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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-30 · Heft 35 (30.8.1912) · p. Seite 414

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
Seite 414 (sequence 6)
Language
German
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wollte.: Wichtig istdaraus nur der Schluß, der so lautet: „Da ich Ihnen dieser Tage Per Post schreibe, so will ich diesem Briefe nicht-mehr hinzusetzenals die Versicherung meiner herzlichsten - Freundschaft.'' Seien Sie überzeugt, daß ich an wenige Landsleute mit so großer Freude denke, wie an Sie, lieber Künzel! Bewahren Sie mir Ihre liebreiche Gesinnung." Diese'Stelle ist in doppelter Beziehung wichtig. -Sie beweist zunächst' eineganz ungewöhnliche herzliche Gesinnung Heines und bekundet ferner, daß Heine mit Künzel in einem wirklichen Briefwechsel stand, von dem sich leider infolge der Sörglösigkeit des Empfängers keine Probe erhalten hat. Viel interessanter als' der Brief ist jedoch das Stammbuchblatt, das Heine am 29. Januar 1838, kurz vor Künzels Abreise nach: England,' derM Freunde -überreichte. Seine Mitteilung wird gewiß den zahllosen Verehrern Heines Freude machen. Es lautet folgendermaßen: Du reißt dich los von braunen Hälsen,!■••• Du fliehst die gallischen Brünetten, Doch hinter Albions weißen Felsen Schon harren deiner blonde Ketten! V. . Leb wohl! Erlaubts die neue Herrschaft drüben,. Bleib eingedenk der Freunde, die dich lieben. 7 / _ - Paris, den 29. Januar 1838. Heinrich Heine. Außerordentlich interessant ist ferner die folgende, Stelle, aus einem Briefe Gutzkows an Wihl (Anfang April 1838). Die sehr wichtige Stelle lautet so: - Daß. Sie an Heine halten, ist Recht. So hätt' ich mir gewünscht, vier Wochen meines Lebens mit Börne zubringen zu dürfen. Große Männer strömen ein Arom aus, das sich garnicht definieren läßt. Die deutsche Zeitung wäre nach so. vielen gescheiterten Versuchen eine Torheit. Börnes Balance kpnnte dicht an der französischen Grenze, wo ihr. eigentliches Terrain war, nicht reüssieren; wie viel wenigev ein Journal, das Heine herausgibt, Heineder mehr in Ungarn als in Rheinbayern . sein. Publikum hat.' Wenn. Heine von Preußen eine Konzession bekommen kann,'so soll er sie lieber für.feine sämtlichen Schriften als für ein Journal benutzen. Ich denke auch, der-Plan.ist nur eine Scheinposition,/die Heine einnehmen will, um seine in Deutschland sich mehrenden Gegner zu schrecken. Diese Gegner sind allerdings deshalb beachtenswert, weil ^es keine Professoren und Beamte, sondern junger litera- . rischer Nachwuchs sind; doch dienen sie lediglich nur, um Heine als objektivere und langer Abhandlungen würdige Erscheinung zu fixieren. Der Gewinn ist viel größer als der Nachteil, und Heine hätte , den besten Verteidiger, wenn er etwas Gescheites einmal wieder los ließe und nicht wahr würde, was ich, zum Scherz: in mein Ihnen wohlbekanntes Notizensolio geschrieben Habe: .; . Heines Salon Nr. 4 wird bringen: erstens ein Dutzend Lieder, .das einmal bereits'stand im Salon Nr. 1; Dann die Gellertschen Fabeln und Anekdoten von Mächler, Ferner ein klein ABC für den Schulengebrauch; - - Endlich zuletzt ein Exzerpt, aus Vröders lateinischer Grammatik, Mensa durchdekliniert — Alles zusammen, damit , . Man die Zensur auch vermeide, aus 20 Bogen — nicht drunter! . Möchte sich auch vielleicht eignen zum Weihnachtsgeschenk! .. , L. G. Die WMrnlchakt drs Judentums und der Lonner Vrientsliltenoerein. ' . .Bon Rabbiner Dr. E. K a l i s ch e r. feuerdings mehren sich die Zeichen, daß der Jsolierungszustand.der Wissenschaft, des Judentums seinem Ende entgegengeht.-Wenigstens wird das .Unrecht der oberflächlichen und. geringschätzigen Stellungnahme vieler christlicher Gelehrten zur jüdischen Wissenschaft immer entschiedener zugegeben. Urn ein. wichtiges. Beispiel. Herauszugreisen,;, bei christlichen Erforschern der Ursprünge des Christentums ziehtZimmer, weitere Kreise die Einsicht,.daß ihre-bisherigen Leistungen der unparteiischen Wissenschaft deshalb nicht genügen konnten, weil es an der ausreichenden Beherrschung der.jüdischen.. Quellen gefehlt hat.' ' ' Auch abgesehen vom Kontingent der Fachwissenschastler ist es eine-beachtenswerte, Zeiterscheinung, daß in großen Kreisen ges lehrter oder auch nur gebildeter Christen der mannigfaltigsten Lebens- und Wissenssphären das wissenschaftliche Interesse am Judentum immer mehr zunimmt. Abraham Geigers Ideal- Vertretung der. jüdischen. Wissenschaft an deutschen Universitäten,, rückt, seiner. Erfüllung näher: Von der Budapester Universität mit ihren zwei, neuerdings begründeten Lehrstühlen der Talmudwissenschaft nicht zu reden, ist in Leipzig zunächst ein Lektorat für dieses. Fach eingerichtet worden. Unverkennbar liegt auch in Preußendie Forderung juda-- istischer Universitätslehrstühle heute in der Lust, und dem wach- - senden Schwergewicht dieser Richtung der Geister, wird 'auch unsere.Regierung sich nicht lange mehr entziehen' können. . I^ostra res agitmv. Es liegt durchaus im Interesse des , Judentums, wenn mit der Fackel der reinen, unparteiischem Wissenschaft in seine verborgensten Winkel hineipgeleüchtet wird. Nur darf diese unparteiische wissenschaftliche Arbeit eben nicht isoliert, nicht ungekannt bleiben: sie; muß in weiter Oessentlichkeit gekannt'und anerkannt werden. Sollte das . nicht wer mit dem staatlichen Stempel versehenen Belehrung leichter als einer, anderen gelingen? ' Fortan wird es etwas schwieriger werden, ..das mehrtausendjährige nachdeuteronomische Judentum.in seinem ganzen Umfang den Massen äls ein Produkt religiös-sittlicher Erstar- . rung und Verkümmerung zu suggerieren. Und in praktischer. Beziehung liegt es einmal in den Verhältnissen, daß das von einer spezialwissenschastlichen Staatsbehörde — die wird doch die Universitätsvertretung der judaistischen Wissenschaft repräsentieren—abgegebene Gutachten über die Nichtigkeit der leider immer wieder äuslebenden Verleumdungen jüdischer Ethik und Religiosität viel'eindrucksvoller' wirken muß, als wenn es von anderen Seiten ausgeht, mögen diese noch so sachverständig sein. Demnach haben wir Israeliten allen Grund, soweit wir dazu beizutragen vermögen, einerseits die Errichtung bezüglicher Lehrstühle zu fördern, anderseits auf deren unparteiische' Besetzung uns einen Einfluß zu sichern. Bekannt ist das von der Berliner jüdischen Gemeinde an die Preußischen Synagogengemeinden ergangene Rundschreiben behufs Gründung eines Lehrstuhls für jüdische Wissenschaft an der Berliner Universität anläßlich der Säkularseier der preußischen Judenemanzipation. Zur Errichtung eines Universitätslehrstuhls der Wissenschaft' des Judentums sind 300 000 Mark' erforderlich. Ein Drittel dieser Summe stellt die Berliner Gemeinde anerkennenswerter Weise selbst zur Verfügung; zur Aufbringung des Restes appelliert sie an die Ehrenpflicht der Preußischen Gemeinden, von denen eine Anzahl mittels mehr oder weniger ansehnlicher Spenden der Aufforderung bereits - entsprochen hat. . . So köricht es war? zu behaupten, daß Reichtum an äußeren Mitteln, die für Geistiges zu Gebote stehen, etwas Gleichgültiges ist, — wer wüßte es anderseits besser als gerade wir Juden, daß. Entstehen sowohl wie Bestehen geistiger Schöpfungen hauptsächlich Don der Macht der innerlich treibenden Motive, abhängt! Was die Berliner Bewegung anlangt, so'ist sie nicht eigentlich unmittelbar aus dem Innern des Mnfiiützs

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