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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-09-06 · Heft 36 (6.9.1912) · p. Seite 427

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 36 (6.9.1912)
Date
1912-09-06
Page
Seite 427 (sequence 7)
Language
German
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Line alteDolrmik gegen die Allgemeine Leitung des Judentums. Von Ludwig Geiger. nsere Zeitung begann bekanntlich 1836 zu erscheinen. Es Wäre interessant nachzuweisen, wie sie von derzeitgenössischen Kritik ausgenommen wurde. Natürlich würde es sich dabei nicht lohnen, jede unbedeutende Notiz ' oder das bloße Gekläff judenseindlicher Schriftsteller zu Luchen; aber interessant ist es, Stimmen hervorragender Männer zu vernehmen. Eine solche Erwähnung, freilich nicht in günstigem Sinne, fand ich bei Gelegenheit anderer Studien in der von Karl Gutzkow herausgegebenen Zeitschrift „Der Telegraph für Deutschland" 1838. Die Bemerkungen dieses bedeutsamen Schriftstellers, der durchaus nicht zu' den Judenfeinden zu rechnen ist, sind interessant genug, um hier erwähnt zu \ werden. Unsere Zeitung wird zuerst genannt in einem kleinen Artikel Nummer 8. Nachdem der Schriftsteller bemerkt hatte: „Geigers Zeitschrift ist vortrefflich, Nießers Jude ist leider eingegangen," wendet sich Gutzkow gegen die „Allgemeine Zeitung" und macht ihr den Vorwurf, daß „sie alles aufstöbere, was in Europa nur mit einem Namen, der etwas jüdisch klingt, zusammenhängt". Davon werden einzelne Proben gegeben: Namen von Komponisten, Schriftstellern, Kaufleuten, nebst Erwähnung der ihnen zuteil gewordenen Ehren, und im Anschlüsse daran bemerkt, damit werde das - Werk der Humanität in Rießerschem Sinne nicht befördert und der Verschmelzung des orientalischen und germanischen Blutes nicht genutzt. Auf diese Angriffe muß Philippson geantwortet Haben. Denn in Nummer 38 kommt Gutzkow sehr heftig, wie es seine Art war, auf seine Vorwürfe zurück. Er rät der Zeitung zwar für Emanzipation zu streiten, erklärt aber, es sei „ein eitles,- nichtiges, lächerliches Unternehmen alles aufzuspüren, was von unseren Leuten komme". Endlich läßt er sich in einer Korrespondenz aus Frankfurt schreiben (Nummer 59), daß die Zeitung einen bösen Einfluß übe, die Juden isolierten sich immer mehr. Der Schlußsatz dieser Korrespondenz lautet: „Dr. Philippson will eine Fakultät für Juden. Er erkläre dort, was auf dieser Fakultät gelehrt werden solle." Schon aus diesem Schlußsatz sieht man das Törichte des Standpunktes, aus dem der „Telegraph", das heißt Gutzkow und feine Korrespondenten stehen. Wir sind heute 74 Jahre von jener Zeit entfernt und das Streben nach' einer jüdischen - Fakultät oder einer Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ist mindestens ebenso lebhaft wie zu jener Zeit. Daß .ein verständiger Mann wie Gutzkow wirklich die Frage aufwerfen konnte, was an einer solchen Hochschule zu lehren sei, zeigt allzu deutlich, daß er in der Sache, über die er schrieb, gar keinen Bescheid wußte. Aber auch der andere von ihm erhobene Vorwurf ist nicht recht begründet. Es war niemals das einzige Streben der „Allgemeinen Zeitung des Judentums",. Auszeichnungen und Beförderungen der Juden zu erwähnen. Wenn jüdische Zeitungen und auch die unferige — wir haben allerdings solche Nachrichten in das Beiblatt, den „Gemeindeboten" verwiesen —, derartiges .hervorheben, so geschieht . dies durchaus nicht, weil wir auf dem Standpunkt stehen, daß Auszeichnungen die höchste Belohnung wackeren Strebens sind, sondern weil die Erwähnung derartiger Beförderungen und von Ähnlichem den Wert besitzen, anzustacheln und aufzumuntern. Gutzkow läßt ferner durchblicken, daß es übel angebracht sei, jede kleine Kränkung, jede Unbill, die den Juden geschieht, zu buchen. Ein solcher Vorwurf ist indessen noch weniger begründet. Gerade eine-jüdische Zeitung hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, diejenigen, die Unrecht tun, zu warnen, und die, die Unrecht leiden, zum' Kampfe aufrufen. Das ist und bleibt gewiß eine der Aufgaben einer jüdischen Zeitung. Philippson hat in dieser Beziehung immer als einer der Ersten auf der Warte gestanden; der Vorwurf, der gegen ihn erhoben wurde, ist also sein schönster Ruhmestitel. Mit den angeführten Bemerkungen Gutzkows ist aber die Polemik des „Telegraphen" gegen Philippson nicht zu Ende. In Nummer 81 veröffentlicht A. W. in Frankfurt (das ist gewiß der Elsässer Alexandre Weill, der später nach Paris übersiedelte, und eine höchst merkwürdige, manchmal eine etwas dunkle Nolle spielte) einen Aussatz „Dr. Philippson unddie Juden und deren Bestrebungen". In diesem Aufsatz kommt zwar der merkwürdige Satz vor „Nur das Christentum, das auf dem Judentum ruht, ist das wahre" und eine eigentümliche Auseinandersetzung, daß das Judentum den Zweck zuerfüllen habe, den Jesus einst vor Augen hatte, sonst aber ist der ganze Aufsatz eine törichte Salbaderei, auf die näher einzugehen sich nicht lohnt. Dagegen verdient hervorgehoben zu werden, daß Gutzkow in Nummer 124 gelegentlich einer Besprechung von Julius Mosens Ahasver noch einmal kurz aus die Judenzeitung zu sprechen kommt. Er erklärt dabei, daß das Judentum dieser Zeitung „eine taube Nuß" sei und definiert als seinen Standpunkt, daß er „Judentat säen wolle, nicht Judenschmerz". . \ Diese Besprechung des Ahasver muß Gutzkow von jüdischer oder von liberaler Seite verdacht worden sein. Daher veröffentlichte er in Nummer 130 eine „nachträgliche Erklärung", die mit dem Bekenntnis beginnt, daß er „stets seine Feder der bürgerlichen Gleichstellung der Juden gewidmt habe", sich aber am Schluß wiederum gegen Philippson richtet. Er wiederholt indessen in diesen Bemerkungen nur die früheren Gedanken, die Zeitung solle ausschließlich den Kampf für die Emanzipation betreiben, nicht aber von Künstlern, Dichtern und Schriftstellern jüdischen Ursprungs als Juden sprechen, sondern sie als Menschen schlechtweg behandeln. Endlich kommt sein Grimm gegen spezielle jüdische Zeitungen in der kleinen Notiz.Nummer 185 zum Ausdruck. Dort wird berichtet, daß in Frankfurt a. M. die „israelitischen Annalen" unter der Redaktion von Jost erscheinen sollten, und d,ie Notiz mit dem Zusatz begleitet, „wir begreifen nicht, durch welches faktische Bedürfnis sie hervorgerufen wurden". . Man verarge mir solche Ausgrabungen nicht. Sie sind um so interessanter, nicht nur weil es sich dabei um einen so merkwürdigen Schriftsteller wie Gutzkow handelt, sondern weil dieser Fall geradezu typisch ist. Denn gerade Gutzkows Kampf gegen die jüdischen Zeitungen beweist, daß selbst ihm die richtige Wertung jüdisch-journalistischer Bestrebungen abgeht. Man darf sich daher nicht wundern, daß Männer, die dem Judentum weniger günstig gesinnt waren als er, eine solche Schätzung überhaupt gar nicht besaßen und besitzen. OKA' Lin Okitrsg Lur Apologetik des Judentums. Von Dr. Julius G v ä n I h nl-Berlin. enn christliche'Gelehrte über jüdische Dinge schreiben, so stößt man in ihren Darlegungen oft auf Sätze, die unseren Widerspruch herausfordern. Wir haben uns zwar nachgerade daran gewöhnt, daß die wenigsten christlichen Theologen es übers Herz bringen, dem Judentum Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, dennoch müssen wir im Namen der Wahrheit und der unparteiischen Wissenschaft immer wieder gegen solche Auslassungen Protest erheben, die, in der Form

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