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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-16 · Heft 33 (16.8.1912) · p. Seite 395

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 33 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
Seite 395 (sequence 11)
Language
German
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Schicksal durch sein langes Zögern vor der letzten Pforte des Todes. ■ Wer am. Sterben ist, soll an Gott und die Ewigkeit denken, und darum müssen bei den altgläubigen Juden die nahen Angehörigen aus dem Gesichtskreis dessen, den Erdendinge nun nicht mehr verwirren dürfen. So brauchte man bei Grüntals. Sabine .und Frau. Elkan. Durch Beruf und Freundschaft standen sie bereit zu diesem Dienst, die alte Frau Grüntal aus dem Leben zu geleiten und dann die tagelange Trauerklage um sie anzustirnmen und durchzuführen. Sie waren also fern von der Wohnung am Brandenburger, gegenüber dem Dogenpalast; sie waren unten in der Altstadt in einem barockgegiebelten Hause. Nur manchmal kam Fräulein Sabine auf einen Sprung herübernach. Haus und-Geschäften zu sehen, und manchmal kehrte der Onkel Elkan in seinem Hause ein, um rasch wieder nach..Günzenhausen, Dinkelsbühl, Heilsbronn, Treuchtlingen, Feuchtwangen/ und wie die kleinen Handelsplätze alle heißen, zu eilen. - Desto ausgiebiger verweilte Conny Reneß nun im Hause am Brandenburger. Er war sowohl bei Rebekka Elkan als bei Herrn von Rosenkreutz, dem er behilflich sein konnte, und der ein Interesse an . dem lebhaften und temperamentvollen Wesen und Verstand des jungen Reneß nahm. Hinter der Szene starb langsam eine alte Frau. Und ihr langes, zögerndes Verharren vor der letzten Pforte des Todes schuf vielleicht ein anderes Schicksal. '' Denn Rebekka Elkan war. so viel allein mit Conny Reneß, und er war so viel in dem Hause am Brandenburger, dessen beste Zimmer Herr von Rosenkreutz bewohnte. Das alles hätte nicht sein können, wäre die alte Großmutter Grüntal noch bei den. Lebenden.geblieben, ' IFortsehui'g folgt.) Litersrilchr Mitteilungen. — Zeitschrift sü r D em o g r ap h i e und Statistik der Juden. 8. Jahrgang. Juni 1912. Heft Nr. 6. Redigiert von Dr. Bruno Bla u. Die vorliegende Nummer enthält wie gewöhnlich Abhandlungen und Mitteilungen. Die beiden Abhandlungen führen den Titel: Dr. oec. publ. Jacob Segall, Berlin: Die -Entwicklung der Juden in Preußen während der letzten hundert Jahre und Dr. S. Weißenberg: Elisabethgrad:. Eine Statistik des Nitualbadbesuchs. Aus Weißenbergs Untersuchungen geht hervor, daß noch zwei Drittel der Frauen in der genannten Stadt das Ritualbad besuchen. Die Miszellen sind von sehr verschiedener Art, Ausgaben der Großgemeinden für die Schechitah, Bevölkerung in Holland und Luxemburg, Eheschließungen und Geburten in Hamburg, Religionsbekenntnis der im Jahre 1909 wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Reichsgesetze verurteilten Personen in Preußen. Es waren dies'im Jahre 1909 3525 Juden gegen 342 555 Verurteilte überhaupt. Aus der Miszelle über „Die Selbstmörder in Elsaß-Lothringen nach der Religion im Jahre 1909/10" fei hervorgehoben, daß der Prozentsatz der jüdischen Selbstmörder höher ist als der Anteil der Juden an der Bevölkerung; der der ersteren ist 1,82 (1909), 1-75 (1910, also etwas gesunken), während der Anteil an der Gesämtbevölkerung nur 1,62 beträgt. L. G. .4t ' — Poli tisch-anth r o pologische Revue. Monatsschrift für praktische Politik, für Politische Bildung und Erziehung auf biologischer Grundlage. Herausgeber: Dr. Schmidt-GibicheNfels. Thüringische Verlagsanstalt, Hildburghausen-Berlin. Der einleitende Aufsatz des Herausgebers: Das Judentum und der Radikalismus ist. eine jener häufig vorkommenden Schimpfereien, die sich in ein wissenschaftliches Mäntelchen hüllen. Statt einfach das anzunehmen, was der von dem Verfasser als Zeuge angeführte O. H. Schmitz rät, meint der Schreiber unseres Aufsatzes, der Radikalismus sitze, den Juden innerlich. Er schwatzt von häufigen Kreuzungen des Rabbi- und Händlertypus und meint, die sogenannten jüdischen Talente, namentlich unter den Dichtern, und auch, die neueren Aestheten hätten, wenn sie auch von dem christlichen Pöbel bejubelt würden, keine rechte Wirkung^ „wenn sie wüßten, wie ihr Gestammel auf Menschen von besserem Urteil und feinerem Empfinden wirkt, würden sie den Ehrgeiz, auch diesen etwas sein zu wollen, endlich fahren lassen." Zum Schluß'seines Gefasels meint der Verfasser, „wir gönnen den Juden ihre Eigenart, die sie, ohne sich selbst zu vernichten, oder sich eine eigene Heimat zu gründen, nicht mehr ändern können, aber sie müssen uns auch die unserige gönnen". Was sind das für törichte Reden. Wir, das heißt die unter uns, die überhaupt in Betracht kommen, kämpfen mit allen Kräften, uns deutsche Eigenart zu verschaffen, und da wagt man von uns zu . sagen, wir . gönnten den Deutschen ihre Eigenart nicht. Das soll eine wissenschaftliche Betrachtung sein. ui: Purim.^ Predigt, gehalten im Gotteshüuse der jüdischen Reformgemeinde von Dr. Joseph L e h m a n n am 3. März 1912, veröffentlicht vom Vorstände der Gemeinde. R e d e z u m 10 0. G e b u r t s t a g e A r o n B e r n st e i n s, gehalten im Gotteshause der Jüdischen Reformgemeinde von Dr. Joseph Lehmann bei der Seelenseier am 7. Tage des Passahfestes, 8. April 1912. Veröffentlicht vom Vorstande der Gemeinde. Lehmann ist ein Redner, der die Sprache meisterlich handhabt und dem die Gedanken reich Zuströmen. In der Purimrede wird die Bedeutung des Festes sowie des Estherbuches als eines Volksbuches sehr schön gewürdigt. Das letztere wird als typisches Buch charakterisiert, das die Judenfeinde auf dem Thron und in den Sälen der Großen für alle Zeiten, richtig darstellt. Sehr sinnig werden die Reden Hamans benutzt, um die Taktik der modernen Judenfeinde darzulegen/ - Die- Rede auf A. Bernstein, die ich selbst mit angehört und mit Genuß wieder gelesen habe, zeugt von einem ungemein geschickten Hineinleben in eine ferne Gedankenwelt und benutzt die Erinnerung an das Wirken eines Dahingegangenen zu sehr lichtvollen Hinweisen und Mahnungen für die Gegenwart. Es macht eine wirkliche Freude, diese trefflichen homiletischen Leistungen gedruckt und weiteren Kreisen zugänglich gemacht zu sehen. L. G. # — H e imke h r. Essays jüdischer Denker. Herausgegeben vom jüd. nat. akad. Verein Emunah, Czernowitz. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Leon Kellner. Verlag Louis Lamm, Berlin. Preis 2.50, geb. 3.50 Mark. Den etwas merkwürdigen Titel des Buches erklärt der Heraüsgeber in seinem kurzen Vorwort: Die Beitragenden hätten sich alle auf einem Wege zusammengefunden, auf dem Heimweg zu ihrem Volke. Es sind Männer verschiedenster Art, die hier das Wort ergreifen, aus Berlin: Nathan Birnbaum, Martin Buber, Davis Trietsch; aus Wien: Ernst Müller und Marek Scherlag; aus Lemberg: Majer Balaban, Samuel Rapoport, Adolph Stand; aus Genf: Samiel PäsmaNik; aus Czernowitz: der Herausgeber und je einer aus Dröhobycz (Max Rosenseld), aus Jerusalem (Salomon Schiller) und aus Tarnow (Ignatz Schipper). Die Abhandlungen sind verschiedenster Art, historische, ökonomische, politische Themata werden beleuchtet, dazu natürlich, wie man schon aus den Namen der Männer sehen kann, die wohl alle der zionistischen Richtung angehören, zionistische Themata. Die Hoffnung aus eine Neuerweckung des Volksbewußtseins wird wohl am naivsten und idealsten von Nathan Birnbaum ausgesprochen. Herr Martin Buber begnügt sich mit einem kurzen Vorwort zu seiner Auswahl chassidischer Legenden. Sehr gelehrte Abhandlungen werden von I. Schipper und M. Balaban beigesteuert. Die Sammlung muß, wenn sie auch nur zur Stärkung der zionistischen Ideen dienen soll, schon wegen der zuletzt erwähnten tüchtigen Beitrüge willkommen geheißen werden. L. G. * — Salomon Dembitz er: Vun meine Tag. Jargongedichte. Frankfurt a. M. Verlag von Sänger und Friedberg. Elegant'gebunden 0.60 M. Es sind dieselben traurigen Töne, die wir schon, oft gehört haben: sehnsüchtige Erinnerungen an die Vergangenheit, an die Jugendzeit des Dichters und an seine Heimat. Besonders trübe ist ein Lied, -worin der Dichter die Heimkehr in seine Vaterstadt'schildert, worin er

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