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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-16 · Heft 33 (16.8.1912) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 33 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
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Darum darf aber die Gefahr, die den russischen Juden droht, nicht unterschätzt werden. Die Ereignisse in Kiew zeigen deutlich genug, daß die Verbrecher mit der Möglichkeit einer Judenhetze zu rechnen wissen. Geringfügige Nebenumstände, schon die Zeit vor Ostern, reichen aus, um bei jedem Mord den öffentlichen Verdacht auf die. Juden zu lenken. Es ist daher dankenswert, daß der russische Jurist Julius Hessen die Geschichte der.bisherigen Nitualmordprozesse in einem kleinen Werk zusammengestellt hat (Moskau, Verlag Sowremennja Problemh 1912), das jedem unbefangenen Russen die Augen über die Haltlosigkeit der Legende, nicht minder aber auch über ihre öffentlich-rechtliche Bedeutung öffnen muß. * Ein Herr Ernst Kämpfer fühlt sich bemüßigt, in der „Deutschen Tageszeitung" einen Artikel zu veröffentlichen: „Heine, Geiger und Bartels". Ihm zu antworten, betrachte ich unter meiner Würde. Da er aber leugnet, daß anerkannte Forscher christlichen Bekenntnisses Bartels 'Heinearbeiten als unwissenschaftlich abgetan haben, so kann ich ihm nur den Rat geben, besser lesen zu lernen. Juden als Lrönder und Entdecker. Von Dr. MaxGrunwald. IV. Anis. Rät )ng. Ludwig Fuchs. uchs wurde!) mt Jahre 1858 in Horitz in Böhmen geboren, besuchte in Prag die Nikolander-Realschule, sodann die technische Hochschule, Faü abteilnng „Chemie", rnachte aus der Hochschule bereits eine Erfindung, die er dann auf der technischen Hochschule verwertete. Es war dies ein automatischer Apparat zur Erzeugung von Heiz- und Leuchtgas auf kaltem Wege aus Benzin usw. Viele von diesen Apparaten sind in verschiedenen Laboratorien in Verwendung. Im Jahre 1881 trat Ludwig Fuchs , nach Absolvierung der Hochschule in die. Zuckerfabrik in Beraun ein und erfand dort „Osmose-Regulatoren", die er im Lause der Zeit vervollkommnete. Später erfand er auch einenOsmose-ApParat,der sich selbst automatisch bedient und eine außerordentliche Leistung ausweist. Von diesen Apparaten sind über 160 außer in Oesterreich und Ungarn im Betriebe in Frankreich, Italien, Rumänien, Spanien, Amerika und.Java. Nach zehnjährigem Dienst in Beraun trat Ludwig Fuchs als Direktor in die Zuckerrasfinerie Schönpreisen ein, und drei Jahre später kam er als Direktor nach .Braunschweig. Von hier aus wurde er nach Lundenburg in die Kuffnersche Zuckerfabrik und Zuckerrasfinerie berufen, er leitete diese Fabrik als Direktor 10 Jahre und erfand hier die meisten Neuerungen aus dem Gebiet der Zuckersabrikation als: Nächproduktenvakuum, Würselzentrifugen, Resriganten, Deckapparate und das Deckverfahren. Von diesen Apparaten sind Deckapparate in vielen 100 Exemplaren in allen Zucker erzeugenden Ländern der Welt in Benutzung. Die Nachproduktenvakuen sind in Oesterreich und Ungarn, das Deckversahren in den ersten Raffinerien Oesterreichs und Deutschlands in Benutzung. Ludwig Fuchs ging dann nach Rohrbach, wo er VA Jahre als Direktor der Zuckerrafsinerie tätig war. In diese Zeit fällt die Erfindung zweier Systeme von Zentrifugen mit kontinuier- ■ kichern Laufe und intermittierender Füllung und Entleerung. Seit diesem Jahre sind die beiden Systeme in Diöszegh (Ungarn) und Sokolnitz (Mähren) mit bedeutendem Erfolge im I Nach einer handschriftlichen Autobiographie. Betriebe. Sie wirken aus dem ganzen Gebiete der Zentrifugen bahnbrechend) - Es sei hier noch bemerkt/ daß Ludwig' Fuchs im Jahre 1885 mit dem Gasapp.arate auf kaltem Wege, der automatisch funktionierte und in allen Ländern patentiert wurde, bei der Firma Breitseld u. Daniel, Prag',' Versuche zum Betriebe von Wagen und Motoren machte, die von großem Erfolge begleitet waren. Da er jedoch seinem Beruf als Zuckerfabrikchemiker im Herbste 1885 nachgehen mußte, konnte er die Versuche nicht sortsetzen. Hieraus fand er im Frühjahr 1886 in den Münchner Fliegenden Blättern das erste betriebsfähige Automobil der Firma Benz, Mannheim, annonciert. Bei dieser Firma war der Ingenieur Weichhold im Herbst 1885 eingetceten, mit dem Ludwig Fuchs die Versuche zum Betriebe von Motoren bei Breitfeld und Daniel gemacht hatte. Ludwig Fuchs urteilt hierüber: „Ich will damit nicht gesagt haben, daß die Firma Benz meine Erfindung ausnutzte, es ist ja möglich, daß wir in den Versuchen parallel gegangen sind. Jedenfalls dürste Herr Ingenieur Weichhold die Ersahr.ungen.bei meiner Erfindung, die ew mit mir gemacht hat, der Firma Benz zur Verfügung gestellt h aben." Ostern 1903 wurde Ludwig Fuchs aus Grund der Erfindungen und Neuerungen in der Zuckerindustrie taxfrei der Titel „Kaiserlicher Rat" verliehen. Von der Stadtgemeinde Lundenburg wurde ihm ein prachtvolles Silberservice mit der Gravüre: „In Anerkennung der hervorragenden Verdienste die Stadt Lundenburg" überreicht. In der Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Aussig im Jahre 1894 erhielt er auf die ausgestellten Erfindungen und Apparate die höchste Auszeichnungdas Ehrendiplom, ebenso in der Prager Industrie-Ausstellung 1889. 1907 wurde er auf 6 Jahre vom Kaiser zum Mitgliede des Landesschulrates in Mähren (böhmische Sektion) ernannt. - Die Patente von Ludwig Fuchs sind in österreichischen und ungarischen Fabriken in großer Anzahl im Betriebe, insbesondere die Osmogene „Rapid" und die Streudüsen-Deckapparate, die auch im Auslande, insbesondere in den Zuckerfabriken in Rußland, Schweden, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland/Spanien, Italien, Rumänien, Serbien, Amerika und den Zuckerkolonien in größerer Anzahl mit sehr gutem Erfolge im Gebrauch sind. Die Nachprodukten-Rührvakuen sind in böhmischen, mährischen und ungarischen Zuckerfabriken ausgesührt. Die erstklassigen Maschinenfabriken, als: Maschinenbau- Aktiengesellschaft vormals Breitseld, Daniel und Komp., Bromovsky, Schulz und Sohr, A.-G. für Maschinenbau Brand und Lhuiller haben das Ausführungsrecht der Ludwig Fuchsschen Patente und bieten diese in der Zeitschrift für Zuckerindustrie den Zuckerfabriken an. In dem jüngst erschienenen Werke W. Gredinger, Die Raffination des Zuckers (Wien 1908) wird Ludwig Fuchs als Autor einigemal genannt, so aus Seite 11 (seine patentierten Streudüsen), auf Seite 90 (sein Deckverfahren) lobend erwähnt. Ferner ist dort verzeichnet Seite 222 sein Nachproduktenversahren und aus Seite 232 sein Osmose-Apparat (Beilage 15). Von Ludwig Fuchs sind auch in den verschiedenen Zuckerzeitschristen Artikel veröffentlicht worden. Professor Guido Krasst, Wien, hat in einem Feuilleton des Ekonomist der „Reuen Freien Presse" Ludwig Fuchs' Erfindungen, welche in der' Zuckerfabrik in Lundenburg eingeführt sind, lobend erwähnt. i) Eine Fontaine lumineuse eigener Konstruktion führte Fuchs 1893 in der. Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Aussig und das Jahr darauf in der Industrie-Ausstellung in Freiberg in Sachsen vor. . »ÄMe ■

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