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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-09-06 · Heft 36 (6.9.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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größer Teilnahme feierte in vollster Rüstigkeit Herr. Nathan Weiß seinen siebzigsten Geburtstag. — Der Gerichtsassessor Citron hierselbst ist zum Amtsrichter ernannt und an das Amtsgericht in Kosten versetzt worden. — S a r n a. Der Rentner Isaak Schwersinski Hierselbst beging mit seiner Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit, aus welchem Anlaß dem Jubelpaare die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden ist. Die Eheleute sind geistig und körperlich sehr rüstig. — B r i e s e n. Herr Kantor Mayder nur wenige Jahre hier amtierte, ist von der Synagogengemeinde in Wreschen zu ihrem Kvltusbeamten gewählt worden. — P o s en.' Ein christlicher junger Mann ist in einem hiesigen jüdischen Geschäft seit langen Jahren tätig. Damals war das Geschäft an Sonnabenden und Feiertagen geschlossen und hatten am . Sabbat die Angestellten aus religiösen Rücksichten frei. Jetzt, wo dies ' Geschäft wie an jedem anderen Tage geöffnet ist, beharrt der christliche Herr auf den freien Schabbes, und da er ein fleißiger Nimrod' ist, benutzt er den freien Tag, aus die Jagd zu gehen.— Die V e r eini - g un g v o n R ab bi n er n d er Pr ovinz Posen zur Wahrung des überlieferten Judentums hielt hier im Gemeindehause ihreQuartalsverfammlung ab. Anwesend waren außer dem Ehrenvorsitzenden Oberräbbiner Dr. W. Feilchenfeld - Posen die Gemeinderabbiner B a ß s r e u n d-Pinne, B l u m-Posen, C o h n-Rawitsch, Dünner- Rogasen, Friedmann - Wongrowitz, Krauß- Schildberg, L e - Win-Wreschen, Silberberg- Schrimm, T h e o d o r -Bojanowo, W e y l - Czarnikau und W r e s ch n e r - Samter. Nachdem der Vorsitzende Dr. Wreschner die Versammlung mit Worten der Begrüßung eröffnet hatte, hielt Dr. Krauß einen mit lebhaftem Interesse ausgenommenen halachischen Vortrag. Der Vorsitzende erledigte daraus einige geschäftliche Angelegenheiten. Oberrabbiner Dr. Feilch' e n s e l d regte an,. Familien ausfindig zu machen, in denen nötigenfalls Fürsorgezöglinge Aufnahme finden' könnten. Dr. Cohn berichtete über die beabsichtigte Bildung von Bezirksrabbinaten im Regierungsbezirke Posen. Gemäß dem von der Vereinigung vorgeschlagenen Entwürfe hat der Vorsitzende des Verbandes der Synagogengemeinden im Regierungsbezirk Posen die Gemeinden seines Bezirkes in einem Rundschreiben äufgefordert, sich je einem Rabbinatsbezirke anzuschließen. Dreizehn Gemeinden erklärten sich nach dem Berichte des Referenten damit einverstanden, wenige lehnten ab, die meisten haben noch nicht geantwortet. Rach'längerer Diskussion wurde ^beschlossen, die Verhandlungen svrtzuführen und den Anschluß der . Gemeinden, die bereits zustimmend geantwortet haben, unterdes beim Verbände der Synagogengemeindenzu bewerkstelligen. Den zweiten Vortrag Hielt Dr. Friedmann über die „Besprechung der wöchentlichen Thoravorlesung im Religionsunterrichte". Zum Schlüsse berichtete Dr. Cohn über die Gründung und den augenblicklichen Stand der „Agudas Jisroel". Nach eingehender Diskussion, an. der sich fast alle : Mitglieder beteiligten, wurde folgende Resolution mit Majorität angenommen: „Wir begrüßen die Bestrebungen der Agudas Jisroel aus das freudigste und sind bereit, für die Ziele derselben nach Kräften einzutreten." — Nach den Ergebnissen einer statistischen Sondererhebung des Königlichen Statistischen Landesamtes am 1. Februar 1912 waren von den 153 524 Schülerinnen der gesamten Anstalten 104 276 evangelischen, 37 699 katholischen, 11278 jüdischen und 271 sonstigen Glaubens. Hiernach besuchen siebenmal soviel Jüdinnen die höheren Anstalten, als ihrer Gesamtzahl entspricht. — Herr Louis Jacob ns ist im 71. Lebensjahre gestorben. .Derselbe war Vorstandsmitglied des Vereins Anschei-Chessed seit vielen Jahren und ist mit großem Eifer an dem Emporblühen des Vereins tätig gewesen. Durch sein bescheidenes, zuvorkommendes Wesen, seine stete Hilfsbereitschaft sowie Lauterkeit des Charakters hat er sich die Zuneigung aller erworben. — Gr ätz. Die älteste. Einwohnerin in hiesiger Stadt, Frau. K,atz, ist in voriger Woche im Alter von 100 Jahren gestorben. — W o l l st e i n. Oberpräsident Dr. Schwartzkopff ließ sich bei feinem Hiersein auch den. Lehrer der jüdischen Volksschule vorstellen und besichtigte die Synagoge. , Ki. Rakel (Netze), 30. August. Einen schweren und unersetzlichen Verlust erleidet unsere Gemeinde durch den plötzlichen und unerwarteten Tod der Gattin unseres Ortsrabbiners, der Frau Dr. H. Perlt tz: Mit Ausgang des jüngst verflossenen Sabbats, am 24. d. M., hauchte diese edle, fromme Frau ihre reine Seele aus, und am Dienstag (27.). geleitete ein imposantes Trauergefolge ihre sterbliche Hülle zur letzten Ruhestätte. Aus allen Kreisenund Schichten der hiesigen Bevölkerung war man herbeigeeilt, um der Verstorbenen alle Liebe und Verehrung, die sie durch ihre Liebenswürdigkeit und ihr arbeits- und segensreiches Wirken erworben/ noch einmal beweisen zu können/und so gestaltete sich das Leichenbegängnis zu einer wehmutsvollen ' Trauerkundgebung der gesamten Einwohnerschaft Nakels für die uns so plötzlich und zu früh. Entrissene,. welche. 31 Jahre ihres gesegneten Lebens in unserer Gemeinde wirkte. Herr Dr. W alter-Bromberg sprach im Trauerhaüse und sn der Leichenhalle des jüdischen Friedhofs, Hier entwarf der Redner — ausgehend von Jesaiä 51,19 — in ergreifenden Worten ein. Lebensbild der Dahingeschiedenen, die nun ihrem vor einem. Jahre im. 32, Lebensjahre verstorbenen Sohne folge; er schilderte ihr Wirken im Häufe, das sie durch ihre Freundlichkeit und Milde zu einer Stätte stiller Glückseligkeit gestaltete, wo sie dem Gatten eine treue, fürsorgliche Lebensgefährtin, den Kindern eine liebevolle Mutter gewesen; er zeigte ihr hingebendes Sorgen, Mühen und Schaffen -innerhalb der Gemeinde, in deren Wohltätigkeitsvereinen sie oft die anregende und treibende Kraft, immer aber der belebende Mittelpunkt gewesen sei. Bei ihr fand jeder Arme und Kranke Hilfe, der Notleidende Rat, der Sorgenvolle Verständnis, der Betrübte Aufrichtung, der Trauernde Trost und Teilnahme, ja, der Sterbende und Tote noch die letzten Liebesdienste. Aus allen Gebieten sozialer Fürsorge war sie den Gemeindemitgliedern ein Vorbild und Muster durch ihr schier unermüdliches Streben und Schaffen. Darum ist ihr der reinsten Nächstenliebe gewidmetes Leben gesegnet gewesen, und darum wird ihr Andenken in unserer Gemeinde nie erlöschen. — Mit dem Bibelworte Deut. 28, 6 schloß der Redner. Nach der Liturgie wurde der Sarg zu Grabe getragen. — Was unsere jüdische Gemeinde aber an der Verstorbenen, verliert, weiß nur der zu schätzen, der diese hervorragende und ausgezeichnete Frau in ihrer selbstlosen/hingebenden Fürsorge für andere gekannt hat. „Das Andenken der Gerechten bleibt zum Segen!" Breslau, 2; September. Unter herzlicher Teilnahme weiter Kreise beging gestern Herr. Rabbiner Dr. Ferdinand Roscnthal sein 25jähriges Amtsjübiläum als Rabbiner der hiesigen Gemeinde. Der Jubilar, der am 10. November 1838 in Kenese (Ungarn) geboren ist, stammt aus einer bekannten Gelehrtenfamilie. Er besuchte, nachdem er schon früh aus der berühmten Talmudschule in Preßburg gelernt hatte, die Jeschibah in Eisenstadt bei Dr. Jsr. Hildesheimer s. A., dann das Gymnasium in Wien, studierte an der Universität Berlin Philosophie und Orientalin und promovierte 1866 in Leipzig zum Dr. phil., 1867 ging er als Rabbiner nach Beuthen (O.-S.),' von da am 1. September 1887 nach Breslau. Der Jubilar hat sich in zahlreichen gelehrten Arbeiten auch als Schriftsteller hervorgetan. Dr. Rosenthal, der sich in weiten Kreisen großer Beliebtheit und Wertschätzung erfreut, ist trotz seines Alters von 74 Jahren körperlich wie geistig noch durchaus frisch. Als Mitglied, Ehrenmitglied und Leiter zahlreicher Wohltätigkeitsvereine übt der Jubilar in opferwilliger Hilfsbereitschaft das Werk jüdischer Nächstenliebe. Wir wünschen, daß es dem ehrwürdigen Jubilar vergönnt sein möge, sein segensreiches Schaffen und Wirken im Dienste des Judentums und zum Heile unserer Gemeinde in ungeschwächter Kräfte noch viele,'viele Jahre sortsetzen zu können. 1 ü d i sch e r H a n d w e r k e r und G e w e r b.e t r e i b e n der hielt . M. Hamburg, 30. August. Der Verein, selbständiger seine erste Versammlung nach den Ferien im Logenheim, Hartungstraße, unter Vorsitz des Herrn B. Heimemaun ab. Nach der Aufnahme einiger neuer Mitglieder erstattete der zweite Vorsitzende, Herr Eduard Berlin, den Bericht betreffs der Vergebung von Arbeiten beim Waisenhaus und bei der Synagoge. Er wies daraus hin, daß er gemäß dem Beschluß der letzten Vereinsversammlung bei Beratung des Antrags des Gemeindevörstandes aus Vornahme von Arbeiten im Schulgebäude Karolinenstraße sich in der Sitzung des Re- Präsentantenkollegiums über die mangelnde Berücksichtigung der Vereinsmitglieder seitens der Gemeindekollegien und anderer^jüdischer Institutionen beschwert habe. Es sei ihm in jener Sitzung vom autoritativer. Seite zugesichert worden, daß nach Möglichkeit bei der Vergebung der Arbeiten die jüdischen Handwerker in erster Linie berücksichtigt werden sollten., Wie er zu seinem Bedauern konstatieren müsse, sei dies nicht geschehen, ja man habe nicht einmal die Vereinsmitglieder zur Einreichung von Offerten herangezogen. Leider haben sich' ähnliche Fälle in neuerer Zeit bei der Renovierung der Synagoge Boenplatz und bei anderen Gemeindeinstitutionen ereignet.' Es sei dies um so bedauerlicher, als in den Versarümlungen des Vereins und auch fönst immer wieder betont worden sei, daß die jüdischen Handwerker durch-

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