner Gemeinde, sondern in allen Schichten der.Bevölkerung genossen haben, kamen bei den Abschiedsferern so recht zum Ausdruck. Sie begannen mit einer herzlichen Einladung Sr. Durchlaucht des Fürsten v. R a d o l i n, dessen Wohlwollens sich unser Rabbiner seit langer Zeit in hervorragender Weise erfreut. Alsdann veranstalteten die Damen des Israelitischen Frauenvereins ein sehr zahlreich besuchtes Abschiedsfest und widmeten mit mehreren anerkennenden Worten unserer Frau Rabbiner als „ihrer hochverehrten Vorsitzenden für ihr opferfreudiges Wirken in dankbarer Erinnerung" einen Silberkasten für achtzehn Personen, den der Israelitische Jungfrauenberein durch ein großartiges Geschenk an Herrn Dr. K., seinen Vorsitzenden, würdig ergänzte. Dann folgte die hiesige Bikkur-Chaulim-Chetvrah mit einem wohlgelungenen Festessen, bei dem unser Herr Rabbiner eine mit vielen Thoraworten gewürzte Rede hielt, und überreichte ihrem scheidenden Protektor einen silbernen Chanukaleuchter. Auch unser Gemeindevorstand zeichnete Herrn Dr. K. in vornehmer Aufmerksamkeit aus. Am Tage vor seiner Abreise lud Herr Dr. K. alle seine Schüler und Schülerinnen zu einem Abschiedsschmaus ein, bei dem Herr Lehrer Happ dem scheidenden Führer und Lehrer der Jugend herzliche Worte des Abschieds widmete, auf die dieser mit inniger Mahnung an die vcrsanunelten Kinder erwiderte. Den Schluß des Abschiedsfestes bildete eine intime Feier am letzten Abend in unserem festlich geschmückten Bethhamidrasch, bei dem Herr Hermann Oppler namens seines Vaters, des Vorstehers des Bethhamidrasch, und der übrigen Mitglieder dem Herrn Rabbiner für seine langjährigen religiösen Vorträge dankte und als Zeichen dankbaren Andenkens einen silbernen Pokal überreichte. ' Brmnberg, 6. September. Wie wir bereits früher mitteilten, wurde hier Ende vorigen Jahres ein Verein ins Leben gerufen, der den Zweck verfolgt, für jüdische nicht mehr erwerbsfähige Personen Wohnung und Verpflegung in einer Anstalt zu gewähren. Die Vorabeiten sind nun so weit gediehen, daß am 1. Oktober dieses Jahres das Altersheim eröffnet werden soll. Die finanziellen Verhältnisse des Vereins sind, wie uns mitgeteilt wird, überaus günstig; das durch Spenden und Beiträge angesammelte Kapital hat eine beträchtliche Höhe erreicht, so daß inan auch an die Errichtung eines Neubaues hätte Herangehen können. ^Gleichwohl hat man jedoch einstweilen davon abgesehen, und das Heim in Mieträumen untergebracht. Die Bestrebungen des Vereins werden allgemein anerkannt und gefördert. Die Zahl der Mitglieder hat erheblich zugenommen: .sie beträgt etiva HO, die zum größten Teil sehr ansehnliche Beiträge leisten. Der Mindestbeitrag von 6 Mark jährlich wird nur von wenigen bezahlt. Dem Verein sind auch die Chebrakadischah und der Brüderverein mit hohen jährlichen Beiträgen beigetreten und man hofft, daß auch andere Vereine, besonders tvohltätige, das Institut durch Beitritt unterstützen werden. Die Mieträume, in denen das Altersheim errichtet'wird, sind von dem Fabrikbesitzer Aron, dem Vorsitzenden des Vereinsvorstandes und dein Urheber dieser Schöpfung, der für die Bestrebungen des Vereins schon große materielle Opfer' gebracht hat, unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Räume befinden sich hier, Wilhelmstraße'44, im Erdgeschosse, bestehen aus .höhen,.. geräumigen und luftigen Zimmern und werden zu dem Zwecke, welchem sie dienen sollen, vollständig neu eingerichtet. Die Räume sind zur Ausnahme von sechs Insassen geeignet. Die Anmeldungen gingen nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus der Umgegend und aus anderen Provinzen bereits so zahlreich ein, daß ein Teil Zurückgewiesen werden mußte. M. Hamburg, 3. September. Die Chewra K a d i s ch a h d e r Deutsch-Israelitischen. Gemeinde, eine der ältesten und wichtigsten Institutionen der Hamburger Gemeinde, konnte am gestrigen Tage aus ein mehr denn hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Ursprünglich war die Brüderschaft, deren Mitglieder in uneigennützigster Weise den verstorbenen Glaubensbrüdern die letzten Liebesdienste erwiesen, für die drei Gemeinden Hamburg, Altona und Wandsbek schon im Jahre 1670 ins Leben gerufen. Im Jahre 1811, in schwerer Zeit, als Hamburg dem französischen Reiche einverleibt wurde, ordnete der französische Präsekt de Conningk an, daß sich die drei Gemeinden trennen müßten, wie aus einem im Archiv der Gemeinde in Altona vorhandenen Aktenstück ersichtlich ist. Im Jahre 1812 fand dann die Gründung der Chewra Kadischah ausschließlich für Hamburg statt. Hervorragende Männer und Frauen der Gemeinde haben sich während des Jahrhunderts in der Brüderschaft betätigt, ihre geistigen Berater waren und sind noch heute große bedeutende Talmudlehrer, und die geistlichen Oberhäupter der Gemeinde sahen mit Genugtuung darauf, daß sie zu Ehrenmitgliedern der Chewra Kadischäh ernannt wurden. War doch unser unvergeßlicher Oberrabbiner Mordechai Amram Hirsch bis zu seinem Tode Ehrenmitglied der Brüderschaft, und heute sind es die Herren Oberrabbiner Dr. S. Spitzer (Hamburg) und Dr. N. A. Nobel (Frankfurt a. M.), die das Ehrenmitgliedsrecht der Chewra Kadischah besitzen. Anläßlich der Zentenarfeier fand gestern eine festliche Veranstaltung im Hotel Esplanade statt, zu der sich außer den Mitgliedern die Oberrabbiner von Hamburg-Altona, Mitglieder des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegiums und die Vorstände fast sämtlicher Gemeindeinstitutionen eingesunden hatten. Auch aus den Machbargemeinden war eine größere Anzahl Ehrengäste erschienen. In feiner Begrüßungsrede gab der Vorsitzende Herr M. David einen interessanten Rückblick über die Entwicklung der Chewra, er gedachte der hingebungsvollen Tätigkeit der weiblichen Mitglieder und sprach allen, namentlich aber den Gemeindebehörden, die der Brüderschaft stets das weitgehendste Entgegenkommen gezeigt haben, herzlichen Dank aus. Herr Oberrabbiner Dr. S. Spitzer hielt hierauf die Festrede, in der er, anknüpfend an einen Midrasch/ auf die hohe sittliche Bedeutung, die Ziele und Zwecke der Chewra Kadischah hinwies, deren Mitglieder durch die Vornahme von Liebesdiensten hohe religiöse Pflicht in Verbindung mit Menschenliebe erfüllen. Möge sich an dm ruhmreiche Vergangenheit der Chewra eine ruhmreiche Zukunft knüpfen. In feinen weiteren geistvollen Ausführungen gedachte der Redner des Entgegenkommens von Senat und Bürgerschaft, namentlich bei Ueberlasfung der Friedhöfe am Grindel und in Ohlsdorf. Die Rede des O'berra'bbiners klang dann in ein mit Begeisterung aufgenommenes Hoch auf Senat und Bürger-, schaft aus. Die Versammelten erhoben sich von ihren Plätzen und stimmten die Hamburger Nationalhymne an. Herr Gemeinde- .Vorsteher Alfred Levy überbrachte die Glückwünsche des Gemeindevorstandes. Zum Andenken an diesen so denkwürdigen Tag stiftete der Gemeindevorstand der Brüderschaft ein wertvolles Ehrengeschenk. Der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums Herr Jakob Alexander überreichte im Namen des Kollegiums ein kostbares Blumenarrangement. Während des Festbanketts, das durch eine Reihe von Tafelliedern ernsten und heiteren Inhalts gewürzt wurde, fand noch eine große Anzahl von Ansprachen statt, und manches scharfsinnige Thorawort erfreute die Anwesenden. Als Redner seien noch besonders hervorgehoben die Herren Oberrabbiner Dr.Lerner, Altona, die Herren Rabbiner Dr. Loewenthal, Dr. Leimdörfer, Dr. Lichtig, Hamburg, Dr. Vamberger, Wandsbek, Herm. Gungertz, Dr. E. Fink, Moritz Wolfs usw. Eine große Anzahl von Glückwunschtelegrammen lief während, der Tafel ein. Erst in später Abendstunde fand das in allen feinen Teilen so harmonisch verlaufene Fest feinen Abschluß. Anläßlich der Zentenarfeier hat auf Veranlassung des Vorstandes der hiesige Schriftsteller Herr S. Goldschmidt eine Festschrift über die Geschichte der Chewra Kadischah verfaßt, deren reicher Inhalt durch zahlreiche Illustrationen noch ergänzt ist; Ein poetisches Vorwort in hebräischer Sprache hat Herr Oberrabbiner Dr. S. Spitzer hierzu verfaßt.