Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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bisherigen regelmäßigen Versammlungen stm-Heimst die dürch -Vor--- träge mit anschließender Diskussion belebt. würden,' zeugten von regem Bildungseiferder jungen Leute und berechtigen zur Hoffnung, daß sie aus den vielen schönen Einrichtungen der.Stadtdie der technischen und künstlerischen Ausbildung der Handwerker dienen, reichen Nutzen ziehen werden. Ein Schlosserlehrling hat nach beendeter Lehrzeit die Aufnahmeprüfung für die Königliche höhere Maschinenbauschule bestanden, die er jetzt besucht. 1- Graveur und. 2 Polsterer konnten nach bestandener Gesellenprüfung im .Lause des Jahres entlassen werden, und seit dem 1. April d. I. haben, noch 1 Friseur und 1 Installateur die Gesellenprüfung-abgelegt. Der Wirtschaftsausschuß, bestehend aus Frau Julie Herzbach, Frau Anna G o t ts ch.a.l k und Frau Jda Auerbach hat durch die alltägliche Kontrolle des Haushalts dem Heim wie bisher unschätzbare Dienste geleistet. Die Einnahmen betrugen 16 542.60 M., die Ausgaben 16 551.60 M. Der Verein verfügt über mehrere Stiftungen im Gesamtbetrag von 21255.85 M. 22 Braunschweig, 11. August. Der hiesige alte jüdische Friedhof hat nur noch 9 freie Stellen und 40 reservierte Grabstätten. Der neue ' Friedhof könnte wohl schon jetzt in Benutzung genommen werden. Die monumentale Kapelle ist längst fertig und ihre nächste Umgebung mit freundlichen Anlagen versehen worden. Da aber erst jene freie Stellen aus der alten Begräbnisstätte ün Anspruch genommen werden stollenbevor die neue ihrem Zwecke dienstbar gemacht wird, so hat die eine Hälfte des weiten Geländes des neuen Friedhofs in diesem Jahre noch einmal mit Früchten bestellt werden können, die bei der guten Lage vortrefflich gediehen sind und teilweise schon abgeerntet werden, konnten. Die leer gewordenen Flächen werden zurzeit wieder, umgebrochen und geebnet. — Die. Frage, ob die Weihe des Friedhofs mit der ersten Bestattung verbunden oder ob die Einweihung noch im Laufe . des Sommers für sich stattfinden soll, ist dem Vernehmen nach noch nicht beantwortet. -- Bis aus weiteres bleibt die Beaufsichtigung und Pflege des alten Friedhofs in den Händen des Herrn Götte, dem seine Frau wacker zur Seite steht. Das Ehepaar hat dort Wohnung und waltet bereits nahezu 40 Jahre seines Amtes, das ihm am 1. März 1873 übertragen wurde. Die Hauptarbeit besteht in der Instandhaltung des blühenden Schmucks zahlreicher Gräber. ^2' Göttingen, 11. August. Dem Rentier ' Moses K atz hier, der heute mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit unter Anteilnahme weiter Kreise feierte, würde vom Kaiser' die Ehejübiläumsmedaille' verliehen und in feierlicher Weise vom Stadtrabbiner Dr. Behrens überreicht. — Am 16. Juli wurde der Fabrikant Louis Loeiventhal, der Begründer der bekannten Zigarrenfabriken in Bovenden, zu Grabe getragen. Die Leiche wurde Von Göttingen nach Bovenden übergeführt. Daselbst schlossen sich die gesamten patriotischen und gemeinnützigen Vereine mit ihren Fahnen und mit zwei Musikkorps dem Leichenzuge an, an dem gleichfalls der Kampsgenössenverein Göttingen sich beteiligte. Die Kriegervereine würden befehligt von dem Vorsitzenden des südhannoverschen Kriegerverbandes, G e h e i m r a t P r o s e s s o r D r. E s s e v.- Ein unabsehbarer Zug von Leidtragenden, in dem wohl fast die gesamte Einwohnerschaft des Fleckens vertreten war, bewegte sich dem auf einer Anhöhe gelegenen Friedhofe zü. Am Grabe feierte der Stadtrabbiner von Göttingen, Dr. Behrens, die Verdienste des Heimgegangenen, die er sich auf sozialem und vaterländischem Gebiete erworben hatte. Unter militärischen Ehren würde alsdann der Sarg in die Gruft gesenkt. §2' Bad Dürrheim, 9. August. Unter zahlreicher Beteiligung wurde am 28. v. M. das .Friedrich-Luisen-Hospiz für israelitische Kinder und er w a"chs en e w eibli ch e Personen seiner Bestimmung übergeben. Der Einweihungsakt begann vor dem Hause mit einem Gesangsvortrag des Synagogenchors Gailingen. Unter Worten des Dankes für die Uebertragung der schönen Bauaufgabe überreichte alsdann der Erbauer des Hospizes, Herr - Architekt Arthur Lehmann, Mannheim, den Schlüssel des Hauses, dem Vertreter der Regierung im Großh., Oberrat der Israeliten, Ministerialrat Schwö r er; dieser übergab ihn dem Vorsitzenden der Verwaltungskommission des Hospizes, Geh.' Oberregierungsrat Dr. Mayerder mit einem Segensspruch die Pforten des Hauses öffnete. In gehobener Stimmung traten die Festteilnehmer ein und begaben sich in den Speisesaal, der kaum' die zahlreichen < Gäste fasten konnte. Unter diesen bemerkte man: die Minister Dr. - B ö h m und Dr. R hei n b o l d t, Geh. Rat T r ö g e r, den Großherzogl. Landeskommissär, Geh. Rat Straub von Konstanz, Geh. RsttMo sti n^'vyn Frefbstrg, Miyisterrialrat Schäfer, Geh.Finanzrat Rein ach und Äergrät N ß u m a n n von Karlsruhe, den Großh. Amtsvorstand, Oberamtmann Bau e r usw. Mit einem feierlichen , Gesangsquartett - und) einem;' geizenden-GME das ein Knabe frisch vortrug, eingeleitet, vollzog ^sich Lier. der eigMliM^.Eröffnungsakt. Als erster sprach Herr Ministerialrat 'bch w ö rer. Er begrüßte die zahlreichen Gäste mi^wartnen,Morteih,gab der Freude übe^ pie^ -nunmehrige ^erkigstellüng der-' Z5nstalt^ Wsdrüä; 'öib de^ Nächstens ^liebe und dem traditionellen Familiensinn der Israeliten ihre Entstehung verdanke und hob insbesondere das warme Interesse hervor, das das Unternehmen von Anbeginn an bei dem verstorbenen lG r o ß h e r z o g F r i e d r i ch I. und der G r o ß h e r z o g i n -Luise, und ixr der Folge auch bei'deni jetzigen Großherzogspaare gefunden habe; er wies auf die hohe Auszeichnung hin, die der Anstalt durch die Verleihung des Namens „Friedrich-Luisen-' H o s Piz", geworden sei und' führte'in sinnigen Därlegungen .aus, pvie der Name „Luise" stets gemahnen werde, im Sinne, der reichen Liebestätigkeit, die die hohe Frau entfalte) auch durch das Hospiz -zu wirken und wie der Name „Friedrich" daran erinnere,'daß Großsterzog Friedrich L, den erhabenen Traditionen dek Zähringer folgend, den Angehörigen der jüdischen Glaubensgemeinschaft allezeit Wohlwollen und Gerechtigkeit habe angedeihen lasten.-'Schließlich -dankte er allen/die an dem schönen Werke mitgearbeitet haben, ins-: -besondere aber dem Vorsitzenden der Verwaltüngskommission, Herrn iGeh. Oberregierüngsrat Dr. Mayer, auf dessen tatkräftiges Wir-' -ken die Errichtung der Anstalt in erster Linie zurückzüsühren sei. Me schöne, von' edlem Schwung getragene Rede fand allgemeinen Beifall. Nach ihm teilte Herr Gdheimrat Dr. M ay e r die Geschichte Pes Balles mit. Er knüpfte daratt an, daß die Anstalt einer Stiftung 'anläßlich des goldenen Ehejubiläums Ihrer Königl. Hoheiten Groß- Herzogs Friedrich I. und Großherzogin Luise ihren Ursprung verdanke, er^ schilderte die lebhafte Teilnahme, die das Werk bei den höchsten Herrschaften gefunden habe. Er hob -insbesondere hervorwie Großherzogin Lüise das Werden des Baues stetig verfolgt habe, und zeigte, welch freudiges Interesse die Anstalt in allen Teilen des Landes gesunden-hat und wie sich an der Mitarbeit und an der Ausbringung der Mittel alle -Israeliten Badens ohne Unterschied der religiösen Richtung beteiligt haben, wie aber auch aus nichtjüdischen Kreisen dem Werke.vielseitige Sympathie entgegengebracht worden ist.- Mit Genugtuung konnte er anderseits darauf Hinweisen, welchem Bedürfnis die Errichtung des Hospizes entsprachda für. August bereits 76 Kinder Unterkunft finden werden Und auch für den Herbst schon zahlreiche Anmeldungen vorliegen. - Er dankte all den vielendie ihr Interesse für das Unternehmen bekundet haben, insbesondere Fraü Dr/ F r i e d b e r g aus Karlsruhedie die innere Einrichtung überwachte, und.'gelobte-für die Verwaltung, daß sie sich der Pflichtendie der -ehrenvolle Name der Anstalt auserlege, stets bewußtstem werde. ' Aüch seine Worte - fanden bei den Anwesenden freudigen Widerhall, in dem gleichzeitig auch der Dank, für die hingebungsvolle i aufopfernde Tätigkeit des Redners enthalten war. Hierauf legte der Hausarzt der Anstalt, Herr Dr. H ar r aß, die Ziele und Heilmittel des Hospizes dar. Er konnte zur Freude aller darauf Hinweisen, daß die ersten Kinder, die bereits, vor wenigen Tagen, sehr übel aus-, sehend, in die Anstalt eingezogen seienschon jetzt eine bessere Gesichtsfarbe, gerundete-Wangen und leuchtende Augen zeigen. Den .Schluß der Ansprachen bildete die zu Herzen gehende und tiefgründige Weiherede des Herrn Konserenzrabbiners Dr. S t e ck e l m a ch e r von Mannheim- Unter. Zugrundelegung des Psülmverses: „Diesen Tag hat Gott gemacht; an ihm wollen wir jubeln und. uns freuen", hob er den Fortschritt vom klassischen Altertum, das die Barbarei der Aussetzung schwächlicher Kinder, kannte, und unter Billigung selbst, so hervorragender Geister, wie Aristotelesübte,, zum Judentum und den anderen monotheistischen Religionen hervor, bei .denen Liebe und Barmherzigkeit gegen alle Menschenzunächst, aber gegen dieSchwa- . chen und -Elendenzu den obersten - religiösen - Grundsätzen gehAsK,' Mit einem weihevollen Sologesang, und einem begeistert ausgenommenen Hoch auf das- Großherzogpaar, . Großherzogin Luise und. das.; ganze Großherzogliche- Haus, schloß, die Feier, der eine Besichtigung des prächtigen Gebäudes folgte. -; L2 Stuttgart, 9 August- Zur Beerdigung desKgl.Kammersängers a. D. H ei n r i ch S o n t h e i m hatte sich. um... 5. d. M-. ein . sehr zahlreiches Publikum auf dem israelitischen Friedhose., eingesunden, darunter auch zahlreiche Kunstgenossey -mit dem Generalintendanten v. P u t l i tz an der Spitze. Die israelitische KirchengenWüde