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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-08-09 · Heft 32 (9.8.1912) · p. Seite 380

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
Seite 380 (sequence 8)
Language
German
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ketten gibt/- Dieses Reskript teilte die Posener Kriegs¬ und-' Domänenkammer sämtlichen Steuerräten ihres Departements am 23. Januar 1802 mit. Aus den Antworten der Steuerräte hebe ich zwei hervor, die zeigen, wie David Friedlaenders grundlegende Ansichten und Wünsche von aufgeklärten preußischen Regierungsbeamten richtig erfüllt und vollauf geteilt wurden. Der Posener Kriegs- und Steuerrat v. Timroth schreibt am 16. April 1802: „Der Name Jude! wird nun zwar vertigt, aber damit immer nicht sein Character, welcher beh dieser Nation noch von der Art, daß vielleicht ein halbes Seeulum vergehen dürfte, ehe er sich den Christen nähern wird. Ihre Erziehungs- Anstalten taugen nichts, und mit diesen würde der Anfang zu machen seyn, sie zu verbessern. Ihre Religion 'und die damit verbundenen vielen Ceremoniels, so wie ihre Vorurtheile, ein erhabeneres Volk als alle übrigen Nationen vor Gott zu sein, halten sie von der näheren Gemeinschaft mit der christlichen bürgerlichen Gesellschaft zurück, und so lange sie nicht selbst Hand an legen sich zu kultivieren, besonders aber ihr moralisches Verhalten gegen andere Religions-Verwandte verbessern/ wird der wechselseitige Haß und Verachtung nie ausgelöscht werden. Es ist also ein nothwendiges Bedürfnis, das jüdische Schulwesen zu verbessern, da dies der einzige Weg ist, sie für die bürgerliche Gesellschaft empfänglich zu machen." Und der Rawiczer Steuerrat Hoffmann meldet unter dem 21. Mai 1802, daß die obige „huldreiche Absicht bei den Gemeinden in den Städten der ihm anvertrauten Inspektion, die stärksten Empfindungen des Dankes hervorgebracht, und ihnen nur noch den Wunsch übrig gelassen habe, daß Ew. Königliche Majestät (formelhafte Titulierung der Vorgesetzten, in Fiktion den König darstellenden, Behörde) geruhen möchten, dieselben zur Erwerbung des Bürgerrechts gleich den christlichen Einwohnern gelangen zu lassen", worüber er einen Separat-Vortrag beigeschlossen habe. In den wenigen Jahren, bis zum Frieden von Tilsit, wechseln in den amtlichen südpreußischen Akten regellos die Bezeichnungen Juden und alttestamentarische Glaubensgenossen; in der Zeit des „Großherzogtums Posen" ist zeitweise ein gewisser Rückschlag zu spüren, wenn man sich so ausdrücken darf. Aber in der Instruktion des Posener Oberpräsidenten Flotvell vom 14. Januar 1834 zur Vollziehung der „Vorläufigen Verordnung wegen des Judenwesens im Großherzogtum Posen vom 1. Juni 1833", taucht im 12. § wie ein eratischer Block die Bezeichnung „israelitische Korporation" aus (Rönne und Simon, Die früheren und gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in den preußischen Staaten. Breslau 1843, S. 311). Die jüdischen. Bewohner jener Provinz aber selbst, wie die des gesamten preußischen Staates, durch die Zucht der Schule zu Bürger- und Staatsgesinnung erhoben, mußten allmählich den Geusenmut und den Stolz erwerben, den Namen Jude mit edlem Selbstbewußtsein zu tragen. Der Riessersche „Jude" ist uns gewiß sympathischer als der Friedlaendersche „alttestamentarische Religionsverwandte", aber tragischerweise konnte dem Sinn des Ausklärungszeitalters gemäß, Weg und Wandel des Namens und der benamseten Gemeinschaft in jenem Zeitpunkt kein anderer sein. fSSt Nedrkks Llkan. Novelle von Sophie Hoech st etter. T^Sie Pegnitz ist kein schöner Fluß, obwohl sie Durch das alte Nürnberg geht und man dort einst einen Dichter-' orden nach ihr benannte. Die Pegnitz wälzt sich unter steinernen Brücken, -und dann fließt sie einen unlustigen Lauf hinunter nqch der Judenstadt Fürth, wo. sie an grauen Gassen vorbeischleicht, die morschen Mauern trüber Häuser feucht macht und ärmliche Stege über sich hat. Ihr Laus ist wie ein heimlicher, unguter Weg; draußen,, hinter der Stadt verbindet sie sich.mit einem andern Fluß, und die beiden nehmen, als seien ihre Namen, unehrlich geworden, einen dritten an. Man steigt ein klein wenig aus zur Stadt Fürth von der Pegnitz her und kommt in den ältesten Teil der Siedlung. Es stehen Häuser mit vornehmen Giebeln aus fernen Tagen. Und die schöne Synagoge ist wie ein Tudorschloß der Ebene mit Umbauten und Höfen und Begrenzungsmauern — eine Festung des Glaubens aus dem östlichen Lande in der neuen Zeitt Und dann ist da ein Rathaus, gebaut nach einem Dogen-' Palast, das steht recht wunderlich da in dem fränkischen Ort. Seine eine Seite begrenzt eine kurze aufsteigende Straße, die heißt der Brandenburger, nach den Hohenzollern, die noch vor nicht viel mehr als hundert Jahren über das Land herrschten. Genug der Erinnerungen. Spuren sind viele, um die Geschichte der Zeiten, das Werden von Kulturen zu fühlen in der alten Judenstadt, da man bei einer flüchtigen Wanderung durch ihr Gedränge von Häusern denkt, das Schicksal hätte hier schleichen gelernt und käme nie mehr als stolze, schöne Gestalt zu den Menschen. Des Märzabends gelbe Helle war schon hinter dem Horizont gesunken, und frühe Dämmerung begrub die Stadt. An einem Fensterladen des Hauses der Geschwister Elkan am Brandenburger, das die stolze Aussicht auf den nach der Judenstadt versetzten Dogenpalast hat, hing ein. Zettel. Darauf stand unter dem gedruckten „Möblierte Wohnung zu vermieten" in Handschrift: Feiner Salon mit Kabinett. Ein junger Herr, schmal und sehr arisch aussehend, stand unschlüssig vor dem Zettel. Er warf noch einen Blick auf den Dogenpalast, dann trat er ein bei den Geschwistern Elkan, Es war eine Ar/ Kontor, in das er kam. Jedoch saß darin eine Frau, die nähte. Es war Fräulein Sabine Elkan, ein Teil der Geschwister Elkan. Sie mochte einige fünfzig Jahre alt sein und siel dem Kommenden angenehm aus, weil sie noch richtige Zähne hatte und richtiges Haar. Man wurde einig über den Salon mit dem Kabinett. Es standen gute alte Mahagonimöbel da aus den vierziger Jahren, mit kugelkeulenhasten Beinen, und ein Sofa, wie eine ins Breite gerissene Leier geformt, über die statt Saiten grüner Rips gespannt war. Fräulein Sabine Elkan, klugäugig, mager und von raschen Gebärden, fragte den Fremden: „Und mit wem hab^ ich die Ehre?" „von Rosenkreutz", sagte der Fremde. Fräulein Sabine Elkan verbarg sowohl Erstaunen" als Freude über das adlige Epitheton. „Partikulier wohl, wenn ich fragen darf?" sagte sie fein. Sei es, daß der Herr von Rosenkreutz die Bedeutung des Wortes nicht verstand, sei es, daß er alle Fragen ein für allemal beenden wollte, er antwortete: „Ich bin Privatgelehrter und mache Studien über die Geschichte der französischen Refuges in Franken. Von Erlangen aus hat man mich hierher gewiesen, weil ich von hier aus am bequemsten die alten dörflichen Siedlungen besuchen könnte. Ich werde, einige Wochen bleiben und manchmal verreisen. Die Mete für einen Monat möchte ich im voraus bezahlen." Fräulein Sabine Elkan nahm unter höflicher Ablehnung gern diese Bereitwilligkeit entgegen. Nach einigen schicklichen, durch die Situation gebotenen Gesprächen blieb sie noch stehen. Es drängte sie, dem neuen Mieter sofort eine Vergeltung für.

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