Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1912)
- Date
- 1912-08-23
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Befestigung, die aus einem System von Blockhäusern bestund und mit den Nuraghi von Sardinien und den Talayot von Majorka in Parallele gesetzt werden darf. Ausgrabungen wurden bei Am Scheins veranstaltet, das wohl mit dem biblischen Namen Bethschemesch (das Haus der Sonne) zusammenhängt und eine Ansiedlung der Philister war. Hier werden sich die Taten und Abenteuer Simsons abgespielt haben. Die Funde bestehen hauptsächlich aus Stücken von Tonwarm, von denen manche im Stil an die fpätmhkenische Periode erinnern und ins 14. Jahrhundert v. Chr. zurückdatiert werden müssen. Da die Keramik auf ägäischen oder Zyprischen Ursprung hinweist, so wird dadurch ein neuer Beweis für die Annahme geliefert, daß die Philister von Kreta und anderen Inseln des Mittelmeeres nach Palästina kamen. Das byzantinische Kloster, das auf den Ruinen der alten Stadt Bethschemesch erbaut ist, wurde ebenfalls durchforscht. Bon besonderer Wichtigkeit ist Dr. Gustav Dalmans Bericht über das Zweistöckige. Haus von Petra, das Lei den Eingeborenen Khaznet Firaun oder düs Schatzhaus des Pharao heißt. Der Gelehrte hält es für kein Schatzhaus, sondern für ein Mausoleum und möchte es aus einen der Nabateer-Könige, auf Aretas IV., Philodemos oder Räbbelos II. zurücksühren. Das Bauwerk war sicherlich ein Werk ausgesprochen hellenistischen Geschmacks; die schöne Fassade mit ihren zwei Stockwerken korinthischer Pfeiler, zwischen denen Statuen standen, ist einzigartig in der Architektur Palästinas und darf „als die vollkommenste zweistöckige Fassade, die sich im Osten vom Altertum bis heute erhalten hat", gelten. Rhrinilchkr Lsbdiner-Vrrbsnd. Köln, im Juli 1912. n der diesjährigen Konferenz, die am 14. Juli in Köln stattsand, nahmen teil die Rabbiner DDr. Auerbach, Baeck-Düsseldors, . Caro (Köln) Hanover-Köln, Jacob-Dortmund, Jaulus-Aachen, Kalischer-Bonn, Levi-Krefeld, Kronheim-Düsseldors, Neumark-Duisburg, Samuel-Essen, Schestelowitz-Köln, Straßburger-Hoppstätten, Tawrogi-Kreuznach. Entschuldigt fehlten die Herren Frank und Rosenthal (Köln), Baßsreund-Trier, Norden-Elberfeld. Den Jahresbericht erstattete Dr. Jacob. Er erwähnte die Teilnahme an der Hundertjahrfeier für Ludwig Philippson in Bonn, die sehr würdig verlaufen sei, und gab sodann von den Arbeiten des Zentralausschusses des Rabbinerverbandes i. D. und denen des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden Kenntnis. In ersterer Hinsicht sei bemerkenswert die Einsetzung einer Kommission zur Ausarbeitung eines Lehrplanes für den Religionsunterricht an Lehrerinnenseminaren; es gehören dazu die Herren Cohn- Kattowitz, Winter-Dresden, Jacob-Dortmund. Ferner die Anregung zur Abfassung einer Schrift gegen die Taufe, die auch die Gefahrendes modernen Monismus in Betracht ziehen soll; es sind daran beteiligt die Herren Werner-München, Jacob und Samuel. Die Verhandlungen des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden zugunsten einer geordneten Inspektion des Religionsunterrichts haben ihren Anstoß von dem Vorgehen des Vereinsrabbiners Dr. Wolf in Köln empfangen, dem es gelungen ist, bei den Regierungen zu Düsseldorf und Köln weitgehende Jnspektionsbesugnisse zu erwirken. Es fand am- 21. Juni in Düsseldorf eine eingehende Aussprache zwischen Mitgliedern des Ausschusses, Vertretern des rheinischen Räbbinerverbandes sowie, des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens statt. .Dem Referenten gelang es, alle von seiten der Lehrer gegen die Inspektion überhaupt und insbesondere durch, die Rabbiner vorgebrachten Einwände zu entkräften. Keine Machtgelüste verleiteten die Rabbiner dazu, die große Mehrbelastung aus sich zu nehmen, sondern nur Pflichtbewußtsein, sobald diese Aufgabe an sie herantrete. Da sie 20 und mehr Stunden wöchentlich Religionsunterricht erteilten,. können ihnen . pädagogische Sachkenntnisse nicht abgestritten werden. An dem mangelnden Jnstanzenzug ist die fehlende Organisation in den altpreußischen Provinzen schuld. Hier erschöpfen sich die Stufen mit Lehrer und Rabbiner. Das Resultat der Aussprache war die Einsetzung einer Kommission, in die die Rabhiner Rosenthal und Baeck eintraten. Am Schlüsse seines Berichts gedenkt hex Vorsitzende einiger Personalien; der Berufung des Dr. Wiener nach Stettin, des Hinscheidens, des Vaters von Dr. Baeck; des^Elntvitts des Dr. Scheftelowrtz m den Verband und. des Amtsantritts des Dr. Kronheim als Hilfsrabbiner in Düsseldorf. In der Besprechung wurde hervorgehoben, daß in der Frage der Inspektion die Initiative von den Vorständen ausgehen müsse; außer in Köln sei die Inspektion bereits eingeführt in. Ruhrort, Oberhausen, Esten und Dortmunds Es folgt die Kassenprüfung und Entlastung. Die Neubildung des Vorstandes vollzog sich sodann in der üblichen Weise. Der. Vorsitz ging auf Dr. Norden-Elberfeld über; Beisitzer sind die Herren. Jacob und Samuel. Nunmehr begannen die Referate. Das.erste hielt Dr. Kalischer- Bonn über die Errichtung eines judaistischen Lehrstuhls an der 'Universität Bonn. Die Klage über die Nichtachtung der rabbimschen Literatur seitens des Staates ist alt. Man muß an das Seminar in Budapest oder das Lektorat in Leipzig denken, um auf Anzeichen staatlicher Fürsorge für jüdische Wissenschaft zu stoßen. Um so mehr sei es zu begrüßen, daß in Bonn in der letzten Zeit ein starkes Verlangen nach Gründung des betreffenden Lehrstuhls hervorgetreten ist. Der dortige Orientalistenverein hat in der Sache bereits einen wichtigen Schritt getan, indem er dem Kultusministerium eine Petition unterbreitete, deren Abfassung dem Referenten zufiel. In derselben ist hervorgehoben, daß die enge Volksgemeinschaft zwischen jüdischen und christlichen Deutschen dem Staate die Pflicht auserlege, Gelegenheit zur Erforschung der jüdischen Religionsquellen zu schassen. Dafür genügen nicht die Lehrstühle für alttestamentliche Wissenschaft, gerade der Talmud sei der Knotenpunkt für. das Verständnis des heutigen Judentums. Nicht allein die vergleichende Religionskunde, sondern auch manche Gebiete der Geistes- und Naturwissenschaften würden von einem solchen Lehrstuhl Vorteil ziehen. — Die Eingabe hat von seiten des Herrn Ministers eine Ablehnung mit der Begründung erfahren, daß zunächst noch dringendere Wünsche zu erfüllen seien. Der Orientalistenverein bereitet aber eine zweite Petition vor, gestützt aus eine große Anzahl von Zustimmungserklärungen. Der Referent hält die Sache für aussichtsreich, dafür bürge ihm der gute Geist der Universität Bonn. Daher müßten die westdeutschen Juden und allen voran die Mitglieder des rheinischen Rabbinerverbandes diese Sache zu der ihrigen machen und ihr jede. Unterstützung angedeihen lassen. Die Erörterung des mit großem Beifall und einmütiger Sympathie aufgenommenen Referats mußte unterbrochen werden, um dem gemeinsamen Mittagsmahle sein Recht zu lassen. Auf besondere Einladung nahmen mehrere Damen der Kollegen daran teil, die Dr. Jacob in seiner humorgewürzten Tischrede gebührend feierte. Nach dem vom Ehrenmitglied Dr. Auerbach gesprochenen Tischgebet wird die Erörterung über den Antrag Dr, Kalischer fortgesetzt, der dahin lautet: Der Rheinische Rabbinerverband möge in den Gemeinden die Propaganda für den betreffenden Lehrstuhl organisieren. Dr. Baeck meint, daß ein anderer Weg sicherer zum Ziele führen würde. Ein jüngerer Gelehrter müsse die venia legendi in den rabbimschen Fächern erwerben; habe sich dann die Wichtigkeit des Faches erwiesen, dann könne man auf die Unuvandlung in eine ordentliche Professur rechnen. Dr. Jacob hält die rheinischen Gemeinden für wirtschaftlich zu schwach, um die erforderlichen Mittet aufzubringen, auch die parallele Aktion der Gemeinde Berlin habe noch mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dr. Samuel hofft, daß in Verbindung mit einem rabbimschen Lehrstuhl in Bonn die Gründung eines Rabbinerseminars daselbst für den Westen zugleich ins Äuge gefaßt werden würde. Dr. Kalischer weist in seinem Schlußwort daraus hin, daß eine großzügige Aktion des Verbandes für die Entwicklung der Sache in unserem Sinne zugunsten der Wissenschaft und des Judentums von großer Bedeutung werden könnte. Die Versammlung hält dafür den Zeitpunkt noch nicht für gekommen, ersucht aber einmütig Dr. Kalischer, in seinen dankenswerten Anstrengungen nicht nachzulasten. Das folgende Referat hielt Dr. Samuel Über: „Eine Wendung in der. Bibelkritik und ihre Bedeutung für den Unterricht". Redner führt aus, daß ihn in jüngster Zeit besonders die Arbeiten von Rudolf Kittel (Leipzig), „Geschichte Israels" und die alttestamentliche Wissenschaft (1912) in der Ueberzeugung bestärkt haben, daß zurzeit eine starke Abkehr von den Theorien und Hypothesen der Stade- Wellhausenschen Schule zu bemerken sei. Die Literarkritik ist zur Ablehnung der von Wellhausen beliebten Datierung der pentateuchischen Quellenschriften gelangt, sie hat ferner die behauptete Unterschiebung des UrdeuteronvMiums durch die Priesterpartei am Hofe Josias für ausgeschlossen erklärt. Damit sind die Grundpfeiler jener Schule erschüttert und ist einer gesünderen Erfassung der biblischen Probleme wieder freie Bahn gemacht. Die Persönlichkeiten eines Mose, ja eines-