Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1912)
- Date
- 1912-08-30
- Page
- Seite 413 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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befriedigt, so ist sie doch kein Kampfplatz, sondern ein Friedens- , öE kein Symbol der Trennung, sondern . ein- Zeugnis'der -Gemeinsamkeit. - .. L. G. Der Talmud und die WediHiu . Von Rabbiner Dr. S. Friebtnann in Lublinitz. er Talmud ist bekanntlich nicht nur eine Lehre der jüdischen Religion, sondern in gewissem Sinne eine Enzyklopädie aller Wissenschaften damaliger Zeiten, und nicht zum; geringsten der medizinischen. Ja, man kann ohne Uebertreibung sagen, daß die Medizin unserer Tage vielfach einen direkten Fortschritt darstellt in der Forschung der talmudischen Zeiten. Zwei-Beispiele mögen dies erhärten, Als Ursache der gegenwärtig in einzelnen Gegenden herrschenden epidemischen Genickstarre werden von berufener. Seite Diplokokken angesehen, welche d u r. ch d i e Nase wandern und sich im Gehirn fe st setz e m s o ll e n, .von wo aus sie die Verheerung anrichten. Dieselbe Gefährlichkeit wird nun im Talmud zwar nicht den Diplokokken, aber wohl der Mücke zugeschrieben, welche nicht, wie jene, der niederen Pflanzenwelt, sondern der höheren Stufe der Tierwelt entstammt. Im Talmud wird die Mücke alsein „leichtes Geschöpf" geschildert, das dennoch dem Elefanten ein Schrecken wird, wenn sie ihm in die Rüsseloffnung fliegt und ihn empfindlich sticht. Durch ihre zahllose Menge wird sie auch dem Auge und der Nase des Menschen gefährlich, so daß man für ihre Ausrottung öffentliche Gebete anordnete. Ihre gefährliche Wirkung wird besonders in der Legende von der Titusmücke dargetan (Gittin 56). An Titus, in dem man einen zweiten Nero voraussah und den die jüdischen Schriftsteller .„den Bösewicht und Frevler" nennen, nahm man bald nach seiner Thronbesteigung als römischer Kaiser ein starkes nervöses Leiden wahr, indem er oft schnell und ohne besondere Veranlassung Tränen vergoß und in Schluchzen ausbrach. Er starb infolge eines Geher nl e id en§.. Dieses Leiden nun hat die jüdische Sage als die Wirkung einer Mücke vermutet, welche d u r ch d i e N a s e ins Gehirn gewandert .'s e i. Und wenn auch diese Ursache in diesem, Falle sagenhaft ist, so muß doch schon in der alten Zeit die Ueberzeugung herrschend gewesen sein, daß kleine, leichte Geschöpfchen imstande wären, in das Gehirn des Menschen zu dringen und. seinen Tod herbeizuführen. Das zweite Beispiel, auf welches noch hingewiesen werden sollte, um einen gewissen Zusammenhang zwischen der tälmudischen und modernen Medizin darzutun, ist die Gefährlichkeit des Bisses eines tollen Hundes. Die Merkmale.eines tollen Hundes sind schon nach dem Talmud folgender Er hält das.Maul offen, er läßt reichlich Speichel fließen,. die Ohren herunterhängen, den Schwanz auf den Schenkeln liegen; er hält sich nur auf den Seiten der Straßey und vermag nicht laut aufzubellen. Wegen seiner Gefährlichkeit durfteman.ihn selbst am Sabbat, töten.. Gegen .seipen..-.Biß,^und,^ie.,Hefähr-' lichen Folgen desselben hat man -schon..damals eine^Kur. verordnet, welche sich in. derselben Richtung - bewegte, wie.. sie .die moderne Medizin, anwendet, eine Kur.nämlich, .für welche der Sto ff d em to.Ilen h undefelb st e nt n o m me n wur d e. - Freilich wurde noch -nicht,.-, wie.. heutzutage . mit sicherem Erfolg, das Rückenmark dabei verwendet, sondern ,das Zwerchfell. Aber wenn auch , der Erfolg darnitnicht als sicher . galt und vielfach bezweifelt wurde, so . ist doch, die- Idee , anzuerkennen, welche zweifellos-zu der ^Sicherheit, der modernen Kur den Weg gewiesen hat. ... Änbeksnntes von heinr. as eben erschienene vierte Heft der Zeitschrift für Bücherfreunde 1912 enthält einen Aussatz von Adolf Schmidt „Aus den Kreisen des jungen Deutschlands", der verdient weit über den engen Rahmen des Fachpublikums bekannt zu werden. Er gibt eine Auswahl der an - Heinrich K ü n z e l gerichteten Briefe. Der genannte Schriftsteller, geb. 1810, gest. 18.7-3, zu seiner Zeit sehr geachtet, jetzt völlig vergessen, war Lehrer, und Bibliothekar zuerst in Worms, dann in Darmstadt. Unter den mitgeteilten Schriftstücken befinden sich einzelne von Early le, dem merkwürdigen Lud w ig W i h l voll von höchst interessanten Nachrichten, besonders aber von Gutzkow, aus denen z. B. die, soweit -ich weiß, völlig unbekannte hochwichtige Notiz hervorzuheben ist, daß der Genannte im Jahre 1865 dem Großherzog Karl Alexander von Weimar David Friedrich Strauß zum Oberbibliothekar in Weimar vorgeschlagen hat; ein. Vorschlag, der jedoch nicht ausgeführt werden konnte, weil der Großherzog bereits Adolf Schöll auf jenen Posten berufen hatte. In den Briefen Gutzkows und Wihls finden sich einige recht interessante Notizen über Heinrich Heine. Aber auch Künzel selbst trat mit Heinrich Heine in direkte Verbindung. Er kam, als er vom Frühjahr. 1837 bis Anfang 1838 in Paris war, mit dem Dichter in lebhaftem Verkehr. Von diesen Beziehungen wußte man bisher nicht das geringste. Künzels Name wird weder in der Karpelesschen Ausgabe der Heineschen Briefe, noch in Strodtmanns Heinebiographie — diesen beiden Büchern, die noch immer die sicherste Grundlage unseres Wissens bilden — erwähnt. .; . In dem Aufsätze nun, aus dem ich auch die vorstehenden Notizen entnehme, wird ein Brief Heines und ein Gedicht abgedruckt. B e i d e sind b i sh e t*; völlig u nb ek a n nt. Der Brief ist ein ziemlich gleichgültiges -Empfehlungsschreiben vom 18. Mai 1838 für ein Fräulein I. du. Motet, eine musikalisch begabte junge Dame, die in London Unterricht geben Innenansicht nach öem ritlerheiligsten. (Fasanenstraße-Synagvüe.)