Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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76. Jahrgang Nr. 32 Berlin, 9. August 1912 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. LorrrlMndenM und Kachrichtm Deutschland. LL Berlin, 6. August. Die' neue. Synagoge in der Fasanenstraße in Charlottenburg, die nach OnKvürsen des Architekten Hessel erbaut würde, ist nun nahezu fertiggestellt und wird End e d i es. e s. Monats in Anwesenheit eines ka i s e r l ich e n Prinzen . eröffnet werben.,. Has, .Gebäuden ist -.ein - .Mchtiger. Kuppelbau, in Anlehnung an die südfranzösische Romantiki,gehalten. Die drei Kuppeln sind in .Eisenbetonbau ausgesührt.. EkWsoist der Figurenschmuck der Fassade in südfranzösischem Stil galten.. Die große Bethalle chyt. ..Platz .für zweitausend Personen uydM reich, aber indiskretem Hirkuyg, mit Gold drapiert Nur an den besonders hervortretenden Architekturen, wie am Hochaltar, haben reiche'Mosaiken Verwendung gefunden. Ein besonderes Schmuckstück wird der 80 Quadratmeter große Trausaal bilden. Die Wände dieses Raumes, zu dem mächtige Bronzetüren führen, .werden mit Kadiner Kacheln im romanischen Stil verziert. Die-Modelle dieser. Kacheln werden gegenwärtig in. Gips mit entsprechender.Bemalung sertiggestellt. Erst nach Genehmigung der Modelle durch den Kaiser werden die Kacheln in Kabinen angesertigt. Der Boden des Trausaales besteht aus Marmor, ebenso sind die Wandabteilungen mit Marmorplatten belegt. Berlin, 6. August. Der Geh. Sanitätsrat Dr. Julius B l u m e n t h a l, der seit Jahrzehnten dem Repräsentanten-Kollegium der Berliner jüdischen Gemeinde angehört,- beging, wie bereits mitgeteilt, am .29, v.. M. in erfreulicher Rüstigkeit sein goldenes Doktorjubiläum. Der Jubilar, als. Mensch wie als Jude allgemein geachtet und verehrt,, wurde, wie wir in der „Bossischen Zeitung" lasen,- am. 2. März 1836 in Kroppenstedt bei Egeln in der Provinz Sachsen geboren, , Nachdem er das Gymnasium in Hälberstadt absolviert hatte, studierte er in Berlin Medizin und schloß sich besonders Ludwig T r a u b e an, in. dessen Laboratorium er fleißig arbeitete. Seine Doktordissertation, auf Grund deren er vom Dekan, dem Anatomen Reichert, promoviert wurde, lautete „lieber die Behandlung der Diabetes mit Chinin". Sie erregte seinerzeit in wissenschaftlichen Kreisen berechtigtes Aufsehen. Nach bestandenem Staatsexamen wurde Blumenthal zunächst Assistent bei Albr echt v. Grä-se und später am jüdischen Krankenhause unter Herzberg. Sodann wandte er sich der allgemeinen Praxis zu, in der er sich bald der vornehmsten Klientel erfreute.. So war er lange Jahre Arzt und Freund Des Hauses beim Fürsten Radziwill, beim russischen Botschafter Grafen Schuw a l off und beim französischen Botschafter H e r b e t t e. — In seiner bescheidenen Art entzog sich Geheimrat Blu menthal allen festlichen Veranstaltungen und. verlebte fern von Berlin, in Venedig, Den. Jubeltag, der ihm dennoch viele Ehrungen brachte. Der Kaiser verlieh ihm den Roten Adlerorden. 3. Klasse, und die hiesige Universität ließ ihm durch seinen Sohn, Prof. Ferdinand Blumenthal, das erneuerte Doktordiplom überreichen. Eine Fülle vonBlumen und zahlreiche inseiner Wohnung Bendlerstraße 20 eingegangene briefliche und drahtliche Glückwünsche legten Zeugnis dafür ab, wie man nah und fern des. Jubilars gedachte. Möge dem greisen Jubilar, der dem deutschen Judentum zur Zierde gereicht, ein recht langer und . ungetrübter Lebensabend beschieden sein. 6. I. Berlin, 6. August. Die Berliner Akademie der Künste schreibt die Wettbewerbe um die Pr ei s e de r beiden Michael- Beerschen.Stiftungen aus. Der Preis der ersten Stiftung, der abwechselnd für, Maler und Bildhauer jüdischer Religion bestimmt ist, muß in diesem Jahre einem Maler zusallen. Zur Bewerbung sind mindestens zehn Oelbilder und Studien, einzureichen. Die Wahl der darzustellenden. Gegenstände bleibt dem Bewerber überlassen. Der Preis der zweiten Stiftung,, zu dem Bewerber al l e r Konfessionen zugelassen -sind, wird, diesmal für Bildhauer ausgeschrieben. Als Preisaufgabe wird ein Relief für einen Musiksaal in der-Größe von 1,00:1,30 Meter. Querformat gestellt. Die Figuren im Vordergrund müssen eine Körperlänge von 70 Zentimetern haben. Gleichzeitig mit dem Konkurrenzwerke sind Naturstudien ' und eventuell' Kompositionsskizzen, zur Beurteilung des Studienganges'des Bewerbers einzureichen, höchstens zehn. Für beide Wettbewerbe muß der Bewerber zwischen 22 und 32 Jahren alt sein und seine Studien aus einer deutschen Akademie gemacht haben. Die Arbeiten sind bi§' ^urn 4. November einzureichen. Der Preis besteht beidemal in einem Stipendium von 2250' Mark zu einer einjährigen Studienreise nach Griechenland und wird im November dieses Jahres zuerkannt. Berlin, 1. August. Wir werden um den Abdruck folgender Bekanntmachung ersucht: An die verehrlichen Vorsitzenden und Vertrauensmänner der Komitees der A. I. U. in Deutschland. Unter Bezugnahme aus die in Heft 6 (Juni-Heft), S. 579, der Zeitschrift „Ost und West" veröffentlichte „Bekanntmachung" ergeht an die Herren Vorsitzenden und Vertrauensmänner, nunmehr die dringende Bitte, die noch rückständigen Mitgliederbeiträge bzw. den Beitrag für düs Kalenderjahr 1912 baldmöglichst an die Zentralleitung in Paris, 46 rue La Bruy&re, oder an solche Komitees, die bisher die Beiträge an das Zentral-Komitee abgeliesert haben, wie Köln, Mannheim, Nürnberg, oder auch an die zu diesem Zweck von uns eingesetzte und allein zuständige Vertretung in Deutschland (Adresse: Deutsches Bureau der A. I. U., Berlin-Charlottenburg, Grolmanstr. 48) einzusenden. Wir machen bei dieser Gelegenheit aber noch besonders darauf aufmerksam, daß diejenigen Mitglieder, die unserem Ersuchen an eine der vorgenannten Stellen ihren Beitrag abzuführen und ihrem Lokal-Komitee diesbezügliche Weisung zu geben, nicht entsprechen, aus eine weitere Zusendung der illustrierten Monatsschrift „Ost und West" nicht mehr rechnen können. Paris, den 18. Juli 1912. I. A. des Zentral-Komitees der %. U. Der Präsident N. Leven. csv Königsberg i. P., 1. August. Herr Rabbiner Dr. Coblenz in Bielefeld hat in seinem in Nummer 30 dieser Zeitschrift zum Abdruck gelangten Artikel „Versicherung der jüdischen Beamten bei Kommunal-Pensionskassen" meine in Nummer 27 erschienenen Ausführungen zu widerlegen versucht. Meinen Haupteinwand gegen die Kommunal-Pensionskassen, daß die Versicherten dieser Kassen ihre Ansprüche an diese verlieren, sofern sie freiwillig oder gezwungen eine neue Stelle bei einer der bestimmten Kasse. nicht angehörenden Gemeinde annehmen, muß Herr Dr. Coblenz gelten lassen. Er bemerkt aber dazu, daß er diesen UmstanH'fü.r vollständig nebensächlich halte. Vollziehe ein Beamter trotzdem, etwa um sich im Gehalt zu verbessern, den Wechsel'in. seiner Stelle, s o müsse er.eben die Konsequ enzeMkrag en.' — Dieser Standpunkt widerspricht einer selbst vom Staate eingenommenen fürsorglichen Gesinnung gegen den Beamten. /.Auch das Angestelltenversicherungsgesetz sucht es zu behindern, daß die.'Versorgungsversicherung der Privatbeamten durch die Freizügigkeit beeinträchtigt werde. Der Stellenwechsel zur Verbesserung-der Einkommenverhältnisse ist für die im allgemeinen schlecht.besoldeten Privatangestellten. eine wirtschaftliche Notwendigkeit, Und. wir wissen, wie sehr dies speziell auch bei den jüdischen Gemeindebeamten zütrisst. Das Bürgerliche Gesetzbuch gestattet darum dem Angestellten, einen für längere. Zeit abgeschlossenen Anstellungsvertrag unter bestimmten Umständen vorzeitig zu kündigen. — Herr Dt: Coblenz berücksichtigt dabei noch gar nicht die Kündigung aus Willen der Gemeinde. Der Beamte hat dann schon eine böse Konsequenz daraus, die Sorge um feine nächste Zukunft zu tragen; nun soll er auch noch die andere, die seine verlorengehende Versorgung betriM ganz schuldlos aus sich nehmen?. Herr Dr. Coblenz'wird, vielleicht seine Ansicht darin selbst nicht, mehr aufrecht erhalten mögen. Daß die definitive Anstellung eine notwendige Bedingung für drei -bei den Kommunalkassen versicherten jüdischen Beamten zur wirklichen Sicherung ihrer Versorgung ist, erkennt Herr Dr. Coblenz auch an. Er berichtet, wie sehr sich der Westfälische Gemeindeverbänd bemüht, die' ihm zugehörigen Gemeinden zur Bewilligung dieser Forderung zu bewegen. Wenn Herr Dr. Coblenz und mit ihm. der Verband der Meinung ist, daß dies bei den in Betracht, kommenden Gemeinden leicht, durchzuführen sei, dann hätte der Verband die Eingabe, der.Kassenverwaltung