Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- Seite 443 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Für das wenige Gute, das ich getan, oder vielmehr das ich zu tun'beabsichtigt habe, dafür, bin ich meiner unvergeßlichen Frau zu Danke verpflichtet. Ihre Begeisterung für alles Edle und ihre Frömmigkeit haben mich zu allen meinen Handlungen mit Mut und Kraft ausgerüstet." Und an anderer Stelle: „Unübertrefflich war sie -in ihrem Eifer für unsere Religion und in ihrer Liebe für unsere Brüder. Hatte ich mit Schwierigkeiten zu kämpfen, sie richtete mich auf, erlebte ich Enttäuschungen, sie tröstete mich." Die Sonne seines Lebens war untergegangen, es war Abend für ihn geworden. Die Teilnahme für den gebeugten Greis war in allen Kreisen groß und aufrichtig. Noch viermal hat Sir Moses Montefiore nach dem Heimgange seiner Gattin im Heiligen Lande geweilt, in ihrem Geiste und Sinne unentwegt bis zu feinem Ende „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" in bewundernswerter Weise betätigt. Am 28. Juli 1885 folgte Sir Moses Montefiore seiner Judith in die Ewigkeit. Vorbildlich für ihr Geschlecht, möge das Andenken an Lady Judith Montefiore auch in der Nachwelt in Segen fortleben. Unessane tokeph. sprachen-'s mit in 'unsrer Kindheit Tagen. Das schwermutsvolle, rührende Gebet, Nun seiner Sprache uferlos getragen. Von feinem Geist geheimnisvoll umweht. Wir salstn der Männer feste Lippen beben. Wenn es im Kreis der Betenden erscholl. Wir sah'n, wie manchem, den ein rauhes Leben Selbst rauh gemacht, die stille Träne quoll. Wir uulßten nicht und konnten es nicht wissen. Was sich an Leide in denn Liede barg; Wir sprachen's mit, vom Klange fortgerissen. Und dachten still an einen schwarzen Sarg. Eh' daß der Tag sich neigt, ist's eingegeben, Wer in dem Jahre aus der Reihe tritt, Wer Abschied nehmen muß von diesem Leben Und seiner Mühsal, die er gerne litt. Wer untergehen soll in Wasserfluten Und wer verkohlen in des Feuers Brand, Wer an des Tieres Bisse stumpf verbluten. Und wer da fallen von des Feindes Hand. Wer auf dem Marterbette ihn erleidet Und wer verkümmert durch des Leibes Not, Wer von dem Blitz gezeichnet jählings scheidet. Und wer ihn sterben darf, den Alterstod. Das Leben, das sich, kaum bedacht, vollendet, Ihm wird an jenem Tage alles Sinnen In Plötzlicher Erleuchtung zugewendet. Und alles Licht erflutet da nach innen. Und zu dem Gotte, der vom Leben spendet, .. Wird von den Männern in den Sterbelinnen Der eine Ruf der Angst emporgesendet: „Wird mir noch Zeit, muß ich noch nicht von hinnen? Gibst du. dem Armen, wenn er wahnverblendet Das höchste Gut im Staube ließ zerrinnen. Und nun entsetzt erkennt, was er verschwendet, Gibst du ihm Zeit, von neuem zu beginnen?" Lmil Spiegel. Sebekka Eiftan. Novelle von Sophie Hoechstetter. (Schluß.) ftZ% waren halb irre Augen, die über den Brief von Conny Neneß hin sahen, denen sich einzelne Worte einprägten, ohne daß der Sinn ein lebendiger wurde: „Glück gehabt — einer vornehmen Dame auf der Bahn behilflich gewesen — von ihr eingeladen — Beziehungen — ich habe etwas über die Grenze benutzt und hier bei der Polizei, best la guerre — der struggle for life — lege es unauffällig ins Zimmer — unter Papiere —" Irre Augen blickten aus diese Zeilen. Neben ihnen lag der Paß des Herrn von Rofenkreutz. Die Matrikel und die dreihundert Mark waren nicht dabei. Aber große Worte von großer Liebe, von großen Plänen und Zielen standen noch da. Rebekka Elkan weinte nicht. Und wie sie vorher keinen Argwohn gehabt hatte, so hatte sie jetzt keinen Zweifel. Und wie sie — vor Stunden — die menschlich.verstehenden Worte des Herrn von Rosenkreutz nicht verstanden hatte, so änderten sie auch jetzt nicht ihre Begriffe. Für. feine großen Ziele und seine edlen Absichten hatte der Conny es nötig gehabt, Papiere und Geld eines Fremden zu stehlen. Was er nicht mehr brauchte, sandte er zurück. Man verzeiht feinem Feinde. Man kann Nachsicht mit seinen Freunden -haben. Und wer lange das Leben kennt, rechtet mit keinem mehr, der schwach und arm wird. Aber ein junger Mensch überwindet nicht, wenn sein Halbgott zeigt, daß er nur ein Allzumenschlicher war. In der Dämmerung ist es gewesen, da trug die Rebekka Elkan in das Zimmer des Herrn von Rosenkreutz einen Briefumschlag. In diesem lag der Paß und lag ein . Zettel: „Das andere habe ich nicht. Das ist ein Unglück. Rebekka Elkan." Und Rebekka Elkan ging, wie es verabredet war, mit Hanna, der christlichen Magd, hinunter hinter den alten Teil der Stadt Fürth, wo die Pegnitz fließt. An den düsteren Platz unter traurigen Bäumen, wo sie die letzte Aussprache mit Conny Neneß gehabt, dorthin ging sie, das österliche Geschirr den Vorschriften des Glaubens gemäß im fließenden Wasser zu reinigen. Die alte Magd setzte den Korb am Ufer nieder. „Ich trage ihn selbst heim", sagte Rebekka. Und die Alte, die noch in der Stadt zu tun hatte, antwortete, sie wolle wiederkommen, falls sie eher fertig würde als Fräulein Rebekka. Rebekka Elkan hing, allein gelassen, den Henkelkorb mit dem österlichen Geschirr an den eisernen Ring der Planke. Das dunkle Wasser der Pegnitz gurgelte aus; es machte kleine Wellen im Anprall gegen den Korb. Rebekka Elkan setzte sich aus die Planke. Sie war so müde, und sie fror so sehr. Ganz ties.im Innersten fror sie, als könne sie nicht mehr warm werden. Sie dachte nichts. Etwas war tot, zerbrochen, beschmutzt. Mau konnte nie mehr an Schönes, an Wahrheit glauben, wenn man das erfahren. Nein, gewiß nie mehr. Sie wollte es Eonny erzählen. Aber da war keine Verbindung zu ihm hin. Nichts. Alles tot und fern. Es gab im Ungesprochenen keine Brücke hinüber über solche Dinge. Es gab keine Erklärung für das junge Herz von Rebekka Elkan, wenn man unehrlich gewesen. Das stand da wie ein Schreckensmal und ließ sich nicht auslöschen und nicht stürzen. Und plötzlich dachte Rebekka Elkan: Wie kann ich wieder heim? Der fremde Herr weiß es nun. Wie soll ich ihm be-, gegnen? „; -: i Und dann fiel ihr ein: er denkt, ich war es. Ja, aus ihren Zeilen mußte er das denken. Und dieses beruhigte,sie.. Ein