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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-23 · Heft 34 (23.8.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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**• “ Der Oemetndebote. Beilage zur „Allgemetnen Leitung drS HudentumK". korrrlponLenrm und Mschnchten. Deutschland. S££ Berlin, 20. August. Wenn man heute die von Begeisterung fast überquellenden tü-rkisch-PatriotischenReden nachliest,die aus dm letzten Zionistcnkongressen von einzelnen Führern dieser Bewegung gehalten wurden und man damit die gegenwärtigen Wirren und durch sie hervorgerusenen bedrohlichen Zustände vergleicht, so mag man wieder einmal daran gemahnt werden, daß es doch besser gewesen wäre, wenn man etwas mehr zurückhaltende Vorsicht geübt hätte. Auch derjenige, derben zionistischen politischen Idealen kühl bis ans Herz hinan gegenübersteht, wird angesichts der kritischen Situation der Entwicklung der inner-türkischen Verhältnisse nur mit banger Sorge auf die Werke sehen, die jüdische Tätigkeit und jüdische Mühe unter großem Auswande in Palästina geschaffen haben. Und die Sorge um die Zukunft des Geschaffenen kann nur derjenige los werden, der vor den wenig tröstlichen Aspekten seine Augen wie der Vogel Strauß im Sande versteckt. Es ist eigentümlich, daß die jüdischen Zeitungen sich ausnahmslos scheuen, den Dingen klar ins Auge zu schauen und esauszusprech'en, daß angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse doch wahrhaftig jeder Optimismus, der uns Juden so eigentümlich ist, nicht am Platze ist. Selbstverständlich wünschen auch wir, nicht aus zionistischem, sondern aus jüdischem Interesse, daß die schwere, innere Krisis, von der das osmanische Reich zurzeit durchwühlt wird, recht bald einem ruhig-sriedlichen Zustande und einer gefestigten inneren Ordnung weichen möge. Aber gerade bei dem gegenwärtigen Stande, -dessen zukünftige Gestaltung heute niemand vorauszusehen vermag, verdient nicht nur' vom deutschen Standpunkt, den unsere Glaubensgenossen im Deutschen Reiche einnehmen, sondern auch vorn spezifisch jüdischen Standpunkt aus ein Beschluß, dm die. zionistische Bereinigung für Deutschland aus ihrer letzten Posener Tagung gefaßt hat, aus das entschiedenste Zurückgewiesen zu werden. Es muß in der Tat befremdlich, erscheinen, daß die jüdischen Organe der.Oessentlichkeit, mit Ausnahme der Körperschaften der jüdischen Gemeinde Berlin, cs unterlassen haben, gegen.jenen Beschluß, vom Standpunkt des deutschen Staatsbürgertums jüdischen Glaubens Verwahrung einzulegen. Es könnte doch in der weiteren Oesfentlichkeit der Glauben auskommen, als ob die deutsche Judenheit gegen jenen Beschluß keinerlei Einwendungen zu erheben habe, und es konnte nicht fehlen, daß. eine übelgesinnte Presse aus diesem Stillschweigen.in jener Entschließung den Meruungsausdruck der deutschen Judenheit ableitet und daraus gewisse unrichtige Schlüsse aus die Gesinnungen und Absichten unserer deutschen Glaubensgemeinschaft zieht. Wenn schon nicht aus innerem Drang, so müßte schon aus diesem Grunde, die jüdische Oesfentlichkeit mit ihrer Zurückweisung jener Zumutung, die in jenem Beschluß an deutsche Juden gestellt wird, nicht zögern. Der Beschluß, von dem hier die Rede ist, lautet nach den Veröffentlichungen in den offiziellen Zionistischen Organen solgenermaßen: „In Konsequenz der überragenden Bedeutung der Palästinaarbeit für die Befreiung der Einzelpersönlichkeit sowie als Mittel zur Erreichung unseres Endziels, erklärt es der Delegiertentag für die Pflicht jedes Zionisten — in erster Reihe der Wirts chastlich Unabhängigen — die U e b e r s i e d l u n g nach Palästina in ihr Lebensprvgramm auszunehemen. In jedem Falle sollte jeder Zionist für sich persönliche Interessen in Palästina schassen." „Endziel", „Lebensprogramm", „persönliche Interessen" — kann es deutlicher gesagt werden, daß die Herren den Aufenthalt in Deutschland nur als einen vorübergehenden betrachtet wissen wollen, sie ihr Lebensprogramm ausschließlich nach Palästina verlegen möchten, und sie gerade darum die wirtschaftlich Unabhängigen besonders aussordern, nicht die Mühseligen und Beladenen, aus Deutschland nach Palästina auszuwandern. Der von antisemitischer Seite sonst nur in gleicher Schärfe betonte und dreist behauptete Fremdlingscharakter der deutschen Juden erhält hier von zionistischer Seite das Bestätigungssiegel. Daß dabei freilich nur die überzeugten Zionisten aufgesordert werden, ihr palästinensisches Heimatgefühl zu betätigen und aus den deutschen Landell hinauszustreben, wird die übelwollende Außenwelt, gern.geneigt sein, zu übersehen und der ganzendeutschen. Judercheit zu unterschieben. Dagegen aber muß. der in der deutschem Heimat.wurzelnde Teil der Glaubensgeuossen,. also alle Nichtzionisten- -muß insbesondere-die jüdische Oesfentlichkeit, die nicht.vergebens 'den hundertjährigen Kamps um Anerkennung der. vollen.-Zugehörigkeit, unserer Glaubensgenossen zum Deutschtum gekämpft hat>l mit .aller .Deutlichkeit und Entschiedenheit Protest einlegen. - Wir. erklären^ Deutsche ohne jeden Aorbehalt zu sein, die es ablehnen und. denen, es absolut fern liegt, die Uebersiedlung nach Palästina in ihr Lebensprogramm, auszunehmen.. Wir weisen es mit aller Schärfe zurück, in Palästina irgendwelche persönliche Interessen uns zu schassen^ es sei denn, daß uns mit diesem Lande religiös-historische Erinnerungen verbinden und wir Ne Humanitären Bestrebungen auch ferner zu fördern bereit sind, die daraus hinauslausen, unsere östlichen Glaubensbrüder, die aus ihrem. Stiesvaterlande. gejagt, dort eine Unterkunft suchen, in ihrem Bestreben zu unterstützen. Berlin, 20. August. Der H i l s s v e r e.i n der Deutschen Juden hat durch seine Konstantinopeler Vertreter den durch die Erdbebenkatastrophe geschädigten Glaubensgenossen in der Türkei seine Hilfe angedeihen lassen. Unter dem Erdbeben hat nämlich auch die jüdische Bevölkerung der betroffenen Städte -außerordentlich gelitten. In der Stadt Tschorlu brannte infolge des Erdbebens ein großer Teil des jüdischen Viertels nieder. 150 Häuser wurden ein Raub der Flammen und mehr als 800 Personen sind völlig obdachlos. Der Schaden, den die jüdische Bevölkerung in dieser Stadt allein erlitt, betrügt über 114 Million Mark. ., Berlin, 20. August. Das Kuratorium der L e h r a u - anstatt für die Wissenschaft des Judentums sendet uns das Verzeichnis"der für das Winter-Semester 1912/13 festgesetzten Vorsesungen: Herr Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud babli, Ketubot, V (Fortsetzung), 4 Stunden, Montag und Donnerstag 10 bis 12 Uhr. 2. Talmud babli, Hullin, 111 (Fortsetzung), 4 Stunden, Montag und Donnerstag 8—10 Uhr. 3. Mischne Thora, Buch 10 (Fortsetzung), 2 Stunden, Sonntag. 10—12 Uhr. 4. Jore Deür, Hilch, Wikwaot (Fortsetzung), 2 Stunden, Mittwoch 8—10. Uhr. 5. Eben ha'ezer, Hilch. Ketubot (Forts.), 1 Stunde, Donnerstag 12-1 Uhr. 6. Der jüdische Kalender, 1 Stunde, Montag 12—1 Uhr. Herr Dr. E l b o g e n wird lesen: 1. Pentateuch mit alten Kommentaren, 1 Stunde, Freitag 11—12 Uhr. 2. Talmud, Pesachim X, 4 Stunden, Sonntag und Mittwoch 8—10 Uhr. 3. Geschichte der Juden im amoräischen Zeitalter, 2 Stunden, Dienstag und Freitag 10—11 Uhr. 4.- Geschichte der exegetischen Literatur, 2 Stunden, Sonntag und Mittwoch. 10—11 Uhr. 5. Historische Hebungen, 2 Stunden, Dienstag 11—1 Uhr. Herr Dr. Tä übler wird lesen: 1. Jüdische Geschichte, die älteste Zeit bis zur Reichsteilung, 2 Stunden, Montag und Freitag 12—1 Uhr. 2. Jüdische Geschichte, vom Ausgang des Altertums bis zur Blütezeit des Mittelalters, 2 Stunden, Mittwoch 5—7. Uhr. 3. Historische Uebungen im Anschluß an die Schriften Agobards von Lyon, 2 Stunden, Dienstag 8—10 Uhr. Herr Dr. Pahuda wird lesen: 1. Deuteronomium, Fortsetzung, 2 Stunden, Dienstag 11—1 Uhr. 2. Hivb- 2 Stunden, Mittwoch 10—11, Freitag 11—12 Uhr. 3. Bibel, kursorisch, 2 Stunden, Mittwoch 11—1 Uhr. 4. Uebungen über die Quellen der fünf Bücher Mosis, 2 Stunden, Donnerstag 6—8 Uhr nachmittags. 5. Koran mit Berücksichtigung der jüdischen Quellen, 1 Stunde, Donnerstag 5—6 Uhr nachmittags. Herr Dr. Freund wird lesen: Die Rechtsstellung des jüdischen Religionsunterrichts und des Rabbiners, 2 Stunden, Dienstag 7—9 Uhr abends. Herr Dr. Hochs eld wird lesen: Methodik des Unterrichts in der jüdischen Geschichte, 2 Stunden, Montag 6—8 Uhr nachmittags. Herr Dr. Warschauer wird lesen: 1. Ausgewühlte Kapitel der jüdischen Homiletik, 1 Stunde, Dienstag 6—7 Uhr nachmittags. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitag 8—10 Uhr. P r äp arandie:. Herr Dr. Baneth: Talmud Babli, Baba Mezia, 2 Stunden, Sonntag 8—10 Uhr. Herr Dr. E lb o g e n : Geiger, Lehr- und Lesestücke, der Mischna,. 1, Stunde, Freitag 9—10 Uhr. Herr Dr. Yahuda:

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