Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Göppingen-Jebenhausen, die Geburtsgemeinde- Sontheims, war durch ihre^ Rabbiner Dr. Tänzer und diele Verwandte Sontheims vertreten. Die schlichte Feier wirkte ergreifend. Bezirksrabbiner, Dr. S t ö s s e l schilderte in herzlicher Weise Sontheims Lebenslauf, der seine gesangliche Begabung zuerst als Chorsänger in der Jeden-, Häuser Synagoge betätigt habe. Er sei in Stuttgart eine stadtbekannte . und bis an sein Lebensende.gefeierte Persönlichkeit gewesen, habe auch seine TreUe zur Religion durch seine Mitgliedschaft in vielen jüdischen Vereinen bewiesen. Generalintendant, v. Putlitz legte einen im Namen der Kuns^genossen nieder, und rühmte Sontheims stete Teilnahme am Kunstleben. Lehrer Leo Adler legte gleichfalls einen Kranz nieder im Namen des Sontheim eng befreundeten Kammersängers Rothmühl und dankte auch im Namen der Witwe und in seinem, eigenen dem Verstorbenen für alle Liebe und Güte. An die Beerdigung schloß sich der übliöhe Gottesdienst. Eine Fülle von Teilnahmsbezeugungen und Kondolenzbriefen aus Men, auch den höchsten Kreisen sind der Witwe zugekommen. Besonders herzlich war das Kondolenzschreiben Sr. M. des Königs gehalten: „Seine Majestät lassen Ihnen sagen, mit welcher großen Verehrung Allerhöchst derselbe Ihres verstorbenen Gatten gedenkt und wie _er seine künstlerische Tätigkeit in dankbarster Erinnerung habe." In einem sehr ergreifenden Schreiben rühmte auch Generalintendant v. Putlitz Sontheims Bedeutung und Verdienste. Gefterretch-Nngarn. 0. W. Wien, 9 August. Der Altmeister der Wiener Pianisten Julius Epstein beging am 7. d. M. seinen achtzigsten Geburtstag. Still und bescheiden, wie es des Künstlers Art ist. In Baden, in der Pension Nollett, hat Professor Epstein seit Wochen sein Sommerquartier aufgeschlagen,betreut von seiner geistvollen Gattin FrauAmelie. Am liebsten hätte sich der Veteran, der noch lange kein Invalide ist, allen geräuschvollen Sympathiekundgebungen entzogen. - Epstein ist kein Freund von lärmenden Ovationen. Zeit seines Lebens ist er mit ruhiger Würde, jede Reklame verschmähend, seines Weges gegangen- Er ist eine Wiener Figur. Man sieht ihn, der Last der Jahre spottend, über die Straßen eilen; unter dem Zylinder wallt das volle Haar hervor, und um den Mund huscht ein in liebenswürdigen Spott getauchtes Lächeln. Ohne einen Widerspruch befürchten zu müssen, darf man behaupten, dieser Meister besitzt nur Freunde. Feindschaft ist ihm nie genaht, und obgleich Epstein durch' Dezennien als ausübender Pianist und als Professor des Konservatoriums mitten in den heißesten musikalischen Kämpfen stand, verstand er es, seinen Anschauungen über Kunst und Künstler stets einen vornehmen Ausdruck zu geben. Und er hatte nicht bloß ein Amt, er hatte auch eine Meinung, die er mit Entschiedenheit, — ohne Bösartigkeit, zu vertreten wußte. Ein begeisterter Dolmetsch der Klassiker, ebnete er mit schwärmerischer Leidenschaft neuen Begabungen die Pfade. Dieses nie versagende Wohlwollen, diese von jeder Geschäftigkeit immer losgelöste Hingebung an das als gut und wertvoll Erkannte verschafften Epstein einen großen Kreis von Anhängern und aufrichtigen Verehrern.- So trafen sich aN seinem Jubeltage alte und junge Leute sonder Zahl zusammen, um einen Mann zu ehren, der der Besten einer ist. — Eine beherzigenswerte Anregung gibt Herr Moritz Antscherl in der hier erscheinenden Wochenschrift ,-Die Wahrheit": Heute gibt es schon zahlreiche jüdische Friedhöfe von einst blühenden oder auch kleineren alten Gemeinden, die'verlassen dastehen und nur höchst selten, mehr besucht werden. In ihren bemoosten, mehr, oder minder gut erhaltenen Grabsteinen findet sich manches interessante Material für unsere jüdische Kulturgeschichte. Große Brände, die in den meisten Gemeinden gewütet haben, vernichteten vieles, was heute für uns das größte Interesse Hätte; einzig und allein haben sich in den meisten .Fällen die Epitaphien; so weit der Zahn der Zeit sie nicht verwischte, erhalten. Gerade in der schönen Sommerszeit ließen sich diese Inschriften kopieren, um dann in einem Zentralarchiv-, etwa in der großen Wiener Gemeindebibliothek,-hinterlegt zu werden. Eine Veschleunigüng dieser Arbeiten wäre um so wünschenswerter, weil alte Sandsteindenkmäler dem Verwittern leichter ausgesetzt sind. Voller Spannung steht man der. Herausgabe der Dr. Wächsteinsch'en genialen Bearbeitung der Inschriften des derzeitigen ältesten.Wiener jüdischen Friedhofes' in derHSeegasfe im IX. Bezirke entgegen, die den hier ausgesprochenen--Wunsch) eine allgemeine Cpitaphienfammlung zu-' nächst in Böhmen, und.Mähren zu veranstalten, baldigst verwirklichen dürfte Ist einmal mit Böhmen.und Mähren der Anfang gemacht und kommen dann die änderen Kronländer; an die Reihe, so hätten wir ein eorpus inseriplionum vor uns, dessen Wert nicht zu unterschätzen wäre. —7 Der ),Hebräisch'e Schulverein für Galizien und Bukowina" bestrebt sich, neue hebräische Schulen'zu gründen und die Existenz ver alten zu sichern. Neue Schulen gründet der „Hebräische Schulverein" nur unter folgenden Bedingungen: .1. Wenn der betreffende Schulausschuß oder Verein über einen minimalen Gründungssonds von 300 Kronen-verfügt; 2, wenn dys für die Schule bestimmte Lokal den Forderungen der Schulhygiene entspricht, , so daß keine Hindernisse seitens der. Behörde -entstehen; 3. wenn eine gründende Zahl von; Kinder-Anfängern eingeschrieben wird. Der Sitz des Vereins ist in Lemberg. —- Im Gemeinderat. zu Krakau wurde der Antrag eingebracht, einer Straße den Namen „R ab b in er - M ei se l s- Straße" zu geben, zum Andenken an den berühmten Räbbiner Berisch-Meisels. Das.Gemeinderatsmitglied Turski, ein Christ, begründete den Antrag mit den großen Verdiensten, die sich der selige Rabbiner Meisels während des polnischen Aufstandes erworben hat. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Rabbiner-Meisels- Straße erstreckt sich von der Augustinerkirche bis zur Weichsel. Lumsnien. z. Bukarest, 9. August. Bisher konnten jüdische Soldaten in der rumänischen Armee selbst bei den besten Fähigkeiten und der ausgezeichnetsten Konduitenliste es nicht einmal zu dem Range eines Unteroffiziers bringen. Desto angenehmer überrascht ein Befehl des rumänischen Kriegsminifters, laut welchem den Kommanden nahegelegt wird, daß alle jüdischen Soldaten, welche den Vorbedingungen entsprechen und die vorgeschriebene Prüfung bestehen, zu Unteroffizieren zu befördern seien. Dieser Erlaß des Kriegsministers ist auf die Intervention der Union der einheimischen Juden in Rumänien zurückzusühren, deren Vorstand in einem Memorandum an die Kriegsverwaltung aus alle die Ungerechtigkeiten hinwies, denen die jüdischen Soldaten im Militärdienste ausgesetzt sind. Unter den Beschwerdepunkten befand sich auch die Beschwerde darüber, daß die Juden von vornherein von jedem Avancement ausgeschlossen seien. Luszlarrd. z. Lodz, 8. August. Eine Gruppe Personen, die der hiesigen jüdischen Intelligenz angehören, wandte sich an das Ministeriüm der Volksausklärung mit der Bitte um die Genehmigung, in Lodz ein jüdisches Lehrerseminar eröffnen zu dürfen, damit die für die jüdischen Elementarschulen erforderlichen Lehrkräfte gewonnen werden können. An der Spitze steht ein bekannter Philanthrop und hervorragender Bürger der Stadt, der seinerseits zu diesem Zwecke einmalig 100 000 Rubel zu spenden beabsichtigt sowie die Verpflichtung übernimmt, die Hälfte der Unterhaltungskosten des Seminars während der Dauer der ersten fünf Jahre zu tragen. In den nächsten Tagen soll sich eine besondere Delegation nach Petersburg begebenum die Bitte der Petenten zu unterstützen. . Von Mh und Lern. — Bei der Prüfung der Preisausgaben am Friedrich-Wilhelms- Tag der Berliner Universität am 3. d. M. errang den königlichen Preis der medizinischen Fakultät die mit besonderem Lobe ausgezeichnete Arbeit des stuck, meä. Otto Strauß aus Marburg. — Herr Dr. I- Röfel, ein Schüler des ^Berliner Rabbinerseminars, ist einstimmig zum Räbbiner der Synagogengemeinde in Tilsit gewählt worden. — Man schreibt uns aus Posen: Die Andächtsstätte der hiesigen B r ü d erg erst en n d e .erfährt eine umfangreiche neuzeitliche Umgestaltung, die unter besserer Ausnutzung der räumlichen Verhältnisse die Zahl der Sitze um etwa 200 vermehrt. Die Wiederbesetzung der vakanten Oberkantorstelle an dieser Synagoge kann erst nach beendigter Renovierung derselben erfolgen, da die drei aus der Zahl der Bewerber ausgewählten Probekandidaten in dem neuen Gotteshause einer nochmaligen Gesangsprobe Unterzogen werden. — Die Synagogengemeinde Tarnowitz hat beschlossen, das alte Gemeindehaus, das den heutigen - Verhältnissen in keiner Weise entspricht, abzubrechen und an seiner Stelle einep modernen Neubau aufzüführen. —* Herr Rabbiner Dr. Wohlg emut aus Königsberg ist zum Rabbiner in Kitzingen gewählt worden. — Aus Regensburg wird geschrieben: Die Stadtgemeindeümlagen wurden auf Grund des Gesamtsteuersolls von 890 000 Mark festgesetzt für Israeliten, die zu dem im . Gesamtumlagenbedarf enthaltenen Bedarf, der katholischen und protestantischen Schulklasse nicht beizutragen habenweil sie eine eigene, aus. ihren Mitteln-unterhaltene Konfessionsschule besitzenaus 122%, -iii * -r— .'»Ar&w