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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-09 · Heft 32 (9.8.1912) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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— Eollektanea zur Geschichte der -Juden> im Hannover! a n d von W. Z u ck e r m a n n, . Hannover, Wilh. Riemschneider 1912. ' Es sind im ganzen sieben- Abhandlungen,deren Titel lauten: 1. Zum alten Friedhof der Shnagogengemeinde Hannover. 2. Statistisches und zwar über die in dem Hannoverschen Landesgebiet wohnenden Schutzjuden 1700 und eine Ueberficht über die in Hannover wohnenden Familien 1718 sg., endlich eine Zusammenstellung über das jüdische Schulwesen 1861: 3. Aus der französisch-westfälischen Zeit. 4. Ein Gutachten des Landrabbinatsverwesers Adler über die frühe Beerdigung der jüdischen Leichen. 6. Die Annahme bleibender Familiennamen bei den Juden im Königreich Hannover, die dem Jahre 1827 angehört. - ' 6. Zur Emanzipation der Juden im Königreich Hannover. 7. Formular eines Judoneids aus dem 17. Jahrhundert. Alle diese Mitteilungen sind von recht großem geschichtlichen Interesse. Der allgemeinsten Aufmerksamkeit ist Nr. 4 zu empfehlen. Zuckermaun benutzt für seine Darlegungen ausschließlich die Akten, er läßt meist die Zeugnisse selbst sprechen, seine Darstellung ist anspruchslos-und lehrreich. L. G. >* ■ ■ — C h r. Sion. Das moderne Ghetto. Berliner Roman. Hesperus Verlag. 1611. Ferientage im herrlichen Walde, am rauschenden Bache, im Anblicke hochragender Bergriesen sind wohl geeianet, literarische Lücken zu füllen, die angestrengte Tagesarbeit klaffen läßt. Doch Genuß und Anregung, Erhebung und Belehrung soll mir die Lektüre bieten, nicht Abscheu einflößen und Widerwillen. Daher ist es ernste Pflicht des Kritikers, hinzuweisen auf Gutes und zu warnen vor Minderwertigem. Warnen diese Zeilen vor der Lektüre des „modernen Ghetto", das ein fader Missionsprediger — anscheinend ein getaufter Jude — geschrieben bat, um in der flachsten, oberflächlichsten Weise zur Taufe einmladen. Die Fabel ist einfach genua: der Sobn eines wegen seines Judentums, nur Extraordinarius gebliebenen Professors läßt sich heimlich aus Ueberzeugung taufen und heiratet eine richtiggehende Christin. Ohne jegliches Verständnis für den jüdischen Teil der deutschen Bevölkerung wird mit breitem Behagen ausgeführt, was noch an kleinen und großen Unarten in manchen jüdischen Kreisen zu finden ist; es wird gezeigt, wie sie nicht zu essen und sich zu kleiden verstehen, wie wenig wirkliches Verständnis für Kunst und Wissenschaft sie haben, wie ihr einziges Interesse nur Geld ist. Die Minderwertigkeit des Judentums gegenüber dem Christentum wird hervorgehoben und bewiesen an der törichten Fabel, daß „Äug' um Aug'" der Inbegriff jüdischer Sittenlehre ist, obwohl jedes Kind den bildlichen Sinn dieses Rechtssatzes, nicht Sittenkodexes, erkennen müßte, Eine Spur von Schamgefühl läßt den Verfasser zwar.Hinweisen auf die Bedeutung, des Dogmas vom einzig-einzigen Gotte gegenüber, dem Dogma der Trinität, doch beseitigt er mit billigen Redensarten die ihm wohlbekannten Schwierigkeiten. Auch deutet er nicht, an, welches Christentum denn das wahre ist, zu dem ein Uebertritt geboten. Ist es das Papsttum, ist es der Protestantismus, ist es die liebeerfüllte Lehre eines. Stöcker oder die. Dom hohen Konsistorium in Bann getane eines Jatho? Eigenartig ist es, daß auf einer der letzten Seiten des Buches es dem Schreiber — Dichter kann man nicht gut sagen, dazu fehlt es dem Roman gar zu sehr an jedem Schwung — so geht wie jenem heidnischen Priester: zu fluchen kam er, doch mußte er segnen. Eine seiner Lieblingspersonen sagt: „Ich ärgere mich über ihre Untugenden oft genug .... es gibt unter ihnen recht gediegene und edle Menschen; natürlich oft stören Aeußerlichkeiten, aber sie sind fast alle bildungsfähig und streben nach der Höhe. ... es ist nicht ganz richtig, so einfach den Stab über ein ganzes Volk zu brechen. — Den Stab aber wollen pur brechen über diesen Missionsprediger, der jüdische Intelligenz doch gar zu. gering einschätzt, wenn er glaubt, durch seinen Roman mehr zu erreichen, als ein wenig Anschüren niederen antisemitischen Hasses.; W. F. — Helldunkle Iahre. Gedichte von Georg I. Plotke. Buchschmuck von Wilhelm Kuh. Zweite vermehrte Auflage. Straßburg i. E. und>.Leipzig. Verlag von Josef Singer. 1912. „Ein verheißungsvolles Gedichtbuch" nennt L. Ganghofer diese neue Erscheinung: Von den Leistungen dieses jungen Dichters haben wir unseren Lesern bereits eine Probe gegeben. Die vorliegende Sammlung ist keineswegs' bloß jüdischen Inhalts: - Wie'schon der Titel der einzelnen Abschnitte zeigt: „Nacht und Traum", „Liebe", „Widmung" und „Bekenntnisse", „Aus dunklen Stunden", „Bilder und Stimmungen". Es sind schön tönende, wohl gelungene, oft auch inhaltsreiche Verse. Besonders gut gefallen haben mir die zahlreichen schönen Bekenntnisse, die an den verstorbenen Vater und an die noch lebende Mutter des Dichters gerichtet sind. Ich hoffe, die Leser werden meinem Urteile beistimmen, wenn sie das 'treffliche Lied „Seitdem der Vater mich verlassen" kennen, lernen, das ich mit ausdrücklicher Erlaubnis des Verfassers hier folgen lasse: - Seitdem der Vater mich verlassen. Seitdem der Vater mich verlassen Sind meine Knabenträume'aus,. Ich wand're fröstelnd durch die Gassen. Und habe Heimat micht noch Haus. . Zwar tut ihr viel für mich; doch wenig ' Habt ihr an meinen Stolz gedacht. Und eure Gnade hat den König - In mir beinah' zum Tod gebracht.' Was soll mir dieses Daseins Jammer? . - Ich bin von stolzerem Geschlecht. Ich krampfte in die Faust den Hammer Und schmiede selbst mein Glück zurecht. Und sollte ich mein Unglück schmieden. So schuf ich's selbst im Morgenrot; Geschenktes Glück, geschenkter Frieden Ist elend, — lieber Not und Tod! L. G. „ * V — Dr. Marcus Land au :' Hölle und Fegfeuer in Volksglaube, Dichtung und Kirchenlehre. Heidelberg, Carl Winters Universitätsbuchhandlung. XIX.und 296 Seiten. - s Das ist nicht nur ein wissenschaftlich tiefgründiges, zugleich, namentlich in anbetracht des überaus schwierigen, vielfach spröden Stoffes, glänzend-stilisiertes literarisches Werk. Es ist auch ein jeden gebildeten und über religiöse'oder verwandte Fragen nachdenklichen, jüdischen Leser fesselndes, stellenweise sogar bestens unterhaltendes Büch, geschrieben von einem bejahrten, aber gottlob noch körperlich wie gerstig wundersam frischen Mann, der ein Stolz jüdischer Gelehrsamkeit und eine Autorität in vergleichender Literaturgeschichte, besonders nach der italienischen Seite hin, wie auch ' der literarisch-kulturhistorischen Volkskunde,' hier nach jahrelangen Quellenstudien die Fülle seiner Ergebnisse über die Anschauungen der Menschheit vom Jenseits, den Wegen dahin und den Beziehungen zum lebenden und toten Erdensohne buntfarbig da ausbreitet. Fr. Sxrechfaal. err Prof. O. Holtzmann-Gießen schreibt in dem „textkritischen Anhänge" zu seiner mir unlängst zu Gesicht gekommenen Ausgabe des Mischnatraktats Berakhoth: „Ich benutze eine mir sekundlichst zur Verfügung gestellte sehr pünktliche Kollation des wertvollen Kodex Kaufmann in Budapest."? / Diese Kollation ist mein Eigentum und meine Arbeit; sie ist von einem Gelehrten, dem ich sie zu andrem Zwecke geliehen hatte, ohne mein Wissen samt andrem Material Herrn Hohtzmann gegeben worden. Dieser hat, wem sie gehört, noch vor Vollendung seines Buches erfahrender hat es aber nicht für nötig gehalten, sich mit mir deshalb, in Verbindung zu setzen, ja er hat nicht einmal meinen Namen genannt, obwohl er wissen mußte, daß ich diese Kollation für meine seit Jahren, zuletzt in der Vorrede zum Traktat Pesachim, angekündigte . Ausgabe des Traktates Berakhoth gemacht hatte. Das Urteil über diese Handlungsweise überlasse ich allen billig denkenden Gelehrten. Berlin-Lichterfelde 24. Juli 1912. D. Herm. L. Strack.

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