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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-30 · Heft 35 (30.8.1912) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
Seite 412 (sequence 4)
Language
German
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■j'' Diese Forderungen des Programmssind in. einfacher ''Weise'lerfüllt. ' - l' 'Der Hauptbäu der Synagoge, als Langhaüsbau gestaltet, -'ist äri'beiden Seiten von den'Nachbargrenzen abgerückt, so daß 'der' 'eigentliche Synagogenbaü freienttvickelt werden konnte. Auf der Nordseite verhütet die Stadtbahn eine zu große Einengung, aus der Südseite ist durch grundbuchliche Eintragungen versucht worden, die Errichtung unschöner Giebelmauern zu verhindern. ' - Zwischen Synagoge und Stadtbahn ist ein Seitenflügel angeordnet, der das Geräusch des Bahnverkehrs der Synagoge 'möglichst sernhalten soll. In diesem Flügel sind die Wochentagssynagoge, die Schulräume, die Dienstwohnungen usw. imtergebracht. . Leider.ist durch diese praktische Rücksichtnahme nicht möglich gewesen, die Nordseite der Synagoge auch nach der Stadtbahnfeite frei zur Erscheinung zu bringen. -' Die Einfachheit, der Grundrißanlage erfordert keine ausführliche Beschreibung. ■ Die glückliche Lage dev Baustelle, die rein nach - Osten ' orientiert - ist, ermöglichtedie Anlage des Haupteinganges'an der Fasanenstraße und die Anordnung einer axialen Entwicklung. . . Durch die Vorhalle und-den Vorraum gelangt man in die Synagoge, bei. deren Raumwirkung möglichste Steigerung erstrebt ist. Drei Kuppeln von fast 14 Meter Spannweite und seitliche Tonnengewölbe überspannen den Jnnenraum. Eine halbkreisförmige tiefe Chornische schließt den Synagogenraum wirkungsvoll all und enthält die Sänger- und Orgelempore. Die beigegebenen Abbildungen zeigen. die Gestaltung des Jnnenraumes und der Fassaden. Die letzteren sind in romanischen Formen durchgebildet und zeigen namentlich an der Hauptfront eine reiche Gliederung und eine Steigerung des ornamentalen Schmuckes. . Insbesondere ist hervorzuheben, daß die Grundrißbildung auch in . der äußeren Erscheinung zur Geltung gebracht 'worden ist. ‘ So sind die Kuppeln des Jnnenraumes auch in die Fassade übernommen Wörden und geben dem Gebäude ein eigenartiges Aussehen.' - l Der Fußboden der Synagoge ist erheblich über Straßenhöhe gelegt worden. Dadurch wurde es möglich, die Höhenentwicklung'des Gebäudes bedeutend zu steigern und den Bau ' in der Umgebung hoher Mietsgebäude zur Geltung zu bringen. "Die große ^Freitreppe, die zur Synagoge führt, steigert den Eindruck in würdiger Weise. Als'Material für die Fassaden wurde fränkischer Müschel-i kalk gewählt.' Dieser schöne Baustoff hebt die°'Erscheinung des monumentalen Gebäudes in reizvoller Weise?' ' '! : ' ' Ueber die Ausschmückung des Jnnenraumes mag folgendes bemerkt werdeür" ■ - DeL-Grüttdgtzdanke ist der einer musivischest Ausschmückung. Demgemäß sind die wichtigsten Teile des Jnnenraumes, die Chornische,'der Altar, die Brüstungen in echter venezianischer Glasmosaik ausgeführt, und diesem musivischen Schmuck ist die Ausbildung der übrigen/Decken und Wände angepaßt. Dabei ist beachtet worden, daß die reiche Malerei lediglich gewisse Teile der Wandflächen einbezieht und im übrigen eine Einfachheit vorwaltet, die nur an einzelnen stellen eine Steigerung erfahren hat. Einen eigenartigen Schmuck hat der Trausaal erhalten. Die Hauptschmuckteile sind aus Eadiner Kacheln gebildet, deren reiche Färbung und vorzügliche technische. Ausführung eine vortreffliche Wirkung ausüben. Besondere Beachtung verdient auch die konstruktive Ausführung des Bauwerkes, das ganz in Eisenbetonkonstruktion hergestellt ist. Aus mächtigen Pfeilern ruhen die Kuppelwölbungen der Decken, die Tamboure und die Außenkuppeln. Zur Ausnahme der hohen Außenkuppeln wurden gewaltige Balken aus Eisenbeton von zirka drei Meter Höhe über die Pfeiler gelegt , welche die massiven Kuppelaufbauten tragen. Eine Niederdruckdampfheizung erwärmt das ganze Gebäude." Eine eigentliche Grundsteinlegung konnte nicht stattsinden; dafür wurden-in einer besonderen Feier am 30. November 1911 wichtige Urkunden an hervorragender Stelle der Synagoge versenkt. Bei'dieser Feier wurde eine Ansprache von Herrn Rabbiner Dr. Weiße gehalten und von einzelnen Mitgliedern der Gemeindebehörden und der Bauleitung Sprüche zu den üblichen Hammerschlägen gesprochen. Die Festschrift schließt mit folgenden Worten: „Der stolze Bau ist vollendet. Mit berechtigter Befriedigung blicken die Gemeindebehörden und die Gemeindeangehörigen ...auf das wohlgelungene Werk. Aber nicht Stolz bewegt das Herz der Beschauer, es ist vielmehr die Freude über die-Anhänglichkeit, unserer Glaubensgenossen an unsere heilige, angestammte Religion und über ihre Opferwilligkeit. Möge das hochragende Gotteshaus bis in die -fernsten Zeiten seinem erhabenen Zwecke dienen!" Auch wir sprechen solche Wünsche aus und sagen der Berliner Gemeinde den herzlichsten Glückwunsch zur Vollendung dieses Werks. Es ist eine Berliner Synagoge, und doch steht sie auf Charlottenburger Gebiet. Möge dieser Umstand dazu beitragendie Einheit Berlins und seiner^ Vororte zu befestigen,' damit sich die Juden Groß-Berlins nicht bloß äußerlich, sondern auch innerlich als eine Gemeinde betrachten. Es ist ein jüdisches Gotteshaus, ein moderner Bäu,' der durch' seine Orgel und die Art seines Ritus den Forderungen des liberalen ' Teils der Gemeinde' entspricht; mögen die Andersgesinnten darin - keine Feindseligkeit erblicken! Die Berliner -Gemeinde hat die Pflicht, für alle Parteien zu sorgen; die Liberalenhaben das Recht,' einen ihren Anschauungen entsprechenden Kultus zu fordern. Wird in dieser Synagoge auch nur ein Teil der Gemeinde Ansicht -er Westseite. (Fasanenstraße-Lyuagoge.)

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