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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-09 · Heft 32 (9.8.1912) · p. Seite 383

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
Seite 383 (sequence 11)
Language
German
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zählt. Das Kapitel „Neubildungen" interessiert uns nur scheinbar, weil in demsMensich ein/Abschnitt' „Der Zionismus Dowies" findet. Dieser über >Handelt ' nicht' von einem Juden,' sondern von einem schottischen Prediger Dr. John Alex Dowies, -der eine kommunistische Niederlassung „Zion City" gegründet hat. Von hoher Wichtigkeit aber ist das Kapitel „Das amerikanische Judentum".' Um seine Bedeutung darzutun, drucke ich hier die Ueberschriften der einzelnen Abschnitte ab: Verwandte Züge bei Juden und Puritanern. Das orthodoxe, konservative und liberale Judentum. Moderne Deutung des messianischen, Gedankens. Änknüpsen an die Mission Christi. Einfluß: des neu- Nieltlichen Lebens auf die Eingewanderten'. Wohltätigkeitspflege und Vildungsanstalten. Betätigung desGemeinsinns.' Die Einwanderung aus slawischen Ländern. Orthodoxie und - Radikalismus. , Weitgehende Zersetzung der neueren Einwanderung. Ein typischer Fall. Geringer Erfolg christlicher Missionen. Die Juden in. den Südstaaten. Judaifierung des Amerikanertums. Der „weiße Sklavenhandel". Abschaffung des Sabbats. Der Zionismus. Die Zukunft des amerikanischen Judentums. Wie weit alles das hier Mitgeteilte richtig ist, bin ich' nicht in der Lage zu beurteilen. Ob Jakob H. Schiff wirklich die ihm zugeschriebenen Worte „Wir Juden achten und verehren Jesus, wie unsere eigenen Propheten, die ihm vorangingen", gebraucht hat, will mir fraglich; erscheinen, vermutlich ist es entweder ein im Gespräch gefallener oder aus dem Zusammenhang gerissener Satzder doch in der Verbindung, in der er gesprochen worden ist, eine etwas andere Bedeutung haben soll. Im allgemeinen scheint mir der Verfasser über das innere Leben der jüdischen Gemeinden weniger unterrichtet als über ihre Beziehungen zu Staat und Gesellschaft. Der ganze Abschnitt schließt mit dem Satze: „Ob bei dem Aufhören jeglichen äußeren Druckes die innere Widerstandsfähigkeit auch in vollster Freiheit und im Besitz aller Rechte sich behaupten läßt, ist eine offene Frage." Gerade die häufigen Proteste gegen Mischehen' beweisen,, daß der Verschmelzungsprozeß schon begonnen hat. In einem New Zorker Blatte stand der Satz: „Es sollte keine Judenfrage in diesem Lande geben. Sie ist., unvereinbar mit den Grundsätzen seiner sozialen und politischen Organisation". Sicher gibt es in Amerika Juden, die diese Ansicht'teilen. Danach würde das Wort Chamberlains von dem „Fremden'Element", das „im Besitz seiner nationalen Idee, seiner nationalen Vergangenheit, seiner nationalen Zukunft, die Berührung mit anderen Menschen wie eine Verunreinigung empfand und noch heute empfindet", haltlos erscheinen. Wie man aber auch diese Frage beantworten mag: die Einverleibung eines Stammes in ein freies und mächtiges Volk, die nicht widerstrebend ertragen, sondern von dem Wirtvolk als eine Bereicherung künftiger Entwicklungsmöglichkeiten ' begünstigt wird, ist kein unwürdiges Los. Und in Erinnerung an denkwürdige Gesetzgebertaten einer morgenländischen Vorzeit heute an den sozialen Neugestaltungen des westlichen Freistaates kraftvoll. Mitwirken zu dürfen: mit diesem Schicksal könnte Israel wohl zufrieden sein. Es wäre sehr gut, wenn einer unserer amerikanischen Freunde seine Ansichten über Müllers Bemerkungen aussprechen wollte, ich würde ihm sehr gern den Raum in diesem Blatte gewähren. L. G. 4K , — S. Weißenberg, Z u r A n t h r o Po l ogie der n o r d - afrikanischen Juden. Mitteilungen ■ der Anthropologischen Gesellschaft zu Wien. 42. Bd. 2. Heft, 1912. Der Verfasser hat gelegentlich einer Stnoienreise durch Nordafrika Messungen an der dortigen jüdischen Bevölkerung vorgenommen, die er eben veröffentlicht. Ein historischer Ueberblick wird vorausgeschickt: Die Einwanderung der Juden in Aegypten unter Jakob sowie der von Jeremia beglaubigte Zuzug Anno 686 v. Chr. haben die Verbindungen von Aegypten und Palästina frühzeitig angebahnt. Von 626 bis 611 v. Chr. bestand im Süden Aegyptens, in Elephantine, ein jüdischer Tempel, der zu einem geistigen und religiösen Zentrum des Judentums wurde. Nach Zerstörung dieses Tempels sind die Juden wohl infolge von Verfolgungen nicht nur nach Norden, sondern auch nach Aethiopien gelangt, wo sie vielleicht den Grundstock der, späteren jüdischen Gemeinden legten. Zur Zeit der Entstehung des Christentums finden wir in Alexandrien zwei Fünftel seiner Bewohner (etwa zweihunderttausend Seelen) aus Juden bestehend. Die Gesamtzahl der ägyptischen Juden schätzte Philo ' aus eine Million. Dann kamen, die. Judenverfolgungen unter Caligulä und der Judenausstand unter Trajan Anno 116/ Damals sind wohl viele Juden aus Aegypten und Chrene weiter nach Westen gewandert. So entwickelte sich Marokko allmählich zu. .einem- - netten- -Mischen Zen- ' trum von so 'großer . Bedeutung, daß viele Berberstümme das Juden- : tum aunahmeu. Sogar ein jüdisches Königreich, gelangte hier zu; vorübergehender Bedeutung.' Die Nähe der Iberischen Halbinsel brachte; ein Herüber- und Hinüberwandern mit sich. Die ägyptischen Juden- \ heit war inzwischen auch wieder erstarkt. Die heutige Zahl der j jüdischen Bevölkerung Nordafrikas wird auf dreihünderttausend Seelen! geschätzt. ' ■; Im ganzen wurden dreißig marokkanische und fünfzig ägyptische i Juden untersucht. Letztere teilt Weißenberg in die Talmudisten und j Karäer ein. r Aus den Messungen sei einiges hervorgehoben: Die nordafrikanischen ' Juden scheinen von West nach Ost an Körperhöhe bedeutend zuzu-! nehmen (163,2 bis 169).. Der Brustumfang ist bei den ägyptischen. : Juden gleich der halben Körperhöhe. Die Karäer sind ausgesprochen : dolichozephal, während die Marokkaner und ägyptischen Juden meso- I zephal sind (Kopfindizes: 74,6 bis 76,3 bis 77,5). Die Gesichtsform ist meist oval oder langoval. Allsfallend ist das verhältnismäßig nicht häufige Auftreten der semitischen Nase in etwa Zwanzig Prozent der beobachteten Fälle bei den ägyptischen' Juden und Käräern, dagegen -.bei den Marokkanern in einem Drittel-der Fälle. Die Hautfarbe ist j fast stets hell, das Haar überwiegend dunkel, in achtzig Prozent schwarz, j die Iris meist tief dunkel. Vergleicht man diese Maße mit denen der russischen Juden und .Karäer, so -erhellt, daß wir es hier mit zwei körperlich verschiedenen Gruppen zu tun haben. Die Unterschiede drücken sich besonders in der Form des Kopfes, die bei den nordafrikanischen Juden bedeutend länger ist, und im Farbentypus aus. Auffallend ist das Fehlen oder höchst seltene Vorkommen des blonden Typus unter den nordafrikanischen. Juden. Unter den russischen und europäischen Juden haben wir etwa 10 Prozent Blonde und nur 58 Prozent Brünette gegen 93 Prozent solcher unter den afrikanischen Juden. - Nach Weißenberg lebten wahrscheinlich von alters her somatisch verschiedene jüdische Gruppen in Europa und Afrika. Er vermutet in den.nordafrikanischen Inden den ursprünglichen Typus und zieht für den vom Semitischen abweichenden Körperbau per heutigen europäischen Juden, den .Verdacht auf Proselhtismus heran. Die Arbeit ist mit zahlreichen Tabellen und mit sechs Abbildungen wach Photographien des Verfassers ausgestattet. 0. 8trau8s. H- — Musikgesellschaft und Liedertafel. Worms. Denkschrift zur 100 jährigen Jubiläumsfeier von S. Rothschild. 1812 -1912. Buchdruckerei Eugen Kranzbühler, Gebr. Cnyrim, Worms a. Rh. Scheinbar hat dieses Büchlein mit unseren Zwecken nichts zu tim. Da aber Juden bei dem Feste beteiligt waren, wie u. a. der unseren Lesern wohlbekannte Professor Gernsheim, und da diese Schrift von . unserem Mitarbeiter, Herrn-Lehrer S. Rothschild verfaßt-ist,, der auch in dem geschäftsführenden Ausschuß der Gesellschaft ist, so sei sie hier kurz und lobend-erwähnt. Sie ist sehr hübsch und geschmackvoll ausgestattet und gibt ein lebendiges Bild von dem Musikleben einer süddeutschen Stadt. I.. G. * — Reines Menschentum von August v. Reinhardt. Berlin. Verlag von Alfred Unger. 3. Auflage. Berlin 1911. Mit einem biographischen Geleitwort und dem Bildnis des Verfaffers/ Reden eines Verstorbenen (1827—97), eines ehemaligen hohen Militärs, der zu seinen Brüdern, den Freimaurern spricht. Doch' diese Auseinandersetzungen über Menschentum und Humanität sind so edel, daß man sie auch weiten Kreisen empfehlen kann. Freilich, der Verfasser ist Christ, und als solcher verwechselt er gar zu leicht Humanitätsgedanken mit Christentum. Wenn er z. B. (S. 115) sagt: „Ja, sogar auch der heutige gebildete Jude entzieht sich nicht den , Einflüssen dessen, was im Christentum als Humanitätsgedanke sittlich ’ hoch steht", so ist das irreführend. Der Verfasser hätte vielmehr daran deriken sollen, daß die großen humanen sittlichen Gedanken des Christentums, die in ihrer Erhabenheit keineswegs angetastet werden können, nicht neu, sondern nur eine Wiederholung, zum Teil Ausweitung jüdischer Gedankensind. Gewiß sollen und können Juden und Christen sich in dem Gedanken der Humanität zusammenfinden, aber die Juden brauchen dabei nichts von Christen zu lernen, weil sie diese Gedanken bereits als ihr Eigentum besitzen. L. G.

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