Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- Seite 444 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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WMKKM WWWWW schlechtes Judenmädchen, wird der fremde Herr denken, und dieses ist nicht so wichtig. Nicht so wichtig. Sie saß eine Weile still und fast erleichtert. Man würde nun nicht aus Conny kommen; niemand dachte es von Gonny. Es wurde dunkler. Rebekka Elkan fröstelte immer mehr. Es ist kalt, wie im Herbst, dachte sie, wenn man nach dem langen Tag hinausgeht und nach dem Monde sieht. Der Mond war nicht am Himmel an dem Vorsrühlingsabend. Der Wind rauschte in den Bäumen, als wäre er etwas Lebendiges. Rebekka nahm ihr Halstuch fester zusammen; es war das des Conny,'das er selbst getragen. Sie streichelte es unbewußt. Eine bange Mutlosigkeit kroch über sie, kam langsam und kam immer-lähmender. Wie sollte sie wieder heim? Was sollte sie sagen? Man würde sie fragen, woher sie das Papier hatte. Sie sollte dann lügen. Sie konnte das nicht, und sie konnte niemand in die Augen sehen. Nein, nicht wieder. Und das Grauen vor den nächsten Stunden, den nächsten Menschen, den nächsten Tagen erfaßte sie. Es war kein Entschluß in ihr. Nur ein dumpfes Warten, als könne etwas kommen, sie von dem allen zu befreien. Aber das kam nicht. Es kam nur die alte Magd. Aus der Ferne, oben an der Böschung, noch weit weg, sah Rebekka Elkan sie austauchen. Da wußte sie, sie konnte keinem Menschen mehr in die Augen sehen, und wußte — wie erlöst — sie mußte es auch nicht. Sie ging vor an den Rand der Planke, sie griff nach dem Korb, hob ihn und bog den Oberkörper vor — - Und der schwere Korb mit dem wassergefüllten Ostergeschirr zog die gleitende Gestalt der Rebekka Elkan mit sich hinunter in das dunkle Wasser des Flusses. Man hat damalß — es sind noch nicht viele Jahre seit dem Sterben Rebekka Elkans vergangen — sie noch in derselben Nacht gefunden. Als der Herr von Rosenkreutz ihre armen Zeilen las, war sie schon tot. Und der Herr von Rosenkreutz brauchte nicht die Bestätigung über die Flucht des Konrad Reneß, die ihm der wohlgekleidete Herr später brachte: der Herr von Rosenkreutz wußte aus Rebekka Elkans armen Zeilen von der Not, in die sie gekommen. Er honorierte den wohlgekleideten Herrn und brauchte seine Dienste nicht weiter. Und er sprach mit den Tanten von dem großen Unglück, daß Rebekka, in dem Willen, den Korb mit dem österlichen Geschirr festzuhalten, in den Wellen umgekommen war. Und die. Tante Sabine nähte ein Sargenes für Rebekka, die so jung war, daß sie noch keins besaß. Der Herr von Rosenkreutz schützte Geschäfte vor, daß er seine Wohnung nicht mehr benutzen könne, obwohl sie ihm noch eine Weile gehörte. Er ertrug es nicht, noch in dem Hause aus und ein zu gehen, wo die arme Rebekka Elkan den großen Kummer zerbrochenen Jugendglücks gelebt. Aber Herr von Rosenkreutz stand mit auf dem alten Judenkirchhos. von Fürth, als man Rebekka Elkan begrub. Ganz nahe den uralten, hoch aufgerichteten, zahllosen, ein-/ förmigM Totensteinen verschollener Generationen war ein kleiner Platz für Rebekka Elkan. Am Hügel liegt der Kirchhof; man sieht hinaus ins fränkische Wiesenland. Der Herr von Rosenkreutz hatte die Hände voll Veilchen, und die legte er zu den Schollen. Es entstand eine kleine Be- . wegung unter den Umstehenden; dann kam ein Mann und nahm die Veilchen weg . Der Mann war höflich, er ging zu Herrn von Rosenkreutz und flüsterte, ein rechtgläubiger Jude dürfe keine Blumen bekommen im Tode... Da lächelte Herr von Rosenkreutz. Aber es war ein bitteres Lächeln, ein verzerrtes Lächeln. Nein, keine Blume hatte an diesem letzten Wege geständen. Man ist immer sentimental — Rebekka Elkan hatte ihr steiles, steinernes Schicksal gehabt^- die Schuld eines anderen, die armselige Schuld eines anderen ward zum Tragischen erhöht durch ein Herz, das sie auf sich nahm und schweigend ging. - : Die kleine Rebekka Elkan war tot. Von einer größeren wüßte einer.von denen, die hier an ihrem Grabe standen. Von einer größeren, die eine Entzauberung nicht hatte überleben mögen. - Die Juden murmelten ihre monotonen Gebete. Der Rabbiner sprach. Herr von Nosenkreutz fror. Sr wußte, noch lange würde er an Rebekka Elkan denken müssen, die keine Kompromisse gemacht hatte, wie wir es alle mit einem bitteren Lächeln lernen, gramvoll lernen. Noch lange würde er an Rebekka Elkan denken müssen. Lelrkrüchte. — „Die füns Frankfurtsx" wecken in mir eine liebe Er-. innerung aus längst vergangenen Jugendtagen. Vor ungefähr vierzig Jahren erschien in der.„Gartenlaube", dem damals beliebtesten Familienblatte der deutschen Juden, eine Erzählung der einst viel - gefeierten, später vielgeschmähten Romanschriftstellerin Luise Mühlbachs .,Kurfürst und Geldsürst". In dieser die jüdische Lesewelt ganz besonders anmutenden Erzählung schilderte die Verfasserin die Begründung des Reichtums des Hauses Rothschild durch die unantastbare, unerschütterliche Rechtlichkeit-des Ahnherrn Meyer Amschel, und Frau Gedula wurde in ihrer schlichten Bescheidenheit und Frömmigkeit, die sie sich auch inmitten der wachsenden Bedeutung ihres Hauses unentwegt bewahrte, als das Musterbild einer jüdischen Frau dargestellt. Breslau. . ■ , Regina Neisser. SKrechsaal. Eine Bitte an diejenigen, die es angeht, s ist bekannt, daß nur in wenigen Städten Deutschlands jüdische 2C Krankenhäuser sich befinden. Eine große Anzahl jüdischer Kranken muß entweder in städtischen, Kreis- oder Provinzial-, oder privaten wie evangelischen oder katholischen Anstalten Heilung suchen. Die Kranken der ersten und zweiten Klasse können aus den Bibliotheken der betreffenden Heilanstalten wählen, was sie wollen; den Rekonvalenszenten der dritten Klasse wird aber die Lektüre gegeben. Ost hat es Einsender beobachtet, daß mit Vorliebe Missionsschriften verteilt - werden, besonders die der Kölner und Hamburger Judenmission. In diesen wird in gewandter Sprache geschildert, wie Rabbiner N., Lehrer M., Kaufmann O., Student Z. den Heiland gefunden haben. Wie genau solche Schriften in den langsam dahingehenden Stunden gelesen werden und wie sehr der Inhalt sich dem Gedächtnis einprägt, läßt sich leicht erraten und die Folge bleibt nicht aus. Es ist daher unbedingt erforderlich, den einzelnen Krankenhäusern jüdische Volksschriften mit der ausdrücklichen Bitte zu übergeben, solche nur jüdischen Patienten zu verabfolgen. Die Opfer, welche einzelne Gemeinden oder Vereine für diesen Zweck bringen, sind nicht groß und werden reichlichen Lohn bringen. Auch in diesem Fall sagt uns der Gegner, was wir tun sollen. Darum gebe man dem Kranken, der ja ein Armer, ist, auch diese Gabe. Kassel. L. H o r w i tz. E ' Druckkehler-Verichtisung. Die in der vorigen Nummer zum Schluß von Nah und Fern widergegebene Mitteilung über die Spende von Julius Rosen w ald in Chikago enthält einen unliebsamen Druckfehler. Die Spende beträgt nicht wie irrtümlich g e d r u dd 6 875 000, sondern 687 500 Dollar. Ebenso erhielten die spezifizierten Zuwendungen von je 2 500 000 Dollar eine Null zuviel. sLM;